Glashütte Gernheim nutzt die Zwangspause zum Putzen und Forschen Ursula Koch Petershagen-Ovenstädt. Das Herrenhaus der Glashütte Gernheim steht voller Kisten. Gerade sind die Exponate für die nächste Ausstellung eingetroffen. Die sollte eigentlich am 14. Februar eröffnet werden. Wann das Publikum sie sehen kann, steht zur Zeit noch in den Sternen. Die Objekte bleiben jedenfalls bis zum 15. August in Gernheim, danach reisen sie zurück nach Italien. In den Kartons und Kisten verborgen sind Vasen, Schalen, Teller, Trinkgläser und Leuchter, die der italienische Maler Vittorio Zecchin (1878-1947) in den 1920er Jahren für die Glashütte Cappellin und Venini in Murano entworfen hat. „Zecchin ist einer der großen Glas-Entwerfer auf künstlerischem Niveau. Diese Ausstellung habe ich seit drei Jahren geplant“, sagt Museumsleiterin Dr. Katrin Holthaus. Sie habe sich sehr über diese erste Zusammenarbeit mit dem Europäischen Museum für Modernes Glas in Coburg und der Fondaziaone Giorgio Cini in Venedig. Sie hofft, diese Ausstellung in ein bis zwei Monaten für das Publikum öffnen zu können. Bis Mitte August ist sie eingeplant. Die Phasen des Lockdowns haben den nördlichsten Standort des Industriemuseums des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) deutlich getroffen. 2020 zählte das Museum mit seiner Schauproduktion am Glasofen knapp 8.000 Besucher, im Vorjahr kamen dagegen gut 22.000 in die einstige Glasmanufaktur an der Weser. Kein Museumsbetrieb lasse sich aus den Einnahmen finanzieren, insofern habe das entstandene Loch zunächst keinen Einfluss auf die Museumsarbeit, berichtet Katrin Holthaus. Während Mitarbeiter im ersten Lockdown für kurze Zeit freigestellt worden seien, übernähmen sie jetzt andere Aufgaben, die im Normalbetrieb nicht zu schaffen seien. Inzwischen seien alle Vitrinen und Exponate der Dauerausstellung gereinigt und das Haus im Bereich Sicherheit nachgerüstet worden, berichtet Holthaus. Die Museumsführer, die seit vergangenem Jahr Angestellte des Museums sind, arbeiten an neuen Konzepten. Sie haben vor dem Lockdown auf die klassischen Rundgänge durch Ausstellungen verzichtet, sondern an einem festen Ort Fragen der Besucher beantwortet. Sie sollen außerdem die jetzt ausfallenden Zeiten nach der Wiedereröffnung nachholen, berichtet Holthaus. Die Volontärin Alice Dechant habe einen Museumskoffer für Seniorenheime entwickelt und arbeite nun stärker wissenschaftlich im Bereich Inventarisierung und Dokumentation von Exponaten. „Wir haben eine Teilsammlung von einem Ehepaar übernommen, das dem Museum seit vielen Jahren verbunden war“, berichtet die Museumsleiterin Gemeinsam mit Dechant hat sie eine Ausstellung über die Glashütte Gernheim für das Glasmuseum im nordhessischen Immenhausen zusammengestellt. Ein glücklicher Zufall sei, dass die Sanierung des Turms und vor allem des Schmelzofens überwiegend in die Zeit der Zwangsschließung falle. Holthaus hofft, dass die Schauproduktion in ein bis zwei Monaten wieder starten kann. Der alte Ofen war im September abgebaut werden, der Aufbau des neuen verzögere sich etwas wegen fehlender Ersatzteile und weil aktuell nicht im Team gearbeitet werden könne. Auch die Glasmacher arbeiteten derzeit in anderen Bereichen. Am stärksten haben die Lockdown-Phasen die Ausstellung über den finnischen Designer Timo Sarpaneva getroffen, die am 16. Februar eröffnet wurde und von Mitte März bis Mitte Mai nicht zu sehen war, und am 7. Dezember wieder in einer Phase ohne Besucher abgebaut wurde. Das Hygienekonzept für die Zwischenzeit hatte Holthaus aufgestellt. Das sah eine Begrenzung von maximal zehn Besuchern pro Stunde im Herrenhaus vor. „Wir hatten überlegt, virtuelle Führungen anzubieten. Aber wir haben nicht die Möglichkeit das professionell umzusetzen“, findet die Museumschefin. Sie wolle ihr Publikum nicht um das Ereignis bringen. „Die Hitze und die Gefahr am Glasofen kann ein Film nicht vermitteln.“ Neben der Ausstellung über Vittorio Zecchin sind zwei weitere Präsentationen mit künstlerischen Objekten aus Glas geplant: Im April soll eine Ausstellung mit Arbeiten der im September verstorbenen Künstlerin Karin Hubert unter dem Titel „Das Wachsen der Bilder“ starten. Ihren Arbeiten sei 2001 die erste Kunstausstellung in der Glashütte gewidmet gewesen, erinnert Holthaus. Im Herbst soll eine gemeinsame Präsentation des Vereins Glasheimat Bayern und der Glaskünstlervereinigung NRW folgen. „Ich setze auf Ausstellungen, weil Veranstaltungen heikel bleiben könnten“, sagt die Museumsleiterin. 2020 musste sie sowohl das Museumsfest, das überwiegend im Freien stattfindet, wie auch den Glasmarkt absagen. Sie hofft, dass in diesem Jahr wenigstens das Museumsfest wieder gefeiert werden kann. 2021 soll aber auch Neues entstehen: Die Dauerausstellung über die Glasfabrikantenfamilie Schrader soll im Frühjahr fertig werden und dauerhaft im Herrenhaus präsentiert werden. Außerdem baut der LWL ein neues Eingangsgebäude mit Shop und Selbstbedienungs-Café. Die Baugenehmigung sei bei der Stadt Petershagen beantragt, berichtet Holthaus. Sie hoffe, dass im Sommer gebaut werden könne. „Das wird ein richtig schönes Projekt und ein großer Gewinn für das Museum“, meint die Museumsleiterin, weil damit auch ein richtiger Veranstaltungsraum zur Verfügung stehen würde.

Glashütte Gernheim nutzt die Zwangspause zum Putzen und Forschen

Frisch eingetroffen: Museumsleiterin Katrin Holthaus begutachtet eine Vase von Vittorio Zecchin. Die Ausstellung mit Objekten des italienischen Glasgestalters sollte eigentlich am 14. Februar eröffnet werden. MT-Foto: U. Koch © x

Petershagen-Ovenstädt. Das Herrenhaus der Glashütte Gernheim steht voller Kisten. Gerade sind die Exponate für die nächste Ausstellung eingetroffen. Die sollte eigentlich am 14. Februar eröffnet werden. Wann das Publikum sie sehen kann, steht zur Zeit noch in den Sternen. Die Objekte bleiben jedenfalls bis zum 15. August in Gernheim, danach reisen sie zurück nach Italien.

In den Kartons und Kisten verborgen sind Vasen, Schalen, Teller, Trinkgläser und Leuchter, die der italienische Maler Vittorio Zecchin (1878-1947) in den 1920er Jahren für die Glashütte Cappellin und Venini in Murano entworfen hat. „Zecchin ist einer der großen Glas-Entwerfer auf künstlerischem Niveau. Diese Ausstellung habe ich seit drei Jahren geplant“, sagt Museumsleiterin Dr. Katrin Holthaus. Sie habe sich sehr über diese erste Zusammenarbeit mit dem Europäischen Museum für Modernes Glas in Coburg und der Fondaziaone Giorgio Cini in Venedig. Sie hofft, diese Ausstellung in ein bis zwei Monaten für das Publikum öffnen zu können. Bis Mitte August ist sie eingeplant.

Die Phasen des Lockdowns haben den nördlichsten Standort des Industriemuseums des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) deutlich getroffen. 2020 zählte das Museum mit seiner Schauproduktion am Glasofen knapp 8.000 Besucher, im Vorjahr kamen dagegen gut 22.000 in die einstige Glasmanufaktur an der Weser. Kein Museumsbetrieb lasse sich aus den Einnahmen finanzieren, insofern habe das entstandene Loch zunächst keinen Einfluss auf die Museumsarbeit, berichtet Katrin Holthaus.

Während Mitarbeiter im ersten Lockdown für kurze Zeit freigestellt worden seien, übernähmen sie jetzt andere Aufgaben, die im Normalbetrieb nicht zu schaffen seien. Inzwischen seien alle Vitrinen und Exponate der Dauerausstellung gereinigt und das Haus im Bereich Sicherheit nachgerüstet worden, berichtet Holthaus. Die Museumsführer, die seit vergangenem Jahr Angestellte des Museums sind, arbeiten an neuen Konzepten. Sie haben vor dem Lockdown auf die klassischen Rundgänge durch Ausstellungen verzichtet, sondern an einem festen Ort Fragen der Besucher beantwortet. Sie sollen außerdem die jetzt ausfallenden Zeiten nach der Wiedereröffnung nachholen, berichtet Holthaus.

Die Volontärin Alice Dechant habe einen Museumskoffer für Seniorenheime entwickelt und arbeite nun stärker wissenschaftlich im Bereich Inventarisierung und Dokumentation von Exponaten. „Wir haben eine Teilsammlung von einem Ehepaar übernommen, das dem Museum seit vielen Jahren verbunden war“, berichtet die Museumsleiterin Gemeinsam mit Dechant hat sie eine Ausstellung über die Glashütte Gernheim für das Glasmuseum im nordhessischen Immenhausen zusammengestellt.

Ein glücklicher Zufall sei, dass die Sanierung des Turms und vor allem des Schmelzofens überwiegend in die Zeit der Zwangsschließung falle. Holthaus hofft, dass die Schauproduktion in ein bis zwei Monaten wieder starten kann. Der alte Ofen war im September abgebaut werden, der Aufbau des neuen verzögere sich etwas wegen fehlender Ersatzteile und weil aktuell nicht im Team gearbeitet werden könne. Auch die Glasmacher arbeiteten derzeit in anderen Bereichen.

Am stärksten haben die Lockdown-Phasen die Ausstellung über den finnischen Designer Timo Sarpaneva getroffen, die am 16. Februar eröffnet wurde und von Mitte März bis Mitte Mai nicht zu sehen war, und am 7. Dezember wieder in einer Phase ohne Besucher abgebaut wurde.

Das Hygienekonzept für die Zwischenzeit hatte Holthaus aufgestellt. Das sah eine Begrenzung von maximal zehn Besuchern pro Stunde im Herrenhaus vor. „Wir hatten überlegt, virtuelle Führungen anzubieten. Aber wir haben nicht die Möglichkeit das professionell umzusetzen“, findet die Museumschefin. Sie wolle ihr Publikum nicht um das Ereignis bringen. „Die Hitze und die Gefahr am Glasofen kann ein Film nicht vermitteln.“

Neben der Ausstellung über Vittorio Zecchin sind zwei weitere Präsentationen mit künstlerischen Objekten aus Glas geplant: Im April soll eine Ausstellung mit Arbeiten der im September verstorbenen Künstlerin Karin Hubert unter dem Titel „Das Wachsen der Bilder“ starten. Ihren Arbeiten sei 2001 die erste Kunstausstellung in der Glashütte gewidmet gewesen, erinnert Holthaus. Im Herbst soll eine gemeinsame Präsentation des Vereins Glasheimat Bayern und der Glaskünstlervereinigung NRW folgen. „Ich setze auf Ausstellungen, weil Veranstaltungen heikel bleiben könnten“, sagt die Museumsleiterin. 2020 musste sie sowohl das Museumsfest, das überwiegend im Freien stattfindet, wie auch den Glasmarkt absagen. Sie hofft, dass in diesem Jahr wenigstens das Museumsfest wieder gefeiert werden kann.

2021 soll aber auch Neues entstehen: Die Dauerausstellung über die Glasfabrikantenfamilie Schrader soll im Frühjahr fertig werden und dauerhaft im Herrenhaus präsentiert werden. Außerdem baut der LWL ein neues Eingangsgebäude mit Shop und Selbstbedienungs-Café. Die Baugenehmigung sei bei der Stadt Petershagen beantragt, berichtet Holthaus. Sie hoffe, dass im Sommer gebaut werden könne. „Das wird ein richtig schönes Projekt und ein großer Gewinn für das Museum“, meint die Museumsleiterin, weil damit auch ein richtiger Veranstaltungsraum zur Verfügung stehen würde.

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