2,5 Kilometer quer durchs Dorf: Neuenknicker Bockwindmühle zieht um Ulrich Westermann Petershagen-Neuenknick (Wes). Die Bockwindmühle Neuenknick bekommt einen neuen Standort. Ausgewählt wurde eine Freifläche auf dem Lusebrink, der mit 79,1 Metern höchsten Erhebung der Stadt Petershagen. Der Termin für die Transaktion steht noch nicht fest. „ Wir hoffen, dass die Mühle noch in diesem Jahr auf ihrem neuen Platz aufgebaut werden kann. Bevor es so weit ist, stehen zahlreiche Arbeitsgänge auf dem Programm", sagte der Leiter des in Frille stationierten Kreis-Mühlenbauhofes sowie der Geschäftsführer des Kreis-Mühlenvereins und der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde & Mühlenerhaltung, Friedrich Rohlfing. Bei dem Bauwerk handelt es sich überwiegend um eine Eichenholz-Konstruktion. „Das Gesamtgewicht ist schwer zu schätzen. Es dürfte bei 30 bis 40 Tonnen liegen." Eine wichtige Rolle bei den Planungen sowie der zukünftigen Begleitung des Bauwerkes spielt der Arbeitskreis „Dorfgespräch" der Neuenknicker Kulturgemeinschaft. Diese Interessengemeinschaft setzt sich aus Stefan Wiesinger, Heiko Blome, Lars Windheim und Team zusammen. „Von Anfang an haben wir uns bemüht, dass das Gebäude, das an seinem bisherigen Standort an der Straße „Zur Bockmühle" nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich war, umgesetzt wird und somit unserer Ortschaft erhalten bleibt", bekräftigten die Mühlenfreunde. Alles begann am Pfingstmontag 2019 mit einem Gespräch beim Mühlentag in Heimsen, an dem auch der Sprecher der gastgebenden Mühlengruppe, Jochen Plenge, teilnahm. Danach wurde gemeinsam mit Friedrich Rohlfing und der Stadt Petershagen die Frage diskutiert „Wohin mit der Mühle ?" Dabei ging es auch um die notwendige Infrastruktur wie Sanitäranlagen und Parkraum. Die Standortwahl fiel auf das Ackerland auf dem Lusebrink. Von dieser Freifläche hat der Kreis-Mühlenverein 1.500 Quadratmeter erworben. Zudem wurde der Kaufvertrag mit der Mühlen-Eigentümerfamilie Möhlenbrock abgeschlossen. Die Entscheidung, das Bauwerk umzusetzen, fiel im Herbst 2020. Die Zustimmung des Westfälischen Amtes für Denkmalpflege liege vor. Vom Standort im Garten der bisherigen Besitzerfamilie bis zum neuen Platz auf dem Lusebrink sind es knapp 2,5 Kilometer, berichtete Friedrich Rohlfing. Den Zustand der Bockwindmühle bezeichnete er als „durchwachsen". Beispielsweise müssten das Flügelkreuz erneuert und ein Teil des Mühlensterts saniert werden. Im Kreis Minden-Lübbecke findet nach der Hofmahlmühle in Levern und dem Erd-Holländer aus Sandstein in Eisbergen in den Jahren 1980 bzw. 1989 bis 1992 mit der Bockwindmühle Neuenknick zum dritten Mal eine Umsetzaktion statt. „Ich freue mich, dass der Vorschlag aus Neuenknick kam und die Kulturgemeinschaft signalisiert hat, das örtliche Mühlenleben wieder zu aktivieren und eigene Ideen umzusetzen", so Rohlfing. Einzelheiten über die Geschichte der Bockwindmühle sind im Buch „Westfälische Mühlenstraße" zu erfahren. Den Text stammt vom früheren Leiter des Mühlenbauhofes und ehemaligen Geschäftsführer des Kreis-Mühlenvereins, Wolfgang Kuhlmann aus Südhemmern. Schon einmal wurde die Bockwindmühle, die 1747 im niedersächsischen Warmsen aufgebaut worden ist, umgesetzt. Von dort ging es 1899 nach Neuenknick. Zunächst wurde das Bauwerk in Warmsen zerlegt und auf 24 Wagen verladen. Die beiden Fahrzeuge mit den schweren Mühlsteinen mussten aus Sicherheitsgründen die Weserbrücke bei Stolzenau nutzen, die übrigen Wagen überquerten mit der Fähre zwischen Hävern und Windheim den Fluss. Die Aufbauarbeiten in Neuenknick begannen im März 1899. Die Inbetriebnahme mit einem Schrotgang erfolgte zum Windheimer Herbstmarkt. Mit einer Haspel des elf Meter langen Sterts konnte die Mühle in den Wind gedreht werden. Erweiterungsmaßnahmen wurden 1901 und 1925 vorgenommen. Dabei handelte es sich um einen kleinen Mahlgang für die Mehlherstellung und einen zweiten Schrotgang. Die Arbeit bei Windstille garantierte ein Rohölmotor, den im Jahr 1948 ein Elektromotor ersetzte. Bis zum Ende der gewerblichen Nutzung standen nur zwei der vier Mühlenflügel zur Verfügung. Einer war abgebrochen, ein anderer wurde abgebaut. Mit Motorkraft wurde bis Ende der 70er Jahre für den Eigenbedarf der Besitzerfamilie geschrotet. Die fehlenden Flügel sind 1962 ersetzt worden. Zudem wurde der Mühlenkasten neu verbrettert und geschindelt. Das neue Kapitel in der Geschichte der Mühle wurde nun mit dem Beginn der Arbeiten auf dem Lusebrink aufgeschlagen. Bei dem Bodenaushub ging es in Kreuzform 80 Zentimeter in die Tiefe. Die Füllung übernahmen Betonmischer und Pumpwerk, fertig war das Fundament. Beteiligt waren eine heimische Firma, Friedrich Rohlfing und Andre Krietemeier vom Mühlenbauhof. „Der nächste Schritt mit bisher unbekanntem Termin sieht nun vor, die Bockwindmühle an ihrem bisherigen Standort zu zerlegen", kündigt Rohlfing an. Zu den Einzelteilen werden Flügel, Dach und Stert gehören. Der Mühlenkasten solle für den Transport nach Möglichkeit in der bisherigen Form erhalten bleiben. Der Mühlstein und das weitere Mühleninventar werden ausgebaut. Auf dem Lusebrink wird dann alles wieder zusammengefügt. „Als Ergebnis erwarten wir eine funktionstüchtige Bockwindmühle." Groß ist der Optimismus bei den Neuenknicker Mühlenfreunden. Ihre Pläne sehen unter anderem vor, Hinweistafeln aufzustellen, eine Remise zu bauen und eine Sitzecke anzulegen. „Der neue Standort ist ideal. Für die Besucher werden die Sanitäranlagen im nicht weit entfernten Schützenhaus zur Verfügung stehen. Ein Wirtschaftsweg verbindet unsere Mühle mit der Königsmühle in Seelenfeld. Zwischen beiden Gebäuden werden nur um die 1.000 Meter liegen. Da bieten sich gemeinsame Veranstaltungen geradezu an. Auch beim Parkraum sind wir gut aufgestellt", bekräftigte Heiko Blome. Die Bäume für das Waldstück auf der Ostseite des zukünftigen Mühlenstandorts sind vor 60 Jahren angepflanzt worden. Zum Helferteam, das sich damals aus vier Personen zusammensetzte, gehörte auch der heute 82-jährige Wilhelm Wiegmann. „Ein Mühlstein ist schon da. Er kam aus Rosenhagen und wurde Ende der 1960er Jahre als Tisch in der Nähe des Schützenhauses aufgestellt", wusste Heiko Blome.

2,5 Kilometer quer durchs Dorf: Neuenknicker Bockwindmühle zieht um

Die Bockwindmühle ist im Jahr 1899 in Neuenknick wiedererrichtet worden. Vor dem Transfer zum neuen Standort muss das Bauwerk jetzt erneut in seine Einzelteile zerlegt werden. © Westermann

Petershagen-Neuenknick (Wes). Die Bockwindmühle Neuenknick bekommt einen neuen Standort. Ausgewählt wurde eine Freifläche auf dem Lusebrink, der mit 79,1 Metern höchsten Erhebung der Stadt Petershagen. Der Termin für die Transaktion steht noch nicht fest. „

Wir hoffen, dass die Mühle noch in diesem Jahr auf ihrem neuen Platz aufgebaut werden kann. Bevor es so weit ist, stehen zahlreiche Arbeitsgänge auf dem Programm", sagte der Leiter des in Frille stationierten Kreis-Mühlenbauhofes sowie der Geschäftsführer des Kreis-Mühlenvereins und der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde & Mühlenerhaltung, Friedrich Rohlfing. Bei dem Bauwerk handelt es sich überwiegend um eine Eichenholz-Konstruktion. „Das Gesamtgewicht ist schwer zu schätzen. Es dürfte bei 30 bis 40 Tonnen liegen."

Die Neuenknicker Mühlenfreunde mit Stefan Wiesinger (von links), Heiko Blome und Lars Windheim besichtigten den künftigen Mühlenstandort. - © Wesermann
Die Neuenknicker Mühlenfreunde mit Stefan Wiesinger (von links), Heiko Blome und Lars Windheim besichtigten den künftigen Mühlenstandort. - © Wesermann

Eine wichtige Rolle bei den Planungen sowie der zukünftigen Begleitung des Bauwerkes spielt der Arbeitskreis „Dorfgespräch" der Neuenknicker Kulturgemeinschaft. Diese Interessengemeinschaft setzt sich aus Stefan Wiesinger, Heiko Blome, Lars Windheim und Team zusammen. „Von Anfang an haben wir uns bemüht, dass das Gebäude, das an seinem bisherigen Standort an der Straße „Zur Bockmühle" nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich war, umgesetzt wird und somit unserer Ortschaft erhalten bleibt", bekräftigten die Mühlenfreunde.

Mit schwerem Gerät wurden das Fundament auf dem zukünftigen Mühlenstandort gelegt. Fotos: Ulrich Westermann - © Westermann
Mit schwerem Gerät wurden das Fundament auf dem zukünftigen Mühlenstandort gelegt. Fotos: Ulrich Westermann - © Westermann

Alles begann am Pfingstmontag 2019 mit einem Gespräch beim Mühlentag in Heimsen, an dem auch der Sprecher der gastgebenden Mühlengruppe, Jochen Plenge, teilnahm. Danach wurde gemeinsam mit Friedrich Rohlfing und der Stadt Petershagen die Frage diskutiert „Wohin mit der Mühle ?" Dabei ging es auch um die notwendige Infrastruktur wie Sanitäranlagen und Parkraum.

Die Standortwahl fiel auf das Ackerland auf dem Lusebrink. Von dieser Freifläche hat der Kreis-Mühlenverein 1.500 Quadratmeter erworben. Zudem wurde der Kaufvertrag mit der Mühlen-Eigentümerfamilie Möhlenbrock abgeschlossen. Die Entscheidung, das Bauwerk umzusetzen, fiel im Herbst 2020. Die Zustimmung des Westfälischen Amtes für Denkmalpflege liege vor. Vom Standort im Garten der bisherigen Besitzerfamilie bis zum neuen Platz auf dem Lusebrink sind es knapp 2,5 Kilometer, berichtete Friedrich Rohlfing.

Den Zustand der Bockwindmühle bezeichnete er als „durchwachsen". Beispielsweise müssten das Flügelkreuz erneuert und ein Teil des Mühlensterts saniert werden. Im Kreis Minden-Lübbecke findet nach der Hofmahlmühle in Levern und dem Erd-Holländer aus Sandstein in Eisbergen in den Jahren 1980 bzw. 1989 bis 1992 mit der Bockwindmühle Neuenknick zum dritten Mal eine Umsetzaktion statt. „Ich freue mich, dass der Vorschlag aus Neuenknick kam und die Kulturgemeinschaft signalisiert hat, das örtliche Mühlenleben wieder zu aktivieren und eigene Ideen umzusetzen", so Rohlfing.

Einzelheiten über die Geschichte der Bockwindmühle sind im Buch „Westfälische Mühlenstraße" zu erfahren. Den Text stammt vom früheren Leiter des Mühlenbauhofes und ehemaligen Geschäftsführer des Kreis-Mühlenvereins, Wolfgang Kuhlmann aus Südhemmern.

Schon einmal wurde die Bockwindmühle, die 1747 im niedersächsischen Warmsen aufgebaut worden ist, umgesetzt. Von dort ging es 1899 nach Neuenknick. Zunächst wurde das Bauwerk in Warmsen zerlegt und auf 24 Wagen verladen. Die beiden Fahrzeuge mit den schweren Mühlsteinen mussten aus Sicherheitsgründen die Weserbrücke bei Stolzenau nutzen, die übrigen Wagen überquerten mit der Fähre zwischen Hävern und Windheim den Fluss. Die Aufbauarbeiten in Neuenknick begannen im März 1899. Die Inbetriebnahme mit einem Schrotgang erfolgte zum Windheimer Herbstmarkt. Mit einer Haspel des elf Meter langen Sterts konnte die Mühle in den Wind gedreht werden.

Erweiterungsmaßnahmen wurden 1901 und 1925 vorgenommen. Dabei handelte es sich um einen kleinen Mahlgang für die Mehlherstellung und einen zweiten Schrotgang. Die Arbeit bei Windstille garantierte ein Rohölmotor, den im Jahr 1948 ein Elektromotor ersetzte. Bis zum Ende der gewerblichen Nutzung standen nur zwei der vier Mühlenflügel zur Verfügung. Einer war abgebrochen, ein anderer wurde abgebaut.

Mit Motorkraft wurde bis Ende der 70er Jahre für den Eigenbedarf der Besitzerfamilie geschrotet. Die fehlenden Flügel sind 1962 ersetzt worden. Zudem wurde der Mühlenkasten neu verbrettert und geschindelt.

Das neue Kapitel in der Geschichte der Mühle wurde nun mit dem Beginn der Arbeiten auf dem Lusebrink aufgeschlagen. Bei dem Bodenaushub ging es in Kreuzform 80 Zentimeter in die Tiefe. Die Füllung übernahmen Betonmischer und Pumpwerk, fertig war das Fundament. Beteiligt waren eine heimische Firma, Friedrich Rohlfing und Andre Krietemeier vom Mühlenbauhof.

„Der nächste Schritt mit bisher unbekanntem Termin sieht nun vor, die Bockwindmühle an ihrem bisherigen Standort zu zerlegen", kündigt Rohlfing an. Zu den Einzelteilen werden Flügel, Dach und Stert gehören. Der Mühlenkasten solle für den Transport nach Möglichkeit in der bisherigen Form erhalten bleiben. Der Mühlstein und das weitere Mühleninventar werden ausgebaut. Auf dem Lusebrink wird dann alles wieder zusammengefügt. „Als Ergebnis erwarten wir eine funktionstüchtige Bockwindmühle."

Groß ist der Optimismus bei den Neuenknicker Mühlenfreunden. Ihre Pläne sehen unter anderem vor, Hinweistafeln aufzustellen, eine Remise zu bauen und eine Sitzecke anzulegen. „Der neue Standort ist ideal. Für die Besucher werden die Sanitäranlagen im nicht weit entfernten Schützenhaus zur Verfügung stehen. Ein Wirtschaftsweg verbindet unsere Mühle mit der Königsmühle in Seelenfeld. Zwischen beiden Gebäuden werden nur um die 1.000 Meter liegen. Da bieten sich gemeinsame Veranstaltungen geradezu an. Auch beim Parkraum sind wir gut aufgestellt", bekräftigte Heiko Blome.

Die Bäume für das Waldstück auf der Ostseite des zukünftigen Mühlenstandorts sind vor 60 Jahren angepflanzt worden. Zum Helferteam, das sich damals aus vier Personen zusammensetzte, gehörte auch der heute 82-jährige Wilhelm Wiegmann. „Ein Mühlstein ist schon da. Er kam aus Rosenhagen und wurde Ende der 1960er Jahre als Tisch in der Nähe des Schützenhauses aufgestellt", wusste Heiko Blome.

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