Entrosten im Abenteuerland: Wenn bei Kindern und Jugendlichen der Sport auf der Strecke bleibt Oliver Plöger Petershagen-Eldagsen. Wenig oder gar keinen Sport, kaum motorische Entwicklung während der Pandemiemonate: „Man merkt schon, dass den Kindern die Bewegung fehlt“, sagt der Sportwissenschaftler Christian Reiprich. Gemeinsam mit seiner Kollegin Christine Lachmann, Studentin der Sportwissenschaft, hat Reiprich die Schülerinnen und Schüler des Offenen Ganztags am Grundschulstandort Eldagsen ins Schwitzen gebracht. Mit dabei waren auch – dank des Verbunds – Kinder aus Friedewalde. „Fit machen“ ist das große Thema des Ferienangebots: Der als „Abenteuerland“ vorgestellte Parcours in der Turnhalle in Eldagsen könne nur ein Anfang sein, hieß es von den Sportprofis. Die Monate, in denen nicht viel passierte, sitzen in den Knochen. „Aber es wird schon besser“, meinte Reiprich am zweiten Tag der Veranstaltung. Das Abenteuerland bot Bewegungsspiele an den vorhandenen Sportgeräten und lud zum Klettern, Rutschen, Springen und Balancieren ein. Reiprich kam besonders gut mit einem Spiel an, bei dem sich die 20 teilnehmenden Kinder direkt gegenübersaßen, zwei jeweils an einem Plastikteller, der in der Mitte platziert war. Reiprich bezeichnete dann in schneller Abfolge etwa „Gesicht“, „Nacken“ oder „Schulter“, wo sich die Kinder selbst berühren sollten. Als es dann plötzlich „Teller“ hieß, hatten diejenigen gewonnen, die zuerst zugeschnappt hatten. „Das hat schon ganz schön Spaß gemacht“, meinte der achtjährige Taylor, der von den Spielen nicht genug bekommen konnte und ohnehin keine Schwierigkeiten hatte, sich fix zu bewegen. Reiprich und Lachmann sind Mitarbeitende des Präventionszentrums OWL, das auch in Minden beheimatet ist und – so die Selbstbeschreibung – die Gesundheitskompetenzen steigern will. Dazu gehören auch spezielle Angebote für Vereine, Gruppen und eben Schulen. Für Eldagsen/Friedewalde hatte der von der Volkshochschule (VHS) getragene Offene Ganztag den Kontakt hergestellt. Auch wenn die Fitness bei den Kindern des Offenen Ganztags hier "gar nicht so schlecht" war, wie es hieß: „Nach der langen Coronazeit, in der wenig Sport stattfinden konnte, ist das genau das Richtige für die Kids“, sagte Katja Vodegel, die die OGS-Gesamtleitung beim Grundschulverbund innehat. Mit seinen Vermutungen liegt der Offene Ganztag offenbar richtig: Kinder und Jugendliche hatte Corona besonders hart getroffen, laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollten sie mindestens eine Stunde pro Tag sportlich aktiv sein. Das war in vielen Familien gerade wegen des Lockdowns nur schwer umsetzbar, wie Vodegel meinte. Und ja, es sei auch hier und da „gezockt“ worden. Und in der Tat: Eine Studie am Universitätsklinikum Münster hatte ergeben, dass Sport und Bewegung bei Heranwachsenden im Regierungsbezirk Münster im Zuge von Corona dramatisch eingebrochen seien. Sportwissenschaftler Matthias Marckhoff in der ARD-Sportschau: „Wir haben festgestellt, dass die körperliche Aktivität bei den befragten Jugendlichen in der Zeit der Kontaktbeschränkungen im April dieses Jahres signifikant abgenommen hat. Die Gruppe derjenigen Kinder, die sich in dieser Zeit fast gar nicht mehr bewegt haben, hat sich auf zirka 25 Prozent verfünffacht.“ Parallel habe der Medienkonsum signifikant zugenommen. Etwa 45 Prozent der Jugendlichen hätten eine tägliche Bildschirmzeit von mehr als acht Stunden gehabt – darunter an TV, Konsole, Computer und Smartphone. Vor der Pandemie – als allerdings der Bildschirmunterricht noch keine große Rolle spielte – habe dieser Anteil nur bei 20 Prozent gelegen. Die pandemiebedingte Bewegungseinschränkung ist auch für den Pädagogen Dr. August-Wilhelm Meyer vom Stadtelternrat Petershagen keine Überraschung: „Dabei wissen wir als Pädagogen, das das kognitive Lernen auch von der körperlichen Bewegung abhängig ist.“ Die Tendenz zu verstärktem Medienkonsum sei aber schon vor Corona zu beobachten gewesen, sagte Meyer zum MT. Für den Offenen Ganztag war der Einsatz des Präventionszentrums Teil des insgesamt dreiwöchigen Ferienangebots der beiden Standorte. Eltern konnten vorab die Angebotswochen wählen und für ihre Kinder buchen. Insgesamt sei nach der ersten Woche feststellbar gewesen, dass sich die Kinder erst mit den neuen Möglichkeiten, die der OGS jetzt bieten wollte, anfreunden mussten. „Zu Anfang fanden einige das blöd und langweilig“, so Katja Vodegel. Als es dann aber losging, hätten alle viel Spaß gehabt. „Wir haben uns mit dem Programm sehr viel Mühe gemacht“, schildert Vodegel: Dazu gehört der Besuch der Kinderfeuerwehr, der Tierpark Ströhen, die Glashütte Gernheim oder eine Hüpfburg, die dann ebenfalls die Bewegung fördert. Was die Zusammenarbeit mit dem Präventionszentrum OWL angeht, war Katja Vodegel von der Premiere für Eldagsen und Friedewalde hellauf begeistert. „Ich habe schon eine Mail geschrieben und für Herbst angefragt.“

Entrosten im Abenteuerland: Wenn bei Kindern und Jugendlichen der Sport auf der Strecke bleibt

Da hätte sicher auch Torwart Manuel Neuer seine Freude: Training mit Christian Reiprich in der Turnhalle Eldagsen. Die Kinder machten mit Spaß mit. MT-Foto: Oliver Plöger © Pöger

Petershagen-Eldagsen. Wenig oder gar keinen Sport, kaum motorische Entwicklung während der Pandemiemonate: „Man merkt schon, dass den Kindern die Bewegung fehlt“, sagt der Sportwissenschaftler Christian Reiprich. Gemeinsam mit seiner Kollegin Christine Lachmann, Studentin der Sportwissenschaft, hat Reiprich die Schülerinnen und Schüler des Offenen Ganztags am Grundschulstandort Eldagsen ins Schwitzen gebracht. Mit dabei waren auch – dank des Verbunds – Kinder aus Friedewalde.

„Fit machen“ ist das große Thema des Ferienangebots: Der als „Abenteuerland“ vorgestellte Parcours in der Turnhalle in Eldagsen könne nur ein Anfang sein, hieß es von den Sportprofis. Die Monate, in denen nicht viel passierte, sitzen in den Knochen. „Aber es wird schon besser“, meinte Reiprich am zweiten Tag der Veranstaltung. Das Abenteuerland bot Bewegungsspiele an den vorhandenen Sportgeräten und lud zum Klettern, Rutschen, Springen und Balancieren ein. Reiprich kam besonders gut mit einem Spiel an, bei dem sich die 20 teilnehmenden Kinder direkt gegenübersaßen, zwei jeweils an einem Plastikteller, der in der Mitte platziert war. Reiprich bezeichnete dann in schneller Abfolge etwa „Gesicht“, „Nacken“ oder „Schulter“, wo sich die Kinder selbst berühren sollten. Als es dann plötzlich „Teller“ hieß, hatten diejenigen gewonnen, die zuerst zugeschnappt hatten. „Das hat schon ganz schön Spaß gemacht“, meinte der achtjährige Taylor, der von den Spielen nicht genug bekommen konnte und ohnehin keine Schwierigkeiten hatte, sich fix zu bewegen.

Reiprich und Lachmann sind Mitarbeitende des Präventionszentrums OWL, das auch in Minden beheimatet ist und – so die Selbstbeschreibung – die Gesundheitskompetenzen steigern will. Dazu gehören auch spezielle Angebote für Vereine, Gruppen und eben Schulen. Für Eldagsen/Friedewalde hatte der von der Volkshochschule (VHS) getragene Offene Ganztag den Kontakt hergestellt. Auch wenn die Fitness bei den Kindern des Offenen Ganztags hier "gar nicht so schlecht" war, wie es hieß: „Nach der langen Coronazeit, in der wenig Sport stattfinden konnte, ist das genau das Richtige für die Kids“, sagte Katja Vodegel, die die OGS-Gesamtleitung beim Grundschulverbund innehat.

Mit seinen Vermutungen liegt der Offene Ganztag offenbar richtig: Kinder und Jugendliche hatte Corona besonders hart getroffen, laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollten sie mindestens eine Stunde pro Tag sportlich aktiv sein. Das war in vielen Familien gerade wegen des Lockdowns nur schwer umsetzbar, wie Vodegel meinte. Und ja, es sei auch hier und da „gezockt“ worden.

Und in der Tat: Eine Studie am Universitätsklinikum Münster hatte ergeben, dass Sport und Bewegung bei Heranwachsenden im Regierungsbezirk Münster im Zuge von Corona dramatisch eingebrochen seien. Sportwissenschaftler Matthias Marckhoff in der ARD-Sportschau: „Wir haben festgestellt, dass die körperliche Aktivität bei den befragten Jugendlichen in der Zeit der Kontaktbeschränkungen im April dieses Jahres signifikant abgenommen hat. Die Gruppe derjenigen Kinder, die sich in dieser Zeit fast gar nicht mehr bewegt haben, hat sich auf zirka 25 Prozent verfünffacht.“ Parallel habe der Medienkonsum signifikant zugenommen. Etwa 45 Prozent der Jugendlichen hätten eine tägliche Bildschirmzeit von mehr als acht Stunden gehabt – darunter an TV, Konsole, Computer und Smartphone. Vor der Pandemie – als allerdings der Bildschirmunterricht noch keine große Rolle spielte – habe dieser Anteil nur bei 20 Prozent gelegen.

Die pandemiebedingte Bewegungseinschränkung ist auch für den Pädagogen Dr. August-Wilhelm Meyer vom Stadtelternrat Petershagen keine Überraschung: „Dabei wissen wir als Pädagogen, das das kognitive Lernen auch von der körperlichen Bewegung abhängig ist.“ Die Tendenz zu verstärktem Medienkonsum sei aber schon vor Corona zu beobachten gewesen, sagte Meyer zum MT.

Für den Offenen Ganztag war der Einsatz des Präventionszentrums Teil des insgesamt dreiwöchigen Ferienangebots der beiden Standorte. Eltern konnten vorab die Angebotswochen wählen und für ihre Kinder buchen. Insgesamt sei nach der ersten Woche feststellbar gewesen, dass sich die Kinder erst mit den neuen Möglichkeiten, die der OGS jetzt bieten wollte, anfreunden mussten. „Zu Anfang fanden einige das blöd und langweilig“, so Katja Vodegel. Als es dann aber losging, hätten alle viel Spaß gehabt.

„Wir haben uns mit dem Programm sehr viel Mühe gemacht“, schildert Vodegel: Dazu gehört der Besuch der Kinderfeuerwehr, der Tierpark Ströhen, die Glashütte Gernheim oder eine Hüpfburg, die dann ebenfalls die Bewegung fördert. Was die Zusammenarbeit mit dem Präventionszentrum OWL angeht, war Katja Vodegel von der Premiere für Eldagsen und Friedewalde hellauf begeistert. „Ich habe schon eine Mail geschrieben und für Herbst angefragt.“

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