Fahrradtour entlang der Ösper erhellt die Bedeutung des Gewässers für den Naturschutz Ulrich Westermann Petershagen. Kulturlandschaft und Fließgewässern hat die BUND-Ortsgruppe Petershagen bei einer Bachtour unter dem Motto „Landschaft lesen lernen“ unter die Luppe genommen. Auf der nur acht Kilometer langen Fahrradtour gab es viel zu erzählen und zu reflektieren über Fließgewässer und deren Umgebung zwischen Petershagen und Ovenstädt. Dabei ging es um Gründe für die Begradigung der Gewässerläufe, ökologische Erholungsinseln, Obstbäume am Wegesrand und wünschenswerte Veränderungen für mehr Artenvielfalt. Nach dem Start am Alten Amtsgericht führte die Exkursion über den Ösperhafen mit einer neu angelegten Blühwiese bachaufwärts bis zum Ortseingang von Eldagsen. Dort mündet ein namenloses Gewässer, im Volksmund der „Grenzgraben“, in die Ösper. Mit Blick auf sein flaches Tal ging es danach über die Anhöhe des Hopfenberges hinunter zur Weseraue. Dabei wurde der Petershäger Hanggraben, ein kurzes Seitengewässer der Weser, überquert. An jeder von insgesamt fünf Stationen wartete auf die Teilnehmer ein „Lernstoff“ über die jeweilige Kulturlandschaft. Die Sprecherin der Ortsgruppe Petershagen im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Kornelia Fieselmann, ging auf den Lebensraum Bach ein: „Kleine Fließgewässer bieten ein großes Potenzial für mehr Artenvielfalt vor unserer Haustür.“ Die Ösper habe außergewöhnlich viele Seitengewässer, 22 an der Zahl. „Häufig höre ich, dass diese für Gräben gehalten werden“, so Fieselmann weiter. „Das ist verständlich, verlaufen sie doch schnurgerade durch die Landschaft. Sofern sie überhaupt einen Namen haben, heißen sie unter anderem Striethorn- oder Sumpfmoorgraben.“ Um den „Beweis“ anzutreten, dass es sich dabei um richtige Fließgewässer handelt, hatte die BUND-Sprecherin einen Auszug aus dem NRW-Gewässerverzeichnis mitgebracht, das auch die kleinsten Fließgewässer auflistet und deren Länge angibt. Daraus ließ sich errechnen, dass alle zusammen eine Länge von 80 Kilometern im Einzugsgebiet der Ösper ausmachen. Über die Hafenstraße radelte die Gruppe entlang des Ösperabschnitts, der in früheren Jahren als Flutmulde diente. An der zweiten Station in Höhe der Bremer Straße stand das Thema „Hochwasser“ im Mittelpunkt. Aus dem Buch „Geschichte und Geschichten von Petershagen“, das Wilhelm Rehling und Bernhard Brey im Jahr 1989 herausgegeben haben, erfuhren die Teilnehmer Einzelheiten über ein Ereignis im Jahr 1909. Damals riss die Ösper nach starken Regenfällen einen breiten Graben direkt bis zur Weser auf und richtete dabei große Zerstörungen an. Der aufgerissene Graben wurde zur Flutmulde ausgebaut. Mit Blick auf die katastrophalen Hochwasserereignisse in Westdeutschland war sich die Gruppe einig, dass es heute wichtiger denn je sei, ökologische Wirkungsweisen zu begreifen. Der nächste „Lernstoff“ bezog sich auf die EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) und die Renaturierung von Gewässern. Von der Brücke über die Teichmühlenstraße ist ösperaufwärts eine der zwei Ersatzauen geschaffen worden. „Fließgewässer mit ihren Auen als artenreiche Lebensräume für Tiere und Pflanzen und Auen als natürlicher Hochwasserschutz sind selten geworden“, erklärte Fieselmann. „Beides wieder zurückzugewinnen, das sind die Ziele der Richtlinie aus dem Jahr 2000.“ Da es aufgrund der heutigen, zum großen Teil intensiv genutzten Kulturlandschaft nicht möglich sei, Fließgewässer in ihrer gesamten Länge in einen guten ökologischen Zustand zu bringen, sollten Strahlursprünge und ökologische Erholungsinseln als Trittsteine geschaffen werden, die Strahlwirkung über den eigenen Bereich hinaus haben. „Ein solcher Strahlursprung ist in diesem Bereich auf etwa einem Kilometer angelegt worden“, sagte Kornelia Fieselmann. „Warum sind die Fließgewässer denn überhaupt begradigt worden, um sie nun mit großem Aufwand wieder zu renaturieren?“, fragte ein Exkursionsteilnehmer. In diesem Zusammenhang erfuhr die Gruppe, dass verstärkt in den 1950er- und 1960er-Jahren vor allem die kleineren Fließgewässer begradigt und ausgebaut wurden, um die Niederungen hochwasserfrei zu halten und Ackerbau betreiben zu können. Im weiteren Verlauf der Fahrradtour ging es um einen namenlosen Bach, 2,2 Kilometer lang, der von Ovenstädt kommend entlang der Bundesstraße 61 zwischen Eldagsen und Petershagen in die Ösper mündet. In einem großen Bogen fließt er seinem Hauptgewässer entgegen, kaum als Bach zu erkennen, da zu dieser Jahreszeit vollkommen zugewachsen. Etwas weiter bachaufwärts wird es auf einem kurzen Abschnitt naturnäher: Große Ufergehölze säumen das Gewässer und bringen mit ihren Wurzeln mehr Struktur- und Lebensraumvielfalt. Die Exkursion endete mit einem Picknick an der Weser und einem Schlusswort von Kornelia Fieselmann: „Ich wünsche mir, dass die Landschaft mit ihren natürlichen Lebensgrundlagen wie Wasser und Boden zukünftig nicht mehr überstrapaziert wird. Eine Übernutzung zerstört nicht nur den Lebensraum von Pflanzen- und Tierarten, sondern schadet letztlich auch den Menschen. Das heißt, wir müssen in der Landschaft lesen lernen und ein neues Kapitel aufschlagen“.

Fahrradtour entlang der Ösper erhellt die Bedeutung des Gewässers für den Naturschutz

Um das Thema „Landschaft lesen lernen“ ging es in einer Exkursion der BUND-Ortsgruppe Petershagen. Auf den „Lernstoff“ in der Kulturlandschaft ging BUND-Sprecherin Kornelia Fieselmann (2. von links). Fotos: Ulrich Westermann © Westermann

Petershagen. Kulturlandschaft und Fließgewässern hat die BUND-Ortsgruppe Petershagen bei einer Bachtour unter dem Motto „Landschaft lesen lernen“ unter die Luppe genommen. Auf der nur acht Kilometer langen Fahrradtour gab es viel zu erzählen und zu reflektieren über Fließgewässer und deren Umgebung zwischen Petershagen und Ovenstädt. Dabei ging es um Gründe für die Begradigung der Gewässerläufe, ökologische Erholungsinseln, Obstbäume am Wegesrand und wünschenswerte Veränderungen für mehr Artenvielfalt.

Nach dem Start am Alten Amtsgericht führte die Exkursion über den Ösperhafen mit einer neu angelegten Blühwiese bachaufwärts bis zum Ortseingang von Eldagsen. Dort mündet ein namenloses Gewässer, im Volksmund der „Grenzgraben“, in die Ösper. Mit Blick auf sein flaches Tal ging es danach über die Anhöhe des Hopfenberges hinunter zur Weseraue. Dabei wurde der Petershäger Hanggraben, ein kurzes Seitengewässer der Weser, überquert.

Die Ösper westlich der Weser hat 22 Seitengewässer. Zusammen machen sie eine Länge von 80 Kilometern im Einzugsgebiet des Fließgewässers aus. - © Westermann
Die Ösper westlich der Weser hat 22 Seitengewässer. Zusammen machen sie eine Länge von 80 Kilometern im Einzugsgebiet des Fließgewässers aus. - © Westermann

An jeder von insgesamt fünf Stationen wartete auf die Teilnehmer ein „Lernstoff“ über die jeweilige Kulturlandschaft. Die Sprecherin der Ortsgruppe Petershagen im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Kornelia Fieselmann, ging auf den Lebensraum Bach ein: „Kleine Fließgewässer bieten ein großes Potenzial für mehr Artenvielfalt vor unserer Haustür.“ Die Ösper habe außergewöhnlich viele Seitengewässer, 22 an der Zahl. „Häufig höre ich, dass diese für Gräben gehalten werden“, so Fieselmann weiter. „Das ist verständlich, verlaufen sie doch schnurgerade durch die Landschaft. Sofern sie überhaupt einen Namen haben, heißen sie unter anderem Striethorn- oder Sumpfmoorgraben.“

Um den „Beweis“ anzutreten, dass es sich dabei um richtige Fließgewässer handelt, hatte die BUND-Sprecherin einen Auszug aus dem NRW-Gewässerverzeichnis mitgebracht, das auch die kleinsten Fließgewässer auflistet und deren Länge angibt. Daraus ließ sich errechnen, dass alle zusammen eine Länge von 80 Kilometern im Einzugsgebiet der Ösper ausmachen.

Über die Hafenstraße radelte die Gruppe entlang des Ösperabschnitts, der in früheren Jahren als Flutmulde diente. An der zweiten Station in Höhe der Bremer Straße stand das Thema „Hochwasser“ im Mittelpunkt. Aus dem Buch „Geschichte und Geschichten von Petershagen“, das Wilhelm Rehling und Bernhard Brey im Jahr 1989 herausgegeben haben, erfuhren die Teilnehmer Einzelheiten über ein Ereignis im Jahr 1909. Damals riss die Ösper nach starken Regenfällen einen breiten Graben direkt bis zur Weser auf und richtete dabei große Zerstörungen an. Der aufgerissene Graben wurde zur Flutmulde ausgebaut. Mit Blick auf die katastrophalen Hochwasserereignisse in Westdeutschland war sich die Gruppe einig, dass es heute wichtiger denn je sei, ökologische Wirkungsweisen zu begreifen.

Der nächste „Lernstoff“ bezog sich auf die EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) und die Renaturierung von Gewässern. Von der Brücke über die Teichmühlenstraße ist ösperaufwärts eine der zwei Ersatzauen geschaffen worden. „Fließgewässer mit ihren Auen als artenreiche Lebensräume für Tiere und Pflanzen und Auen als natürlicher Hochwasserschutz sind selten geworden“, erklärte Fieselmann. „Beides wieder zurückzugewinnen, das sind die Ziele der Richtlinie aus dem Jahr 2000.“ Da es aufgrund der heutigen, zum großen Teil intensiv genutzten Kulturlandschaft nicht möglich sei, Fließgewässer in ihrer gesamten Länge in einen guten ökologischen Zustand zu bringen, sollten Strahlursprünge und ökologische Erholungsinseln als Trittsteine geschaffen werden, die Strahlwirkung über den eigenen Bereich hinaus haben. „Ein solcher Strahlursprung ist in diesem Bereich auf etwa einem Kilometer angelegt worden“, sagte Kornelia Fieselmann.

„Warum sind die Fließgewässer denn überhaupt begradigt worden, um sie nun mit großem Aufwand wieder zu renaturieren?“, fragte ein Exkursionsteilnehmer. In diesem Zusammenhang erfuhr die Gruppe, dass verstärkt in den 1950er- und 1960er-Jahren vor allem die kleineren Fließgewässer begradigt und ausgebaut wurden, um die Niederungen hochwasserfrei zu halten und Ackerbau betreiben zu können.

Im weiteren Verlauf der Fahrradtour ging es um einen namenlosen Bach, 2,2 Kilometer lang, der von Ovenstädt kommend entlang der Bundesstraße 61 zwischen Eldagsen und Petershagen in die Ösper mündet. In einem großen Bogen fließt er seinem Hauptgewässer entgegen, kaum als Bach zu erkennen, da zu dieser Jahreszeit vollkommen zugewachsen. Etwas weiter bachaufwärts wird es auf einem kurzen Abschnitt naturnäher: Große Ufergehölze säumen das Gewässer und bringen mit ihren Wurzeln mehr Struktur- und Lebensraumvielfalt.

Die Exkursion endete mit einem Picknick an der Weser und einem Schlusswort von Kornelia Fieselmann: „Ich wünsche mir, dass die Landschaft mit ihren natürlichen Lebensgrundlagen wie Wasser und Boden zukünftig nicht mehr überstrapaziert wird. Eine Übernutzung zerstört nicht nur den Lebensraum von Pflanzen- und Tierarten, sondern schadet letztlich auch den Menschen. Das heißt, wir müssen in der Landschaft lesen lernen und ein neues Kapitel aufschlagen“.

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