Eigene Markterkundung: Petershagen will Glasfaser für alle Oliver Plöger Petershagen. Beim Thema Breitbandausbau kann Bürgermeister Dieter Blume (CDU) sauer werden. Nach der ersten Markterkundung 2016 habe es durch die Telekommunikationsunternehmen Versorgungszusagen von 30 Mbit pro Sekunde gegeben, die bislang nicht eingehalten wurden. „Viele Gebiete in Petershagen sind nach heutigem Stand unterversorgt“, sagt Blume. Und obwohl der Breitbandausbau durch den Kreis läuft, könnte es auch künftig Bereiche geben, die beim Internet mehr oder weniger außen vor bleiben. Um dennoch eine flächendeckende bessere Breitbandversorgung zu erreichen, plant die Stadt Petershagen jetzt eine eigene Markterkundung. Dabei solle ermittelt werden, ob private Investoren einen „eigenwirtschaftlich flächendeckenden Ausbau in den nächsten drei Jahren vorsehen.“ Der Rat hat dem Verfahren einstimmig zugestimmt. Das Gremium folgte damit der Initiative „Glasfaser für alle“, die die SPD im Vorjahr ausgerufen hatte. Damals gab es einen ersten Ratsbeschluss, wonach „Möglichkeiten und Rahmenbedingungen“ aufgezeigt werden sollten, um „im gesamten Stadtgebiet flächendeckend eine Versorgung mit Glasfaseranschlüssen bis ins Haus sicher zu stellen.“ Die Marschrichtung hatte dann auch der Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Tourismus im Februar abgesteckt, jetzt soll es in die Vollen gehen: „Die Zielsetzung muss Glasfaser sein“, bekräftigte SPD-Fraktionsvorsitzender Ingo Ellerkamp im jüngsten Rat, alles andere sei nur eine Übergangslösung. Mit der Markterkundung will die Verwaltung herausfinden, wo und in welchem Ausmaß es bei der Breitbandversorgung hapert – übrigens gleichermaßen bei privaten Haushalten und Unternehmen. Das soll dann mit den Ausbauabsichten möglicher Netzbetreiber abgeglichen werden. Diese Daten sollen später für Förderprogramme genutzt werden. Dabei will die Stadt die offenbar schwächeren Richtfunk-Lösungen verhindern, was allerdings im Zusammenhang mit dem noch aktuellen Förderaufruf der Bundesregierung schwierig erscheint. Das Problem laut Verwaltungsvorlage: „Gefördert wird die Versorgung ab 30 Mbit/s. Insofern können sich wiederum alle Telekommunikations-Unternehmen bewerben, die diese Bandbreite anbieten können.“ Folglich wäre auch eine Versorgung durch Richtfunk denkbar, was aber, so Blume, „zu den bekannten Problemen führen würde.“ Doch es gibt Licht am Ende der Leitung: Möglicherweise kann die Stadt auf ein neues Förderprogramm setzen, das aktuell in der Ratifizierungsphase ist. Hier würde der Ausbau ab 100 Mbit/s gefördert. „Das hätte den Vorteil, dass diese Leistung nur durch ein glasfasergebundenes Netz erreicht werden kann.“ Die Folge: Alle Ortschaften in Petershagen wären nach der neuen Definition unterversorgt. Blume: „Wann eine Antragstellung möglich ist, ist derzeit noch nicht absehbar.“ Petershagen selbst ist bekanntlich Teil des Breitband-Masterplans des Kreises Minden-Lübbecke und profitiert auch vom derzeitigen Ausbau durch die Firma Green Fiber, früher Internexio. Das im Jahr 2016 abgeschlossen Markterkundungsverfahren offenbare aber immer mehr Schwächen, so Dieter Blume – zu viele Orte in Petershagen werden im Masterplan nicht berücksichtigt. Noch vor fünf Jahren hatten sich die Ortsbürgermeister persönlich für einen regionalen Internet-Anbieter stark gemacht., der in einzelnen Ortschaften auch durchaus erfolgreich war. Vom Unternehmen hieß es damals: „Ein Ausbau entlegener Gebiete ist für die großen Anbieter der Branche unrentabel.“ In Meßlingen habe man mit Richtfunk und vorhandenen Kupferleitungen eine gute bis sehr gute Verbindung mit bis zu 32 Mbit/s geschaffen. Probleme ergaben sich in der Folge dennoch durch die Zahl der vom Unternehmen eingeforderten Absichtserklärungen. Beispiel Wasserstraße: Nur wenn mindestens 60 Bürger die Erklärung unterschreiben, könne das Projekt vor Ort realisiert werden, hieß es vom Anbieter. Eine Anfrage durch das MT, wie sich die Situation aktuell darstellt und wie das Unternehmen mit der Kritik umgeht, läuft derzeit. Auch andere Anbieter haben sich noch nicht konkret zur Situation in Petershagen geäußert. Unterdessen laufen die Arbeiten von Green Fibre weiter. Hier werden – nach dem Masterplan und mit Mitteln des Bundes – die weißen Flecken mit weniger als 30 Mbit/s Bandbreite versorgt. Davon gibt es aber noch mehr und schwächere, wie die Stadt betont: „graue“ und “schwarze“ Flecken, die ebenfalls künftig versorgt werden wollen. Was noch fehlt, ist ein Investor. Der Autor ist erreichbar unter (05 71) 882 264 oder Oliver.Ploeger@MT.de

Eigene Markterkundung: Petershagen will Glasfaser für alle

In Petershagen soll es künftig nach Möglichkeit überall Glasfaser geben können. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa © Klaus-Dietmar Gabbert

Petershagen. Beim Thema Breitbandausbau kann Bürgermeister Dieter Blume (CDU) sauer werden. Nach der ersten Markterkundung 2016 habe es durch die Telekommunikationsunternehmen Versorgungszusagen von 30 Mbit pro Sekunde gegeben, die bislang nicht eingehalten wurden. „Viele Gebiete in Petershagen sind nach heutigem Stand unterversorgt“, sagt Blume. Und obwohl der Breitbandausbau durch den Kreis läuft, könnte es auch künftig Bereiche geben, die beim Internet mehr oder weniger außen vor bleiben. Um dennoch eine flächendeckende bessere Breitbandversorgung zu erreichen, plant die Stadt Petershagen jetzt eine eigene Markterkundung. Dabei solle ermittelt werden, ob private Investoren einen „eigenwirtschaftlich flächendeckenden Ausbau in den nächsten drei Jahren vorsehen.“ Der Rat hat dem Verfahren einstimmig zugestimmt.

Das Gremium folgte damit der Initiative „Glasfaser für alle“, die die SPD im Vorjahr ausgerufen hatte. Damals gab es einen ersten Ratsbeschluss, wonach „Möglichkeiten und Rahmenbedingungen“ aufgezeigt werden sollten, um „im gesamten Stadtgebiet flächendeckend eine Versorgung mit Glasfaseranschlüssen bis ins Haus sicher zu stellen.“ Die Marschrichtung hatte dann auch der Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Tourismus im Februar abgesteckt, jetzt soll es in die Vollen gehen: „Die Zielsetzung muss Glasfaser sein“, bekräftigte SPD-Fraktionsvorsitzender Ingo Ellerkamp im jüngsten Rat, alles andere sei nur eine Übergangslösung.

Mit der Markterkundung will die Verwaltung herausfinden, wo und in welchem Ausmaß es bei der Breitbandversorgung hapert – übrigens gleichermaßen bei privaten Haushalten und Unternehmen. Das soll dann mit den Ausbauabsichten möglicher Netzbetreiber abgeglichen werden. Diese Daten sollen später für Förderprogramme genutzt werden.

Dabei will die Stadt die offenbar schwächeren Richtfunk-Lösungen verhindern, was allerdings im Zusammenhang mit dem noch aktuellen Förderaufruf der Bundesregierung schwierig erscheint. Das Problem laut Verwaltungsvorlage: „Gefördert wird die Versorgung ab 30 Mbit/s. Insofern können sich wiederum alle Telekommunikations-Unternehmen bewerben, die diese Bandbreite anbieten können.“ Folglich wäre auch eine Versorgung durch Richtfunk denkbar, was aber, so Blume, „zu den bekannten Problemen führen würde.“

Doch es gibt Licht am Ende der Leitung: Möglicherweise kann die Stadt auf ein neues Förderprogramm setzen, das aktuell in der Ratifizierungsphase ist. Hier würde der Ausbau ab 100 Mbit/s gefördert. „Das hätte den Vorteil, dass diese Leistung nur durch ein glasfasergebundenes Netz erreicht werden kann.“ Die Folge: Alle Ortschaften in Petershagen wären nach der neuen Definition unterversorgt. Blume: „Wann eine Antragstellung möglich ist, ist derzeit noch nicht absehbar.“

Petershagen selbst ist bekanntlich Teil des Breitband-Masterplans des Kreises Minden-Lübbecke und profitiert auch vom derzeitigen Ausbau durch die Firma Green Fiber, früher Internexio. Das im Jahr 2016 abgeschlossen Markterkundungsverfahren offenbare aber immer mehr Schwächen, so Dieter Blume – zu viele Orte in Petershagen werden im Masterplan nicht berücksichtigt.

Noch vor fünf Jahren hatten sich die Ortsbürgermeister persönlich für einen regionalen Internet-Anbieter stark gemacht., der in einzelnen Ortschaften auch durchaus erfolgreich war. Vom Unternehmen hieß es damals: „Ein Ausbau entlegener Gebiete ist für die großen Anbieter der Branche unrentabel.“ In Meßlingen habe man mit Richtfunk und vorhandenen Kupferleitungen eine gute bis sehr gute Verbindung mit bis zu 32 Mbit/s geschaffen. Probleme ergaben sich in der Folge dennoch durch die Zahl der vom Unternehmen eingeforderten Absichtserklärungen. Beispiel Wasserstraße: Nur wenn mindestens 60 Bürger die Erklärung unterschreiben, könne das Projekt vor Ort realisiert werden, hieß es vom Anbieter.

Eine Anfrage durch das MT, wie sich die Situation aktuell darstellt und wie das Unternehmen mit der Kritik umgeht, läuft derzeit. Auch andere Anbieter haben sich noch nicht konkret zur Situation in Petershagen geäußert.

Unterdessen laufen die Arbeiten von Green Fibre weiter. Hier werden – nach dem Masterplan und mit Mitteln des Bundes – die weißen Flecken mit weniger als 30 Mbit/s Bandbreite versorgt. Davon gibt es aber noch mehr und schwächere, wie die Stadt betont: „graue“ und “schwarze“ Flecken, die ebenfalls künftig versorgt werden wollen. Was noch fehlt, ist ein Investor.

Der Autor ist erreichbar unter (05 71) 882 264 oder Oliver.Ploeger@MT.de

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