Eine Chance auf Zukunft: Hier gibt es Hilfe nach langer Arbeitslosigkeit Oliver Plöger Petershagen-Windheim. Wie lange der Fensterrahmen in der ehemaligen Berufsschule in Windheim die Glasscheibe gehalten hat, weiß hier keiner so genau. Eines aber wissen alle: Er wird noch viele weitere Jahre im Einsatz sein. So wie alle Fensterrahmen des Gebäudes. Dafür sorgen die Mitarbeitenden der Initiative für Arbeit und Schule (Ifas). Die renovieren gerade ihr Arbeitsdomizil, denn Berufsschule für Schifffahrt oder – wie später – Übergangswohnheim ist das städtische Haus an der Hans-Lüken-Straße schon lange nicht mehr. Hier treffen sich die derzeit 18 Beschäftigten der Ifas täglich zur Lagebesprechung, schwärmen zu ihren Einsätzen aus oder werkeln am oder im Gebäude. So wie Sascha Klöpper und Frank Altemeier, die gerade – was die Aufarbeitung von Fenstern angeht – ihr großes Können unter Beweis stellen. „Die sehen ja wirklich wie neu aus“, sagt Ifas-Geschäftsführerin Petra Krinke aus der Hauptstelle Bad Oeynhausen und freut sich über den „positiven Synergieeffekt“. Oft könne man über die Ergebnisse nämlich nur staunen, was die Teilnehmenden dann auch stark mache: Ja, ich kann etwas, ja, ich traue mir mehr zu. „Wer zum Beispiel gute Arbeit in der Holzwerkstatt leistet und hier Anerkennung erfährt, geht vielleicht auch nach draußen in den Grünbereich.“ Denn Arbeiten, die die Stadt mit der eigenen Grünkolonne nicht leisten kann, leisten die Ifas-Leute. „Etwa, wenn der Bereich vor dem Alten Amtsgericht für eine Hochzeit schick gemacht werden soll oder eine Hecke im Freibad zu schneiden ist“, sagt Standortleiterin Ursula Heß. Ganz aktuell gab es Arbeiten gemeinsam mit der Stabsstelle für Hochwasserschutz in Schlüsselburg. „Die haben Leute gebraucht, die Isolatoren in den fest installierten Weidezaun drücken und den Draht einspannen“, so Ursula Heß. Über sechs Tage sei das Projekt gemeinsam mit Naturschutzbund und Biologischer Station umgesetzt worden. Die Teilnehmenden seien begeistert gewesen. „Es funktioniert, weil die Leute wissen, dass sie sinnvolle Arbeit machen.“ Das habe sich in Petershagen mittlerweile herumgesprochen: Die Grundschule am Koppelweg habe angefragt, ob die Ifas bei der Anlage eines Naturpfads behilflich sein könnte, auch die Vereine in der Nachbarschaft klopfen gern mal an: Wenn die Kulturgemeinschaft gerade kein Personal für die Aufarbeitung der Bänke hat, dann hilft die Ifas, bei der Pflege des örtlichen Marktplatzes sowieso. Etabliert habe sich auch die gute Zusammenarbeit mit dem Förderverein der Grundschule Friedewalde-Eldagsen, der Kita Arche Noah, mit der gerade ein Naturgarten angelegt wurde, oder dem Verein Denkmal, der Windheim No 2 betreibt. Dort mischt die Ifas beim Aufbau der jährlichen Schmiedeveranstaltung „Feuer und Flamme“ mit und gibt gegen Spenden auch die Waren ab, die in der Standort-Werkstatt entstehen: Stofftaschen, Regale aus gespendetem Palettenholz, Insektenhotels, Nistkästen, Fledermauskästen oder die pfiffigen Holz-Plastiken, die Teilnehmer Sergej Franz herstellt. „Das kann ich noch“, sagt er ein wenig stolz – trotz seines künstlichen Schultergelenks. Zum Positiven verändert habe sich die Sicht auf die Mitarbeitenden, die zunächst für sechs Monate im Ifas-Einsatz sind, dann aber noch Verlängerungen bis zwei, in Härtefällen drei Jahre beantragen können, meint Ursula Heß. Sie würden nicht als Handlanger oder billige Kräfte gesehen, sondern als Leute, die wertvolle Arbeit leisten. Der Ton auf den Baustellen gegenüber den Ifas-Leuten sei immens wichtig. Die Ifas, die vom Amt Pro Arbeit beauftragt wird, will die Eingliederung oder Wiedereingliederung von Jugendlichen, Langzeitarbeitslosen und Berufsrückkehrern in den ersten Arbeitsmarkt möglich machen. Auch die Vermittlung von Praktika seien Erfolgserlebnisse, wie Heß und Grinke betonen. Jeder Teilnehmer, jeder Lebenslauf werde individuell betrachtet, oft gebe es eben nicht nur die lange Arbeitslosigkeit, familiäre Sorgen kämen hinzu, körperliche Beschwerden, psychische Probleme, Suchterfahrungen, mehr und mehr Sorgen um den Aufenthaltsstatus. Versucht werde stets, die einzelnen Personen mitzunehmen, auch diejenigen, die erstmal meinen, dass sie nicht geeignet sind. Ursula Heß versucht im Profiling-Gespräch deutlich zu machen: „Probier dich drei Monate aus, vielleicht ist es besser als du glaubst.“ Die Ifas sorge dann für Struktur und Stabilisierung, hole die Mitarbeitenden morgens an zwei Treffpunkten in Petershagen und Lahde ab, stelle auch Fahrräder zur Verfügung oder kümmere sich um das Weser-Werre-Ticket. Auf den mäßigen Stundenlohn von 1,50 Euro habe die gemeinnützige GmbH keinen Einfluss, sagt Petra Grinke. „Wir sind aber trotzdem froh, dass es dieses Förderprojekt gibt. Würden die Leute mehr verdienen, würde das von der Sozialhilfe abgezogen.“ Immerhin 20 Prozent der Teilnehmenden seien so im Anschluss an ihre Ifas-Zeit in einen zukunftsweisenden Arbeitsplatz vermittelt worden, gerade erst wieder einer in einen Gartenbetrieb. „Die Ifas ist das Beste, was mir passieren konnte“, sagt Alexander Werner, der vor fast sechs Jahren zunächst als Teilnehmer an den Projekten beteiligt war, mittlerweile als Vorarbeiter zum festen Standort-Team gehört – auch das ist möglich. Fest dazu gehören neben Melanie Büttner aus der Standortverwaltung auch die Anleiter Jens Hormann und Dirk Mensing, die als ausgebildete Kräfte Ansprechpartner bei den Arbeitseinsätzen sind. Richtig wohl fühlt sich auch Dirk Altvater, der in der Werkstatt gerne an seinen Nistkästen arbeitet. Dass es die Ifas gibt, helfe dem 53-Jährige sehr: „Ich wüsste nicht, was ich sonst machen sollte.“ Arbeit gibt es für die Ifas-Crew auf jeden Fall auch in Zukunft genug, ist Petra Krinke überzeugt. Wenn nicht gerade auf Anforderung der Schulen, Kindergärten, Stadt oder Biostation, dann immer am Standort selbst. Dort liegt die Renovierung des Gebäudes allen besonders am Herzen. Und dass sich die Ifas seit 2004 in einer ehemaligen Berufsschule befindet, sei auch gerade Thema: „Es könnte sich lohnen, die Geschichte dieses Hauses aufzuarbeiten“, sagt Ursula Heß und hat schon wieder das nächste Projekt im Kopf.

Eine Chance auf Zukunft: Hier gibt es Hilfe nach langer Arbeitslosigkeit

Was in den Werkstätten entsteht (hier Taschen von Katharina Gill, vorn), wird auf Märkten gegen Spenden angeboten. Ifas-Standortleiterin ist Ursula Heß (links), Geschäftsführerin Petra Krinke (rechts). MT-Fotos: Oliver Plöger © plöger

Petershagen-Windheim. Wie lange der Fensterrahmen in der ehemaligen Berufsschule in Windheim die Glasscheibe gehalten hat, weiß hier keiner so genau. Eines aber wissen alle: Er wird noch viele weitere Jahre im Einsatz sein. So wie alle Fensterrahmen des Gebäudes. Dafür sorgen die Mitarbeitenden der Initiative für Arbeit und Schule (Ifas). Die renovieren gerade ihr Arbeitsdomizil, denn Berufsschule für Schifffahrt oder – wie später – Übergangswohnheim ist das städtische Haus an der Hans-Lüken-Straße schon lange nicht mehr. Hier treffen sich die derzeit 18 Beschäftigten der Ifas täglich zur Lagebesprechung, schwärmen zu ihren Einsätzen aus oder werkeln am oder im Gebäude.

So wie Sascha Klöpper und Frank Altemeier, die gerade – was die Aufarbeitung von Fenstern angeht – ihr großes Können unter Beweis stellen. „Die sehen ja wirklich wie neu aus“, sagt Ifas-Geschäftsführerin Petra Krinke aus der Hauptstelle Bad Oeynhausen und freut sich über den „positiven Synergieeffekt“. Oft könne man über die Ergebnisse nämlich nur staunen, was die Teilnehmenden dann auch stark mache: Ja, ich kann etwas, ja, ich traue mir mehr zu. „Wer zum Beispiel gute Arbeit in der Holzwerkstatt leistet und hier Anerkennung erfährt, geht vielleicht auch nach draußen in den Grünbereich.“

Selbermacher: Sascha Klöpper und Frank Altemeier (rechts) arbeiten die Fenster des Ifas-Standorts auf. - © plöger
Selbermacher: Sascha Klöpper und Frank Altemeier (rechts) arbeiten die Fenster des Ifas-Standorts auf. - © plöger

Denn Arbeiten, die die Stadt mit der eigenen Grünkolonne nicht leisten kann, leisten die Ifas-Leute. „Etwa, wenn der Bereich vor dem Alten Amtsgericht für eine Hochzeit schick gemacht werden soll oder eine Hecke im Freibad zu schneiden ist“, sagt Standortleiterin Ursula Heß.

Ganz aktuell gab es Arbeiten gemeinsam mit der Stabsstelle für Hochwasserschutz in Schlüsselburg. „Die haben Leute gebraucht, die Isolatoren in den fest installierten Weidezaun drücken und den Draht einspannen“, so Ursula Heß. Über sechs Tage sei das Projekt gemeinsam mit Naturschutzbund und Biologischer Station umgesetzt worden. Die Teilnehmenden seien begeistert gewesen. „Es funktioniert, weil die Leute wissen, dass sie sinnvolle Arbeit machen.“ Das habe sich in Petershagen mittlerweile herumgesprochen: Die Grundschule am Koppelweg habe angefragt, ob die Ifas bei der Anlage eines Naturpfads behilflich sein könnte, auch die Vereine in der Nachbarschaft klopfen gern mal an: Wenn die Kulturgemeinschaft gerade kein Personal für die Aufarbeitung der Bänke hat, dann hilft die Ifas, bei der Pflege des örtlichen Marktplatzes sowieso.

Geschickt: Dirk Altvater baut Nistkästen. - © Plöger
Geschickt: Dirk Altvater baut Nistkästen. - © Plöger

Etabliert habe sich auch die gute Zusammenarbeit mit dem Förderverein der Grundschule Friedewalde-Eldagsen, der Kita Arche Noah, mit der gerade ein Naturgarten angelegt wurde, oder dem Verein Denkmal, der Windheim No 2 betreibt. Dort mischt die Ifas beim Aufbau der jährlichen Schmiedeveranstaltung „Feuer und Flamme“ mit und gibt gegen Spenden auch die Waren ab, die in der Standort-Werkstatt entstehen: Stofftaschen, Regale aus gespendetem Palettenholz, Insektenhotels, Nistkästen, Fledermauskästen oder die pfiffigen Holz-Plastiken, die Teilnehmer Sergej Franz herstellt. „Das kann ich noch“, sagt er ein wenig stolz – trotz seines künstlichen Schultergelenks.

Zum Positiven verändert habe sich die Sicht auf die Mitarbeitenden, die zunächst für sechs Monate im Ifas-Einsatz sind, dann aber noch Verlängerungen bis zwei, in Härtefällen drei Jahre beantragen können, meint Ursula Heß. Sie würden nicht als Handlanger oder billige Kräfte gesehen, sondern als Leute, die wertvolle Arbeit leisten. Der Ton auf den Baustellen gegenüber den Ifas-Leuten sei immens wichtig.

Die Ifas, die vom Amt Pro Arbeit beauftragt wird, will die Eingliederung oder Wiedereingliederung von Jugendlichen, Langzeitarbeitslosen und Berufsrückkehrern in den ersten Arbeitsmarkt möglich machen. Auch die Vermittlung von Praktika seien Erfolgserlebnisse, wie Heß und Grinke betonen.

Jeder Teilnehmer, jeder Lebenslauf werde individuell betrachtet, oft gebe es eben nicht nur die lange Arbeitslosigkeit, familiäre Sorgen kämen hinzu, körperliche Beschwerden, psychische Probleme, Suchterfahrungen, mehr und mehr Sorgen um den Aufenthaltsstatus. Versucht werde stets, die einzelnen Personen mitzunehmen, auch diejenigen, die erstmal meinen, dass sie nicht geeignet sind. Ursula Heß versucht im Profiling-Gespräch deutlich zu machen: „Probier dich drei Monate aus, vielleicht ist es besser als du glaubst.“ Die Ifas sorge dann für Struktur und Stabilisierung, hole die Mitarbeitenden morgens an zwei Treffpunkten in Petershagen und Lahde ab, stelle auch Fahrräder zur Verfügung oder kümmere sich um das Weser-Werre-Ticket.

Auf den mäßigen Stundenlohn von 1,50 Euro habe die gemeinnützige GmbH keinen Einfluss, sagt Petra Grinke. „Wir sind aber trotzdem froh, dass es dieses Förderprojekt gibt. Würden die Leute mehr verdienen, würde das von der Sozialhilfe abgezogen.“ Immerhin 20 Prozent der Teilnehmenden seien so im Anschluss an ihre Ifas-Zeit in einen zukunftsweisenden Arbeitsplatz vermittelt worden, gerade erst wieder einer in einen Gartenbetrieb.

„Die Ifas ist das Beste, was mir passieren konnte“, sagt Alexander Werner, der vor fast sechs Jahren zunächst als Teilnehmer an den Projekten beteiligt war, mittlerweile als Vorarbeiter zum festen Standort-Team gehört – auch das ist möglich. Fest dazu gehören neben Melanie Büttner aus der Standortverwaltung auch die Anleiter Jens Hormann und Dirk Mensing, die als ausgebildete Kräfte Ansprechpartner bei den Arbeitseinsätzen sind. Richtig wohl fühlt sich auch Dirk Altvater, der in der Werkstatt gerne an seinen Nistkästen arbeitet. Dass es die Ifas gibt, helfe dem 53-Jährige sehr: „Ich wüsste nicht, was ich sonst machen sollte.“

Arbeit gibt es für die Ifas-Crew auf jeden Fall auch in Zukunft genug, ist Petra Krinke überzeugt. Wenn nicht gerade auf Anforderung der Schulen, Kindergärten, Stadt oder Biostation, dann immer am Standort selbst. Dort liegt die Renovierung des Gebäudes allen besonders am Herzen. Und dass sich die Ifas seit 2004 in einer ehemaligen Berufsschule befindet, sei auch gerade Thema: „Es könnte sich lohnen, die Geschichte dieses Hauses aufzuarbeiten“, sagt Ursula Heß und hat schon wieder das nächste Projekt im Kopf.

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