Ein Herz für Hecken: Umknicken statt auf den Stock setzen Oliver Plöger Petershagen-Friedewalde. Manchmal ärgert sich Willi Traue, dass er nicht selbst auf diese Idee gekommen ist. Es gibt nämlich, so der langjährige Naturschutzwächter aus Friedewalde, eine nahezu geniale Alternative dazu, Hecken einfach auf den Stock zu setzen. Und die soll jetzt Schule machen – am besten kreisweit. Aus einem Fachmagazin erfuhr Willi Traue, dass Bäume und Sträucher bodennah eingeschnitten und umgeknickt werden können. Das, so ist Traue überzeugt, habe einen doppelten Effekt: Der Stamm bleibe am Leben und wolle dieses Leben auch erhalten. Sowohl am Wurzelanlauf als auch in der Krone werde das Gewächs im folgenden Jahr wieder austreiben. Außerdem – so der zweite große Vorteil – diene die bodennahe Holzschicht als Rankhilfe für weitere Pflanzen. „Alles wird wieder dichter“, sagt Traue, der die Untere Naturschutzbehörde bereits informiert und mit deren Kenntnisnahme einen ersten Versuch an einer Hecke an der Holzhauser Straße gestartet hat. Die Hecke liegt dem Friedewalder ohnehin am Herzen. Er hatte sie gemeinsam mit den Aktiven der örtlichen Naturschutzgruppe in den achtziger Jahren angepflanzt. „Doch genau wie wir ist sie mittlerweile vergreist“, sagt Willi Traue augenzwinkernd. Den teils 80-Jährigen Mitstreitern will er nicht zumuten, die Heckenpflege selbst in die Hand zu nehmen. Er sieht es mit Wohlwollen, dass der Bewuchs durch die öffentlichen Grünkolonnen regelmäßig in Augenschein genommen wird. Die Hecke wurde mehrfach auf den Stock gesetzt, also: in Bodennähe abgesägt, um später wieder auszutreiben. „Eigentlich das übliche Verfahren“, so Willi Traue. Doch genau da müsse man künftig anders vorgehen. Ihn selbst habe der Zustand der Hecken in Friedewalde schon länger geärgert. „Hier an der Holzhauser Straße sieht man das ganz genau: Die Hecke hat ihren Charakter verloren. Eigentlich stehen die Bäume und Sträucher nur noch dumm in der Landschaft herum.“ Dabei hätten funktionierende Hecken nicht nur für die Vogelwelt wichtige Aufgaben: als Lebensraum etwa für Kleinsäuger, Reptilien, Amphibien und Insekten. Außerdem bieten sie dem Wild Schutz. Dann las er den Beitrag im Magazin „Wild und Hund“, in dem es um eine über 30 Jahre alte Hecke in Obertiefenbach im Taunus ging. Nach dem lediglich seitlichen Beschnitt und dem Mulchen der Randbereiche sei diese Hecke in einem katastrophalen Zustand gewesen. Dort habe man die Gewächse dann nicht einfach auf den Stock gesetzt, sondern mit einem Halteband aus Rinde, Kambium und Stammsubstanz geknickt. Die Hecke habe sich schneller regeneriert und sei deutlich dichter geworden. Hundsrose, Weißdorn oder Pfaffenhütchen fänden sich nun wieder reichlich. Anhand der ersten Versuche in Friedewalde zeigt Willi Traue an den Knickstellen auf die verbliebenen Fasern. Die sorgten dafür, dass die Baumspitze weiter mit Wasser versorgt werde. Ja, gibt er zu, das sehe wüst aus, sei aber effektiv. Dann nimmt Traue eine Schüssel voller Weizenkörner und streut sie zusätzlich in der Hecke aus. Vieles davon werde wahrscheinlich durch die Tierwelt direkt aufgenommen, einiges aber sorge für den weiteren Bodenbewuchs. „Erstmal ziehen sich die Mäuse hierhin, aber auch das gesamte Niederwild, dazu Fasane und Rebhuhn“, sagt der Friedewalder. Mit großem Interesse will Willi Traue verfolgen, ob seine Vorschläge auch bei den Pflegemaßnahmen übernommen werden. Über die werde er als Naturschutzwächter vorab informiert und will dann vor Ort Tipps geben. Hecken, so sagt er, sollen künftig auch wieder als Hecken zu erkennen sein.

Ein Herz für Hecken: Umknicken statt auf den Stock setzen

„Auf den Stock setzen“: Das bisherige Pflegeprozedere allein habe sich nicht bewährt, sagt Naturschutzwächter Willi Traue. Hier zeigt er ein Verfahren, bei dem die Bäume abgeknickt werden. MT-Foto: Oliver Plöger © Oliver Plöger

Petershagen-Friedewalde. Manchmal ärgert sich Willi Traue, dass er nicht selbst auf diese Idee gekommen ist. Es gibt nämlich, so der langjährige Naturschutzwächter aus Friedewalde, eine nahezu geniale Alternative dazu, Hecken einfach auf den Stock zu setzen. Und die soll jetzt Schule machen – am besten kreisweit.

Aus einem Fachmagazin erfuhr Willi Traue, dass Bäume und Sträucher bodennah eingeschnitten und umgeknickt werden können. Das, so ist Traue überzeugt, habe einen doppelten Effekt: Der Stamm bleibe am Leben und wolle dieses Leben auch erhalten. Sowohl am Wurzelanlauf als auch in der Krone werde das Gewächs im folgenden Jahr wieder austreiben. Außerdem – so der zweite große Vorteil – diene die bodennahe Holzschicht als Rankhilfe für weitere Pflanzen. „Alles wird wieder dichter“, sagt Traue, der die Untere Naturschutzbehörde bereits informiert und mit deren Kenntnisnahme einen ersten Versuch an einer Hecke an der Holzhauser Straße gestartet hat.

Die Hecke liegt dem Friedewalder ohnehin am Herzen. Er hatte sie gemeinsam mit den Aktiven der örtlichen Naturschutzgruppe in den achtziger Jahren angepflanzt. „Doch genau wie wir ist sie mittlerweile vergreist“, sagt Willi Traue augenzwinkernd. Den teils 80-Jährigen Mitstreitern will er nicht zumuten, die Heckenpflege selbst in die Hand zu nehmen. Er sieht es mit Wohlwollen, dass der Bewuchs durch die öffentlichen Grünkolonnen regelmäßig in Augenschein genommen wird. Die Hecke wurde mehrfach auf den Stock gesetzt, also: in Bodennähe abgesägt, um später wieder auszutreiben. „Eigentlich das übliche Verfahren“, so Willi Traue. Doch genau da müsse man künftig anders vorgehen.

Ihn selbst habe der Zustand der Hecken in Friedewalde schon länger geärgert. „Hier an der Holzhauser Straße sieht man das ganz genau: Die Hecke hat ihren Charakter verloren. Eigentlich stehen die Bäume und Sträucher nur noch dumm in der Landschaft herum.“ Dabei hätten funktionierende Hecken nicht nur für die Vogelwelt wichtige Aufgaben: als Lebensraum etwa für Kleinsäuger, Reptilien, Amphibien und Insekten. Außerdem bieten sie dem Wild Schutz.

Dann las er den Beitrag im Magazin „Wild und Hund“, in dem es um eine über 30 Jahre alte Hecke in Obertiefenbach im Taunus ging. Nach dem lediglich seitlichen Beschnitt und dem Mulchen der Randbereiche sei diese Hecke in einem katastrophalen Zustand gewesen. Dort habe man die Gewächse dann nicht einfach auf den Stock gesetzt, sondern mit einem Halteband aus Rinde, Kambium und Stammsubstanz geknickt. Die Hecke habe sich schneller regeneriert und sei deutlich dichter geworden. Hundsrose, Weißdorn oder Pfaffenhütchen fänden sich nun wieder reichlich.

Anhand der ersten Versuche in Friedewalde zeigt Willi Traue an den Knickstellen auf die verbliebenen Fasern. Die sorgten dafür, dass die Baumspitze weiter mit Wasser versorgt werde. Ja, gibt er zu, das sehe wüst aus, sei aber effektiv. Dann nimmt Traue eine Schüssel voller Weizenkörner und streut sie zusätzlich in der Hecke aus. Vieles davon werde wahrscheinlich durch die Tierwelt direkt aufgenommen, einiges aber sorge für den weiteren Bodenbewuchs. „Erstmal ziehen sich die Mäuse hierhin, aber auch das gesamte Niederwild, dazu Fasane und Rebhuhn“, sagt der Friedewalder.

Mit großem Interesse will Willi Traue verfolgen, ob seine Vorschläge auch bei den Pflegemaßnahmen übernommen werden. Über die werde er als Naturschutzwächter vorab informiert und will dann vor Ort Tipps geben. Hecken, so sagt er, sollen künftig auch wieder als Hecken zu erkennen sein.

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