Festival "Musik und Kultur" startet in Synagoge Petershagen Ursula Koch Petershagen. „Die ehemalige Synagoge in Petershagen ist eine der Schönsten und Besterhaltenen. Das Ensemble mit der Schule und der Mikwe ist einfach einzigartig“, sagt Dr. Manfred Keller, Leiter der Evangelischen Stadtakademie Bochum. Er leitet das Festival „Musik & Kultur in westfälischen Landsynagogen“, das Teil des Jubiläumsprogramms „1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ ist. Corona hat auch den Terminplan dieses Festivals durcheinander gewirbelt. Durch diesen Zufall wird Petershagen am Sonntag, 25. Juli, zum Ort der Programmpremiere. Die Auftaktveranstaltung war am 11. Juli in Bochum mit Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Die insgesamt acht Landsynagogen habe er als Spielorte des Festivals ausgewählt, weil sie einerseits Zeugnisse einer langen jüdischen Geschichte seien, andererseits diese Häuser in der Pogromnacht 1938 oft deshalb nicht angezündet wurden, weil sonst das ganze Dorf in Brand geraten wäre. Bis weit in die 1980er Jahre hätten sie als Abstellraum oder Fahrradwerkstatt gedient, seien von Verfall und Abriss bedroht gewesen. „Es sind mehr Landsynagogen nach 1945 zerstört worden, als Synagogen 1938“, berichtet Keller. Die in Gronau-Epe sei erst sehr spät entdeckt worden, weil die jüdische Bevölkerung schon in den 30er Jahren den Ort verlassen hätte und in Städte gezogen sei, um dem sozialen Druck zu entgehen. Mittlerweile seien einige der ehemaligen Gotteshäuser von Vereinen restauriert worden und fungierten heute überwiegend als Gedenkstätten. Nach Petershagen wandert das Festival weiter in die ehemaligen Synagogen in Drensteinfurt (22. August), Gronau-Epe (29. August), Selm-Bork (12. September), Hagen-Hohenlimburg (19. September), Neheim (3. Oktober), Borgentreich-Borgholz (10. Oktober) und schließlich Coesfeld (24. Oktober). Synagogen seien Orte der Versammlung, des Lernens und des Betens, darum enthalte das Programm jeweils eine Lesung, eine Führung und ein Konzert. In Petershagen beginnt das Programm am 25. Juli um 14 Uhr mit einer Lesung von Dieter Przygode. Der Autor hat die Geschichte der jüdischen Familien Voss und Meyer aus Bramsche erforscht. Die Voss’ waren die letzte jüdische Familie, die Bramsche 1937 verließ. Sie gingen nach Argentinien, zunächst in eine Kleinstadt, zogen später nach Buenos Aires. Przygode hat Nachfahren in Argentinien, den USA und Israel ausfindig gemacht. Er wolle zeigen, dass Juden nicht ausschließlich Opfer waren, sondern einige rechtzeitig erkannten, was bevorsteht und beherzt handelten. „Wir wollen nicht nur das Leiden der Juden zeigen, sondern auch ihr Leben und ihre Erfolge“, betont Keller. Nach der Lesung startet eine Führung durch Petershagen. Anschließend gestaltet der Kantor Baruch Chauskin aus Osnabrück mit jiddischen und hebräischen Liedern, begleitet von dem Konzertpianisten Dr. Yevgeny Kosyakin aus Kiel. Keller versteht sein Programm als Mittel, um dem Antisemitismus Nährboden zu entziehen, denn „Wo jüdische und nichtjüdische Menschen sich begegnen, sie ihre Traditionen kennenlernen, wachsen Verständnis und Wertschätzung.“ Eintrittskarten für die Veranstaltung in Petershagen sind erhältlich bei Marianne Schmitz-Neuland, Telefon (0 57 07) 23 89, E-Mail: kukischmitz@t-online.de.

Festival "Musik und Kultur" startet in Synagoge Petershagen

Petershagen. „Die ehemalige Synagoge in Petershagen ist eine der Schönsten und Besterhaltenen. Das Ensemble mit der Schule und der Mikwe ist einfach einzigartig“, sagt Dr. Manfred Keller, Leiter der Evangelischen Stadtakademie Bochum. Er leitet das Festival „Musik & Kultur in westfälischen Landsynagogen“, das Teil des Jubiläumsprogramms „1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ ist. Corona hat auch den Terminplan dieses Festivals durcheinander gewirbelt. Durch diesen Zufall wird Petershagen am Sonntag, 25. Juli, zum Ort der Programmpremiere. Die Auftaktveranstaltung war am 11. Juli in Bochum mit Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Familie Voss verließ 1937 Bramsche. Ihre Geschichte erzählt Dieter Przygode am Sonntag in Petershagen. Foto: privat - © pr
Familie Voss verließ 1937 Bramsche. Ihre Geschichte erzählt Dieter Przygode am Sonntag in Petershagen. Foto: privat - © pr

Die insgesamt acht Landsynagogen habe er als Spielorte des Festivals ausgewählt, weil sie einerseits Zeugnisse einer langen jüdischen Geschichte seien, andererseits diese Häuser in der Pogromnacht 1938 oft deshalb nicht angezündet wurden, weil sonst das ganze Dorf in Brand geraten wäre.

Bis weit in die 1980er Jahre hätten sie als Abstellraum oder Fahrradwerkstatt gedient, seien von Verfall und Abriss bedroht gewesen. „Es sind mehr Landsynagogen nach 1945 zerstört worden, als Synagogen 1938“, berichtet Keller. Die in Gronau-Epe sei erst sehr spät entdeckt worden, weil die jüdische Bevölkerung schon in den 30er Jahren den Ort verlassen hätte und in Städte gezogen sei, um dem sozialen Druck zu entgehen. Mittlerweile seien einige der ehemaligen Gotteshäuser von Vereinen restauriert worden und fungierten heute überwiegend als Gedenkstätten.

Nach Petershagen wandert das Festival weiter in die ehemaligen Synagogen in Drensteinfurt (22. August), Gronau-Epe (29. August), Selm-Bork (12. September), Hagen-Hohenlimburg (19. September), Neheim (3. Oktober), Borgentreich-Borgholz (10. Oktober) und schließlich Coesfeld (24. Oktober).

Synagogen seien Orte der Versammlung, des Lernens und des Betens, darum enthalte das Programm jeweils eine Lesung, eine Führung und ein Konzert. In Petershagen beginnt das Programm am 25. Juli um 14 Uhr mit einer Lesung von Dieter Przygode. Der Autor hat die Geschichte der jüdischen Familien Voss und Meyer aus Bramsche erforscht. Die Voss’ waren die letzte jüdische Familie, die Bramsche 1937 verließ. Sie gingen nach Argentinien, zunächst in eine Kleinstadt, zogen später nach Buenos Aires. Przygode hat Nachfahren in Argentinien, den USA und Israel ausfindig gemacht. Er wolle zeigen, dass Juden nicht ausschließlich Opfer waren, sondern einige rechtzeitig erkannten, was bevorsteht und beherzt handelten. „Wir wollen nicht nur das Leiden der Juden zeigen, sondern auch ihr Leben und ihre Erfolge“, betont Keller. Nach der Lesung startet eine Führung durch Petershagen. Anschließend gestaltet der Kantor Baruch Chauskin aus Osnabrück mit jiddischen und hebräischen Liedern, begleitet von dem Konzertpianisten Dr. Yevgeny Kosyakin aus Kiel.

Keller versteht sein Programm als Mittel, um dem Antisemitismus Nährboden zu entziehen, denn „Wo jüdische und nichtjüdische Menschen sich begegnen, sie ihre Traditionen kennenlernen, wachsen Verständnis und Wertschätzung.“

Eintrittskarten für die Veranstaltung in Petershagen sind erhältlich bei Marianne Schmitz-Neuland, Telefon (0 57 07) 23 89, E-Mail: kukischmitz@t-online.de.

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