Ein Herz für knorrige Typen: Friedewalder sammelt Bilder des Mindener Künstlers Otto Quante Oliver Plöger Petershagen-Friedwalde. Er ist als streitbarer Politiker bekannt, als ehemaliger Ortsbürgermeister in Friedewalde, als amtierender Vorsitzender der Seniorenvertretung der Stadt Petershagen oder als Landwirt im Nebenberuf. Dass Karl-Christian Ebenau (65) aber noch eine ganz andere Seite hat, wissen wohl nur seine Frau, die weitere Familie und engere Freunde: Er sammelt die Bilder des in Minden geborenen und dort auch begrabenen Malers Otto Quante (1875 bis 1947), der sich durch die Darstellung von Vaganten oder – wie es damals passender hieß – „Landstreichern“ einen Namen gemacht hat. Mehr als 60 hochwertige Reproduktionen hat Ebenau bis heute zusammengetragen. Die Radierungen, vielfach handschriftlich signiert, zeigen in feinsten Linien die hohe Kunst Quantes, der auch andere Motive geschaffen und Bücher illustriert hat. „Quante hatte eine unglaubliche Bandbreite“, sagt Ebenau. Bärtige Männer in weiter Kleidung, glückselig wirkende Gesichter, Kerle mit Spazierstock, immer auf Wanderschaft, gerne tanzend wie im „Frühlingstanz“: Die Bilder Quantes hatten Karl-Christian Ebenau schon als Jugendlicher gepackt. „Eines der Motive aus der bekannten Reihe Die Sorglosen hing im Dorf in der Kneipe. Die Bilder waren damals sehr weit verbreitet“, sagt er. Und in der Tat: Während es in den vergangenen Jahren deutlich weniger Quante-Ausstellungen gab, waren seine Vaganten-Darstellungen noch in den sechziger und siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts europaweit beliebt, als Kunstdrucke millionenfach verbreitet durch die Münchner Verlage Hanfstaengl und Bruckmann. Dass Quantes Bilder einen Malstil geprägt haben, zeigen die zahlreichen Werke anderer Künstler, die ausdrücklich „nach Quante“ gemalt haben. Selbstverständlich hatte der Kunstverein 1975 – zum hundertsten Geburtstag des Malers und Radierers – eine umfangreiche Ausstellung im Mindener Museum initiiert. Genau diese Ausstellung hatte der junge Karl-Christian Ebenau besucht. Danach, so sagt er heute, sei für ihn in Sachen Quante lange nichts passiert – bis das Internet kam, mit Ebay und „was es so alles mehr gibt“. Karl-Christian Ebenau baute seine Sammlung auf, vor allem mit sogenannten Kaltnadelradierungen, von denen er Formate von wenigen Zentimetern bis zur Plakatgröße vorweisen kann. Dass Quante ein Herz für die Außenseiter hatte, wird schnell deutlich. Ob das auch bei Ebenau so ist, lässt der Friedewalder erstmal unbeantwortet, lächelt nur und sagt: „Ich finde diese Bilder eben einfach schön.“ Und sammeln würde er sie auch deshalb, da es sich eben um einen heimischen Künstler handelt. In der Tat: Otto Quante war Sohn des Besitzers von Gut Rodenbeck, besuchte die Bürgerschule, dann das Gymnasium in Minden. Nach seinem vom Vater angestoßenen Medizinstudium in Göttingen, Würzburg, Berlin und Kiel eröffnete er 1901 in Dortmund eine Augenarztpraxis. „Das war aber dann wohl doch nicht seine Sache“, sagt Karl-Christian Ebenau. Quante habe sich fortan ausschließlich der Malerei und Radierung gewidmet. Als Schüler von Fritz Mackensen in Worpswede hatte er auch an der Münchner Kunstakademie studiert. Georg Speitel, Richter am Amtsgericht Minden und mit den Nachfahren des Künstlers in Kontakt, berichtete anlässlich der Ausstellung 1975 über Quantes Jahre in München. Hier gehörte der Maler der Künstlergenossenschaft sowie dem Reichsverband der bildenden Künstler Deutschlands an. Nach 1933 habe er sich aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen, ab 1937 seien seine Werke nicht mehr im Hause der Deutschen Kunst vertreten gewesen. Seine politische Einstellung, so Speitel, habe nicht auf Linie der Nationalsozialisten gelegen, allein seine lustigen Vaganten seien gerade noch geduldet gewesen. Quantes Atelier in München ging nach einem Bombenangriff 1945 in Flammen auf, er selbst kam mit dem Leben davon und siedelte nach Naumburg an der Saale über. Quante starb am 20. Februar 1947, sein Leichnam wurde nach Minden überführt. Dass das Mindener Museum heute nur noch selten die Exponate Quantes zeigt, bedauert Karl-Christian Ebenau – zumal dort zahlreiche Originale liegen. Für die Ausstellung 1975, so berichtete damals das MT, war das Werk Quantes erfasst worden, das allerdings durch das Feuer in München deutlich verkleinert worden war. Über 450 Bilder, Radierungen und Zeichnungen zeigten aber das große Spektrum Quantes. Erst 2016 hatte die Günter-Cassel-Stiftung für das Museum in Minden jedoch – wie schon dreimal zuvor – einen Quante angeschafft, diesmal die Darstellung eines Soldaten. Dass Quante auch Aktmalerei betrieben hat, machen Ebenaus Exponate deutlich, manchmal sind die Damen nackt oder es wird ein „Mädchen, sich einen Strumpf anziehend“ dargestellt.

Ein Herz für knorrige Typen: Friedewalder sammelt Bilder des Mindener Künstlers Otto Quante

„Im Gespräch“: Auch Typen wie die Lehrer aus dem Film „Feuerzangenbowle“ hatten es Otto Quante angetan. Karl-Christian Ebenau hat mehr als 60 Exponate des Mindener Künstlers zusammengetragen. MT-Foto: Oliver Plöger

Petershagen-Friedwalde. Er ist als streitbarer Politiker bekannt, als ehemaliger Ortsbürgermeister in Friedewalde, als amtierender Vorsitzender der Seniorenvertretung der Stadt Petershagen oder als Landwirt im Nebenberuf. Dass Karl-Christian Ebenau (65) aber noch eine ganz andere Seite hat, wissen wohl nur seine Frau, die weitere Familie und engere Freunde: Er sammelt die Bilder des in Minden geborenen und dort auch begrabenen Malers Otto Quante (1875 bis 1947), der sich durch die Darstellung von Vaganten oder – wie es damals passender hieß – „Landstreichern“ einen Namen gemacht hat.

Mehr als 60 hochwertige Reproduktionen hat Ebenau bis heute zusammengetragen. Die Radierungen, vielfach handschriftlich signiert, zeigen in feinsten Linien die hohe Kunst Quantes, der auch andere Motive geschaffen und Bücher illustriert hat. „Quante hatte eine unglaubliche Bandbreite“, sagt Ebenau.

„Aus Nordfriesland“ ist dieses Quante-Bild aus Ebenaus Sammlung betitelt. Der Maler und Radierer hat auch Häuser und Landschaften dargestellt. - © Plöger
„Aus Nordfriesland“ ist dieses Quante-Bild aus Ebenaus Sammlung betitelt. Der Maler und Radierer hat auch Häuser und Landschaften dargestellt. - © Plöger

Bärtige Männer in weiter Kleidung, glückselig wirkende Gesichter, Kerle mit Spazierstock, immer auf Wanderschaft, gerne tanzend wie im „Frühlingstanz“: Die Bilder Quantes hatten Karl-Christian Ebenau schon als Jugendlicher gepackt. „Eines der Motive aus der bekannten Reihe Die Sorglosen hing im Dorf in der Kneipe. Die Bilder waren damals sehr weit verbreitet“, sagt er.

Und in der Tat: Während es in den vergangenen Jahren deutlich weniger Quante-Ausstellungen gab, waren seine Vaganten-Darstellungen noch in den sechziger und siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts europaweit beliebt, als Kunstdrucke millionenfach verbreitet durch die Münchner Verlage Hanfstaengl und Bruckmann. Dass Quantes Bilder einen Malstil geprägt haben, zeigen die zahlreichen Werke anderer Künstler, die ausdrücklich „nach Quante“ gemalt haben.

Selbstverständlich hatte der Kunstverein 1975 – zum hundertsten Geburtstag des Malers und Radierers – eine umfangreiche Ausstellung im Mindener Museum initiiert. Genau diese Ausstellung hatte der junge Karl-Christian Ebenau besucht. Danach, so sagt er heute, sei für ihn in Sachen Quante lange nichts passiert – bis das Internet kam, mit Ebay und „was es so alles mehr gibt“.

Karl-Christian Ebenau baute seine Sammlung auf, vor allem mit sogenannten Kaltnadelradierungen, von denen er Formate von wenigen Zentimetern bis zur Plakatgröße vorweisen kann. Dass Quante ein Herz für die Außenseiter hatte, wird schnell deutlich. Ob das auch bei Ebenau so ist, lässt der Friedewalder erstmal unbeantwortet, lächelt nur und sagt: „Ich finde diese Bilder eben einfach schön.“ Und sammeln würde er sie auch deshalb, da es sich eben um einen heimischen Künstler handelt.

In der Tat: Otto Quante war Sohn des Besitzers von Gut Rodenbeck, besuchte die Bürgerschule, dann das Gymnasium in Minden. Nach seinem vom Vater angestoßenen Medizinstudium in Göttingen, Würzburg, Berlin und Kiel eröffnete er 1901 in Dortmund eine Augenarztpraxis.

„Das war aber dann wohl doch nicht seine Sache“, sagt Karl-Christian Ebenau. Quante habe sich fortan ausschließlich der Malerei und Radierung gewidmet. Als Schüler von Fritz Mackensen in Worpswede hatte er auch an der Münchner Kunstakademie studiert.

Georg Speitel, Richter am Amtsgericht Minden und mit den Nachfahren des Künstlers in Kontakt, berichtete anlässlich der Ausstellung 1975 über Quantes Jahre in München. Hier gehörte der Maler der Künstlergenossenschaft sowie dem Reichsverband der bildenden Künstler Deutschlands an. Nach 1933 habe er sich aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen, ab 1937 seien seine Werke nicht mehr im Hause der Deutschen Kunst vertreten gewesen. Seine politische Einstellung, so Speitel, habe nicht auf Linie der Nationalsozialisten gelegen, allein seine lustigen Vaganten seien gerade noch geduldet gewesen.

Quantes Atelier in München ging nach einem Bombenangriff 1945 in Flammen auf, er selbst kam mit dem Leben davon und siedelte nach Naumburg an der Saale über. Quante starb am 20. Februar 1947, sein Leichnam wurde nach Minden überführt.

Dass das Mindener Museum heute nur noch selten die Exponate Quantes zeigt, bedauert Karl-Christian Ebenau – zumal dort zahlreiche Originale liegen. Für die Ausstellung 1975, so berichtete damals das MT, war das Werk Quantes erfasst worden, das allerdings durch das Feuer in München deutlich verkleinert worden war. Über 450 Bilder, Radierungen und Zeichnungen zeigten aber das große Spektrum Quantes.

Erst 2016 hatte die Günter-Cassel-Stiftung für das Museum in Minden jedoch – wie schon dreimal zuvor – einen Quante angeschafft, diesmal die Darstellung eines Soldaten. Dass Quante auch Aktmalerei betrieben hat, machen Ebenaus Exponate deutlich, manchmal sind die Damen nackt oder es wird ein „Mädchen, sich einen Strumpf anziehend“ dargestellt.

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