Erste Dorfführung in Ovenstädt Michael Grundmeier Petershagen-Ovenstädt. Ihre erste Tour als „zertifizierte Natur– und Landschaftsführerin“ hat Jutta Grabert genau geplant. Von der Kirche aus zur Weser und von dort immer in Richtung Gernheim. „Oben auf der Stätte“ – so der Titel der Führung – hatte vor allem die von Wasserflächen durchzogenen Weserauen zum Thema. Die seien durch die letzte Eiszeit, aber auch den Kiesabbau entstanden, macht Grabert deutlich. Mit den Gletscherwanderungen der Eiszeit lassen sich auch die teils beachtlichen Höhenunterschiede im Ort erklären. „Deshalb geht es hier auch so tief runter“, zeigt Grabert auf die Straße „Zum Damm“. Hier hat der 35 Kilometer breite Eiszeit-Gletscher eine tiefe Schneise geformt. Von einem der „ältesten Häuser“ in Ovenstädt, der „Alten Schmiede“, geht es weiter direkt an der Weser. Hier beginnt das Naturschutzgebiet Weserauen, das wegen zahlreicher vom Aussterben bedrohter Tier- und Pflanzenarten nicht betreten werden darf. Aber auch so gibt es eine Menge zu sehen. Viele Insekten und Falter haben sich am Rand des Gebietes angesiedelt. Darunter auch der Jakobskrautbär, ein Schmetterling aus der Familie der Bärenspinner. Den Namen hat er, weil seine Raupen vom Jakobs-Greiskraut leben und giftig sind. „Vögel essen diese Raupen nicht, sie sind durch das Gift geschützt“, weiß Grabert. Dass Schmetterlinge immer seltener werden, erklärt sie mit dem knapper werdenden Nahrungsangebot. Sie rät deshalb dazu, Kräutern mehr Raum zu geben. „Eine kleine Ecke im Garten reicht schon und man wird sehen, dass die Insekten zurückkommen – und mit den Insekten die Vögel.“ Was diese Führung besonders interessant macht, ist ihr Blick fürs Detail. Auf dem Weg sieht Jutta Grabert Sauerampfer oder Spitzwegerich – letzter soll übrigens ein bisschen nach Champignons schmecken und eignet sich für die gesunde Küche. Sie lässt an der Knoblauchsrauke riechen („riecht nach Knoblauch“) und verteilt einen selbst hergestellten Ölauszug aus Gänseblümchen. Der hemme Entzündungen und sei besonders gut zur aufgerauten Haut. Am Ufer der Weser erinnert sich eine ältere Dame an frühere Überschwemmungen. Abends habe alles noch relativ harmlos ausgesehen, am nächsten Tag dann hätten die Kühe nur noch eine kleine Insel zum Stehen gehabt. „Wenn das Wasser kommt, dann kommt es mit Macht.“ Jutta Grabert will auch in Zukunft Führungen anbieten, „ich habe mich schon immer für Natur und die Geschichte des Ortes interessiert“, sagt sie. Die Ausbildung an der Biologischen Station Minden-Lübbecke habe ihr viel Spaß gemacht, vor allem das Zusammentreffen mit den zahlreichen Experten sei sehr spannend gewesen. Ihre Aufgabe als zertifizierte Natur– und Landschaftsführerin beschreibt sie so: „Ich möchte auf die interessanten Dinge vor unserer Haustür aufmerksam machen. Denn man muss nicht weit reisen, um etwas zu sehen.“ Grabert will darüber hinaus die Menschen anregen, achtsamer mit der Natur umzugehen.

Erste Dorfführung in Ovenstädt

Landschaftführerin Jutta Grabert (rechts vorne) erläutert die Entstehung der Weserauen.
Foto: Michael Grundmeier
© Picasa

Petershagen-Ovenstädt. Ihre erste Tour als „zertifizierte Natur– und Landschaftsführerin“ hat Jutta Grabert genau geplant. Von der Kirche aus zur Weser und von dort immer in Richtung Gernheim. „Oben auf der Stätte“ – so der Titel der Führung – hatte vor allem die von Wasserflächen durchzogenen Weserauen zum Thema. Die seien durch die letzte Eiszeit, aber auch den Kiesabbau entstanden, macht Grabert deutlich.

Mit den Gletscherwanderungen der Eiszeit lassen sich auch die teils beachtlichen Höhenunterschiede im Ort erklären. „Deshalb geht es hier auch so tief runter“, zeigt Grabert auf die Straße „Zum Damm“. Hier hat der 35 Kilometer breite Eiszeit-Gletscher eine tiefe Schneise geformt.

Von einem der „ältesten Häuser“ in Ovenstädt, der „Alten Schmiede“, geht es weiter direkt an der Weser. Hier beginnt das Naturschutzgebiet Weserauen, das wegen zahlreicher vom Aussterben bedrohter Tier- und Pflanzenarten nicht betreten werden darf. Aber auch so gibt es eine Menge zu sehen. Viele Insekten und Falter haben sich am Rand des Gebietes angesiedelt. Darunter auch der Jakobskrautbär, ein Schmetterling aus der Familie der Bärenspinner. Den Namen hat er, weil seine Raupen vom Jakobs-Greiskraut leben und giftig sind. „Vögel essen diese Raupen nicht, sie sind durch das Gift geschützt“, weiß Grabert.

Dass Schmetterlinge immer seltener werden, erklärt sie mit dem knapper werdenden Nahrungsangebot. Sie rät deshalb dazu, Kräutern mehr Raum zu geben. „Eine kleine Ecke im Garten reicht schon und man wird sehen, dass die Insekten zurückkommen – und mit den Insekten die Vögel.“

Was diese Führung besonders interessant macht, ist ihr Blick fürs Detail. Auf dem Weg sieht Jutta Grabert Sauerampfer oder Spitzwegerich – letzter soll übrigens ein bisschen nach Champignons schmecken und eignet sich für die gesunde Küche. Sie lässt an der Knoblauchsrauke riechen („riecht nach Knoblauch“) und verteilt einen selbst hergestellten Ölauszug aus Gänseblümchen. Der hemme Entzündungen und sei besonders gut zur aufgerauten Haut.

Am Ufer der Weser erinnert sich eine ältere Dame an frühere Überschwemmungen. Abends habe alles noch relativ harmlos ausgesehen, am nächsten Tag dann hätten die Kühe nur noch eine kleine Insel zum Stehen gehabt. „Wenn das Wasser kommt, dann kommt es mit Macht.“

Jutta Grabert will auch in Zukunft Führungen anbieten, „ich habe mich schon immer für Natur und die Geschichte des Ortes interessiert“, sagt sie. Die Ausbildung an der Biologischen Station Minden-Lübbecke habe ihr viel Spaß gemacht, vor allem das Zusammentreffen mit den zahlreichen Experten sei sehr spannend gewesen.

Ihre Aufgabe als zertifizierte Natur– und Landschaftsführerin beschreibt sie so: „Ich möchte auf die interessanten Dinge vor unserer Haustür aufmerksam machen. Denn man muss nicht weit reisen, um etwas zu sehen.“ Grabert will darüber hinaus die Menschen anregen, achtsamer mit der Natur umzugehen.

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Petershagen