Ein beispielhaftes Kleinod: Alte Synagoge Petershagen steht in Wanderausstellung exemplarisch für kleine Landsynagogen in Westfalen Jürgen Langenkämper Petershagen. In der Stadt und der Region ist der herausragende Charakter der Alten Synagoge Petershagen längst nicht nur Eingeweihten bekannt. Jetzt richtet eine Wanderausstellung landesweit den Blick auf das Kleinod an der Weser. „Petershagen ist eine von zwei kleinen Landsynagogen in Nordrhein-Westfalen, die exemplarisch mit vorgestellt werden“, ist Wolfgang Battermann von der Arbeitsgemeinschaft Alte Synagoge stolz darauf, das das Ensemble in der Goebenstraße in Wort und Bild in dem großen historischen Kontext erscheint. In diesem Jahr rücken 1.700 Jahre jüdischer Geschichte in den Blickpunkt. Denn 321 hatte Kaiser Konstantin Gesetz erlassen, demzufolge Juden reichsweit in den Provinzhauptstädten des Römischen Reiches von nun an in den Stadtrat berufen werden konnten. „Diese früheste Quelle belegt die Existenz jüdischer Gemeinschaften nördlich der Alpen“, sagt Wolfgang Battermann. Ein Antwortschreiben der kaiserlichen Verwaltung richtete sich ausdrücklich an den Kölner Stadtrat und stellt als Urkunde die älteste erhaltene Quelle für das Vorhandensein von Juden in Deutschland dar. Dieses Dekret bildet den Ausgangspunkt für das deutschlandweite Jubiläumsjahr und für die Ausstellung des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR). Auch früher schon gab es sicherlich einzelne jüdische Menschen im römischen Teil Germaniens. Nur gab es dafür keine gesicherten Belege. Nach Petershagen kamen die ersten Juden erst sehr viel später. Denn zur Zeit Konstantins hausten hier Germanen, die mit monotheistischen Religionen nichts am Helm hatten. Ob schon im Hoch- und Spätmittelalter Juden im Ort vorübergehend oder dauerhaft sesshaft wurden und während des großen Pestpogroms 1348 getötet oder vertrieben wurden, ist unerforscht. 200 Jahre später jedoch, ab 1548/49, lebten wieder jüdische Familien in dem Ort rund um das Schloss des Fürstbischofs. „Sie sind lange an die Gemeinde in Minden angegliedert“, erfahren die Ausstellungsbesucher durch den Begleittext zu einer Außenansicht des Synagogengebäudes. „Da das Geleitgeld in Petershagen geringer als in Minden ist, siedeln immer mehr Jüdinnen und Juden hier an, bis in den 1680er Jahren eine eigenständige Gemeinde entsteht.“ Die Baugeschichte geht aus dem Text zu einer Innenansicht des lichtdurchfluteten Gebetsraumes hervor: „1796 weiht die Petershagener Gemeinde ihre erste Synagoge. 1845 wird das baufällige Bethaus abgerissen und ein Backsteinbau, der heute noch steht, am gleichen Ort errichtet. Ab 1853 ist der Synagogenbezirk Petershagen Zentrum für acht jüdische Gemeinden im Umkreis.“ Die Ausstellung „„Menschen, Bilder, Orte – 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ wurde von „MiQua LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier in Köln“ kuratiert. Nach der ersten Station in Essen (3. März bis 27. April) sind die vier thematischen Kuben angeordneten Exponate vom 6. Mai bis 25. Juni im LWL-Landeshaus in Münster zu sehen, bevor sie ins LVR-Landeshaus Köln (2. Juli bis 12. August), ins LVR-Niederrheinmuseum Wesel (18. August bis 15. Oktober) und ins Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund (24. Oktober bis 12. Dezember) gehen. In den begehbaren Ausstellungskuben geht es um die Schwerpunkte „Recht und Unrecht“, „Leben und Miteinander“, „Religion und Geistesgeschichte“ sowie „Kunst und Kultur“. Die Alte Synagoge Petershagen wurde in den ersten Kubus aufgenommen. Ihr Beispiel zeigt eine Phase der Ansiedlung, der Beheimatung und der relativen Gleichberechtigung als Minderheit in einer ländlich geprägten Umgebung während der frühen Neuzeit bis an die Schwelle des 20. Jahrhundert und seinem glühenden Antisemitismus. Die Wanderausstellung ist Teil eines Programms, das im Laufe dieses Jahres mit mehr als 70 Veranstaltungen an 31 Orten in Westfalen-Lippe und im Rheinland jüdisches Leben sicht- und erlebbar macht. Im Juli ist Petershagen Ziel eines Bochumer Projektes, das in diesem Sommer Landsynagogen in Westfalen besucht.

Ein beispielhaftes Kleinod: Alte Synagoge Petershagen steht in Wanderausstellung exemplarisch für kleine Landsynagogen in Westfalen

Beispielhaft für das ganze Land: Die Alte Synagoge Petershagen erscheint als ein Beispiel für kleinere Landsynagogen im Rheinland und Westfalen in der Wanderausstellung zu 1.700 Jahre jüdisches Leben. Foto: NRW-Stiftung/Stefan Ziese © Stefan Ziese

Petershagen. In der Stadt und der Region ist der herausragende Charakter der Alten Synagoge Petershagen längst nicht nur Eingeweihten bekannt. Jetzt richtet eine Wanderausstellung landesweit den Blick auf das Kleinod an der Weser. „Petershagen ist eine von zwei kleinen Landsynagogen in Nordrhein-Westfalen, die exemplarisch mit vorgestellt werden“, ist Wolfgang Battermann von der Arbeitsgemeinschaft Alte Synagoge stolz darauf, das das Ensemble in der Goebenstraße in Wort und Bild in dem großen historischen Kontext erscheint.

In diesem Jahr rücken 1.700 Jahre jüdischer Geschichte in den Blickpunkt. Denn 321 hatte Kaiser Konstantin Gesetz erlassen, demzufolge Juden reichsweit in den Provinzhauptstädten des Römischen Reiches von nun an in den Stadtrat berufen werden konnten. „Diese früheste Quelle belegt die Existenz jüdischer Gemeinschaften nördlich der Alpen“, sagt Wolfgang Battermann. Ein Antwortschreiben der kaiserlichen Verwaltung richtete sich ausdrücklich an den Kölner Stadtrat und stellt als Urkunde die älteste erhaltene Quelle für das Vorhandensein von Juden in Deutschland dar. Dieses Dekret bildet den Ausgangspunkt für das deutschlandweite Jubiläumsjahr und für die Ausstellung des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR).

Auch früher schon gab es sicherlich einzelne jüdische Menschen im römischen Teil Germaniens. Nur gab es dafür keine gesicherten Belege.

Nach Petershagen kamen die ersten Juden erst sehr viel später. Denn zur Zeit Konstantins hausten hier Germanen, die mit monotheistischen Religionen nichts am Helm hatten. Ob schon im Hoch- und Spätmittelalter Juden im Ort vorübergehend oder dauerhaft sesshaft wurden und während des großen Pestpogroms 1348 getötet oder vertrieben wurden, ist unerforscht. 200 Jahre später jedoch, ab 1548/49, lebten wieder jüdische Familien in dem Ort rund um das Schloss des Fürstbischofs. „Sie sind lange an die Gemeinde in Minden angegliedert“, erfahren die Ausstellungsbesucher durch den Begleittext zu einer Außenansicht des Synagogengebäudes. „Da das Geleitgeld in Petershagen geringer als in Minden ist, siedeln immer mehr Jüdinnen und Juden hier an, bis in den 1680er Jahren eine eigenständige Gemeinde entsteht.“

Die Baugeschichte geht aus dem Text zu einer Innenansicht des lichtdurchfluteten Gebetsraumes hervor: „1796 weiht die Petershagener Gemeinde ihre erste Synagoge. 1845 wird das baufällige Bethaus abgerissen und ein Backsteinbau, der heute noch steht, am gleichen Ort errichtet. Ab 1853 ist der Synagogenbezirk Petershagen Zentrum für acht jüdische Gemeinden im Umkreis.“

Die Ausstellung „„Menschen, Bilder, Orte – 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ wurde von „MiQua LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier in Köln“ kuratiert. Nach der ersten Station in Essen (3. März bis 27. April) sind die vier thematischen Kuben angeordneten Exponate vom 6. Mai bis 25. Juni im LWL-Landeshaus in Münster zu sehen, bevor sie ins LVR-Landeshaus Köln (2. Juli bis 12. August), ins LVR-Niederrheinmuseum Wesel (18. August bis 15. Oktober) und ins Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund (24. Oktober bis 12. Dezember) gehen.

In den begehbaren Ausstellungskuben geht es um die Schwerpunkte „Recht und Unrecht“, „Leben und Miteinander“, „Religion und Geistesgeschichte“ sowie „Kunst und Kultur“. Die Alte Synagoge Petershagen wurde in den ersten Kubus aufgenommen. Ihr Beispiel zeigt eine Phase der Ansiedlung, der Beheimatung und der relativen Gleichberechtigung als Minderheit in einer ländlich geprägten Umgebung während der frühen Neuzeit bis an die Schwelle des 20. Jahrhundert und seinem glühenden Antisemitismus.

Die Wanderausstellung ist Teil eines Programms, das im Laufe dieses Jahres mit mehr als 70 Veranstaltungen an 31 Orten in Westfalen-Lippe und im Rheinland jüdisches Leben sicht- und erlebbar macht. Im Juli ist Petershagen Ziel eines Bochumer Projektes, das in diesem Sommer Landsynagogen in Westfalen besucht.

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