Einzigartiges Gespann: Petershäger baut eigenen Wohnwagen und zieht ihn mit historischem Unimog Malina Reckordt Petershagen. Wenn Ulrich Büsching mit seinem Gespann auf einen Camping-Platz fährt, staunen die anderen Gäste nicht schlecht. Denn erstens zieht nicht ein normaler Pkw den Wohnwagen, sondern ein 46 Jahre alter Mercedes-Benz Unimog. Und zweitens hat Ulrich Büsching seinen Wohnwagen komplett selbst aufgebaut. Er hat ihn nicht bloß umgebaut, sondern den gesamten Camper eigenständig konstruiert. Und das mit Erfolg: Beim Selbstausbauertreffen im Südseecamp (Lüneburger Heide) hat der Petershagener vor zwei Jahren den ersten Platz belegt. Zum Camping gekommen ist Ulrich Büsching über ein weiteres Hobby – die Unimogs. Zusammen mit anderen Fahrern ist er mit einem alten Bauwagen zum Treffen gefahren. Weil ihm das aber zu unbequem geworden ist, hatte Ulrich Büsching Ende 2014 die Idee, einen eigenen, neuen Wohnwagen zu bauen. Also kaufte er sich ein zweiachsiges Fahrgestell und deckte sich mit etlichen Kanthölzern, Möbelsperrholz, Dämmmaterial, etwa 150 Metern Kabel und jeder Menge weiterem Baumaterial ein. „Bis Juni 2015 habe ich mich fast jeden zweiten Tag in die Werkstatt zurückgezogen", sagt Büsching. Als er dann fertig war, musste er die Luft aus den Rädern lassen, um das Fahrzeug durch das Werkstattor zu schieben. „Das war aber alles so geplant", sagt der Petershäger. In verschiedenen Selbstausbauer-Foren hat sich Büsching im Vorfeld informiert und dort den Satz gelesen: „Einen Wohnwagen baut man von innen nach außen." Also hat er zunächst das Holzständer-Werk aufgebaut, anschließend Innenwände eingesetzt und Kabel verlegt. „Bevor ich gestartet bin, habe ich mich beim TÜV informiert, welche Vorgaben ich beachten muss", sagt Büsching. Das empfehle er jedem, der selbst ein Campingfahrzeug (um-)bauen möchte. Dann hat er die Wände, den Boden und das Dach gedämmt sowie von außen Lärchenholz angebracht, das als sehr witterungsbeständig gilt. „Der Wagen ist quasi winterfest", meint der 60-Jährige. Übrigens: Ulrich Büsching ist weder Tischler, Zimmerer oder Klempner, sondern hat sich alles selbst angeeignet. Lediglich beim Dach hat er sich Hilfe von einem Experten geholt. Schließlich ging es an die Möbel, die der Petershäger aus Echtholz gefertigt hat. Im hinteren Bereich sind zwei Betten eingebaut, die man hochklappen kann. Unter den Betten befinden sich ein Teil der Technik sowie ein 100 Liter fassender Frischwassertank und ein 120 Liter fassender Abwassertank. Die Größe der Küchenschränke hat Ulrich Büsching genau geplant. „Wir haben überlegt, wie viele Tassen, Gläser und Teller wir benötigen und entsprechend den Schrank gebaut", sagt er. Für die Gläser hat er ein Gestell konstruiert, in dem sie während der Fahrt nicht umkippen können. Zwei Kochplatten, Kühlschrank und eine Spüle gehören zur weiteren Küchenausstattung. Das Badezimmer besteht aus einer 75 mal 75 Zentimeter großen Dusche, einem hochklappbaren Waschbecken und einer Toilette. „Die große Dusche war mir besonders wichtig. In üblichen Wohnwagen ist die meist deutlich kleiner", so Büsching. Die Tür zum Badezimmer kann man nur bis zum einem gewissen Punkt öffnen, damit von draußen niemand hinsehen kann – eine von vielen Kleinigkeiten, an die der Heimwerker gedacht hat. Ein Fernseher steht zum Beispiel auf einer um 180 Grad drehbaren Konsole, damit man vom Bett und von der Sitzecke im vorderen Bereich schauen kann. Die Gardinen für alle Fenster hat Lore Büsching genäht – aus dem gleichen Stoff wie der Polsterbezug in der Sitzecke. Günstig war das Projekt nicht. Für die Materialen hat Ulrich Büsching 18.000 Euro bezahlt. Die Wiederherstellungskosten laut Wertgutachten übersteigen diese Summe deutlich. Wenn Ulrich Büsching in zwei Jahren in den Vorruhestand geht, möchte er mit seiner Frau auch längere Touren unternehmen. Bislang waren sie meistens in Norddeutschland unterwegs. Damit es auch mal in die Berge gehen kann, macht er derzeit seinen dritten Unimog fit – der hat noch ein paar PS mehr als das jetzige Zugfahrzeug.

Einzigartiges Gespann: Petershäger baut eigenen Wohnwagen und zieht ihn mit historischem Unimog

Der Wohnwagen von Lore und Ulrich Büsching ist ein Unikat, denn er ist komplett selbst gebaut. Das Zugfahrzeug, ein 46 Jahre alter Mercedes-Benz Unimog, ist ebenfalls eine Rarität. © Foto: Mathias Piontek/Camping, Cars & Caravans

Petershagen. Wenn Ulrich Büsching mit seinem Gespann auf einen Camping-Platz fährt, staunen die anderen Gäste nicht schlecht. Denn erstens zieht nicht ein normaler Pkw den Wohnwagen, sondern ein 46 Jahre alter Mercedes-Benz Unimog. Und zweitens hat Ulrich Büsching seinen Wohnwagen komplett selbst aufgebaut. Er hat ihn nicht bloß umgebaut, sondern den gesamten Camper eigenständig konstruiert. Und das mit Erfolg: Beim Selbstausbauertreffen im Südseecamp (Lüneburger Heide) hat der Petershagener vor zwei Jahren den ersten Platz belegt.

Zum Camping gekommen ist Ulrich Büsching über ein weiteres Hobby – die Unimogs. Zusammen mit anderen Fahrern ist er mit einem alten Bauwagen zum Treffen gefahren. Weil ihm das aber zu unbequem geworden ist, hatte Ulrich Büsching Ende 2014 die Idee, einen eigenen, neuen Wohnwagen zu bauen. Also kaufte er sich ein zweiachsiges Fahrgestell und deckte sich mit etlichen Kanthölzern, Möbelsperrholz, Dämmmaterial, etwa 150 Metern Kabel und jeder Menge weiterem Baumaterial ein. „Bis Juni 2015 habe ich mich fast jeden zweiten Tag in die Werkstatt zurückgezogen", sagt Büsching. Als er dann fertig war, musste er die Luft aus den Rädern lassen, um das Fahrzeug durch das Werkstattor zu schieben. „Das war aber alles so geplant", sagt der Petershäger.

In verschiedenen Selbstausbauer-Foren hat sich Büsching im Vorfeld informiert und dort den Satz gelesen: „Einen Wohnwagen baut man von innen nach außen." Also hat er zunächst das Holzständer-Werk aufgebaut, anschließend Innenwände eingesetzt und Kabel verlegt. „Bevor ich gestartet bin, habe ich mich beim TÜV informiert, welche Vorgaben ich beachten muss", sagt Büsching. Das empfehle er jedem, der selbst ein Campingfahrzeug (um-)bauen möchte.

In einem Buch hat Ulrich Büsching alle Schritte vom Wohnwagen-Bau festgehalten. Hier sieht man unter anderem das Badezimmer (links).
In einem Buch hat Ulrich Büsching alle Schritte vom Wohnwagen-Bau festgehalten. Hier sieht man unter anderem das Badezimmer (links).

Dann hat er die Wände, den Boden und das Dach gedämmt sowie von außen Lärchenholz angebracht, das als sehr witterungsbeständig gilt. „Der Wagen ist quasi winterfest", meint der 60-Jährige. Übrigens: Ulrich Büsching ist weder Tischler, Zimmerer oder Klempner, sondern hat sich alles selbst angeeignet. Lediglich beim Dach hat er sich Hilfe von einem Experten geholt.

Schließlich ging es an die Möbel, die der Petershäger aus Echtholz gefertigt hat. Im hinteren Bereich sind zwei Betten eingebaut, die man hochklappen kann. Unter den Betten befinden sich ein Teil der Technik sowie ein 100 Liter fassender Frischwassertank und ein 120 Liter fassender Abwassertank.

Unter dem hochklappbaren Bett versteckt sich ein Teil der Technik sowie Wassertanks. MT-Fotos (2): Reckordt
Unter dem hochklappbaren Bett versteckt sich ein Teil der Technik sowie Wassertanks. MT-Fotos (2): Reckordt

Die Größe der Küchenschränke hat Ulrich Büsching genau geplant. „Wir haben überlegt, wie viele Tassen, Gläser und Teller wir benötigen und entsprechend den Schrank gebaut", sagt er. Für die Gläser hat er ein Gestell konstruiert, in dem sie während der Fahrt nicht umkippen können. Zwei Kochplatten, Kühlschrank und eine Spüle gehören zur weiteren Küchenausstattung.

Das Badezimmer besteht aus einer 75 mal 75 Zentimeter großen Dusche, einem hochklappbaren Waschbecken und einer Toilette. „Die große Dusche war mir besonders wichtig. In üblichen Wohnwagen ist die meist deutlich kleiner", so Büsching. Die Tür zum Badezimmer kann man nur bis zum einem gewissen Punkt öffnen, damit von draußen niemand hinsehen kann – eine von vielen Kleinigkeiten, an die der Heimwerker gedacht hat. Ein Fernseher steht zum Beispiel auf einer um 180 Grad drehbaren Konsole, damit man vom Bett und von der Sitzecke im vorderen Bereich schauen kann. Die Gardinen für alle Fenster hat Lore Büsching genäht – aus dem gleichen Stoff wie der Polsterbezug in der Sitzecke.

Günstig war das Projekt nicht. Für die Materialen hat Ulrich Büsching 18.000 Euro bezahlt. Die Wiederherstellungskosten laut Wertgutachten übersteigen diese Summe deutlich.

Wenn Ulrich Büsching in zwei Jahren in den Vorruhestand geht, möchte er mit seiner Frau auch längere Touren unternehmen. Bislang waren sie meistens in Norddeutschland unterwegs. Damit es auch mal in die Berge gehen kann, macht er derzeit seinen dritten Unimog fit – der hat noch ein paar PS mehr als das jetzige Zugfahrzeug.

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