Endstation Petershagen: Wie eine entlaufene Hündin aus Berlin nach mehr als einer Woche ihre Liebsten wiederfand Jan Lücking Petershagen.Nicht mehr als sieben Stunden hat Lotta gebraucht, um knapp 80 Kilometer hinter sich zu lassen. Der Antrieb der Mischlingshündin? Angst. Hunderte Flyer, eine groß angelegte Suche mit einer Expertin und etliche Sichtungen später konnte Lotta letztlich auf dem Hof von Balkes Morhoff in Petershagen eingefangen werden. Natürlich sehr zur Freude von ihren Besitzern Talea Mansholt und Kevin Geweiler. Dem Pärchen aus Berlin ist bewusst, dass das glückliche Ende der Suchaktion vor allem einer Person zu verdanken ist. Aber der Reihe nach: Während eines Besuchs bei der Verwandtschaft im niedersächsischen Dötlingen im Landkreis Oldenburg war Lotta entlaufen. Erste Versuche, den Mischlingshund mithilfe einer sogenannten Pettrailerin, also einer ausgebildeten Tiersucherin, zu finden, scheiterten. Ein Foto von Lotta verbreitete sich in speziellen Facebook-Gruppen, wie auch in „Hundesicherung Minden-Hannover-Hildesheim“, in Sekundenschnelle. Und so konnte Lotta etwa sieben Stunden nach ihrem Verschwinden das erste Mal gesehen werden: im Raum Petershagen, also mehr als 80 Kilometer vom Fluchtort entfernt. Die Besitzer von Balkes Morhoff an der Forststraße konnten Lotta kurzzeitig einsperren und versorgen. Aber auch von hier entwischte die Hündin wieder und flüchtete weiter in Richtung Espelkamp. So konnte Lotta etwa in Isenstedt und Frotheim gesichtet werden. Suchaktion mit Flyern, Futterstellen und Wildkameras Über die Pettrailerin kamen die beiden Besitzer des Mischlings letztlich in Kontakt mit Nadine Gehrmann. Sie leitet in Isenstedt eine Hundeschule und hat schon öfter bei der Suche nach vermissten Tieren geholfen. „Wir haben hier dann ganz viele Flyer verteilt, auch viele Kunden meiner Hundeschule haben mitgeholfen“, erzählt Gehrmann im Gespräch mit dem MT. Alle hätten die Augen offengehalten, alle haben Lotta finden wollen. Und so seien für die Hündin gleich mehrere Futterstellen errichtet worden, die mithilfe von Wildkameras permanent überwacht werden konnten.Dass Lotta zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr im Kreis Minden-Lübbecke war, wusste Gehrmann nicht. „Die Hündin war schon wieder in Richtung Wagenfeld unterwegs.“ Dort sei sie mehrfach gesichtet worden, ehe sie weiter in den niedersächsischen Landkreis Vechta flüchtete – „nach Goldenstedt, um genau zu sein. Das ist nur gut 20 Kilometer weg vom Startpunkt Dötlingen entfernt.“Die junge Hündin sei oft in der Nähe von Bäckereien oder Restaurants gesehen worden, um Futter zu finden. Das ist nichts Neues für sie. Denn: „Lotta ist etwa zwei bis drei Jahre alt und hat als Straßenhund in Polen gelebt. Sie hat sich bis vor Kurzem immer selbst auf der Straße versorgt und dort sogar Welpen bekommen“, erzählt Nadine Gehrmann die Geschichte des Mischlings, die seine Besitzer ihr mitgegeben haben.Nach einer Woche war Lotta wieder im Kreis Minden-Lübbecke In den folgenden Tagen sei Lotta immer wieder gesehen worden – etwa erneut in Wagenfeld und erstmals in der Gemeinde Hille im Lavelsloher Weg. Die Hündin war also zurück im Kreis Minden-Lübbecke. Von Hille aus ist Lotta wohl in Richtung Heisterholz, also wieder nach Petershagen gelaufen. „Uns war klar, dass wir vor dem Hund vor Ort sein müssen und Lotta nicht immer nur hinterherfahren dürfen, wenn wir sie einfangen wollen“, sagt Nadine Gehrmann. Sie habe sich sofort ins Auto gesetzt, um von Isenstedt nach Friedewalde zu fahren, um dort noch mehr Flyer von Lotta zu verteilen. Die Besitzer von Lotta waren inzwischen auch nach Petershagen gefahren, um ihre Hündin endlich zu finden. Gemeinsam mit Nadine Gehrmann traf sich das Paar aus Berlin auch mit den Eigentümern vom Balkes Morhoff.Die Hoffnung, dass die Hündin zum Hotel zurückkehrt, war groß. Und sie sollte sich bewahrheiten. „Als wir noch in unseren Autos saßen, um das weitere Vorgehen bei der Suche miteinander zu besprechen, lief Lotta tatsächlich an uns vorbei“, sagt Nadine Gehrmann. Die Freude über diesen Moment ist in ihrer Stimme noch immer zu hören.Die Hunde-Expertin musste die Besitzer des Mischlings übers Telefon mit Tipps versorgen, um Lotta nun auch final einzufangen. „Es ist immer schwierig, den Herrchen und Frauchen zu erklären, dass sie nicht auf den Hund zulaufen sollen. Sie müssen warten, bis der Hund von sich aus auf sie zukommt“, nennt Nadine Gehrmann einen der Ratschläge. „Das normale Leben auf der Straße" für die Hündin Sie habe den jungen „Hunde-Eltern“ aus Berlin immer wieder versucht zu erklären, „dass es für uns vielleicht komisch ist, dass Lotta da draußen rumläuft. Aber für sie war das ihr normales Leben auf der Straße. Sie weiß, wie man dort überlebt.“Vielmehr könne es für den Hund komisch sein, mittlerweile ein Dach über dem Kopf zu haben. Schließlich war Lotta vor ihrer Flucht erst zehn Tage in Berlin bei ihrer neuen Familie. So habe es dann, knapp acht Tage nach der Flucht, noch einige Zeit benötigt, den Mischling endlich wieder einzufangen.Entsprechend glücklich ist Besitzerin Talea Mansholt auch über den Ausgang der Suche. „Die Zusammenarbeit mit den Facebook-Gruppen, mit der Pettrailerin und Nadine Gehrmann hat hervorragend funktioniert“, sagt sie. Vor allem der Espelkamperin sei sie unglaublich dankbar für ihren Einsatz. „Ohne sie hätten wir es schwer gehabt, unsere Lotta wiederzufinden.“ Und damit sich das Erlebnis nicht noch einmal wiederholt, hat sich das Pärchen aus Berlin nun mit Lotta für einen Online-Kurs in der Hundeschule von Nadine Gehrmann angemeldet. Sicher ist sicher.

Endstation Petershagen: Wie eine entlaufene Hündin aus Berlin nach mehr als einer Woche ihre Liebsten wiederfand

Mittlerweile kuschelt sich Lotta wieder in ihr Körbchen in Berlin bei ihren Besitzern Talea Mansholt und Kevin Geweiler. Mehr als eine Woche lang war die Mischlingshündin auf der Flucht, ehe sie in Petershagen wieder eingefangen werden konnte. Fotos: privat © Foto: privat

Petershagen.Nicht mehr als sieben Stunden hat Lotta gebraucht, um knapp 80 Kilometer hinter sich zu lassen. Der Antrieb der Mischlingshündin? Angst. Hunderte Flyer, eine groß angelegte Suche mit einer Expertin und etliche Sichtungen später konnte Lotta letztlich auf dem Hof von Balkes Morhoff in Petershagen eingefangen werden. Natürlich sehr zur Freude von ihren Besitzern Talea Mansholt und Kevin Geweiler. Dem Pärchen aus Berlin ist bewusst, dass das glückliche Ende der Suchaktion vor allem einer Person zu verdanken ist.

Aber der Reihe nach: Während eines Besuchs bei der Verwandtschaft im niedersächsischen Dötlingen im Landkreis Oldenburg war Lotta entlaufen. Erste Versuche, den Mischlingshund mithilfe einer sogenannten Pettrailerin, also einer ausgebildeten Tiersucherin, zu finden, scheiterten. Ein Foto von Lotta verbreitete sich in speziellen Facebook-Gruppen, wie auch in „Hundesicherung Minden-Hannover-Hildesheim“, in Sekundenschnelle. Und so konnte Lotta etwa sieben Stunden nach ihrem Verschwinden das erste Mal gesehen werden: im Raum Petershagen, also mehr als 80 Kilometer vom Fluchtort entfernt. Die Besitzer von Balkes Morhoff an der Forststraße konnten Lotta kurzzeitig einsperren und versorgen. Aber auch von hier entwischte die Hündin wieder und flüchtete weiter in Richtung Espelkamp. So konnte Lotta etwa in Isenstedt und Frotheim gesichtet werden.

Lotta weiß genau, wie das Leben ohne Zuhause ist. Bis vor Kurzem lebte sie als Straßenhund in Polen. - © Foto: privat
Lotta weiß genau, wie das Leben ohne Zuhause ist. Bis vor Kurzem lebte sie als Straßenhund in Polen. - © Foto: privat

Suchaktion mit Flyern, Futterstellen und Wildkameras

Über die Pettrailerin kamen die beiden Besitzer des Mischlings letztlich in Kontakt mit Nadine Gehrmann. Sie leitet in Isenstedt eine Hundeschule und hat schon öfter bei der Suche nach vermissten Tieren geholfen. „Wir haben hier dann ganz viele Flyer verteilt, auch viele Kunden meiner Hundeschule haben mitgeholfen“, erzählt Gehrmann im Gespräch mit dem MT. Alle hätten die Augen offengehalten, alle haben Lotta finden wollen. Und so seien für die Hündin gleich mehrere Futterstellen errichtet worden, die mithilfe von Wildkameras permanent überwacht werden konnten.

Dass Lotta zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr im Kreis Minden-Lübbecke war, wusste Gehrmann nicht. „Die Hündin war schon wieder in Richtung Wagenfeld unterwegs.“ Dort sei sie mehrfach gesichtet worden, ehe sie weiter in den niedersächsischen Landkreis Vechta flüchtete – „nach Goldenstedt, um genau zu sein. Das ist nur gut 20 Kilometer weg vom Startpunkt Dötlingen entfernt.“

Die junge Hündin sei oft in der Nähe von Bäckereien oder Restaurants gesehen worden, um Futter zu finden. Das ist nichts Neues für sie. Denn: „Lotta ist etwa zwei bis drei Jahre alt und hat als Straßenhund in Polen gelebt. Sie hat sich bis vor Kurzem immer selbst auf der Straße versorgt und dort sogar Welpen bekommen“, erzählt Nadine Gehrmann die Geschichte des Mischlings, die seine Besitzer ihr mitgegeben haben.

Nach einer Woche war Lotta wieder im Kreis Minden-Lübbecke

In den folgenden Tagen sei Lotta immer wieder gesehen worden – etwa erneut in Wagenfeld und erstmals in der Gemeinde Hille im Lavelsloher Weg. Die Hündin war also zurück im Kreis Minden-Lübbecke. Von Hille aus ist Lotta wohl in Richtung Heisterholz, also wieder nach Petershagen gelaufen. „Uns war klar, dass wir vor dem Hund vor Ort sein müssen und Lotta nicht immer nur hinterherfahren dürfen, wenn wir sie einfangen wollen“, sagt Nadine Gehrmann. Sie habe sich sofort ins Auto gesetzt, um von Isenstedt nach Friedewalde zu fahren, um dort noch mehr Flyer von Lotta zu verteilen. Die Besitzer von Lotta waren inzwischen auch nach Petershagen gefahren, um ihre Hündin endlich zu finden. Gemeinsam mit Nadine Gehrmann traf sich das Paar aus Berlin auch mit den Eigentümern vom Balkes Morhoff.

Die Hoffnung, dass die Hündin zum Hotel zurückkehrt, war groß. Und sie sollte sich bewahrheiten. „Als wir noch in unseren Autos saßen, um das weitere Vorgehen bei der Suche miteinander zu besprechen, lief Lotta tatsächlich an uns vorbei“, sagt Nadine Gehrmann. Die Freude über diesen Moment ist in ihrer Stimme noch immer zu hören.

Die Hunde-Expertin musste die Besitzer des Mischlings übers Telefon mit Tipps versorgen, um Lotta nun auch final einzufangen. „Es ist immer schwierig, den Herrchen und Frauchen zu erklären, dass sie nicht auf den Hund zulaufen sollen. Sie müssen warten, bis der Hund von sich aus auf sie zukommt“, nennt Nadine Gehrmann einen der Ratschläge.

„Das normale Leben auf der Straße" für die Hündin

Sie habe den jungen „Hunde-Eltern“ aus Berlin immer wieder versucht zu erklären, „dass es für uns vielleicht komisch ist, dass Lotta da draußen rumläuft. Aber für sie war das ihr normales Leben auf der Straße. Sie weiß, wie man dort überlebt.“

Vielmehr könne es für den Hund komisch sein, mittlerweile ein Dach über dem Kopf zu haben. Schließlich war Lotta vor ihrer Flucht erst zehn Tage in Berlin bei ihrer neuen Familie. So habe es dann, knapp acht Tage nach der Flucht, noch einige Zeit benötigt, den Mischling endlich wieder einzufangen.

Entsprechend glücklich ist Besitzerin Talea Mansholt auch über den Ausgang der Suche. „Die Zusammenarbeit mit den Facebook-Gruppen, mit der Pettrailerin und Nadine Gehrmann hat hervorragend funktioniert“, sagt sie. Vor allem der Espelkamperin sei sie unglaublich dankbar für ihren Einsatz. „Ohne sie hätten wir es schwer gehabt, unsere Lotta wiederzufinden.“

Und damit sich das Erlebnis nicht noch einmal wiederholt, hat sich das Pärchen aus Berlin nun mit Lotta für einen Online-Kurs in der Hundeschule von Nadine Gehrmann angemeldet. Sicher ist sicher.

Copyright © Mindener Tageblatt 2022
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Petershagen