Geschichte zum Anfassen: Ehrenamtliche restaurieren archäologische Fundstücke Claudia Hyna Petershagen-Neuenknick. 2013 wanderte ein Schatz ins Archiv im Rathaus Lahde. Dort schlummerte er, bis er vier Jahre später mit dem Umzug des Stadtarchivs in den Keller am neuen Standort in Neuenknick gelangte. Mitarbeiter der Gesellschaft zur Förderung der Bodendenkmalpflege haben ihn nun ans Licht geholt. Derzeit sind sie damit beschäftigt, die 10.000 Einzelfunde zu sichten, zu restaurieren und zu katalogisieren. Bei dem Schatz handelt es sich um archäologische Entdeckungen des ehemaligen Bodendenkmalpflegers Friedrich Brinkmann senior. Sie stammen größtenteils aus den 1960/70er Jahren und sind vorwiegend in Frille, Lahde, Döhren, Wietersheim, Windheim und auf dem Lusebrink in Neuenknick aufgespürt worden. Enkel Dr. Dieter Brinkmann hatte die 50 Kisten und Kartons vor acht Jahren der Stadt Petershagen überreicht. Seitdem lagerte die Schenkung unsortiert und ungeschützt vor dem natürlichenVerfallin einem Kellerraum des Archivs, heißt es von der Gesellschaft. Die Feuchte dort sei völlig ungeeignet für die Aufbewahrung, machte Geschäftsführer Daniel Bake deutlich. Insofern werde es Zeit, mit der Bearbeitung des Nachlasses zu beginnen. Die Arbeitsgruppe säuberte zunächst keramische Gefäße von Staub und losen Resten. Dann kamen diese in einen Arbeitsraum im Archiv. Dort wurden sie vorsichtig nass gereinigt (mit destilliertem Wasser), getrocknet und zur weiteren Aufarbeitung sortiert. In einem weiterem Schritt haben einige Mitglieder die Gefäße aus den vorhandenen Fragmenten weitgehend restauriert und rekonstruiert. Einige seien marginal geklebt gewesen, diese müssten nun repariert werden. Mit Klemmen, Kreppband und Spezialkleber waren Karin Höhle, Angelika Kositz, Tanja Rathjen und Willi Köster am Werk. In einer der Urnen befand sich der Leichenbrand eines Menschen. Daniel Bake erklärt, dass es sich um einen jungen Menschen gehandelt haben müsse. Wirbel und Knochen seien noch erkennbar. Zu den schönsten Objekten zählt für ihn eine Steinaxt aus der Jungsteinzeit aus Döhren. Wahrscheinlich sei mit Holunderholz das nahezu perfekte Loch in der Mitte ausgehöhlt worden. Unter den Stücken, die größtenteils aus der Steinzeit sowie der Bronze- und Eisenzeit stammen, befinden sich Feuersteine, Pfeilspitzen, Klingen, Beile, Äxte. Im Keller lagern noch Fossilien und Mammutzähne. Bedeutende Funde aus dem Bereich der Stadt Petershagen seien bisher immer in Landesmuseen gekommen, um sie der Forschung zugänglich zu machen. Er habe „Überwältigendes geleistet“, indem er die Stücke vor der Zerstörung gerettet habe, kommentiert Daniel Bake das Wirken Brinkmanns. Dazu gehören Faustkeile der älteren Steinzeit aus Heimsen und bronzene Grabbeigaben aus Bierde. Bei Erdarbeiten zeigt sich immer wieder, dass entlang der Weser schon früh Menschen siedelten. Nicht sesshaft geworden, aber im Sommerlager gerastet hätten vor 12.500 Jahren Rentierjäger auf dem Lusebrink, der mit 79 Metern höchsten Erhebung in Neuenknick. Die hier gefundenen Feuersteine hätten sie von der Nordsee mitgebracht und damit das Wild gejagt. Später war der Hügel auch Bestattungsplatz. Der zeitliche Rahmen der Restaurierung ist noch unklar. Dass die Ehrenamtlichen, wie zunächst geplant, in diesem Jahr fertig werden, sei aktuell eher unwahrscheinlich. Möglicherweise könne der Raum, der ihnen im Archiv zur Verfügung steht, weiterhin genutzt werden. Daniel Bake wünscht sich, „Geschichte zum Anfassen“ zu schaffen. Die Hoffnung der Gesellschaft geht daher dahin, ausstellungswürdige Exponate der Öffentlichkeit in einer Wanderausstellung zugänglich zu machen. Hier steht ebenfalls noch kein Termin fest. Dazu sei noch einiges an Abstimmung nötig. Bürgermeister Dirk Breves sagte, dass die Stadt der Behandlung der Funde nicht mit der erforderlichen Sorgfalt nachgekommen sei. Er freue sich, dass der Verein den Kontakt suchte und Ehrenamtliche sich bereit erklärten, die Arbeiten zu übernehmen. Schließlich wurde das Inventar damals übergeben mit der Prämisse, dass es in der Stadt bleibe und für Schulen und Forschung zugänglich gemacht werde. Nach der Schließung der Grundschule 2013 stand zunächst der räumliche Aufbau des Archivs in Neuenknick im Vordergrund, heißt es dazu aus der Pressestelle der Stadt. In einem weiteren Schritt ab Mai 2015 wurden die schriftlichen Dokumente aufgearbeitet, um diese fachgerecht im Archiv zu lagern. Nachdem dieser Schritt nun weitgehend abgeschlossen sei, gehe es jetzt – mit coronabedingter Unterbrechung – mit der Aufarbeitung der organischen Artefakte weiter – dazu gehört auch der Nachlass Brinkmann. Impulsgeber der Aktion waren die ehrenamtlichen Archivare – größtenteils Ortsheimatpfleger – , die sich seit 2015 mit den Archivalien befassen. Friedrich Brinkmann

Geschichte zum Anfassen: Ehrenamtliche restaurieren archäologische Fundstücke

Nahezu alle Funde von Friedrich Brinkmann stammen aus dem Raum Petershagen, die Fundstellen sind vermerkt. © hy

Petershagen-Neuenknick. 2013 wanderte ein Schatz ins Archiv im Rathaus Lahde. Dort schlummerte er, bis er vier Jahre später mit dem Umzug des Stadtarchivs in den Keller am neuen Standort in Neuenknick gelangte. Mitarbeiter der Gesellschaft zur Förderung der Bodendenkmalpflege haben ihn nun ans Licht geholt. Derzeit sind sie damit beschäftigt, die 10.000 Einzelfunde zu sichten, zu restaurieren und zu katalogisieren.

Bei dem Schatz handelt es sich um archäologische Entdeckungen des ehemaligen Bodendenkmalpflegers Friedrich Brinkmann senior. Sie stammen größtenteils aus den 1960/70er Jahren und sind vorwiegend in Frille, Lahde, Döhren, Wietersheim, Windheim und auf dem Lusebrink in Neuenknick aufgespürt worden. Enkel Dr. Dieter Brinkmann hatte die 50 Kisten und Kartons vor acht Jahren der Stadt Petershagen überreicht. Seitdem lagerte die Schenkung unsortiert und ungeschützt vor dem natürlichenVerfallin einem Kellerraum des Archivs, heißt es von der Gesellschaft. Die Feuchte dort sei völlig ungeeignet für die Aufbewahrung, machte Geschäftsführer Daniel Bake deutlich. Insofern werde es Zeit, mit der Bearbeitung des Nachlasses zu beginnen.

Willi Köster (links) und Tanja Rathjen (rechts) sind momentan in der Restaurierungswerkstatt im Archiv Neuenknick aktiv. Vorsitzender Friedrich Raute begutacht ihre Arbeit. MT-Fotos: Claudia Hyna - © hy
Willi Köster (links) und Tanja Rathjen (rechts) sind momentan in der Restaurierungswerkstatt im Archiv Neuenknick aktiv. Vorsitzender Friedrich Raute begutacht ihre Arbeit. MT-Fotos: Claudia Hyna - © hy

Die Arbeitsgruppe säuberte zunächst keramische Gefäße von Staub und losen Resten. Dann kamen diese in einen Arbeitsraum im Archiv. Dort wurden sie vorsichtig nass gereinigt (mit destilliertem Wasser), getrocknet und zur weiteren Aufarbeitung sortiert. In einem weiterem Schritt haben einige Mitglieder die Gefäße aus den vorhandenen Fragmenten weitgehend restauriert und rekonstruiert. Einige seien marginal geklebt gewesen, diese müssten nun repariert werden. Mit Klemmen, Kreppband und Spezialkleber waren Karin Höhle, Angelika Kositz, Tanja Rathjen und Willi Köster am Werk. In einer der Urnen befand sich der Leichenbrand eines Menschen. Daniel Bake erklärt, dass es sich um einen jungen Menschen gehandelt haben müsse. Wirbel und Knochen seien noch erkennbar.

Zu den schönsten Objekten zählt für ihn eine Steinaxt aus der Jungsteinzeit aus Döhren. Wahrscheinlich sei mit Holunderholz das nahezu perfekte Loch in der Mitte ausgehöhlt worden. Unter den Stücken, die größtenteils aus der Steinzeit sowie der Bronze- und Eisenzeit stammen, befinden sich Feuersteine, Pfeilspitzen, Klingen, Beile, Äxte. Im Keller lagern noch Fossilien und Mammutzähne.

Bedeutende Funde aus dem Bereich der Stadt Petershagen seien bisher immer in Landesmuseen gekommen, um sie der Forschung zugänglich zu machen. Er habe „Überwältigendes geleistet“, indem er die Stücke vor der Zerstörung gerettet habe, kommentiert Daniel Bake das Wirken Brinkmanns. Dazu gehören Faustkeile der älteren Steinzeit aus Heimsen und bronzene Grabbeigaben aus Bierde.

Bei Erdarbeiten zeigt sich immer wieder, dass entlang der Weser schon früh Menschen siedelten. Nicht sesshaft geworden, aber im Sommerlager gerastet hätten vor 12.500 Jahren Rentierjäger auf dem Lusebrink, der mit 79 Metern höchsten Erhebung in Neuenknick. Die hier gefundenen Feuersteine hätten sie von der Nordsee mitgebracht und damit das Wild gejagt. Später war der Hügel auch Bestattungsplatz.

Der zeitliche Rahmen der Restaurierung ist noch unklar. Dass die Ehrenamtlichen, wie zunächst geplant, in diesem Jahr fertig werden, sei aktuell eher unwahrscheinlich. Möglicherweise könne der Raum, der ihnen im Archiv zur Verfügung steht, weiterhin genutzt werden. Daniel Bake wünscht sich, „Geschichte zum Anfassen“ zu schaffen. Die Hoffnung der Gesellschaft geht daher dahin, ausstellungswürdige Exponate der Öffentlichkeit in einer Wanderausstellung zugänglich zu machen. Hier steht ebenfalls noch kein Termin fest. Dazu sei noch einiges an Abstimmung nötig.

Bürgermeister Dirk Breves sagte, dass die Stadt der Behandlung der Funde nicht mit der erforderlichen Sorgfalt nachgekommen sei. Er freue sich, dass der Verein den Kontakt suchte und Ehrenamtliche sich bereit erklärten, die Arbeiten zu übernehmen. Schließlich wurde das Inventar damals übergeben mit der Prämisse, dass es in der Stadt bleibe und für Schulen und Forschung zugänglich gemacht werde.

Nach der Schließung der Grundschule 2013 stand zunächst der räumliche Aufbau des Archivs in Neuenknick im Vordergrund, heißt es dazu aus der Pressestelle der Stadt. In einem weiteren Schritt ab Mai 2015 wurden die schriftlichen Dokumente aufgearbeitet, um diese fachgerecht im Archiv zu lagern. Nachdem dieser Schritt nun weitgehend abgeschlossen sei, gehe es jetzt – mit coronabedingter Unterbrechung – mit der Aufarbeitung der organischen Artefakte weiter – dazu gehört auch der Nachlass Brinkmann. Impulsgeber der Aktion waren die ehrenamtlichen Archivare – größtenteils Ortsheimatpfleger – , die sich seit 2015 mit den Archivalien befassen.

Friedrich Brinkmann

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