Die Räder stehen still: Corona-Krise macht Betreibern der Ilser Webstube zu schaffen Claudia Hyna Petershagen-Ilse. Beim Tag der offenen Tür der Webstube Ilse im März war Corona zwar schon Gesprächsthema. Dass dieser Sonntag auf lange Sicht der letzte Termin bleiben sollte, war damals allerdings noch keinem klar. Im Moment hoffen die Verantwortlichen auf eine Öffnung im September – allerdings mit Fragezeichen. Das hat der Krisenrat in seiner ersten Sitzung beschlossen, teilt Vorsitzende Gisela Limbach mit. In der 150 Quadratmeter großen Webstube könnten die Hygieneauflagen nicht eingehalten werden, so Limbach weiter. Die Mindestabstände zu wahren, sei nicht möglich. Schließlich verteilen sich in dem Raum 14 Webstühle sowie zehn Spinnräder samt Zubehör. Erschwerend kommt hinzu, dass 80 Prozent der ehrenamtlichen Mitarbeiter über 60 Jahre alt sind. Auch ein Großteil der Besucher fällt in diese Kategorie. In der Regel kommen zwischen zehn und 20 Besucher zu den Tagen der offenen Tür, die immer am zweiten Sonntag in der Saison von März bis November stattfinden (14 bis 17 Uhr). Ihre Verweildauer dort beträgt etwa eine Stunde, berichtet die Vorsitzende. Nach den Sommerferien wolle man sich zusammensetzen und sehen, wie sich die Corona-Lage entwickelt hat und wie die aktuellen Bestimmungen sind. „Eventuell können wir im September wieder öffnen.“ Dann ist die Saison allerdings schon fast wieder zu Ende. Das bedeutet, dass die Webstube auf einen großen Teil der Einnahmen durch Eintritt und auch gelegentliche Kaffee- und Kuchenangebote verzichten müsse. Von diesen Einnahmen zahlen die Ehrenamtlichen normalerweise Pacht und Unterhalt (Heizung, Strom) für das Haus Nahrwold am Ilser Postweg. Diese Kosten müssen sie momentan nicht aufbringen, da die Frauen bis Ende 2021 vom Förderprogramm „Bündnis Ländliche Entwicklung“ profitieren. „Daher trifft uns die Krise nicht so arg“, sagt Gisela Limbach. Ein Polster für die Zeit nach der Förderung aufzubauen, funktioniere jedoch nicht. Leider dürften die Ilserinnen zurzeit auch keine Kurse anbieten. Mit deren Hilfe generieren sie meist neue Mitglieder und regelmäßige Besucher. Auch Führungen für Gruppen sind derzeit nicht möglich. Die wöchentlichen Treffen der aktuell 28 Mitglieder am Mittwoch entfallen. „Aber jede von uns spinnt im stillen Kämmerlein weiter.“ Das Weben sei zu Hause nicht so gut möglich, da die Webstühle wesentlich mehr Platz als Spinnräder benötigen und bei der Tätigkeit häufig die Unterstützung einer zweiten helfenden Hand sinnvoll ist. „Manches geht eben nur in Gemeinschaft.“ Dazu gehört auch, den Webstuhl einzurichten. Bei den Treffen der Frauen entstehen Sofa- und Tischdecken, Läufer, Teppiche, Schals, Tücher und mehr. Die Herstellung von Masken ist keine Option, da die Einrichtung des Webstuhls zu aufwendig für derartig kleine Exponate ist. Gisela Limbach: „Wir hoffen sehr, dass wir uns bald wieder treffen können – in welcher Form auch immer.“ Die Handarbeitsabende seien ein wichtiger Termin im Leben der Frauen. Dass dieser wegfalle, tue manchen „richtig weh“. Nicht zu unterschätzen ist die Webstube auch als Tourismus-Faktor für die Stadt Petershagen. Schließlich gehört sie zu den kulturellen Einrichtungen der Kommune und ist Bestandteil der recht jungen Aktion Museumskarte. Dabei geht es darum, alle Museen in Petershagen zu besuchen und so Geld zu sparen. Gisela Limbach nutzt die Zeit ohne Gemeinschaftsabende und Tage der offenen Tür, um die Internetseite der Webstube auf den neuesten Stand zu bringen. Auch die Flyer sollen überarbeitet und um den Bereich der Spinnerei ergänzt werden. Ilser Webstube - Die Webstube wird von der Webgemeinschaft Ilse betrieben. Dieser Verein hatte sich im Jahr 1982 gegründet, um das alte Handwerk neu zu beleben. Die Räumlichkeiten konnten dank der finanziellen Unterstützung der NRW-Stiftung, des Kreises Minden-Lübbecke, der Stadt und der Mithilfe vieler Bürger aus Ilse hergerichtet werden. - Gut zehn Jahre später gab es die Möglichkeit der Erweiterung und so wurde 1993 der alte Stall im Haus zur neuen Webstube umgebaut. Im Erdgeschoss werden der Webraum und eine kleine Küche genutzt, im Obergeschoss sind Web-und Ausstellungsbereich. Hinzu kommt ein Scherraum. - Ende 2018 erhielt die Webstube für ihre Idee „Altes Handwerk Spinnen und Weben – modern gestaltet“ die Bundesförderung „LandKultur“ – Förderung innovativer Projekte, die kulturelle Aktivitäten und Teilhabe in ländlichen Räumen erhalten und weiterentwickeln. Durch die Zuwendung sind im Frühjahr 2019 neue Spinnräder nebst Zubehör angeschafft worden. - So besteht die Möglichkeit, professionelle Spinnkurse anzubieten. Das Wissen rund um das Kardieren, Spinnen und Färben von Garnen soll mit diesem Projekt einen festen Platz in der Webstube einnehmen.

Die Räder stehen still: Corona-Krise macht Betreibern der Ilser Webstube zu schaffen

Einsam und verlassen zeigt sich momentan die Ilser Webstube. Wann sich der Raum wieder mit Leben füllt, ist unklar. Fotos: privat

Petershagen-Ilse. Beim Tag der offenen Tür der Webstube Ilse im März war Corona zwar schon Gesprächsthema. Dass dieser Sonntag auf lange Sicht der letzte Termin bleiben sollte, war damals allerdings noch keinem klar. Im Moment hoffen die Verantwortlichen auf eine Öffnung im September – allerdings mit Fragezeichen. Das hat der Krisenrat in seiner ersten Sitzung beschlossen, teilt Vorsitzende Gisela Limbach mit.

In der 150 Quadratmeter großen Webstube könnten die Hygieneauflagen nicht eingehalten werden, so Limbach weiter. Die Mindestabstände zu wahren, sei nicht möglich. Schließlich verteilen sich in dem Raum 14 Webstühle sowie zehn Spinnräder samt Zubehör. Erschwerend kommt hinzu, dass 80 Prozent der ehrenamtlichen Mitarbeiter über 60 Jahre alt sind.

Vor der Corona-Krise: Heike Dörmann ist vertieft in die Arbeit am Webstuhl. - © ZWO FOTODESIGN
Vor der Corona-Krise: Heike Dörmann ist vertieft in die Arbeit am Webstuhl. - © ZWO FOTODESIGN

Auch ein Großteil der Besucher fällt in diese Kategorie. In der Regel kommen zwischen zehn und 20 Besucher zu den Tagen der offenen Tür, die immer am zweiten Sonntag in der Saison von März bis November stattfinden (14 bis 17 Uhr). Ihre Verweildauer dort beträgt etwa eine Stunde, berichtet die Vorsitzende.

Nach den Sommerferien wolle man sich zusammensetzen und sehen, wie sich die Corona-Lage entwickelt hat und wie die aktuellen Bestimmungen sind. „Eventuell können wir im September wieder öffnen.“ Dann ist die Saison allerdings schon fast wieder zu Ende. Das bedeutet, dass die Webstube auf einen großen Teil der Einnahmen durch Eintritt und auch gelegentliche Kaffee- und Kuchenangebote verzichten müsse.

Von diesen Einnahmen zahlen die Ehrenamtlichen normalerweise Pacht und Unterhalt (Heizung, Strom) für das Haus Nahrwold am Ilser Postweg. Diese Kosten müssen sie momentan nicht aufbringen, da die Frauen bis Ende 2021 vom Förderprogramm „Bündnis Ländliche Entwicklung“ profitieren. „Daher trifft uns die Krise nicht so arg“, sagt Gisela Limbach. Ein Polster für die Zeit nach der Förderung aufzubauen, funktioniere jedoch nicht.

Leider dürften die Ilserinnen zurzeit auch keine Kurse anbieten. Mit deren Hilfe generieren sie meist neue Mitglieder und regelmäßige Besucher. Auch Führungen für Gruppen sind derzeit nicht möglich. Die wöchentlichen Treffen der aktuell 28 Mitglieder am Mittwoch entfallen. „Aber jede von uns spinnt im stillen Kämmerlein weiter.“ Das Weben sei zu Hause nicht so gut möglich, da die Webstühle wesentlich mehr Platz als Spinnräder benötigen und bei der Tätigkeit häufig die Unterstützung einer zweiten helfenden Hand sinnvoll ist. „Manches geht eben nur in Gemeinschaft.“ Dazu gehört auch, den Webstuhl einzurichten.

Bei den Treffen der Frauen entstehen Sofa- und Tischdecken, Läufer, Teppiche, Schals, Tücher und mehr. Die Herstellung von Masken ist keine Option, da die Einrichtung des Webstuhls zu aufwendig für derartig kleine Exponate ist. Gisela Limbach: „Wir hoffen sehr, dass wir uns bald wieder treffen können – in welcher Form auch immer.“ Die Handarbeitsabende seien ein wichtiger Termin im Leben der Frauen. Dass dieser wegfalle, tue manchen „richtig weh“.

Nicht zu unterschätzen ist die Webstube auch als Tourismus-Faktor für die Stadt Petershagen. Schließlich gehört sie zu den kulturellen Einrichtungen der Kommune und ist Bestandteil der recht jungen Aktion Museumskarte. Dabei geht es darum, alle Museen in Petershagen zu besuchen und so Geld zu sparen.

Gisela Limbach nutzt die Zeit ohne Gemeinschaftsabende und Tage der offenen Tür, um die Internetseite der Webstube auf den neuesten Stand zu bringen. Auch die Flyer sollen überarbeitet und um den Bereich der Spinnerei ergänzt werden.

Ilser Webstube

- Die Webstube wird von der Webgemeinschaft Ilse betrieben. Dieser Verein hatte sich im Jahr 1982 gegründet, um das alte Handwerk neu zu beleben. Die Räumlichkeiten konnten dank der finanziellen Unterstützung der NRW-Stiftung, des Kreises Minden-Lübbecke, der Stadt und der Mithilfe vieler Bürger aus Ilse hergerichtet werden.

- Gut zehn Jahre später gab es die Möglichkeit der Erweiterung und so wurde 1993 der alte Stall im Haus zur neuen Webstube umgebaut. Im Erdgeschoss werden der Webraum und eine kleine Küche genutzt, im Obergeschoss sind Web-und Ausstellungsbereich. Hinzu kommt ein Scherraum.

- Ende 2018 erhielt die Webstube für ihre Idee „Altes Handwerk Spinnen und Weben – modern gestaltet“ die Bundesförderung „LandKultur“ – Förderung innovativer Projekte, die kulturelle Aktivitäten und Teilhabe in ländlichen Räumen erhalten und weiterentwickeln. Durch die Zuwendung sind im Frühjahr 2019 neue Spinnräder nebst Zubehör angeschafft worden.

- So besteht die Möglichkeit, professionelle Spinnkurse anzubieten. Das Wissen rund um das Kardieren, Spinnen und Färben von Garnen soll mit diesem Projekt einen festen Platz in der Webstube einnehmen.

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