Flugkünstler willkommen: Nabu zeichnet Bad Hopfenberg mit Schwalbenplakette NRW aus Oliver Plöger Petershagen. „Schwalben sind selten geworden“, sagt Lothar Meckling, Kreisvorsitzender im Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Umso mehr freute er sich, die Kurklinik Bad Hopfenberg mit der Schwalbenplakette NRW auszuzeichnen. Hier werden seit über 40 Jahren Nistmöglichkeiten für Rauchschwalben geschaffen, was Tierfreundin und ambulante Patientin Claudia Hanschke dazu veranlasste, sich direkt an die hiesige Naturschutzorganisation zu wenden. Und für die war nach Prüfung durch die Nabu-Schwalbenexperten Hermann Nagel und Erwin Mattegiet klar: Bad Hopfenberg liebt Schwalben. Zur offiziellen Verleihung hatte Technischer Leiter Kai Stübber die Plakette bereits angebracht – direkt am Haupteingang, dort also, wo über der Tür die Nester und jeweils kleine Plattformen angebracht sind. Die sorgen auf einfache Weise dafür, dass sich die Verteilung des Kots in Grenzen hält, auch wenn am Portal während der Schwalbensaison laufend gereinigt werden muss. Schwalben werden nicht überall freundschaftlich behandelt, weiß Lothar Meckling: „Natürlich machen die auch Schmutz, sind aber laut Bundesnaturschutzgesetz geschützt. Niemand darf ihre Nester beseitigen, was leider immer wieder passiert.“ Umso wichtiger sei es, Verständnis für die Schwalben zu schaffen und Menschen zu unterstützen, die die Flugkünstler gerne ertragen. Kreisweit seien im vergangenen Jahr seien 71 Plaketten vergeben worden, im Jahr davor 57. „Es sind immer zwischen 50 und einhundert im Jahr“, sagt Meckling. Dabei werden nicht nur Einrichtungen wie hier in Bad Hopfenberg bedacht, auch Privathaushalte oder eben Bauernhäuser, die Nistmöglichkeiten bereithalten. Dem Nabu gehe es mit der Plakettenaktion auch darum, die Brutstätten zu erhalten, sagt Meckling. Früher waren Schwalben in jedem Bauernhaus anzutreffen. „Als ich nach Petershagen gezogen bin, habe ich beobachten können, wie eine totgefahrene Schwalbe von 300 Artgenossen betrauert wurde. Ich habe den toten Vogel dann weggeräumt, sonst wären noch mehr überfahren worden.“ Diese Zeiten, so Meckling, seien vorbei. Viele Landwirte hätten die Ställe geschlossen. „Schwalben müssen heute andere Nistmöglichkeiten nutzen.“ Und eigentlich sei genau das für Rauchschwalben ungewöhnlich, die aber massiven Druck haben, überhaupt Nistplätze zu finden. Hier am Portal der Kurklinik sei ein guter Ort, da – ganz wichtig – die Nistmöglichkeit windgeschützt ist. Auf dem übrigen Gelände gibt es laut Stübber etwa zehn Nester, darunter vier im ehemaligen Pferdestall, von denen eins in diesem Jahr besetzt war. Am Portal selbst waren zwei von vier Nester besetzt. „Die Schwalben sind uns wichtig, sind schön anzusehen und haben ein tolles Brutverhalten“, sagt Stübber. „Die passen sehr auf ihre Nester auf, werden aber auch gegenüber den Besuchern zutraulich.“ Natürlich sei die Betreuung der Schwalben mit viel Arbeit verbunden, was etwa den Kot betrifft. „Das muss regelmäßig sauber gemacht werden“, sagt Stübber. Beschwerden über Schmutz habe es aber noch keine gegeben. Stübber macht deutlich: „Uns liegen die Schwalben hier sehr am Herzen.“ Noch kehren die Vögel jährlich aus den afrikanischen Überwinterungsgebieten nach NRW zurück. Laut Nabu gehe die Zahl aber seit vielen Jahren zurück. Nicht asphaltierte Feldwege und Hofeinfahrten seien ideale Orte für die Schwalben, um feuchten Lehm für den Nestbau zu sammeln. Diese Wege aber seien heute eine Seltenheit, so der Nabu-Verband NRW. Und: „Schwalbennester fallen den teilweise überzogenen Hygienevorstellungen einiger Hausbesitzer zu Opfer und werden nicht selten illegal von der Hauswand entfernt.“ Außerdem würden lange Winter dazu beitragen, die Schwalbenpopulationen zu minimieren. Ausdrücklich fördern will der Nabu die simple Lösung gegen verschmutzte Hauswände oder (wie in Hopfenberg) Eingangsbereichen: eben das einfache Brettchen unterhalb des Nests, das die Hinterlassenschaften auffängt. Durch die Plaketten mit dem Aufdruck „Hier sind Schwalben willkommen“ will der Nabu Hausbesitzer dafür belohnen, dass sie die Schwalben an ihren Gebäuden brüten lassen. Bewerben können sich alle, die das Brutgeschehen der wendigen Flugkünstlern und Sommerboten dulden und fördern, heißt es von den Umweltschützern. www.nabu-minden-luebbecke.de

Flugkünstler willkommen: Nabu zeichnet Bad Hopfenberg mit Schwalbenplakette NRW aus

Freuen sich über die Plakette (von links): Initiatorin Claudia Hanschke, Nabu-Kreisvorsitzender Lothar Meckling, Verwaltungsleiterin Sophie Schargott und Technischer Leiter Kai Stübber. MT-Foto: Oliver Plöger © Plöger

Petershagen. „Schwalben sind selten geworden“, sagt Lothar Meckling, Kreisvorsitzender im Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Umso mehr freute er sich, die Kurklinik Bad Hopfenberg mit der Schwalbenplakette NRW auszuzeichnen. Hier werden seit über 40 Jahren Nistmöglichkeiten für Rauchschwalben geschaffen, was Tierfreundin und ambulante Patientin Claudia Hanschke dazu veranlasste, sich direkt an die hiesige Naturschutzorganisation zu wenden. Und für die war nach Prüfung durch die Nabu-Schwalbenexperten Hermann Nagel und Erwin Mattegiet klar: Bad Hopfenberg liebt Schwalben.

Zur offiziellen Verleihung hatte Technischer Leiter Kai Stübber die Plakette bereits angebracht – direkt am Haupteingang, dort also, wo über der Tür die Nester und jeweils kleine Plattformen angebracht sind. Die sorgen auf einfache Weise dafür, dass sich die Verteilung des Kots in Grenzen hält, auch wenn am Portal während der Schwalbensaison laufend gereinigt werden muss.

Hunger ohne Ende! Schwalben haben laut Nabu immer weniger Nistmöglichkeiten. Deshalb fördert die Umweltorganisation den Erhalt der Sommerboten. Symbolfoto: Pixaby/Foto: Susanne Edele - © Ebele
Hunger ohne Ende! Schwalben haben laut Nabu immer weniger Nistmöglichkeiten. Deshalb fördert die Umweltorganisation den Erhalt der Sommerboten. Symbolfoto: Pixaby/Foto: Susanne Edele - © Ebele

Schwalben werden nicht überall freundschaftlich behandelt, weiß Lothar Meckling: „Natürlich machen die auch Schmutz, sind aber laut Bundesnaturschutzgesetz geschützt. Niemand darf ihre Nester beseitigen, was leider immer wieder passiert.“ Umso wichtiger sei es, Verständnis für die Schwalben zu schaffen und Menschen zu unterstützen, die die Flugkünstler gerne ertragen. Kreisweit seien im vergangenen Jahr seien 71 Plaketten vergeben worden, im Jahr davor 57. „Es sind immer zwischen 50 und einhundert im Jahr“, sagt Meckling. Dabei werden nicht nur Einrichtungen wie hier in Bad Hopfenberg bedacht, auch Privathaushalte oder eben Bauernhäuser, die Nistmöglichkeiten bereithalten.

Dem Nabu gehe es mit der Plakettenaktion auch darum, die Brutstätten zu erhalten, sagt Meckling. Früher waren Schwalben in jedem Bauernhaus anzutreffen. „Als ich nach Petershagen gezogen bin, habe ich beobachten können, wie eine totgefahrene Schwalbe von 300 Artgenossen betrauert wurde. Ich habe den toten Vogel dann weggeräumt, sonst wären noch mehr überfahren worden.“ Diese Zeiten, so Meckling, seien vorbei. Viele Landwirte hätten die Ställe geschlossen. „Schwalben müssen heute andere Nistmöglichkeiten nutzen.“ Und eigentlich sei genau das für Rauchschwalben ungewöhnlich, die aber massiven Druck haben, überhaupt Nistplätze zu finden. Hier am Portal der Kurklinik sei ein guter Ort, da – ganz wichtig – die Nistmöglichkeit windgeschützt ist.

Auf dem übrigen Gelände gibt es laut Stübber etwa zehn Nester, darunter vier im ehemaligen Pferdestall, von denen eins in diesem Jahr besetzt war. Am Portal selbst waren zwei von vier Nester besetzt. „Die Schwalben sind uns wichtig, sind schön anzusehen und haben ein tolles Brutverhalten“, sagt Stübber. „Die passen sehr auf ihre Nester auf, werden aber auch gegenüber den Besuchern zutraulich.“ Natürlich sei die Betreuung der Schwalben mit viel Arbeit verbunden, was etwa den Kot betrifft. „Das muss regelmäßig sauber gemacht werden“, sagt Stübber. Beschwerden über Schmutz habe es aber noch keine gegeben. Stübber macht deutlich: „Uns liegen die Schwalben hier sehr am Herzen.“

Noch kehren die Vögel jährlich aus den afrikanischen Überwinterungsgebieten nach NRW zurück. Laut Nabu gehe die Zahl aber seit vielen Jahren zurück. Nicht asphaltierte Feldwege und Hofeinfahrten seien ideale Orte für die Schwalben, um feuchten Lehm für den Nestbau zu sammeln. Diese Wege aber seien heute eine Seltenheit, so der Nabu-Verband NRW. Und: „Schwalbennester fallen den teilweise überzogenen Hygienevorstellungen einiger Hausbesitzer zu Opfer und werden nicht selten illegal von der Hauswand entfernt.“ Außerdem würden lange Winter dazu beitragen, die Schwalbenpopulationen zu minimieren. Ausdrücklich fördern will der Nabu die simple Lösung gegen verschmutzte Hauswände oder (wie in Hopfenberg) Eingangsbereichen: eben das einfache Brettchen unterhalb des Nests, das die Hinterlassenschaften auffängt.

Durch die Plaketten mit dem Aufdruck „Hier sind Schwalben willkommen“ will der Nabu Hausbesitzer dafür belohnen, dass sie die Schwalben an ihren Gebäuden brüten lassen. Bewerben können sich alle, die das Brutgeschehen der wendigen Flugkünstlern und Sommerboten dulden und fördern, heißt es von den Umweltschützern.

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