Erstmals an zwei Tagen: Bluesnacht bietet gutes Programm, Resonanz hätte aber besser sein können Rolf Graff Petershagen-Windheim. Premiere im Windheim No 2: Nachdem erst vor fünf Wochen die 11. Bluesnacht vom vergangenen Jahr nachgeholt werden konnte, stellten die „Freunde des gepflegten Zwölftakters“ nun schon die reguläre 12. Bluesnacht auf die Beine – und die fand erstmals an zwei Tagen statt. Auch diesmal galten strikte Hygieneregeln, um das Publikum vor Corona zu schützen. 250 Zuschauer hätten dabei sein können, die Resonanz blieb aber hinter den Erwartungen zurück. Ob es daran lag, dass die Veranstaltung erstmals in den Ferien stattfand und steigende Inzidenzen wieder für Unsicherheit sorgen? Die Rolle des Anheizers übernahmen die Travellin‘ Blue Kings, eine Band mit erfahrenen Musikern aus Belgien. Da man dort wie in Holland als Bluesband immer noch auf Marktplätzen auftreten kann, haben die Benelux-Musiker gelernt, auch ein Blues-fernes Publikum zu begeistern. So sprang auch auf dem Hofgelände von Windheim No 2 spätestens beim gut gespielten Boogie-Rhythmus des dritten Stückes der Funke über. Obwohl die Formation erstmals mit neuem Sänger auftrat, der noch in die Band hineinfinden muss, garantierten Ausnahme-Gitarrist Jimmy Hontelé und der Grimassen schneidende Patrick Cuyvers an der Hammondorgel einen gelungenen Auftritt, stilistisch mit einem Bogen von Chicago-Blues bis zu einem Surf-Instrumental. Kai Strauss ist mit seinen Electric Blues Allstars aus dem deutschen „Blues-Delta“ zwischen Osnabrück und Münster fast schon so etwas wie ein „Hausgitarrist“ in Windheim. Im Gepäck hatte er Songs seiner neuen CD „In my Prime“, für die er international viel Anerkennung eingeheimst hat. Auch einige Songs seiner „Helden“ wie Buddy Guy oder B.B. King rundeten sein Repertoire ab, das er mit seinen Mitmusikern präsentierte. Das Duo Superdownhome besteht aus Henry Sauda, der singt und obskure Saiteninstrumente wie Cigar Box Gitarre, Diddley Bow, Resonator Instrumente spielt, und Beppe Facchetti der zeigt, dass man auch auf einem abgespeckten Schlagzeug-Set virtuos spielen kann. Sie waren für ihren Auftritt in Windheim extra aus Brescia, ihrer italienischen Heimat, angereist, um neue Freunde für ihre archaisch reduzierte Klangwelt zu finden. Mit viel Verzerrung gibt das Duo auch den alten Songs eine neue Note. Den Spaß an der Musik dämpfte der kurz nach Auftrittsbeginn einsetzende Regen, der allerdings viele Zuschauer nicht abhielt, bis zum Ende zu bleiben. Den zweiten Tag eröffneten die Bluesanovas, eine der neueren Formationen mit jungen Musikern aus Osnabrück, die trotzdem schon mehrfach ausgezeichnet wurde. Ihre mit Rock ’n’ Roll gespickte moderne Interpretation alter Blues-Titel, instrumentales Können und traumhaftes Zusammenspiel erwiesen sich als bestens geeignet, um die Festival-Besucher in Party-Laune zu versetzen. Da Sängerin Michele Denise, bekannt als Sugar Queen, geboren im Norden Floridas, in den Niederlanden lebt, konnte sie in diesem Jahr für die amerikanische Note des Festivals sorgen. Trotz einer klassischen Klavierausbildung blieb sie musikalisch ihren Wurzeln treu. Mit viel Temperament und Stimmgewalt bewegt sie sich zwischen Chicago Blues, Funk, Gospel und Soul. Mit ihrer überbordenden Energie ist sie ständig in Bewegung und feuert ihre Mitmusiker zu Höchstleistungen an. Sie findet schnell Kontakt zum Publikum, dass sich ihr nicht entziehen kann und begeistert mitgeht. Wiederum aus Belgien kam die Band Boogie Beasts. Auch sie hat ihren eigenen Stil gefunden und den ländlichen Blues mit Boogie und Alternative-Rock-Spielgefühl gepaart. Mit zwei Gitarren, Schlagzeug und Blues-Harmonika sowie rauer Spielweise wirken die vier Herren wie ein musikalisches Kraftwerk. Jan Jaspers und Patrick Louis verzahnen Gesang und Gitarre geradezu wie fürs Lehrbuch, während Fabian Bernardo für satte Mundharmonika-Klänge und entfesselte Bewegung auf der Bühne sorgt und Gert Servaes stoisch wie ein Uhrwerk den Takt am Schlagzeug hält. So setzten sie den Schlusspunkt unter das Blues-Wochenende, das ein vielfältiges Programm bot und mehr Zuschauer verdient gehabt hätte.

Erstmals an zwei Tagen: Bluesnacht bietet gutes Programm, Resonanz hätte aber besser sein können

Als Abschlussband rissen die Boogie-Beasts das Publikum noch einmal von den Sitzen. Fotos: Rolf Graff © graff

Petershagen-Windheim. Premiere im Windheim No 2: Nachdem erst vor fünf Wochen die 11. Bluesnacht vom vergangenen Jahr nachgeholt werden konnte, stellten die „Freunde des gepflegten Zwölftakters“ nun schon die reguläre 12. Bluesnacht auf die Beine – und die fand erstmals an zwei Tagen statt. Auch diesmal galten strikte Hygieneregeln, um das Publikum vor Corona zu schützen. 250 Zuschauer hätten dabei sein können, die Resonanz blieb aber hinter den Erwartungen zurück. Ob es daran lag, dass die Veranstaltung erstmals in den Ferien stattfand und steigende Inzidenzen wieder für Unsicherheit sorgen?

Die Rolle des Anheizers übernahmen die Travellin‘ Blue Kings, eine Band mit erfahrenen Musikern aus Belgien. Da man dort wie in Holland als Bluesband immer noch auf Marktplätzen auftreten kann, haben die Benelux-Musiker gelernt, auch ein Blues-fernes Publikum zu begeistern. So sprang auch auf dem Hofgelände von Windheim No 2 spätestens beim gut gespielten Boogie-Rhythmus des dritten Stückes der Funke über. Obwohl die Formation erstmals mit neuem Sänger auftrat, der noch in die Band hineinfinden muss, garantierten Ausnahme-Gitarrist Jimmy Hontelé und der Grimassen schneidende Patrick Cuyvers an der Hammondorgel einen gelungenen Auftritt, stilistisch mit einem Bogen von Chicago-Blues bis zu einem Surf-Instrumental.

Blues und italienisches Temperament vereinte das Duo Superdownhome auf einzigartige Weise. - © graff
Blues und italienisches Temperament vereinte das Duo Superdownhome auf einzigartige Weise. - © graff

Kai Strauss ist mit seinen Electric Blues Allstars aus dem deutschen „Blues-Delta“ zwischen Osnabrück und Münster fast schon so etwas wie ein „Hausgitarrist“ in Windheim. Im Gepäck hatte er Songs seiner neuen CD „In my Prime“, für die er international viel Anerkennung eingeheimst hat. Auch einige Songs seiner „Helden“ wie Buddy Guy oder B.B. King rundeten sein Repertoire ab, das er mit seinen Mitmusikern präsentierte.

Sugarqueen Michele Denise und ihre Bluesband setzten mit Blues, Gospel und Soul einen weiteren Glanzpunkt. - © graff
Sugarqueen Michele Denise und ihre Bluesband setzten mit Blues, Gospel und Soul einen weiteren Glanzpunkt. - © graff

Das Duo Superdownhome besteht aus Henry Sauda, der singt und obskure Saiteninstrumente wie Cigar Box Gitarre, Diddley Bow, Resonator Instrumente spielt, und Beppe Facchetti der zeigt, dass man auch auf einem abgespeckten Schlagzeug-Set virtuos spielen kann. Sie waren für ihren Auftritt in Windheim extra aus Brescia, ihrer italienischen Heimat, angereist, um neue Freunde für ihre archaisch reduzierte Klangwelt zu finden. Mit viel Verzerrung gibt das Duo auch den alten Songs eine neue Note. Den Spaß an der Musik dämpfte der kurz nach Auftrittsbeginn einsetzende Regen, der allerdings viele Zuschauer nicht abhielt, bis zum Ende zu bleiben.

Den zweiten Tag eröffneten die Bluesanovas, eine der neueren Formationen mit jungen Musikern aus Osnabrück, die trotzdem schon mehrfach ausgezeichnet wurde. Ihre mit Rock ’n’ Roll gespickte moderne Interpretation alter Blues-Titel, instrumentales Können und traumhaftes Zusammenspiel erwiesen sich als bestens geeignet, um die Festival-Besucher in Party-Laune zu versetzen.

Da Sängerin Michele Denise, bekannt als Sugar Queen, geboren im Norden Floridas, in den Niederlanden lebt, konnte sie in diesem Jahr für die amerikanische Note des Festivals sorgen. Trotz einer klassischen Klavierausbildung blieb sie musikalisch ihren Wurzeln treu. Mit viel Temperament und Stimmgewalt bewegt sie sich zwischen Chicago Blues, Funk, Gospel und Soul. Mit ihrer überbordenden Energie ist sie ständig in Bewegung und feuert ihre Mitmusiker zu Höchstleistungen an. Sie findet schnell Kontakt zum Publikum, dass sich ihr nicht entziehen kann und begeistert mitgeht.

Wiederum aus Belgien kam die Band Boogie Beasts. Auch sie hat ihren eigenen Stil gefunden und den ländlichen Blues mit Boogie und Alternative-Rock-Spielgefühl gepaart. Mit zwei Gitarren, Schlagzeug und Blues-Harmonika sowie rauer Spielweise wirken die vier Herren wie ein musikalisches Kraftwerk. Jan Jaspers und Patrick Louis verzahnen Gesang und Gitarre geradezu wie fürs Lehrbuch, während Fabian Bernardo für satte Mundharmonika-Klänge und entfesselte Bewegung auf der Bühne sorgt und Gert Servaes stoisch wie ein Uhrwerk den Takt am Schlagzeug hält.

So setzten sie den Schlusspunkt unter das Blues-Wochenende, das ein vielfältiges Programm bot und mehr Zuschauer verdient gehabt hätte.

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