Geduldsprobe für den Straßenverkehr: Brücke Jössen soll erst 2023 wieder freigegeben werden Oliver Plöger Petershagen-Jössen. Die Plakate der Jösser Kulturgemeinschaft dürften noch ein wenig länger stehen bleiben. Eine hier aufgedruckte Frage ist jetzt aber erst einmal beantwortet: „Wann geht es los?“ Gegenüber dem MT hat das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Weser (WSA) den Baubeginn der seit Jahren geforderten Brückensanierung für 2022 mitgeteilt, die Freigabe für den Straßenverkehr dann 2023. Bislang dürfen nur Fußgänger passieren, alle anderen brauchen noch Geduld. Mittlerweile wird die Brücke auch für Graffiti genutzt, worauf die Behörde noch reagieren könnte. Die Sanierungs- und Instandsetzungsarbeiten an der Brücke hatten nach einer turnusmäßigen Bauwerk-Überprüfung bereits im Oktober 2016 begonnen und sollten Ende des Jahres beendet sein. Zunächst war von undichten Fugen die Rede, dann zeigten sich laut WSA Schäden im Innern des Bauwerks. Von Problemen an der Tragschicht und bei den Querverstrebungen war die Rede. Anfangs ging die Verdener Behörde davon aus, dass die Sanierung nicht wirtschaftlich sei, nach Protesten aus der Bevölkerung, Interventionen der Politik beim Bund und Gesprächen mit der Stadtverwaltung war klar: Das WSA wird die Brücke doch sanieren. „So zügig wie möglich“, hieß es im Juni 2018 sogar aus Berlin. Letzter Stand laut WSA war dann die Sanierung in diesem Jahr (MT berichtete). Grund für Verzögerungen waren nach WSA-Informationen fehlende Personalressourcen und nicht freigegebene Haushaltsmittel. Die Personallücke ist mittlerweile geschlossen, die Finanzierung ist allerdings noch nicht abschließend geklärt: „Wir gehen aber davon aus, dass die Haushaltsmittel im nächsten Jahr zur Verfügung gestellt werden“, so Thomas Lippel als Fachbereichsleiter Wasserstraßen. „Daher wird die Maßnahme voraussichtlich im Frühjahr 2022 beginnen und die reine Bauzeit in etwa ein Jahr betragen.“ Mit einer Freigabe sei 2023 zu rechnen. Den Unmut in der Bevölkerung habe das WSA durchaus zur Kenntnis genommen, so auch Pressesprecher Jens Köhne. Dass der 2016 gesteckte Kostenrahmen von 560.000 Euro nicht zu halten war, wurde schnell klar. Aktuell ist von Sanierungskosten von „zirka 830.000 Euro“ die Rede, auch das sei eine Schätzung. Zur Kenntnis genommen hat die Behörde auch die „Verzierung“ des ohnehin als „Bunte Brücke“ bekannten Bauwerks mit Graffiti, spricht aber lieber von Schmierereien. Wie das WSA damit umgeht, ist laut Jens Köhne noch nicht klar. Bekannt wurden die Zeichnungen in Verden durch Hinweise der Polizei. „Die Schmierereien werden wir prüfen und eventuell weitere Maßnahmen veranlassen“, heißt es. Die Initiative aus Bürgern, die in der Kulturgemeinschaft um den Erhalt der Brücke kämpfen, nehmen die neuen Zeichnungen zum Anlass, auf die nach wie vor bestehenden Forderungen hinzuweisen: nämlich die komplette Wiederherstellung des Bauwerks. Möglicherweise könne man sie zwischenzeitlich ja auch zum Kunstobjekt machen, so Sprecher Jobst Dreier mit einem Augenzwinkern: „Vielleicht sollten wir einen Wettbewerb veranstalten oder die Brücke ganz verhüllen wie Christo. Die Schmierereien werden wohl erstmal bis zum Baubeginn dort bleiben.“ Ob Schriftzüge wie „Jeden Tag Bier trinken ist in Ordnung“ oder die Frage, wann Drogen endlich gesellschaftlich akzeptiert werden, als Kunst bezeichnet werden können, bezweifeln hier aber wohl die meisten. „Von uns aus werden wir das so lassen“, sagt Dreier. „Aber sollten fremdenfeindliche oder antidemokratische Parolen auftauchen. greifen wir selbst zu Pinsel und Farbe.“ Immer wieder hatte auch die Initiative versucht, die Brücke über dem Schleusenkanal zu verschönern – unter anderem mit Bepflanzungsaktionen durch den Kindergarten. Insgesamt fünf Banner hatten die Jösser Brückenbefürworter zudem aufgestellt.

Geduldsprobe für den Straßenverkehr: Brücke Jössen soll erst 2023 wieder freigegeben werden

Äußen und innen schadhaft: Das zuständige Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Verden schätzt für die Brücke in Jössen Sanierungskosten von zirka 830.000 Euro. MT-Foto: Oliver Plöger © Plöger

Petershagen-Jössen. Die Plakate der Jösser Kulturgemeinschaft dürften noch ein wenig länger stehen bleiben. Eine hier aufgedruckte Frage ist jetzt aber erst einmal beantwortet: „Wann geht es los?“ Gegenüber dem MT hat das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Weser (WSA) den Baubeginn der seit Jahren geforderten Brückensanierung für 2022 mitgeteilt, die Freigabe für den Straßenverkehr dann 2023. Bislang dürfen nur Fußgänger passieren, alle anderen brauchen noch Geduld. Mittlerweile wird die Brücke auch für Graffiti genutzt, worauf die Behörde noch reagieren könnte.

Die Sanierungs- und Instandsetzungsarbeiten an der Brücke hatten nach einer turnusmäßigen Bauwerk-Überprüfung bereits im Oktober 2016 begonnen und sollten Ende des Jahres beendet sein. Zunächst war von undichten Fugen die Rede, dann zeigten sich laut WSA Schäden im Innern des Bauwerks. Von Problemen an der Tragschicht und bei den Querverstrebungen war die Rede. Anfangs ging die Verdener Behörde davon aus, dass die Sanierung nicht wirtschaftlich sei, nach Protesten aus der Bevölkerung, Interventionen der Politik beim Bund und Gesprächen mit der Stadtverwaltung war klar: Das WSA wird die Brücke doch sanieren. „So zügig wie möglich“, hieß es im Juni 2018 sogar aus Berlin. Letzter Stand laut WSA war dann die Sanierung in diesem Jahr (MT berichtete).

Grund für Verzögerungen waren nach WSA-Informationen fehlende Personalressourcen und nicht freigegebene Haushaltsmittel. Die Personallücke ist mittlerweile geschlossen, die Finanzierung ist allerdings noch nicht abschließend geklärt: „Wir gehen aber davon aus, dass die Haushaltsmittel im nächsten Jahr zur Verfügung gestellt werden“, so Thomas Lippel als Fachbereichsleiter Wasserstraßen. „Daher wird die Maßnahme voraussichtlich im Frühjahr 2022 beginnen und die reine Bauzeit in etwa ein Jahr betragen.“ Mit einer Freigabe sei 2023 zu rechnen. Den Unmut in der Bevölkerung habe das WSA durchaus zur Kenntnis genommen, so auch Pressesprecher Jens Köhne.

Dass der 2016 gesteckte Kostenrahmen von 560.000 Euro nicht zu halten war, wurde schnell klar. Aktuell ist von Sanierungskosten von „zirka 830.000 Euro“ die Rede, auch das sei eine Schätzung.

Zur Kenntnis genommen hat die Behörde auch die „Verzierung“ des ohnehin als „Bunte Brücke“ bekannten Bauwerks mit Graffiti, spricht aber lieber von Schmierereien. Wie das WSA damit umgeht, ist laut Jens Köhne noch nicht klar. Bekannt wurden die Zeichnungen in Verden durch Hinweise der Polizei. „Die Schmierereien werden wir prüfen und eventuell weitere Maßnahmen veranlassen“, heißt es.

Die Initiative aus Bürgern, die in der Kulturgemeinschaft um den Erhalt der Brücke kämpfen, nehmen die neuen Zeichnungen zum Anlass, auf die nach wie vor bestehenden Forderungen hinzuweisen: nämlich die komplette Wiederherstellung des Bauwerks. Möglicherweise könne man sie zwischenzeitlich ja auch zum Kunstobjekt machen, so Sprecher Jobst Dreier mit einem Augenzwinkern: „Vielleicht sollten wir einen Wettbewerb veranstalten oder die Brücke ganz verhüllen wie Christo. Die Schmierereien werden wohl erstmal bis zum Baubeginn dort bleiben.“

Ob Schriftzüge wie „Jeden Tag Bier trinken ist in Ordnung“ oder die Frage, wann Drogen endlich gesellschaftlich akzeptiert werden, als Kunst bezeichnet werden können, bezweifeln hier aber wohl die meisten. „Von uns aus werden wir das so lassen“, sagt Dreier. „Aber sollten fremdenfeindliche oder antidemokratische Parolen auftauchen. greifen wir selbst zu Pinsel und Farbe.“ Immer wieder hatte auch die Initiative versucht, die Brücke über dem Schleusenkanal zu verschönern – unter anderem mit Bepflanzungsaktionen durch den Kindergarten. Insgesamt fünf Banner hatten die Jösser Brückenbefürworter zudem aufgestellt.

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