Ein Leben als Zwilling: Jannis und Lennart Springer machen fast alles gemeinsam Patrick Schwemling Petershagen (mt). Sie sind beide 1,90 Meter groß, haben blonde Haare, blaue Augen und auch sonst sind – zumindest auf den ersten Blick – keine Unterschiede zwischen Jannis und Lennart Springer zu erkennen. Kein Wunder: Die beiden Wietersheimer sind Zwillinge, ob eineiig oder zweieiig wissen sie selbst gar nicht. Allerdings spricht alles dafür. Neben den äußerlichen Merkmalen verbindet „die Springers" nämlich noch viel mehr. Sie spielen zusammen in einem Fußballteam und musizieren gemeinsam in der Band „Villagebeat" und dem Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Wietersheim-Leteln. Das war allerdings noch nicht alles: Beide studieren Wirtschaftsingenieurwesen mit dem Schwerpunkt Maschinenbau, jeweils im Rahmen eines Dualen Studiums bei Volkswagen. Wird das mit der Zeit nicht etwas zu viel? „Wir kennen es ja gar nicht anders", sagt Jannis, der eine Minute älter als sein Bruder Lennart ist. Denn seit der frühesten Kindheit haben die beiden den Großteil ihrer 23 Lebensjahre miteinander verbracht. Ob im Kindergarten, der Grundschule, dem Gymnasium und nun während des Studiums – die Zwillinge gibt es nur im Doppelpack. „Wobei wir im Kindergarten in verschiedenen Gruppen waren, und in der Oberstufe darauf geachtet wurde, dass wir nicht in die selben Leistungskurse kommen", erinnert sich Lennart. Da beide die Fächerkombination Mathe/Erdkunde wählten, klappte dies allerdings nur bedingt. „Von uns hat aber niemand für den anderen eine Klausur geschrieben", versichern sie heute. Nötig ist das auch nicht gewesen: Beide haben – ist doch klar – denselben guten Abiturdurchschnitt. Bei all den Gleichheiten haben nicht nur Fremde, sondern manchmal auch Freunde Probleme die beiden Blondschöpfe auseinanderzuhalten „Das kommt schon vor. Leute die uns gut kennen, sagen, dass sie uns an der Stimmlage und auch am Wesen unterscheiden können", erklären die Zwillinge. Für fremde Personen, oder welche die sie gerade erst kennengelernt haben gibt es einen einfachen Trick: Jannis hat seine Haare zur rechten Seite gegelt, Lennart hingegen zur Linken. Was ihnen aufgefallen ist: „Frauen und Mädchen kriegen es auf jeden Fall schneller hin", haben die beiden beobachtet: „Die schauen wahrscheinlich etwas genauer hin." Manche Leute bräuchten aber auch etwas länger. In diesem Zusammenhang verweisen sie auf den gemeinsamen Fußballtrainer bei der SV Kutenhausen-Todtenhausen, Holger Sarres. „Er hat es absolut nicht hinbekommen. Nach jetzt zweieinhalb Jahren hat er den Dreh aber meistens raus", erklärt Lennart. Dabei soll vor allem der Laufstil hilfreich sein: „Darin unterscheiden wir uns wohl. Und beim Training versuchen wir nicht dieselben Klamotten zu tragen. Das kommt allerdings ab und zu mal vor – und das ohne Absprache." Für den neutralen Beobachter ist es etwas leichter, da Lennart in der Abwehr und Jannis im Mittelfeld zuhause ist. „Das hätte aber auch anders aussehen können", mutmaßen die beiden und machen ihren ehemaligen Jugendtrainer für ihre heutigen Positionen verantwortlich. „Wir haben gemeinsam mit dem Fußball angefangen. Damals hieß es dann immer, dass Jannis nach vorne und ich in die Abwehr muss. Da war dann alles abgedeckt", erinnert sich Lennart, der aber auch nicht neidisch darauf ist, dass sein Bruder für das Toreschießen und er für das Verhindern zuständig ist. Generell ist Neid bei den 22-Jährigen eher fehl am Platz. „Der eine hat den anderen schon mal ein bisschen geärgert oder einen Spruch gedrückt, wenn der andere bei einer Klausur schlechter war oder so", sagt Jannis. „Aber eigentlich auch viel mehr, um den anderen zu motivieren", meint Lennart und fügt an: „Das hat bisher ja auch ganz gut geklappt." Im Gegensatz zu den Stereotypen, die viele Menschen beim Thema Zwillinge im Kopf haben, wollen die beiden nicht durch gleiche Kleidung („Das finden wir total albern") oder andere gängige Vorurteile auffallen. Die Brüder versuchen vielmehr von den Vorteilen des Zwillingsseins zu profitieren. „Und da gibt es wirklich viele", weiß das Duo zu berichten. Das fing schon in der frühesten Kindheit an. „Wir hatten immer einen Spielkameraden am Start", erinnern sich die Springers, die sich bis zur Grundschulzeit ein Zimmer teilten. Auch die räumliche Trennung führte nicht dazu, dass sich etwas änderte: „Da wir dieselben Hobbys und Freunde hatten, waren wir dauernd zusammen unterwegs." Das sei auch für die Eltern angenehm gewesen: „Wenn wir einen Fahrer brauchten, dann mussten sie nicht doppelt fahren." Das führte unter anderem dazu, dass die Brüder Teilnehmer eines „Zwillingstreff" waren. Damit ist allerdings keine Show-Veranstaltung, wie es sie auch gibt gemeint, sondern ein Treffpunkt von Zwillingen im selben Alter, die auch aus Petershagen kommen. „Wir waren fünf Zwillinge und unsere Mütter haben das organisiert und so genannt", sagt Lennart. Diese Treffen habe man sogar noch lange Zeit weitergeführt, Kontakt zu den anderen Zwillingen bestehe auch jetzt noch. Heutzutage sind es vor allem alltägliche – die beiden wohnen zusammen in einer WG – und auch berufliche Dingen, von denen der jeweils andere Zwilling profitiert. Als gutes Beispiel dafür dient die Geschichte, wie sie 2015 zu ihren Arbeits- und Studienplätzen gekommen sind. „Wir wollten nach dem Abi eigentlich nicht dasselbe machen, aber zusammen wohnen. Als ich beim Telefoninterview gefragt wurde, ob ich mir auch vorstellen könne, dass Lennart bei VW in einen anderen Studiengang kommt, habe ich gesagt, dass ich dann absagen werde", sagt Jannis und fügt an: „Das war vielleicht etwas hoch gepokert, aber es hat ja geklappt und rückblickend war es auf jeden Fall auch der richtige Schritt." Im Moment, beide befinden sich derzeit in den letzten Zügen ihres Bachelor-Studiums und haben im vergangenen Jahr ihren Abschluss als Industriemechaniker gemacht, ist es so, dass sie viele Kontakte für ihren weiteren beruflichen Werdegang stets doppelt knüpfen. „Wir sind in unterschiedlichen Bereichen, aber das passiert wirklich oft und bringt uns natürlich auch Vorteile", ist sich Lennart sicher. Doch das Zwillingsein allein auf diese Vorzüge zu reduzieren, wollen die Springers auch nicht. „Das ist natürlich ein schöner Nebeneffekt, aber eben auch nicht alles", sagt Jannis und beschreibt das Leben mit seinem Zwillingsbruder so: „Man erlebt fast alles zu zweit und hat immer jemanden, mit dem man direkt darüber sprechen kann. Außerdem sind wir selten allein, dauernd zu zweit. Das bringt auch Sicherheit, wenn man zum Beispiel in ein neues Umfeld kommt." Diese Erlebnisse werden sie auch künftig noch teilen. Denn nach dem Bachelorabschluss geht es für den Master an die Technische Universität Braunschweig – natürlich wieder zusammen, natürlich wieder zusammen in eine Wohngemeinschaft. Eben so, wie es schon immer war. Der Autor ist erreichbar unter Telefon (05 71) 88 21 67 und Patrick.Schwemling@MT.de MT-Serie "Zu Zweit": Bei der MT-Serie „Zu zweit" geht es um ein Team, das aus vielerlei Gründen gemeinsam unterwegs ist: im Leben, im Beruf, beim Hobby. Manchmal sind sie so aufeinander angewiesen, dass sie ihre Aufgabe ohne den anderen nicht erfüllen könnten. Manchmal ist die Zweisamkeit selbst gewählt. Die MT-Redaktion freut sich über Vorschläge – am besten per E-Mail mit einer kurzen Beschreibung, warum gerade diese beiden Vorgeschlagenen etwas Besonderes sind. Stichwort: „Zu zweit", E-Mail: lokales@MT.de

Ein Leben als Zwilling: Jannis und Lennart Springer machen fast alles gemeinsam

Die Zwillinge Jannis und Lennart Springer (von links) bei einem Ausflug während ihres Auslandsemesters in Schottland. © Foto: pr

Petershagen (mt). Sie sind beide 1,90 Meter groß, haben blonde Haare, blaue Augen und auch sonst sind – zumindest auf den ersten Blick – keine Unterschiede zwischen Jannis und Lennart Springer zu erkennen. Kein Wunder: Die beiden Wietersheimer sind Zwillinge, ob eineiig oder zweieiig wissen sie selbst gar nicht. Allerdings spricht alles dafür. Neben den äußerlichen Merkmalen verbindet „die Springers" nämlich noch viel mehr. Sie spielen zusammen in einem Fußballteam und musizieren gemeinsam in der Band „Villagebeat" und dem Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Wietersheim-Leteln. Das war allerdings noch nicht alles: Beide studieren Wirtschaftsingenieurwesen mit dem Schwerpunkt Maschinenbau, jeweils im Rahmen eines Dualen Studiums bei Volkswagen.

Wird das mit der Zeit nicht etwas zu viel? „Wir kennen es ja gar nicht anders", sagt Jannis, der eine Minute älter als sein Bruder Lennart ist. Denn seit der frühesten Kindheit haben die beiden den Großteil ihrer 23 Lebensjahre miteinander verbracht. Ob im Kindergarten, der Grundschule, dem Gymnasium und nun während des Studiums – die Zwillinge gibt es nur im Doppelpack.

Seit dem sechsten Lebensjahr stehen Lennart und Jannis (von links) zusammen auf dem Fußballplatz. Aktuell spielen sie bei der SVKT. MT- - © Foto: Schwemling
Seit dem sechsten Lebensjahr stehen Lennart und Jannis (von links) zusammen auf dem Fußballplatz. Aktuell spielen sie bei der SVKT. MT- - © Foto: Schwemling

„Wobei wir im Kindergarten in verschiedenen Gruppen waren, und in der Oberstufe darauf geachtet wurde, dass wir nicht in die selben Leistungskurse kommen", erinnert sich Lennart. Da beide die Fächerkombination Mathe/Erdkunde wählten, klappte dies allerdings nur bedingt. „Von uns hat aber niemand für den anderen eine Klausur geschrieben", versichern sie heute. Nötig ist das auch nicht gewesen: Beide haben – ist doch klar – denselben guten Abiturdurchschnitt.

Die Zwillinge spielen zusammen in der Petershäger Nachwuchsband „Villagebeat“. Hier bei einem Auftritt 2015 im Jazz Club Minden. Archivfoto: Rickert - © Rickert,Kerstin
Die Zwillinge spielen zusammen in der Petershäger Nachwuchsband „Villagebeat“. Hier bei einem Auftritt 2015 im Jazz Club Minden. Archivfoto: Rickert - © Rickert,Kerstin

Bei all den Gleichheiten haben nicht nur Fremde, sondern manchmal auch Freunde Probleme die beiden Blondschöpfe auseinanderzuhalten „Das kommt schon vor. Leute die uns gut kennen, sagen, dass sie uns an der Stimmlage und auch am Wesen unterscheiden können", erklären die Zwillinge. Für fremde Personen, oder welche die sie gerade erst kennengelernt haben gibt es einen einfachen Trick: Jannis hat seine Haare zur rechten Seite gegelt, Lennart hingegen zur Linken. Was ihnen aufgefallen ist: „Frauen und Mädchen kriegen es auf jeden Fall schneller hin", haben die beiden beobachtet: „Die schauen wahrscheinlich etwas genauer hin."

Manche Leute bräuchten aber auch etwas länger. In diesem Zusammenhang verweisen sie auf den gemeinsamen Fußballtrainer bei der SV Kutenhausen-Todtenhausen, Holger Sarres. „Er hat es absolut nicht hinbekommen. Nach jetzt zweieinhalb Jahren hat er den Dreh aber meistens raus", erklärt Lennart. Dabei soll vor allem der Laufstil hilfreich sein: „Darin unterscheiden wir uns wohl. Und beim Training versuchen wir nicht dieselben Klamotten zu tragen. Das kommt allerdings ab und zu mal vor – und das ohne Absprache." Für den neutralen Beobachter ist es etwas leichter, da Lennart in der Abwehr und Jannis im Mittelfeld zuhause ist.

„Das hätte aber auch anders aussehen können", mutmaßen die beiden und machen ihren ehemaligen Jugendtrainer für ihre heutigen Positionen verantwortlich. „Wir haben gemeinsam mit dem Fußball angefangen. Damals hieß es dann immer, dass Jannis nach vorne und ich in die Abwehr muss. Da war dann alles abgedeckt", erinnert sich Lennart, der aber auch nicht neidisch darauf ist, dass sein Bruder für das Toreschießen und er für das Verhindern zuständig ist.

Generell ist Neid bei den 22-Jährigen eher fehl am Platz. „Der eine hat den anderen schon mal ein bisschen geärgert oder einen Spruch gedrückt, wenn der andere bei einer Klausur schlechter war oder so", sagt Jannis. „Aber eigentlich auch viel mehr, um den anderen zu motivieren", meint Lennart und fügt an: „Das hat bisher ja auch ganz gut geklappt."

Im Gegensatz zu den Stereotypen, die viele Menschen beim Thema Zwillinge im Kopf haben, wollen die beiden nicht durch gleiche Kleidung („Das finden wir total albern") oder andere gängige Vorurteile auffallen. Die Brüder versuchen vielmehr von den Vorteilen des Zwillingsseins zu profitieren. „Und da gibt es wirklich viele", weiß das Duo zu berichten. Das fing schon in der frühesten Kindheit an. „Wir hatten immer einen Spielkameraden am Start", erinnern sich die Springers, die sich bis zur Grundschulzeit ein Zimmer teilten.

Auch die räumliche Trennung führte nicht dazu, dass sich etwas änderte: „Da wir dieselben Hobbys und Freunde hatten, waren wir dauernd zusammen unterwegs." Das sei auch für die Eltern angenehm gewesen: „Wenn wir einen Fahrer brauchten, dann mussten sie nicht doppelt fahren." Das führte unter anderem dazu, dass die Brüder Teilnehmer eines „Zwillingstreff" waren. Damit ist allerdings keine Show-Veranstaltung, wie es sie auch gibt gemeint, sondern ein Treffpunkt von Zwillingen im selben Alter, die auch aus Petershagen kommen. „Wir waren fünf Zwillinge und unsere Mütter haben das organisiert und so genannt", sagt Lennart. Diese Treffen habe man sogar noch lange Zeit weitergeführt, Kontakt zu den anderen Zwillingen bestehe auch jetzt noch.

Heutzutage sind es vor allem alltägliche – die beiden wohnen zusammen in einer WG – und auch berufliche Dingen, von denen der jeweils andere Zwilling profitiert. Als gutes Beispiel dafür dient die Geschichte, wie sie 2015 zu ihren Arbeits- und Studienplätzen gekommen sind. „Wir wollten nach dem Abi eigentlich nicht dasselbe machen, aber zusammen wohnen. Als ich beim Telefoninterview gefragt wurde, ob ich mir auch vorstellen könne, dass Lennart bei VW in einen anderen Studiengang kommt, habe ich gesagt, dass ich dann absagen werde", sagt Jannis und fügt an: „Das war vielleicht etwas hoch gepokert, aber es hat ja geklappt und rückblickend war es auf jeden Fall auch der richtige Schritt."

Im Moment, beide befinden sich derzeit in den letzten Zügen ihres Bachelor-Studiums und haben im vergangenen Jahr ihren Abschluss als Industriemechaniker gemacht, ist es so, dass sie viele Kontakte für ihren weiteren beruflichen Werdegang stets doppelt knüpfen. „Wir sind in unterschiedlichen Bereichen, aber das passiert wirklich oft und bringt uns natürlich auch Vorteile", ist sich Lennart sicher.

Doch das Zwillingsein allein auf diese Vorzüge zu reduzieren, wollen die Springers auch nicht. „Das ist natürlich ein schöner Nebeneffekt, aber eben auch nicht alles", sagt Jannis und beschreibt das Leben mit seinem Zwillingsbruder so: „Man erlebt fast alles zu zweit und hat immer jemanden, mit dem man direkt darüber sprechen kann. Außerdem sind wir selten allein, dauernd zu zweit. Das bringt auch Sicherheit, wenn man zum Beispiel in ein neues Umfeld kommt."

Diese Erlebnisse werden sie auch künftig noch teilen. Denn nach dem Bachelorabschluss geht es für den Master an die Technische Universität Braunschweig – natürlich wieder zusammen, natürlich wieder zusammen in eine Wohngemeinschaft. Eben so, wie es schon immer war.

Der Autor ist erreichbar unter Telefon (05 71) 88 21 67 und Patrick.Schwemling@MT.de

MT-Serie "Zu Zweit":

Bei der MT-Serie „Zu zweit" geht es um ein Team, das aus vielerlei Gründen gemeinsam unterwegs ist: im Leben, im Beruf, beim Hobby. Manchmal sind sie so aufeinander angewiesen, dass sie ihre Aufgabe ohne den anderen nicht erfüllen könnten. Manchmal ist die Zweisamkeit selbst gewählt.

Die MT-Redaktion freut sich über Vorschläge – am besten per E-Mail mit einer kurzen Beschreibung, warum gerade diese beiden Vorgeschlagenen etwas Besonderes sind.

Stichwort: „Zu zweit", E-Mail: lokales@MT.de

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