Diskussionen um mögliches Gesundheitszentrum in Petershagen Oliver Plöger Petershagen. Für Burkhard Pfaff ist die so genannte „Neue Mitte“ ein Filetstück, das heutige Sportplatz-Areal an Nachtigallenstraße und Hohoffstraße sogar Tafelsilber. Als interessierter Bürger wandte er sich deshalb in der öffentlichen Fragestunde an den Rat der Stadt Petershagen: „Warum gibt es eigentlich nur einen Investor und keinen Wettbewerb?“ Laut Bürgermeister Dirk Breves (CDU) ist genau dieser Umstand eine glückliche Fügung: „Zwei beteiligte Ärzte, die als Mieter einsteigen wollen, sind zusammen mit ihrem Investor mit diesem Vorhaben auf die Stadt zugekommen.“ Die Stadt selbst habe in dieser Situation „nur“ reagieren können und die Entscheidung zu treffen, ob sie für dieses angefragte Vorhaben ein städtisches Grundstück zur Verfügung stellt und eine Bauleitplanung anstrengt. Bereits im Haupt- und Finanzausschuss hatte Breves betont, dass der ausgesuchte Standort die für das Projekt notwendige Größe und weitere Entwicklungskapazitäten bereithalte. Außerdem meinte er im MT-Gespräch, die Stadt müsse lediglich bereit sein, ein geeignetes Grundstück zu veräußern und eben die Bauleitplanung durchführen. „Mehr nicht. Kein eigenes Risiko, keinen Zuschuss.“ Um das Thema Geld ging es auch Burkhard Pfaff, der sich wundert, warum der Verkaufspreis nicht öffentlich genannt wird. „Wo ist hier die Transparenz? Es handelt sich ja nicht um ein Privatgrundstück, das verkauft werden soll, sondern um den Besitz der Allgemeinheit.“ Breves verwies im Rat auf die Muster-Geschäftsordnung des Städte- und Gemeindebundes, nach der Liegenschaftsangelegenheiten und damit insbesondere Kaufverträge und Kaufpreise nicht öffentlich behandelt werden. Das habe auch die Rechtssprechung unter den Prämissen „öffentliches Wohl“ und Datenschutz so bestätigt. Pfaff zweifelt derweil an, ob durch das Projekt insgesamt eine Verbesserung der ärztlichen Versorgung abgeleitet werden kann. „Zwei ortsansässige Arztpraxen sollen die neu geschaffenen Räumlichkeiten beziehen und hinterlassen dafür zwei neue Leerstände. Es gab vorher elf Hausärzte und es gibt nachher elf Hausärzte – und keinen Facharzt.“ Das Vorhaben, so hingegen Breves, leiste im ersten Beitrag einen wichtigen Schritt zur ärztlichen Versorgung in Petershagen. Durch die Zusammenarbeit der Praxen und moderne Räumlichkeiten steige die Chance, dass diese Praxen auch nach dem Renteneintritt der Praxisinhaberinnen weiterbestehen. „Der Mehrwert ergibt sich zudem durch die bereits im ersten Bauabschnitt vorgesehene räumliche Zusammenfassung der Praxen mit weiteren Gesundheitsdienstleistungen, also Apotheke, Sanitätshaus, Logopädie, Physiotherapie und Podologie.“ Wie Breves vorab betont hatte, sei die Ansiedlung von Fachärzten nicht ganz so einfach, die Quote sei erfüllt. Möglichkeiten gebe es aber durch die Bildung von Dependancen. Der Stadt gehe es ausschließlich um die Verbesserung der ärztlichen Versorgung und nicht darum, wie Pfaff in seinen Anfragen mutmaßte, Einnahmen für die Stadtkasse zu generieren oder gar einem Investor die Möglichkeit zu geben, ein Schnäppchen zu machen. Dass die geplante Baufläche in einem Überschwemmungsgebiet liegt, werde im Bauleitverfahren und im anschließenden Baugenehmigungsverfahren thematisiert. Selbstverständlich gelte die Beachtung aller öffentlich-rechtlichen Vorschriften. Burkhard Pfaff hatte sich für die Auflagen interessiert, die sich aus möglichen Überschwemmungen ergeben, auch für die Schaffung von Ausgleichsflächen, und: „Ein Gesundheitszentrum erfordert ausreichend Parkflächen. Wird die entstehende Bodenversiegelung bei starkem Regen zu Problemen führen?“ Auch dies sei Gegenstand im Bauleit- und Genehmigungsverfahren, wie Breves deutlich machte. Von Problemen wegen möglichen Starkregens werde nicht ausgegangen. Fragesteller und Stadt eint der Wille, die ärztliche Versorgung in Petershagen auf lange Sicht sicherzustellen. Aktuell sind nach Informationen der Verwaltung elf von 16 verfügbaren Hausarztsitzen besetzt, was einer Bedarfsdeckung von 70 Prozent entspricht. Wenn eine Praxis schließt – wie zuletzt die Praxis Hormann in Lahde – haben Patienten oft Mühe, neue Hausärzte oder Hausärztinnen zu finden. Breves spricht von tausend Patienten, die auf der Straße standen. Nicht alle hätten sich in Petershagen auf die Suche gemacht. „Spätestens seitdem muss jedem klar sein, wie angespannt unsere ärztliche Versorgungslage ist.“ Bekannt sei, dass in Petershagen in den kommenden fünf Jahren weitere fünf Hausärzte in den Ruhestand gehen. Hintergründe speziell zum Projekt Ärztehaus Neue Mitte hat der Investor gegenüber dem MT in Kürze zugesagt. Dabei sollen auch die beteiligten Ärzte Stellung nehmen.

Diskussionen um mögliches Gesundheitszentrum in Petershagen

Ein Teil des Sportplatzes an der Nachtigallenstraße könnte nach jetzigen Vorstellungen auch durch das künftige Gesundheitszentrum „Neue Mitte“ verwendet werden. Der Rat hat zuletzt den Vorentwurf beschlossen. MT-Foto: Oliver Plöger

Petershagen. Für Burkhard Pfaff ist die so genannte „Neue Mitte“ ein Filetstück, das heutige Sportplatz-Areal an Nachtigallenstraße und Hohoffstraße sogar Tafelsilber. Als interessierter Bürger wandte er sich deshalb in der öffentlichen Fragestunde an den Rat der Stadt Petershagen: „Warum gibt es eigentlich nur einen Investor und keinen Wettbewerb?“

Laut Bürgermeister Dirk Breves (CDU) ist genau dieser Umstand eine glückliche Fügung: „Zwei beteiligte Ärzte, die als Mieter einsteigen wollen, sind zusammen mit ihrem Investor mit diesem Vorhaben auf die Stadt zugekommen.“ Die Stadt selbst habe in dieser Situation „nur“ reagieren können und die Entscheidung zu treffen, ob sie für dieses angefragte Vorhaben ein städtisches Grundstück zur Verfügung stellt und eine Bauleitplanung anstrengt. Bereits im Haupt- und Finanzausschuss hatte Breves betont, dass der ausgesuchte Standort die für das Projekt notwendige Größe und weitere Entwicklungskapazitäten bereithalte. Außerdem meinte er im MT-Gespräch, die Stadt müsse lediglich bereit sein, ein geeignetes Grundstück zu veräußern und eben die Bauleitplanung durchführen. „Mehr nicht. Kein eigenes Risiko, keinen Zuschuss.“

Um das Thema Geld ging es auch Burkhard Pfaff, der sich wundert, warum der Verkaufspreis nicht öffentlich genannt wird. „Wo ist hier die Transparenz? Es handelt sich ja nicht um ein Privatgrundstück, das verkauft werden soll, sondern um den Besitz der Allgemeinheit.“ Breves verwies im Rat auf die Muster-Geschäftsordnung des Städte- und Gemeindebundes, nach der Liegenschaftsangelegenheiten und damit insbesondere Kaufverträge und Kaufpreise nicht öffentlich behandelt werden. Das habe auch die Rechtssprechung unter den Prämissen „öffentliches Wohl“ und Datenschutz so bestätigt.

Pfaff zweifelt derweil an, ob durch das Projekt insgesamt eine Verbesserung der ärztlichen Versorgung abgeleitet werden kann. „Zwei ortsansässige Arztpraxen sollen die neu geschaffenen Räumlichkeiten beziehen und hinterlassen dafür zwei neue Leerstände. Es gab vorher elf Hausärzte und es gibt nachher elf Hausärzte – und keinen Facharzt.“ Das Vorhaben, so hingegen Breves, leiste im ersten Beitrag einen wichtigen Schritt zur ärztlichen Versorgung in Petershagen. Durch die Zusammenarbeit der Praxen und moderne Räumlichkeiten steige die Chance, dass diese Praxen auch nach dem Renteneintritt der Praxisinhaberinnen weiterbestehen. „Der Mehrwert ergibt sich zudem durch die bereits im ersten Bauabschnitt vorgesehene räumliche Zusammenfassung der Praxen mit weiteren Gesundheitsdienstleistungen, also Apotheke, Sanitätshaus, Logopädie, Physiotherapie und Podologie.“ Wie Breves vorab betont hatte, sei die Ansiedlung von Fachärzten nicht ganz so einfach, die Quote sei erfüllt. Möglichkeiten gebe es aber durch die Bildung von Dependancen.

Der Stadt gehe es ausschließlich um die Verbesserung der ärztlichen Versorgung und nicht darum, wie Pfaff in seinen Anfragen mutmaßte, Einnahmen für die Stadtkasse zu generieren oder gar einem Investor die Möglichkeit zu geben, ein Schnäppchen zu machen.

Dass die geplante Baufläche in einem Überschwemmungsgebiet liegt, werde im Bauleitverfahren und im anschließenden Baugenehmigungsverfahren thematisiert. Selbstverständlich gelte die Beachtung aller öffentlich-rechtlichen Vorschriften. Burkhard Pfaff hatte sich für die Auflagen interessiert, die sich aus möglichen Überschwemmungen ergeben, auch für die Schaffung von Ausgleichsflächen, und: „Ein Gesundheitszentrum erfordert ausreichend Parkflächen. Wird die entstehende Bodenversiegelung bei starkem Regen zu Problemen führen?“ Auch dies sei Gegenstand im Bauleit- und Genehmigungsverfahren, wie Breves deutlich machte. Von Problemen wegen möglichen Starkregens werde nicht ausgegangen.

Fragesteller und Stadt eint der Wille, die ärztliche Versorgung in Petershagen auf lange Sicht sicherzustellen. Aktuell sind nach Informationen der Verwaltung elf von 16 verfügbaren Hausarztsitzen besetzt, was einer Bedarfsdeckung von 70 Prozent entspricht. Wenn eine Praxis schließt – wie zuletzt die Praxis Hormann in Lahde – haben Patienten oft Mühe, neue Hausärzte oder Hausärztinnen zu finden. Breves spricht von tausend Patienten, die auf der Straße standen. Nicht alle hätten sich in Petershagen auf die Suche gemacht. „Spätestens seitdem muss jedem klar sein, wie angespannt unsere ärztliche Versorgungslage ist.“ Bekannt sei, dass in Petershagen in den kommenden fünf Jahren weitere fünf Hausärzte in den Ruhestand gehen.

Hintergründe speziell zum Projekt Ärztehaus Neue Mitte hat der Investor gegenüber dem MT in Kürze zugesagt. Dabei sollen auch die beteiligten Ärzte Stellung nehmen.

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