Eichen müssen weichen: Kreis lässt Bäume in Neuenknick fällen Claudia Hyna Petershagen-Neuenknick. Ursprünglich sollten Mitarbeiter des Kreisbauhofs bereits gestern fünf Bäume im Ortsteil Neuenknick fällen. Dazu sollte die Ortsdurchfahrt für einige Stunden gesperrt werden. Die Pressemitteilung lag bereits vor, wurde jedoch zurückgezogen. Weitere Untersuchungen der Bäume seien der Hintergrund für die plötzliche Absage, hieß es von Stadt und Kreis. Nun finden die Arbeiten am heutigen Donnerstag statt, teilt Kreissprecherin Mirjana Lenz mit. Und: Gefahr sei im Verzug. Was war passiert? Bei einer mehr als 100 Jahre alten Eiche in Höhe von Hausnummer 15 war am Sonntag ein großer Seitenast ausgebrochen. Kräfte der Feuerwehr räumten ihn von der Neuenknicker Straße. Es sei unstrittig sei, dass dieser Baum nicht mehr erhalten werden könne, äußert sich Ratsmitglied Wolfgang Riesner, der in Neuenknick lebt. „Aber müssen wirklich gleich alle fünf Bäume gefällt werden?, fragt er in einer Stellungnahme. Sie müssen, sagt dazu die Pressestelle des Kreises. Denn bei dem Totholzausbruch war festgestellt worden, dass von den Eichen eine akute Gefahr ausgehe, sagt auf MT-Anfrage Pressesprecherin Mirjana Lenz. Begünstigt werden diese Abbrüche durch die Trockenperioden in den vergangenen Jahren. Somit könne die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer und Anlieger nicht mehr gewährleistet werden. Es bestehe akuter Handlungsbedarf. Die Fällarbeiten beginnen am heutigen Donnerstag um 8 Uhr. Dazu wird die Neuenknicker Straße in der Zeit bis 17 Uhr voll gesperrt. Der Kreis behält sich außerdem vor, die K4 kurzfristig am Freitag erneut zu sperren. Die Straßenmeisterei habe bei der Überprüfung der Bäume auf mögliche Brutnester festgestellt, dass auch drei Eichen und eine Buche Schäden aufweisen. Da sich die Verantwortlichen nicht ganz sicher waren, hatten sie vorsorglich einen Baumsachverständigen eingeschaltet. Da diese Begutachtung erst gestern stattfinden konnte, wurden die Fällarbeiten um einen Tag verschoben. Das Einschalten des Sachverständigen sei die richtige Entscheidung gewesen. Denn vor Ort habe sich gezeigt, dass von einer alten Buche, die äußerlich vital aussehe, ebenfalls akute Gefahr ausgehe. Die Standsicherheit sei aufgrund einer Pilzerkrankung (Brandkrustenpilz) nicht mehr gegeben. Dieser Baum sei von innen völlig hohl. An drei weiteren Eichen, die unmittelbar an einem Haus stehen und laut Aussage des Baumsachverständigen in ihrer Vitalität stark eingeschränkt sind, sollen heute umfangreiche Entlastungs-/Sicherungsschnitte ausgeführt werden, ferner werde das Totholz beseitigt. Das sei aber nur ein erster Schritt. Nach Aussage des Gutachters befinden sich die Eichen, aufgrund des Alters und der Trockenperioden in den letzten Jahren, in einem schlechten Zustand. „Sie werden sich nicht mehr regenerieren“. Von diesen drei Eichen gehe aufgrund der derzeitigen Standsicherheit keine akute Gefahr aus. „Leider werden auch diese Bäume im Herbst/Winter gefällt werden müssen“, sagt Mirjana Lenz mit Bedauern. Gemäß Bundesnaturschutzgesetz sei es zulässig, solche nicht aufschiebbaren Maßnahmen zur Verkehrssicherung auch zu dieser Jahreszeit durchzuführen, führt Lenz weiter aus. Die artenschutzrechtlichen Bestimmungen seien beachtet worden. Vor den Fällungen habe eine Überprüfung hinsichtlich eventuell vorhandener Brutnester stattgefunden. Man solle eine genaue Prüfung vornehmen, wo keine unmittelbare Gefahr bestehe, hatte Wolfgang Riesner eingeworfen. Das ist jetzt geschehen. Alle Straßenbäume, die mit wenig Wasser und der Belastung durch Tausalz zurechtkommen müssen, hätten Probleme und trockene Äste in den Kronen, gibt der Umweltpolitiker zu bedenken. „Das muss aber nicht ihr Todesurteil sein“, meint Riesner. Riesner kommt in dem Zusammenhang auf die fehlende Baumschutzsatzung in Petershagen zu sprechen. Als Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen hatte er in den Ausschusssitzungen mehrfach ohne Erfolg versucht, eine solche einzuführen. Mit einer Baumschutzsatzung wäre eine differenziertere Betrachtung möglich. Ihm gehe es nicht darum, dass überhaupt keine Bäume mehr gefällt werden dürfen – sondern vielmehr darum, große Bäume der Willkür der Eigentümer zu entziehen. „Sie sind wichtig für die Ortsbilder, den Naturhaushalt und den Menschen im Dorf eine Freude – in Zeiten des Klimawandels umso mehr“.

Eichen müssen weichen: Kreis lässt Bäume in Neuenknick fällen

Mitarbeiter der Straßenmeisterei begutachten die Bäume an der Neuenknicker Straße. © Foto: privat

Petershagen-Neuenknick. Ursprünglich sollten Mitarbeiter des Kreisbauhofs bereits gestern fünf Bäume im Ortsteil Neuenknick fällen. Dazu sollte die Ortsdurchfahrt für einige Stunden gesperrt werden. Die Pressemitteilung lag bereits vor, wurde jedoch zurückgezogen. Weitere Untersuchungen der Bäume seien der Hintergrund für die plötzliche Absage, hieß es von Stadt und Kreis. Nun finden die Arbeiten am heutigen Donnerstag statt, teilt Kreissprecherin Mirjana Lenz mit. Und: Gefahr sei im Verzug.

Was war passiert? Bei einer mehr als 100 Jahre alten Eiche in Höhe von Hausnummer 15 war am Sonntag ein großer Seitenast ausgebrochen. Kräfte der Feuerwehr räumten ihn von der Neuenknicker Straße. Es sei unstrittig sei, dass dieser Baum nicht mehr erhalten werden könne, äußert sich Ratsmitglied Wolfgang Riesner, der in Neuenknick lebt. „Aber müssen wirklich gleich alle fünf Bäume gefällt werden?, fragt er in einer Stellungnahme.

Sie müssen, sagt dazu die Pressestelle des Kreises. Denn bei dem Totholzausbruch war festgestellt worden, dass von den Eichen eine akute Gefahr ausgehe, sagt auf MT-Anfrage Pressesprecherin Mirjana Lenz. Begünstigt werden diese Abbrüche durch die Trockenperioden in den vergangenen Jahren. Somit könne die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer und Anlieger nicht mehr gewährleistet werden. Es bestehe akuter Handlungsbedarf. Die Fällarbeiten beginnen am heutigen Donnerstag um 8 Uhr. Dazu wird die Neuenknicker Straße in der Zeit bis 17 Uhr voll gesperrt. Der Kreis behält sich außerdem vor, die K4 kurzfristig am Freitag erneut zu sperren.

Die Straßenmeisterei habe bei der Überprüfung der Bäume auf mögliche Brutnester festgestellt, dass auch drei Eichen und eine Buche Schäden aufweisen. Da sich die Verantwortlichen nicht ganz sicher waren, hatten sie vorsorglich einen Baumsachverständigen eingeschaltet. Da diese Begutachtung erst gestern stattfinden konnte, wurden die Fällarbeiten um einen Tag verschoben.

Das Einschalten des Sachverständigen sei die richtige Entscheidung gewesen. Denn vor Ort habe sich gezeigt, dass von einer alten Buche, die äußerlich vital aussehe, ebenfalls akute Gefahr ausgehe. Die Standsicherheit sei aufgrund einer Pilzerkrankung (Brandkrustenpilz) nicht mehr gegeben.

Dieser Baum sei von innen völlig hohl. An drei weiteren Eichen, die unmittelbar an einem Haus stehen und laut Aussage des Baumsachverständigen in ihrer Vitalität stark eingeschränkt sind, sollen heute umfangreiche Entlastungs-/Sicherungsschnitte ausgeführt werden, ferner werde das Totholz beseitigt.

Das sei aber nur ein erster Schritt. Nach Aussage des Gutachters befinden sich die Eichen, aufgrund des Alters und der Trockenperioden in den letzten Jahren, in einem schlechten Zustand. „Sie werden sich nicht mehr regenerieren“. Von diesen drei Eichen gehe aufgrund der derzeitigen Standsicherheit keine akute Gefahr aus. „Leider werden auch diese Bäume im Herbst/Winter gefällt werden müssen“, sagt Mirjana Lenz mit Bedauern.

Gemäß Bundesnaturschutzgesetz sei es zulässig, solche nicht aufschiebbaren Maßnahmen zur Verkehrssicherung auch zu dieser Jahreszeit durchzuführen, führt Lenz weiter aus. Die artenschutzrechtlichen Bestimmungen seien beachtet worden. Vor den Fällungen habe eine Überprüfung hinsichtlich eventuell vorhandener Brutnester stattgefunden.

Man solle eine genaue Prüfung vornehmen, wo keine unmittelbare Gefahr bestehe, hatte Wolfgang Riesner eingeworfen. Das ist jetzt geschehen. Alle Straßenbäume, die mit wenig Wasser und der Belastung durch Tausalz zurechtkommen müssen, hätten Probleme und trockene Äste in den Kronen, gibt der Umweltpolitiker zu bedenken. „Das muss aber nicht ihr Todesurteil sein“, meint Riesner.

Riesner kommt in dem Zusammenhang auf die fehlende Baumschutzsatzung in Petershagen zu sprechen. Als Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen hatte er in den Ausschusssitzungen mehrfach ohne Erfolg versucht, eine solche einzuführen. Mit einer Baumschutzsatzung wäre eine differenziertere Betrachtung möglich. Ihm gehe es nicht darum, dass überhaupt keine Bäume mehr gefällt werden dürfen – sondern vielmehr darum, große Bäume der Willkür der Eigentümer zu entziehen. „Sie sind wichtig für die Ortsbilder, den Naturhaushalt und den Menschen im Dorf eine Freude – in Zeiten des Klimawandels umso mehr“.

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