Hexenprozesse gab es auch in Petershagen Vortrag von Rüdiger Bremme auf Einladung der Heimatpflege / Von 1654 bis 1656 wurden 39 Menschen hingerichtet Von Ulrich Westermann Petershagen (Wes). Die Welle der Hexenprozesse erfasste nach dem Dreißigjährigen Krieg auch die Altstadt Petershagen. Bekannt ist, dass dort von 1654 bis 1656 mindestens 39 Personen hingerichtet worden sind. Dabei handelte es sich um 35 Frauen und vier Männer. Einen Vortrag zu diesem Thema richtete die Heimatpflege Petershagen im Alten Amtsgericht aus. Ortsheimatpfleger Uwe Jacobsen begrüßte als Gastredner den Pfarrer i. R. Rüdiger Bremme aus Bad Oeynhausen.Der Referent war früher Pastor in Vlotho-Uffeln. Seine Ausführungen stellte er unter das Thema "Superintendent Julius Schmidt (1618 bis 1680) und die Hexenverfolgungen in Petershagen (1654 bis 1656)". Dabei gelang es ihm, die Zuhörer mit der schwierigen politischen und konfessionellen Situation in Petershagen um 1650 vertraut zu machen.Die Rückschau führte zunächst in die Jahre 1649 und 1650, als nach dem Frieden von Münster und Osnabrück das Fürstbistum Minden an Brandenburg überging. Landesherr wurde der reformierte (calvinistische) Kurfürst Friedrich Wilhelm. Er gestattete im Jahr 1650 die freie Ausübung der lutherischen Religion.Auch der neue Statthalter Graf Johann VIII. zu Sayn-Wittgenstein war ein Reformierter. Er richtete in der Petershäger Schlosskapelle eine reformierte Kirche ein und setzte einen calvinistischen Hofprediger ins Amt.Weiter ging es um die aufkommenden Hexenprozesse. Nach dem Kirchen- oder Protokollbuch von Petershagen wurden im Jahr 1655 mindestens 20 Hexen und ein Zauberer hingerichtet, sagte der Pfarrer i. R. Dazu trug er die Namen der Hingerichteten aus dem Kirchenbuch vor. Unter ihnen waren Lucia Finche, Hinrich Wichers Weib, Alke Drubke und ihre Schwester Metteke. Superintendent Julius Schmidt begleitete die Angeklagten in den Petershäger Hexenprozessen seelsorgerisch bis zum Scheiterhaufen. Im Jahr 1656 wurden den Eintragungen im Kirchenbuch zufolge in Petershagen zehn Menschen wegen "Hexerey" getötet, sieben Frauen und drei Männer."Bei den Männern handelte es sich unter anderem um Richert Spreen, der als letzter Petershäger wegen vermeintlicher Hexerei sein Leben lassen musste. Die Seuche hatte sich zunächst einmal ausgetobt", berichtete Bremme. Eine wichtige Rolle habe damals nach dem Tod des Grafen von Wittgenstein der neue Statthalter Georg Friedrich Graf von Waldeck mit seinem "Mindener Hexenpatent" im Dezember 1657 übernommen.In diesem Erlass werde das unchristliche, schändliche Schmähen, Schelten und Lästern, das im Mindischen eingerissen sei und stark überhandgenommen habe, nicht mehr geduldet. Nach dem Machtwort der Obrigkeit sei erst einmal Ruhe eingekehrt. Im Jahr 1669 habe dann aber die Stadt Minden eine Welle von Hexenprozessen mit 41 Opfern erfasst. "Reichlich spät schärfte Kurfürst Friedrich Wilhelm im September 1675 auf Antrag der Regierung erneut das Hexenpatent von 1657 ein", berichtete Bremme. Seite 12

Hexenprozesse gab es auch in Petershagen

Petershagen (Wes). Die Welle der Hexenprozesse erfasste nach dem Dreißigjährigen Krieg auch die Altstadt Petershagen. Bekannt ist, dass dort von 1654 bis 1656 mindestens 39 Personen hingerichtet worden sind. Dabei handelte es sich um 35 Frauen und vier Männer.

Hexenprozesse gab es

auch in Petershagen - © PETERSHAGEN
Hexenprozesse gab es
auch in Petershagen - © PETERSHAGEN

Einen Vortrag zu diesem Thema richtete die Heimatpflege Petershagen im Alten Amtsgericht aus. Ortsheimatpfleger Uwe Jacobsen begrüßte als Gastredner den Pfarrer i. R. Rüdiger Bremme aus Bad Oeynhausen.

Der Referent war früher Pastor in Vlotho-Uffeln. Seine Ausführungen stellte er unter das Thema "Superintendent Julius Schmidt (1618 bis 1680) und die Hexenverfolgungen in Petershagen (1654 bis 1656)". Dabei gelang es ihm, die Zuhörer mit der schwierigen politischen und konfessionellen Situation in Petershagen um 1650 vertraut zu machen.

In einem Vortrag der Petershäger Heimatpflege ging es um die Hexenverfolgungen nach dem Dreißigjährigen Krieg. Ortsheimatpfleger Uwe Jacobsen (2. v. rechts) und weitere Heimatfreunde begrüßten als Gastredner Pfarrer i. R. Rüdiger Bremme (2. v. links). - © Foto: Ulrich Westermann
In einem Vortrag der Petershäger Heimatpflege ging es um die Hexenverfolgungen nach dem Dreißigjährigen Krieg. Ortsheimatpfleger Uwe Jacobsen (2. v. rechts) und weitere Heimatfreunde begrüßten als Gastredner Pfarrer i. R. Rüdiger Bremme (2. v. links). - © Foto: Ulrich Westermann

Die Rückschau führte zunächst in die Jahre 1649 und 1650, als nach dem Frieden von Münster und Osnabrück das Fürstbistum Minden an Brandenburg überging. Landesherr wurde der reformierte (calvinistische) Kurfürst Friedrich Wilhelm. Er gestattete im Jahr 1650 die freie Ausübung der lutherischen Religion.

Auch der neue Statthalter Graf Johann VIII. zu Sayn-Wittgenstein war ein Reformierter. Er richtete in der Petershäger Schlosskapelle eine reformierte Kirche ein und setzte einen calvinistischen Hofprediger ins Amt.

Weiter ging es um die aufkommenden Hexenprozesse. Nach dem Kirchen- oder Protokollbuch von Petershagen wurden im Jahr 1655 mindestens 20 Hexen und ein Zauberer hingerichtet, sagte der Pfarrer i. R. Dazu trug er die Namen der Hingerichteten aus dem Kirchenbuch vor. Unter ihnen waren Lucia Finche, Hinrich Wichers Weib, Alke Drubke und ihre Schwester Metteke. Superintendent Julius Schmidt begleitete die Angeklagten in den Petershäger Hexenprozessen seelsorgerisch bis zum Scheiterhaufen. Im Jahr 1656 wurden den Eintragungen im Kirchenbuch zufolge in Petershagen zehn Menschen wegen "Hexerey" getötet, sieben Frauen und drei Männer.

"Bei den Männern handelte es sich unter anderem um Richert Spreen, der als letzter Petershäger wegen vermeintlicher Hexerei sein Leben lassen musste. Die Seuche hatte sich zunächst einmal ausgetobt", berichtete Bremme. Eine wichtige Rolle habe damals nach dem Tod des Grafen von Wittgenstein der neue Statthalter Georg Friedrich Graf von Waldeck mit seinem "Mindener Hexenpatent" im Dezember 1657 übernommen.

In diesem Erlass werde das unchristliche, schändliche Schmähen, Schelten und Lästern, das im Mindischen eingerissen sei und stark überhandgenommen habe, nicht mehr geduldet. Nach dem Machtwort der Obrigkeit sei erst einmal Ruhe eingekehrt. Im Jahr 1669 habe dann aber die Stadt Minden eine Welle von Hexenprozessen mit 41 Opfern erfasst. "Reichlich spät schärfte Kurfürst Friedrich Wilhelm im September 1675 auf Antrag der Regierung erneut das Hexenpatent von 1657 ein", berichtete Bremme. Seite 12

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