Ein Herz für den Zirkus: Katharina Lübke hilft gestrandeten Artisten in Petershagen Claudia Hyna Petershagen. An Menschen in Not kann Katharina Lübke nicht vorbeigehen. So war es auch, als Gino Kaselowsky vor einem Supermarkt Spenden für den Zirkus Pfiffikus sammelte. Sie gab ihm Geld und fragte, was er sonst noch gebrauchen könnte. Von da an ging ihr das Schicksal der Artisten nicht mehr aus dem Kopf. Die 36-Jährige wusste, dass Pfiffikus seine Tournee wegen Corona nicht antreten konnte und im Winterquartier festhing. Mittlerweile ist der Zirkus seit 14 Monaten in Petershagen. Gemeinsam mit ihrer Tochter fuhr Katharina Lübke ins Gewerbegebiet zwischen Petershagen und Ovenstädt und kam beim Füttern der Tiere mit der Zirkuschefin ins Gespräch. Seitdem unterstützt sie das Ensemble, wo sie kann. Ihr Mann sage, dass sie mehr an andere denke als an sich, sagt Katharina Lübke. In gewisser Weise habe er wohl recht, gibt die Grundschullehrerin in Elternzeit zu. Ursprünglich wollte die Petershägerin sich ehrenamtlich bei der Tafel engagieren. Doch dann kam der Zirkus dazwischen. „Ich kann ja nicht in allen Töpfen rühren. Das muss vernünftig gemacht werden.“ Als sie sah, mit wie wenig die Artisten auskommen müssen, wollte sie unbedingt helfen. Die Menschen erhalten zwar Geld vom Staat, aber keine Zuschüsse für Kamele, Ziegen, Ponys, Enten und Lamas. Katharina Lübke weiß, dass viele Leute Vorstellungen mit Tieren im Zirkus ablehnen. „Als Kind gehörten sie für mich dazu.“ Und sie ergänzt: Es sei den Zirkusleuten im Frühjahr nicht leicht gefallen, um Hilfe zu bitten – aber ohne Unterstützung stehe das Unternehmen, das in achter Generation existiert, vor dem Aus. Einen Plan B hätten sie nicht entwickelt. Die Artisten seien nun mal Künstler und würden kein anderes Leben als das in der Manege kennen, meint Katharina Lübke. Man könne nicht einfach von heute auf morgen sein komplettes Leben ändern. „Aber ich habe ihnen gesagt, wir müssen etwas überlegen.“ Bei ihren Besuchen im Gewerbegebiet freundete sich die Lehrerin mit der gleichaltrigen Zirkuschefin Natalie Ebel an. „Das sind so sympathische und herzliche Leute. Und Natalie backt tolle Torten“, schwärmt Katharina Lübke. Damit könnte sie sicherlich auch Geld verdienen, meint sie. Von Zeit zu Zeit vermittelt Lübke den Zirkus mit Popcornmaschine und Pony für Kindergeburtstage. Gemeinsam hätten sie das mit den Ausweisen für die Tafel geklärt, von dort gibt es günstige Lebensmittel. „Wir haben viel geschafft“, sagt Katharina Lübke rückblickend. So hat sie für den fünfjährigen Lion einen Kita-Platz organisiert. Der Besuch einer Kindertagesstätte sei enorm wichtig für ihn, dort werde er auf den Schulbesuch im nächsten Jahr vorbereitet. Denn momentan sehe es danach aus, dass die Zwangspause länger andauert. Auf ihrer Facebookseite ruft Katharina Lübke zur Unterstützung auf. Die Zirkusleute freuen sich über die Spenden eines heimischen Schuhhauses für die Kinder. In diesen Tagen geht es zur Kleiderkammer nach Minden, die Kinder (zwischen drei und 15 Jahren) und Erwachsenen brauchen warme Wintersachen. Zu Weihnachten wünschen sich die Kinder Gesellschaftsspiele, auch dazu wird die Helferin einen Aufruf starten. Immer wieder erhält sie gute Gaben von Nachbarn und Freunden – so kamen bereits Babyfon, Klamotten und Einrichtungsgegenstände zusammen. Auch einige heimische Serviceclubs überreichten Geldspenden. „Die Artisten sind für all das superdankbar.“ Als sie mitbekam, dass in Petershagen eine Sammlerin angeblich für Pfiffikus von Tür zu Tür ging, wusste sie gleich, dass da etwas faul war – und informierte die Polizei. Mit der Warnung konnte sie andere davon abhalten, der Betrügerin Geld zu geben. Die vergangene Winterpause von Oktober 2019 bis März dieses Jahr verbrachte das 20-köpfige Ensemble zum zweiten Mal im Gewerbegebiet Petershagen. Auf dem Platz an der Alten Poststraße, den ein Firmeneigentümer zur Verfügung stellt, gefällt es ihnen gut. Mit staatlicher Unterstützung hätten sie teilweise mehr Geld, als sie mit Auftritten verdienten, weiß Katharina Lübke. „Aber wenn sie losziehen, machen sie das, was sie lieben.“ Sie lassen den Kopf nicht hängen, üben Kunststücke ein und hoffen auf die Zeit nach dem Lockdown. Katharina Lübke hilft den Zirkusleuten durch diese Zeit. Ihr sei bewusst, wie gut es ihr gehe, sagt die dreifache Mutter. Wenn sie einen Menschen trifft, der bedürftig ist, ergreift sie oft die Initiative: „Da bin ich sehr offen.“ Nur Geld zu spenden, reicht ihr nicht, sie sucht das Gespräch. Obdachlosen mit Hund etwa gebe sie immer Tierfutter. „Und dann unterhalte ich mich mit ihnen.“

Ein Herz für den Zirkus: Katharina Lübke hilft gestrandeten Artisten in Petershagen

Katharina Lübke ist Tierfreundin, ihre kleine Tochter ebenso. Foto: privat © pr

Petershagen. An Menschen in Not kann Katharina Lübke nicht vorbeigehen. So war es auch, als Gino Kaselowsky vor einem Supermarkt Spenden für den Zirkus Pfiffikus sammelte. Sie gab ihm Geld und fragte, was er sonst noch gebrauchen könnte. Von da an ging ihr das Schicksal der Artisten nicht mehr aus dem Kopf. Die 36-Jährige wusste, dass Pfiffikus seine Tournee wegen Corona nicht antreten konnte und im Winterquartier festhing. Mittlerweile ist der Zirkus seit 14 Monaten in Petershagen. Gemeinsam mit ihrer Tochter fuhr Katharina Lübke ins Gewerbegebiet zwischen Petershagen und Ovenstädt und kam beim Füttern der Tiere mit der Zirkuschefin ins Gespräch. Seitdem unterstützt sie das Ensemble, wo sie kann.

Ihr Mann sage, dass sie mehr an andere denke als an sich, sagt Katharina Lübke. In gewisser Weise habe er wohl recht, gibt die Grundschullehrerin in Elternzeit zu. Ursprünglich wollte die Petershägerin sich ehrenamtlich bei der Tafel engagieren. Doch dann kam der Zirkus dazwischen. „Ich kann ja nicht in allen Töpfen rühren. Das muss vernünftig gemacht werden.“ Als sie sah, mit wie wenig die Artisten auskommen müssen, wollte sie unbedingt helfen.

Es sei den Zirkusleuten im Frühjahr nicht leicht gefallen, um Hilfe zu bitten, sagt Katharina Lübke – aber ohne Unterstützung stehe das Unternehmen, das in achter Generation existiert, vor dem Aus. MT-Archivfoto: Hyna - © hy
Es sei den Zirkusleuten im Frühjahr nicht leicht gefallen, um Hilfe zu bitten, sagt Katharina Lübke – aber ohne Unterstützung stehe das Unternehmen, das in achter Generation existiert, vor dem Aus. MT-Archivfoto: Hyna - © hy

Die Menschen erhalten zwar Geld vom Staat, aber keine Zuschüsse für Kamele, Ziegen, Ponys, Enten und Lamas. Katharina Lübke weiß, dass viele Leute Vorstellungen mit Tieren im Zirkus ablehnen. „Als Kind gehörten sie für mich dazu.“ Und sie ergänzt: Es sei den Zirkusleuten im Frühjahr nicht leicht gefallen, um Hilfe zu bitten – aber ohne Unterstützung stehe das Unternehmen, das in achter Generation existiert, vor dem Aus. Einen Plan B hätten sie nicht entwickelt. Die Artisten seien nun mal Künstler und würden kein anderes Leben als das in der Manege kennen, meint Katharina Lübke. Man könne nicht einfach von heute auf morgen sein komplettes Leben ändern. „Aber ich habe ihnen gesagt, wir müssen etwas überlegen.“

Gestrandet: Seit mittlerweile 14 Monaten hängt der Zirkus im Gewerbegebiet in Petershagen fest. MT-Archivfoto: Alex Lehn - © lehn
Gestrandet: Seit mittlerweile 14 Monaten hängt der Zirkus im Gewerbegebiet in Petershagen fest. MT-Archivfoto: Alex Lehn - © lehn

Bei ihren Besuchen im Gewerbegebiet freundete sich die Lehrerin mit der gleichaltrigen Zirkuschefin Natalie Ebel an. „Das sind so sympathische und herzliche Leute. Und Natalie backt tolle Torten“, schwärmt Katharina Lübke. Damit könnte sie sicherlich auch Geld verdienen, meint sie. Von Zeit zu Zeit vermittelt Lübke den Zirkus mit Popcornmaschine und Pony für Kindergeburtstage.

Gemeinsam hätten sie das mit den Ausweisen für die Tafel geklärt, von dort gibt es günstige Lebensmittel. „Wir haben viel geschafft“, sagt Katharina Lübke rückblickend. So hat sie für den fünfjährigen Lion einen Kita-Platz organisiert. Der Besuch einer Kindertagesstätte sei enorm wichtig für ihn, dort werde er auf den Schulbesuch im nächsten Jahr vorbereitet. Denn momentan sehe es danach aus, dass die Zwangspause länger andauert.

Auf ihrer Facebookseite ruft Katharina Lübke zur Unterstützung auf. Die Zirkusleute freuen sich über die Spenden eines heimischen Schuhhauses für die Kinder. In diesen Tagen geht es zur Kleiderkammer nach Minden, die Kinder (zwischen drei und 15 Jahren) und Erwachsenen brauchen warme Wintersachen. Zu Weihnachten wünschen sich die Kinder Gesellschaftsspiele, auch dazu wird die Helferin einen Aufruf starten. Immer wieder erhält sie gute Gaben von Nachbarn und Freunden – so kamen bereits Babyfon, Klamotten und Einrichtungsgegenstände zusammen. Auch einige heimische Serviceclubs überreichten Geldspenden. „Die Artisten sind für all das superdankbar.“ Als sie mitbekam, dass in Petershagen eine Sammlerin angeblich für Pfiffikus von Tür zu Tür ging, wusste sie gleich, dass da etwas faul war – und informierte die Polizei. Mit der Warnung konnte sie andere davon abhalten, der Betrügerin Geld zu geben.

Die vergangene Winterpause von Oktober 2019 bis März dieses Jahr verbrachte das 20-köpfige Ensemble zum zweiten Mal im Gewerbegebiet Petershagen. Auf dem Platz an der Alten Poststraße, den ein Firmeneigentümer zur Verfügung stellt, gefällt es ihnen gut. Mit staatlicher Unterstützung hätten sie teilweise mehr Geld, als sie mit Auftritten verdienten, weiß Katharina Lübke. „Aber wenn sie losziehen, machen sie das, was sie lieben.“ Sie lassen den Kopf nicht hängen, üben Kunststücke ein und hoffen auf die Zeit nach dem Lockdown.

Katharina Lübke hilft den Zirkusleuten durch diese Zeit. Ihr sei bewusst, wie gut es ihr gehe, sagt die dreifache Mutter. Wenn sie einen Menschen trifft, der bedürftig ist, ergreift sie oft die Initiative: „Da bin ich sehr offen.“ Nur Geld zu spenden, reicht ihr nicht, sie sucht das Gespräch. Obdachlosen mit Hund etwa gebe sie immer Tierfutter. „Und dann unterhalte ich mich mit ihnen.“

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