"Gesellige Feste": Ilveser Gnadenhof darf keine Besuchertage anbieten Oliver Plöger Petershagen-Ilvese. Feuer und Flamme in Windheim, Deutschland singt in Petershagen – über die Ankündigungen im MT konnten Ally und Jens Salzmann vom Gnadenhof „Allys kleine Farm“ nur die Nasen rümpfen. „Ich war erstaunt“, meinte Ally Salzmann: Öffentliche Veranstaltungen mit Besucherverkehr konnten stattfinden, die Besuchertage im Gnadenhof jedoch nicht. Und in der Tat: Die Veranstalter in Windheim und auf dem ehemaligen Schulhof an der Nachtigallenstraße hatten grünes Licht bekommen. Der Gnadenhof trotz mehrerer Nachfragen nicht, und: „Es ist so traurig. So viele Leute haben nachgefragt und ich musste immer Nein sagen.“ Dabei gab es offenbar ein grundsätzliches Kommunikationsproblem, wie aus einer Stellungnahme der Stadt hervorgeht. Mehrfach habe die Familie Salzmann angefragt, ob die „Veranstaltung eines Besuchertages in Form eines Sommerfestes“ auf dem Gnadenhof möglich sei, so Pressesprecherin Tatjana Brast gestern zum MT. Dabei sei die Auskunft erteilt worden, dass zum Beispiel ein „Tag der offenen Tür“ zulässig sei – allerdings unter Beachtung der allgemeinen Hygienevorschriften. Dies erlaube Paragraf 13 der Coronaschutzverordnung. Anders beim „geselligen Sommerfest“. „Die Durchführung eines solchen Festes mit Beköstigung der Besucher, eventuell auch Unterhaltung wie Musik, sind nach wie vor nicht zulässig“, hieß es weiter. Und: Gesellige Feste könnten derzeit nur aus einem „herausragenden Anlass“ durchgeführt werden. Das seien etwa Jubiläen, Hochzeitsfeiern, Tauffeiern, Geburtstage oder Abschlussfeiern. Damit konnte die Einrichtung am Brokenkamp 2 offenbar nicht dienen. „Kaffee und Kuchen gehören bei den Besuchertagen aber dazu“, erklärte Jens Salzmann auf Nachfrage. Das aber hatte die Verwaltung mit Verweis auf die Schutzverordnung als „gesellige Veranstaltung“ gewertet. Und noch einmal: Diese Veranstaltungen seien nicht erlaubt. Regelmäßig hatte der Gnadenhof, der mittlerweile 1.600 Tiere beherbergt, vor Corona zu Besuchertagen eingeladen. Einmal, um über die Arbeit zu informieren, aber immer auch, um die dringend benötigten Spenden zu sammeln. Dabei geht es dann um das Futter für die Tiere, aber auch um Instandhaltungen und Erweiterungen. Die Tiere, darunter viele Tauben, Pferde und Esel, sind teils Fundtiere oder Tiere aus dem Tierheim, die nicht vermittelt werden konnten. Ein größter Teil stammt aus schlechter Haltung, ist krank oder alt. „Die fehlenden öffentlichen Veranstaltungen haben dem Gnadenhof extrem geschadet“, sagt Ally Salzmann. Ausgefallen seien sechs Besuchertage und das Sommerfest. Das alles hätte geschätzte 10.000 Euro in die Kasse des Gnadenhofs gespült, zuzüglich mitgebrachter Sachspenden wie Futter. All das fehle jetzt erst einmal. Was den Vergleich Schmiedefest Windheim und Deutschland singt angeht, bezieht die Stadt ebenfalls Stellung: Das Schmiedefest in Windheim sei als Markt oder auch marktähnliche Veranstaltung mit einem besonderen Hygienekonzept zulässig gewesen. Dieses Konzept, so erklärt es Tatjana Brast, sei dem Gesundheitsamt des Kreises Minden-Lübbecke durch den Veranstalter zur Abstimmung vorgelegt worden. Bei der Bewirtung der Gäste hätten beim konzessionierten Gaststättenbetrieb die entsprechenden Regelungen gegolten. Die Veranstaltung Deutschland singt auf dem Schulhof der ehemaligen Grundschule Petershagen sei, so wörtlich, „nach Paragraf acht der Coronaschutzverordnung unter Beachtung und Einhaltung der hierzu festgelegten Hygiene- und Infektionsschutzstandards ebenfalls zulässig.“ Ausschank und Abgabe von Speisen hätten hier nicht stattgefunden, es habe somit keinen „Geselligkeitsfaktor“ gegeben. Coronaregeln können gnadenlos wirken, die Erklärungen sind für die Salzmanns unbefriedigend. Über Facebook hatte Ally Salzmann bereits einen Spendenaufruf gestartet, um die Versorgungslücke kleiner werden zu klassen. Für weitere Corona-Zeiten müssten sich die Hof-Betreiber möglicherweise ein neues Konzept für die Besuchertage einfallen lassen. Vielleicht ohne Kaffee und Kuchen? Nein, sagt Ally Salzmann. „Das bringt uns keine großen Spenden. Das lohnt sich einfach nicht.“ Der Autor ist erreichbar unter (0571) 882 264 oder Oliver.Ploeger@MT.de

"Gesellige Feste": Ilveser Gnadenhof darf keine Besuchertage anbieten

Hätte gerne Besuchertage und das Sommerfest veranstaltet: Ally Salzmann von Allys kleine Farm. Das Veranstaltungskonzept passte aber laut Stadt nicht zur Coronaschutzverordnung. MT-Archivfoto: Oliver Plöger

Petershagen-Ilvese. Feuer und Flamme in Windheim, Deutschland singt in Petershagen – über die Ankündigungen im MT konnten Ally und Jens Salzmann vom Gnadenhof „Allys kleine Farm“ nur die Nasen rümpfen. „Ich war erstaunt“, meinte Ally Salzmann: Öffentliche Veranstaltungen mit Besucherverkehr konnten stattfinden, die Besuchertage im Gnadenhof jedoch nicht. Und in der Tat: Die Veranstalter in Windheim und auf dem ehemaligen Schulhof an der Nachtigallenstraße hatten grünes Licht bekommen. Der Gnadenhof trotz mehrerer Nachfragen nicht, und: „Es ist so traurig. So viele Leute haben nachgefragt und ich musste immer Nein sagen.“

Dabei gab es offenbar ein grundsätzliches Kommunikationsproblem, wie aus einer Stellungnahme der Stadt hervorgeht. Mehrfach habe die Familie Salzmann angefragt, ob die „Veranstaltung eines Besuchertages in Form eines Sommerfestes“ auf dem Gnadenhof möglich sei, so Pressesprecherin Tatjana Brast gestern zum MT. Dabei sei die Auskunft erteilt worden, dass zum Beispiel ein „Tag der offenen Tür“ zulässig sei – allerdings unter Beachtung der allgemeinen Hygienevorschriften. Dies erlaube Paragraf 13 der Coronaschutzverordnung. Anders beim „geselligen Sommerfest“. „Die Durchführung eines solchen Festes mit Beköstigung der Besucher, eventuell auch Unterhaltung wie Musik, sind nach wie vor nicht zulässig“, hieß es weiter. Und: Gesellige Feste könnten derzeit nur aus einem „herausragenden Anlass“ durchgeführt werden. Das seien etwa Jubiläen, Hochzeitsfeiern, Tauffeiern, Geburtstage oder Abschlussfeiern. Damit konnte die Einrichtung am Brokenkamp 2 offenbar nicht dienen. „Kaffee und Kuchen gehören bei den Besuchertagen aber dazu“, erklärte Jens Salzmann auf Nachfrage. Das aber hatte die Verwaltung mit Verweis auf die Schutzverordnung als „gesellige Veranstaltung“ gewertet. Und noch einmal: Diese Veranstaltungen seien nicht erlaubt.

Regelmäßig hatte der Gnadenhof, der mittlerweile 1.600 Tiere beherbergt, vor Corona zu Besuchertagen eingeladen. Einmal, um über die Arbeit zu informieren, aber immer auch, um die dringend benötigten Spenden zu sammeln. Dabei geht es dann um das Futter für die Tiere, aber auch um Instandhaltungen und Erweiterungen. Die Tiere, darunter viele Tauben, Pferde und Esel, sind teils Fundtiere oder Tiere aus dem Tierheim, die nicht vermittelt werden konnten. Ein größter Teil stammt aus schlechter Haltung, ist krank oder alt. „Die fehlenden öffentlichen Veranstaltungen haben dem Gnadenhof extrem geschadet“, sagt Ally Salzmann. Ausgefallen seien sechs Besuchertage und das Sommerfest. Das alles hätte geschätzte 10.000 Euro in die Kasse des Gnadenhofs gespült, zuzüglich mitgebrachter Sachspenden wie Futter. All das fehle jetzt erst einmal.

Was den Vergleich Schmiedefest Windheim und Deutschland singt angeht, bezieht die Stadt ebenfalls Stellung: Das Schmiedefest in Windheim sei als Markt oder auch marktähnliche Veranstaltung mit einem besonderen Hygienekonzept zulässig gewesen.

Dieses Konzept, so erklärt es Tatjana Brast, sei dem Gesundheitsamt des Kreises Minden-Lübbecke durch den Veranstalter zur Abstimmung vorgelegt worden. Bei der Bewirtung der Gäste hätten beim konzessionierten Gaststättenbetrieb die entsprechenden Regelungen gegolten.

Die Veranstaltung Deutschland singt auf dem Schulhof der ehemaligen Grundschule Petershagen sei, so wörtlich, „nach Paragraf acht der Coronaschutzverordnung unter Beachtung und Einhaltung der hierzu festgelegten Hygiene- und Infektionsschutzstandards ebenfalls zulässig.“ Ausschank und Abgabe von Speisen hätten hier nicht stattgefunden, es habe somit keinen „Geselligkeitsfaktor“ gegeben.

Coronaregeln können gnadenlos wirken, die Erklärungen sind für die Salzmanns unbefriedigend. Über Facebook hatte Ally Salzmann bereits einen Spendenaufruf gestartet, um die Versorgungslücke kleiner werden zu klassen. Für weitere Corona-Zeiten müssten sich die Hof-Betreiber möglicherweise ein neues Konzept für die Besuchertage einfallen lassen. Vielleicht ohne Kaffee und Kuchen? Nein, sagt Ally Salzmann. „Das bringt uns keine großen Spenden. Das lohnt sich einfach nicht.“

Der Autor ist erreichbar unter (0571) 882 264 oder Oliver.Ploeger@MT.de

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