Heringsfängermuseum in Heimsen: Heringe, Heimat und heißer Kaffee Rolf Graff Petershagen-Heimsen (rgr). Mitten in der Gegend, die früher einmal das Stippenland genannt wurde, zwischen Lahde und der niedersächsischen Grenze, liegt in dem Dorf Heimsen das Heringsfängermuseum. Zu weit entfernt von der See und den Herings-Fanggründen mag mancher denken, aber viele Männer dieser Gegend machten sich Ende des 18. Jahrhunderts Jahr für Jahr auf die Reise, um für ein halbes Jahr vom Fischfang zu leben.Die kargen Äcker dieser Dörfer und das Handwerk ermöglichten es nur einem Teil der Menschen genug zu verdienen, um sich und ihre Familien zu ernähren. Schon im 17. Jahrhundert zogen viele Männer in die Niederlande um sich dort als Wanderarbeiter zu verdingen und lernten hier den Heringsfang kennen.Im späten 19. Jahrhundert verlagerte sich die Arbeit Richtung Bremen-Vegesack und Emden, wo die Fischereigesellschaften, der „Großen Deutsche Heringsfischerei“ lagen.Nach dem Zweiten Weltkrieg waren immer weniger Männer bereit, die Strapazen auf sich zu nehmen und der Untergang des Loggers „Anton“ mit 18 Todesopfern im Jahr 1956 schreckte weitere davon ab. Die Arbeit auf den Loggern, wie man die Fangschiffe nannte, war hart.Anhand lebensgroßer Puppen lässt im Museum gut nacherleben, wie die Netze mit Menschenkraft an Bord gezogen wurden. Die Heringe wurden von den Kehlern mit einem Schnitt geschlachtet, bei dem ein Großteil der Eingeweide herausgezogen wurde, und sofort mit Salz bedeckt und in Fässer verpackt, was vor der Erfindung moderner Kühlung die einzige Möglichkeit war, den Fisch im Binnenland zu handeln.1981 eröffnete das Heimatmuseum in Heimsen und wurde vier Jahre später auch zum Heringsfängermuseum. Die großzügigen räumlichen Gegebenheiten der vier Gebäude ermöglichen eine umfangreiche Präsentation.Kultur und Alltag in der Heimat sind dank vieler Exponate in den drei Fachwerkhäusern neben dem Hauptgebäude gut nachvollziehbar. Seit 2013 zeigt die Abteilung „Katastrophen auf See“, dass über 500 Heringsfänger von der Mittelweser seit 1872 beim Untergang von mindestens 64 deutschen Loggern verloren gingen.Das Museum wird mit viel Eifer in Eigeninitiative geführt und von der NRW-Stiftung Natur-Heimat-Kultur gefördert. Es gibt viel zu sehen und stärken können die Besucher sich dafür im Café bei hausgemachtem Kuchen und heißem Kaffee.

Heringsfängermuseum in Heimsen: Heringe, Heimat und heißer Kaffee

Lebensgroße Puppen zeigen im Heringsfängermuseum in Heimsen die äußerst harte Arbeit an Bord der Logger. © Foto: Rolf Graff

Petershagen-Heimsen (rgr). Mitten in der Gegend, die früher einmal das Stippenland genannt wurde, zwischen Lahde und der niedersächsischen Grenze, liegt in dem Dorf Heimsen das Heringsfängermuseum. Zu weit entfernt von der See und den Herings-Fanggründen mag mancher denken, aber viele Männer dieser Gegend machten sich Ende des 18. Jahrhunderts Jahr für Jahr auf die Reise, um für ein halbes Jahr vom Fischfang zu leben.

Die kargen Äcker dieser Dörfer und das Handwerk ermöglichten es nur einem Teil der Menschen genug zu verdienen, um sich und ihre Familien zu ernähren. Schon im 17. Jahrhundert zogen viele Männer in die Niederlande um sich dort als Wanderarbeiter zu verdingen und lernten hier den Heringsfang kennen.

Im späten 19. Jahrhundert verlagerte sich die Arbeit Richtung Bremen-Vegesack und Emden, wo die Fischereigesellschaften, der „Großen Deutsche Heringsfischerei“ lagen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren immer weniger Männer bereit, die Strapazen auf sich zu nehmen und der Untergang des Loggers „Anton“ mit 18 Todesopfern im Jahr 1956 schreckte weitere davon ab. Die Arbeit auf den Loggern, wie man die Fangschiffe nannte, war hart.

Anhand lebensgroßer Puppen lässt im Museum gut nacherleben, wie die Netze mit Menschenkraft an Bord gezogen wurden. Die Heringe wurden von den Kehlern mit einem Schnitt geschlachtet, bei dem ein Großteil der Eingeweide herausgezogen wurde, und sofort mit Salz bedeckt und in Fässer verpackt, was vor der Erfindung moderner Kühlung die einzige Möglichkeit war, den Fisch im Binnenland zu handeln.

1981 eröffnete das Heimatmuseum in Heimsen und wurde vier Jahre später auch zum Heringsfängermuseum. Die großzügigen räumlichen Gegebenheiten der vier Gebäude ermöglichen eine umfangreiche Präsentation.

Kultur und Alltag in der Heimat sind dank vieler Exponate in den drei Fachwerkhäusern neben dem Hauptgebäude gut nachvollziehbar. Seit 2013 zeigt die Abteilung „Katastrophen auf See“, dass über 500 Heringsfänger von der Mittelweser seit 1872 beim Untergang von mindestens 64 deutschen Loggern verloren gingen.

Das Museum wird mit viel Eifer in Eigeninitiative geführt und von der NRW-Stiftung Natur-Heimat-Kultur gefördert. Es gibt viel zu sehen und stärken können die Besucher sich dafür im Café bei hausgemachtem Kuchen und heißem Kaffee.

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