Herbsttreffen in Petershagen: Die Interessengemeinschaft Bauernhaus wirbt für das Leben auf dem Land Oliver Plöger Petershagen. Da staunen selbst eingefleischte Freunde alter Bauernhäuser. „Wir sind begeistert, wie viel Baukultur es hier in Petershagen gibt“, sagen Steffi und Sönke Reimann von der Interessengemeinschaft Bauernhaus (IgB), die an diesem Wochenende zum Herbsttreffen in Petershagen zusammenkommt. Auftakt war mit einem Besuch des Amtsstubenhauses von 1599. Die Reimanns selbst, obwohl zuvor noch nie in Petershagen, fühlten sich nach dem ersten Tag hier gleich heimisch – auch sie haben in Wismar ein altes Gebäude saniert, öffnen ihr Dielentor regelmäßig zu Besuchertagen. Vernetzung ist den Reimanns ein Anliegen, weshalb sie 2009 zur IgB gestoßen sind und in Wismar auch eine Kontaktstelle betreiben, so wie Oliver Rust und Malin-Hella Hansen in Minden. Ja, Vernetzung sei wichtig, sagt auch Wolfgang Riesner als zweiter Vorsitzender der IgB. Dem Architekten aus Neuenknick kommt es bei der Herbsttagung aber auch darauf an, für das „gute Leben auf dem Land“ zu werben, wie er sagt. Dies vor allem im Hinblick auf die verbreitete Auffassung, dass junge Leute lieber in der Stadt wohnen wollen. Als Architekt, der sich um den Substanzerhalt von Gebäuden kümmert, habe er in den vergangenen Jahren eine andere Erfahrung gemacht: „Ich habe viele Anfragen von Leuten, die aus der Großstadt kommen und auf dem Land leben möchten.“ Das passe sicherlich nicht für jeden, aber für immer mehr Menschen. Genau deshalb gebe es auch eine Bauernhausbörse, die die IgB und der Kreis Minden-Lübbecke 2003 ins Leben gerufnen hatten. Wolfgang Riesner: „Die Idee war, bei der Vermittlung gerade solcher Objekte an neue Nutzer zu helfen, die für den normalen Immobilienmarkt – aus welchen Gründen auch immer – nicht interessant sind.“ Ein Maklerbüro wäre mit der Bilanz pleite gegangen, sagt Riesner. Vermittelt aber wurde etwa eine Hofanlage im Außenbereich, so groß wie zwölf Einfamilienhäuser, aber nur noch mit einem Restgrundstück ausgestattet, dazu 30 Jahre Leerstand mit reichlich Müll und Vandalismusschäden. Die IgB will zeigen, was möglich ist, speziell hier in Petershagen auch mit dem Veranstaltungsort Windheim No 2, der Besichtigung einer Kleinbauernstelle, dem leer stehenden Hof Meyer in Bierde oder eben dem Amtsstubenhaus, dass vor allem durch das Engagement von Inhaberin Brunhild Wagner zu neuem Glanz gekommen ist. Noch während der Besichtigung arbeitete der Meßlinger Glaser und Kunstglaser Hans-Joachim Kubos an den Renaissancefenstern weiter. Für Wagner und Riesner, der hier als Architekt maßgeblich beteiligt ist, sind diese Fenster ein Meilenstein in der Wiedererweckung des Amtsstubenhauses. Das soll nicht zur Gänze in den Urzustand zurückversetzt werden, aber eben die verschiedenen Epochen darstellen: neuere Fenster bleiben, auf ein weiteres Renaissancefenster, dass es gegeben haben müsste, wird verzichtet. „Wir hatten dann überlegt, ein Fenster aufzumalen“, so Brunhild Wagner. Davon sei ihr aber abgeraten worden, da es im Innern des Hauses historische Wandbemalungen gibt. Für Touristen wäre die Einordnung dann möglicherweise problematisch und leicht zu verwechseln: „Aha, das ist das Haus mit den Zeichnungen ...“ Angetan zeigte sich bei der Besichtigung gestern auch der Hausforscher und Architekt Hans-Joachim Turner aus Riekenbostel, der sich besonders für das Fachwerk interessierte. Auch für die Ausführungen Brunhild Wagners, dass das Gebäude einst viel höher war als es heute scheint, und ohnehin: Obrigkeit regiert von oben. Über 6.000 Mitglieder hat die Interessengemeinschaft Bauernhaus bundesweit – und die dürften als Leser des Verbandsmagazins „Holznagel“ an diesem Wochenende auf Petershagen blicken. Passend zur Herbsttagung widmet sich das Heft in einem Schwerpunkt der Stadt des Herbsttreffens. Riesner selbst schreibt über typische Häuserformen und natürlich das Amtsstubenhaus, es gibt Texte unter anderem über das Mindener Land, die Glashütte Gernheim und den Veranstaltungsort Windheim No 2 mit dem Westfälischen Storchenmuseum. Dessen Fachmann Dr. Dr. Alfons Bense hielt gestern Abend zur Einstimmung der Herbsttagung einen Vortrag. Dabei ging es dann allerdings weniger um Vernetzung, alte Bauernhäuser und das gute Leben auf dem Lande, sondern um die Sexualität der Störche. Kontakt zu IgB Mit rund 150 Außen- und Kontaktstellen ist die Interessengemeinschaft Bauernhaus vor Ort für Mitglieder und für andere Ratsuchende ansprechbar, wenn Fragen zu Häusern, zu ihrer Instandsetzung und Rettung auftauchen. Die Außen- und Kontaktstellen tragen außerdem die Ziele und die Arbeit der IgB in eine breite Öffentlichkeit. Kontaktstelle für Minden und REgion ist Oliver Rust und Malin-Hella Hansen, Hasenkamp 10 a, 32423 Minden, Telefon (05 71) 38 87 74 47, per Mail: ks_minden@igbauernhaus.de

Herbsttreffen in Petershagen: Die Interessengemeinschaft Bauernhaus wirbt für das Leben auf dem Land

Erste Eindrücke: Zum Start der Herbsttagung arbeitete Hans-Joachim Kubos an den Renaissancefenstern des Amtsstubenhauses. © MT-Foto: Oliver Plöger

Petershagen. Da staunen selbst eingefleischte Freunde alter Bauernhäuser. „Wir sind begeistert, wie viel Baukultur es hier in Petershagen gibt“, sagen Steffi und Sönke Reimann von der Interessengemeinschaft Bauernhaus (IgB), die an diesem Wochenende zum Herbsttreffen in Petershagen zusammenkommt. Auftakt war mit einem Besuch des Amtsstubenhauses von 1599. Die Reimanns selbst, obwohl zuvor noch nie in Petershagen, fühlten sich nach dem ersten Tag hier gleich heimisch – auch sie haben in Wismar ein altes Gebäude saniert, öffnen ihr Dielentor regelmäßig zu Besuchertagen.

Vernetzung ist den Reimanns ein Anliegen, weshalb sie 2009 zur IgB gestoßen sind und in Wismar auch eine Kontaktstelle betreiben, so wie Oliver Rust und Malin-Hella Hansen in Minden. Ja, Vernetzung sei wichtig, sagt auch Wolfgang Riesner als zweiter Vorsitzender der IgB. Dem Architekten aus Neuenknick kommt es bei der Herbsttagung aber auch darauf an, für das „gute Leben auf dem Land“ zu werben, wie er sagt. Dies vor allem im Hinblick auf die verbreitete Auffassung, dass junge Leute lieber in der Stadt wohnen wollen. Als Architekt, der sich um den Substanzerhalt von Gebäuden kümmert, habe er in den vergangenen Jahren eine andere Erfahrung gemacht: „Ich habe viele Anfragen von Leuten, die aus der Großstadt kommen und auf dem Land leben möchten.“ Das passe sicherlich nicht für jeden, aber für immer mehr Menschen.

Genau deshalb gebe es auch eine Bauernhausbörse, die die IgB und der Kreis Minden-Lübbecke 2003 ins Leben gerufnen hatten. Wolfgang Riesner: „Die Idee war, bei der Vermittlung gerade solcher Objekte an neue Nutzer zu helfen, die für den normalen Immobilienmarkt – aus welchen Gründen auch immer – nicht interessant sind.“ Ein Maklerbüro wäre mit der Bilanz pleite gegangen, sagt Riesner. Vermittelt aber wurde etwa eine Hofanlage im Außenbereich, so groß wie zwölf Einfamilienhäuser, aber nur noch mit einem Restgrundstück ausgestattet, dazu 30 Jahre Leerstand mit reichlich Müll und Vandalismusschäden.

Die IgB will zeigen, was möglich ist, speziell hier in Petershagen auch mit dem Veranstaltungsort Windheim No 2, der Besichtigung einer Kleinbauernstelle, dem leer stehenden Hof Meyer in Bierde oder eben dem Amtsstubenhaus, dass vor allem durch das Engagement von Inhaberin Brunhild Wagner zu neuem Glanz gekommen ist.

Noch während der Besichtigung arbeitete der Meßlinger Glaser und Kunstglaser Hans-Joachim Kubos an den Renaissancefenstern weiter. Für Wagner und Riesner, der hier als Architekt maßgeblich beteiligt ist, sind diese Fenster ein Meilenstein in der Wiedererweckung des Amtsstubenhauses. Das soll nicht zur Gänze in den Urzustand zurückversetzt werden, aber eben die verschiedenen Epochen darstellen: neuere Fenster bleiben, auf ein weiteres Renaissancefenster, dass es gegeben haben müsste, wird verzichtet. „Wir hatten dann überlegt, ein Fenster aufzumalen“, so Brunhild Wagner. Davon sei ihr aber abgeraten worden, da es im Innern des Hauses historische Wandbemalungen gibt. Für Touristen wäre die Einordnung dann möglicherweise problematisch und leicht zu verwechseln: „Aha, das ist das Haus mit den Zeichnungen ...“

Angetan zeigte sich bei der Besichtigung gestern auch der Hausforscher und Architekt Hans-Joachim Turner aus Riekenbostel, der sich besonders für das Fachwerk interessierte. Auch für die Ausführungen Brunhild Wagners, dass das Gebäude einst viel höher war als es heute scheint, und ohnehin: Obrigkeit regiert von oben.

Über 6.000 Mitglieder hat die Interessengemeinschaft Bauernhaus bundesweit – und die dürften als Leser des Verbandsmagazins „Holznagel“ an diesem Wochenende auf Petershagen blicken. Passend zur Herbsttagung widmet sich das Heft in einem Schwerpunkt der Stadt des Herbsttreffens. Riesner selbst schreibt über typische Häuserformen und natürlich das Amtsstubenhaus, es gibt Texte unter anderem über das Mindener Land, die Glashütte Gernheim und den Veranstaltungsort Windheim No 2 mit dem Westfälischen Storchenmuseum. Dessen Fachmann Dr. Dr. Alfons Bense hielt gestern Abend zur Einstimmung der Herbsttagung einen Vortrag. Dabei ging es dann allerdings weniger um Vernetzung, alte Bauernhäuser und das gute Leben auf dem Lande, sondern um die Sexualität der Störche.

Kontakt zu IgB

Mit rund 150 Außen- und Kontaktstellen ist die Interessengemeinschaft Bauernhaus vor Ort für Mitglieder und für andere Ratsuchende ansprechbar, wenn Fragen zu Häusern, zu ihrer Instandsetzung und Rettung auftauchen. Die Außen- und Kontaktstellen tragen außerdem die Ziele und die Arbeit der IgB in eine breite Öffentlichkeit.

Kontaktstelle für Minden und REgion ist Oliver Rust und Malin-Hella Hansen, Hasenkamp 10 a, 32423 Minden, Telefon (05 71) 38 87 74 47, per Mail: ks_minden@igbauernhaus.de

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