Des Königs neues Kleid: Petershagens älteste Mühle ist saniert Ulrich Westermann Petershagen-Seelenfeld. In neuer Haut präsentiert sich die Seelenfelder Königsmühle. Beim weithin sichtbaren Bauwerk, das im Jahr 1731 auf Anordnung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. aus Bruchstein errichtet worden ist, musste wie bereits Ende der 1990er Jahre eine Fugensanierung vorgenommen werden. Die Schadensaufnahme im Jahr 2020 machte erhebliche Mängel unter anderem an der westlichen Wetterseite des Wall-Holländers deutlich. Bei der Begutachtung wurde festgestellt, dass einzelne Fugenabschnitte abgeplatzt waren, so dass Feuchtigkeit in das Mauerwerk eindringen konnte. Auch der Wildwuchs mit Rankenentwicklung hatte stark zugenommen. Dazu kamen Witterungseinflüsse an der Inschrifttafel mit der Jahreszahl 1731 und den Initialen des preußischen Königs. Die Feuchtigkeit hinter dieser 35 mal 50 Zentimeter großen Platte konnte nicht entweichen, so dass im Laufe der Jahre Frostschäden entstanden. Die Arbeiten sahen vor, die alten Fugen zu entfernen und als Ersatzmaßnahme Muschelkalk einzubringen. Den Auftrag hatte der Mühlenverein des Kreises Minden-Lübbecke mit seinem Geschäftsführer Friedrich Rohlfing an eine Fachfirma aus Vechta vergeben. Die Gesamtkosten lagen bei 13.700 Euro. Der Finanzierungsplan sah vor, dass der Landschaftsverband Westfalen-Lippe 4.500 Euro übernimmt. Dazu kamen 6.850 Euro aus dem Denkmalförderprogramm Nordrhein-Westfalen und ein Eigenanteil des Mühlenvereins in Höhe von 2.350 Euro. Die Gewährung der Landeszuwendung ging auf einen Antrag zurück, den Rohlfing beim zuständigen Dezernat in Detmold gestellt hatte. „Die Feuchtigkeit war sogar im Innenbereich der Mühle zu erkennen. Nachdem die Fugen aufgeplatzt waren, hatte sich der Zustand der Wände immer mehr verschlechtert“, wusste der Eigentümer des technischen Kulturdenkmals, Friedrich Dralle. In seinem Bautagebuch hielt er die einzelnen Arbeitsschritte fest. Zunächst waren Mitarbeiter des in Frille stationierten Mühlenbauhofs damit beschäftigt, die Gerüstmontage vorzunehmen. Die Einschalung des Mühlenkörpers nutzte Günter Brammer (Windheim) zu einem ehrenamtlichen Arbeitseinsatz. Als Mitglied der Mühlengruppe Seelenfeld war er damit beschäftigt, die Mühlenfenster und zwei Türen zu sanieren. Dem Abschleifen folgten Vor- und Endan-strich. Dabei kamen über 30 Stunden zusammen. Plan der Fachfirma war es, den alten Fugenmörtel mit Bohrmaschinen auszustemmen und das Sandsteinmauerwerk mit einem Hochdruckreiniger zu bearbeiten. Nach diesen Vorbereitungsmaßnahmen konnten die Fugen mit dem neuen Muschelkalk gefüllt werden. Das alte Material wurde in einer Schuttmulde entsorgt. Zuvor hatten Friedrich Dralle und Heinfried Stünkel (beide Mühlengruppe) bereits den Wildwuchs an der Außenwand des Bauwerkes entfernt. Eine besondere Entdeckung geht auf den 10. März 2020 zurück. Nachdem Dralle im Erdgeschoss der Mühle einige lockere Steine entfernt hatte, kam in zwei Vertiefungen des Mauerwerkes verkohltes Eichenholz ans Tageslicht. Diese Relikte der Vergangenheit dürften auf ein Feuer zurückgehen, das im Jahr 1861 von einem Blitzeinschlag ausgelöst wurde. Der Brand sorgte für große Zerstörungen. Die Folge war, dass Mahlwerk und Getriebe der Mühle komplett erneuert werden mussten. Im Jahr 1863 konnte der Betrieb dann wieder aufgenommen werden. Beim Seelenfelder Wahrzeichen handelt es sich um die älteste Windmühle der Stadt Petershagen. Das markante Gebäude befindet sich bereits in der sechsten Generation im Besitz der Familie Dralle. Überlieferungen zufolge wurde das Baumaterial der Königsmühle im Jahr 1731 an seinen Bestimmungsort gebracht. Initiator dieser „Nacht- und Nebelaktion“ war der Schlüsselburger Amtmann. Er ordnete an, die Ruine des alten Kapellengebäudes auf dem Klusberg (heute Wasserstraße) als Steinbruch zu nutzen. Im Jahr 1823 machte sich der junge Müllermeister Johann Friedrich Christian Dralle von Wiedensahl nach Seelenfeld auf den Weg, um die Mühle zu erwerben. Zur Umgebung dieses Bauwerkes im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts gehörte das Wohnhaus mit Garten und Saatland. Nachdem das Mahlen des Getreides mit Windantrieb eingestellt worden war, erfolgte bis 1957 noch der Antrieb mit einem Elektromotor. Bereits kurze Zeit nach der Stilllegung ist das Bau- und Kulturdenkmal als eine der ersten Mühlen der Region unter Denkmalschutz gestellt worden.

Des Königs neues Kleid: Petershagens älteste Mühle ist saniert

An der Seelenfelder Königsmühle mussten Sanierungsarbeiten vorgenommen werden. Fotos: Ulrich Westermann

Petershagen-Seelenfeld. In neuer Haut präsentiert sich die Seelenfelder Königsmühle. Beim weithin sichtbaren Bauwerk, das im Jahr 1731 auf Anordnung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. aus Bruchstein errichtet worden ist, musste wie bereits Ende der 1990er Jahre eine Fugensanierung vorgenommen werden. Die Schadensaufnahme im Jahr 2020 machte erhebliche Mängel unter anderem an der westlichen Wetterseite des Wall-Holländers deutlich. Bei der Begutachtung wurde festgestellt, dass einzelne Fugenabschnitte abgeplatzt waren, so dass Feuchtigkeit in das Mauerwerk eindringen konnte. Auch der Wildwuchs mit Rankenentwicklung hatte stark zugenommen. Dazu kamen Witterungseinflüsse an der Inschrifttafel mit der Jahreszahl 1731 und den Initialen des preußischen Königs.

Die Feuchtigkeit hinter dieser 35 mal 50 Zentimeter großen Platte konnte nicht entweichen, so dass im Laufe der Jahre Frostschäden entstanden. Die Arbeiten sahen vor, die alten Fugen zu entfernen und als Ersatzmaßnahme Muschelkalk einzubringen. Den Auftrag hatte der Mühlenverein des Kreises Minden-Lübbecke mit seinem Geschäftsführer Friedrich Rohlfing an eine Fachfirma aus Vechta vergeben. Die Gesamtkosten lagen bei 13.700 Euro. Der Finanzierungsplan sah vor, dass der Landschaftsverband Westfalen-Lippe 4.500 Euro übernimmt. Dazu kamen 6.850 Euro aus dem Denkmalförderprogramm Nordrhein-Westfalen und ein Eigenanteil des Mühlenvereins in Höhe von 2.350 Euro. Die Gewährung der Landeszuwendung ging auf einen Antrag zurück, den Rohlfing beim zuständigen Dezernat in Detmold gestellt hatte. „Die Feuchtigkeit war sogar im Innenbereich der Mühle zu erkennen. Nachdem die Fugen aufgeplatzt waren, hatte sich der Zustand der Wände immer mehr verschlechtert“, wusste der Eigentümer des technischen Kulturdenkmals, Friedrich Dralle. In seinem Bautagebuch hielt er die einzelnen Arbeitsschritte fest.

Aufgearbeitet: die Inschrifttafel mit der Jahreszahl 1731. - © Westermann
Aufgearbeitet: die Inschrifttafel mit der Jahreszahl 1731. - © Westermann

Zunächst waren Mitarbeiter des in Frille stationierten Mühlenbauhofs damit beschäftigt, die Gerüstmontage vorzunehmen. Die Einschalung des Mühlenkörpers nutzte Günter Brammer (Windheim) zu einem ehrenamtlichen Arbeitseinsatz. Als Mitglied der Mühlengruppe Seelenfeld war er damit beschäftigt, die Mühlenfenster und zwei Türen zu sanieren. Dem Abschleifen folgten Vor- und Endan-strich. Dabei kamen über 30 Stunden zusammen. Plan der Fachfirma war es, den alten Fugenmörtel mit Bohrmaschinen auszustemmen und das Sandsteinmauerwerk mit einem Hochdruckreiniger zu bearbeiten. Nach diesen Vorbereitungsmaßnahmen konnten die Fugen mit dem neuen Muschelkalk gefüllt werden. Das alte Material wurde in einer Schuttmulde entsorgt. Zuvor hatten Friedrich Dralle und Heinfried Stünkel (beide Mühlengruppe) bereits den Wildwuchs an der Außenwand des Bauwerkes entfernt.

Mitarbeiter einer Fachfirma haben die Fugen des Bauwerkes mit neuem Muschelkalk gefüllt. - © Westermann
Mitarbeiter einer Fachfirma haben die Fugen des Bauwerkes mit neuem Muschelkalk gefüllt. - © Westermann

Eine besondere Entdeckung geht auf den 10. März 2020 zurück. Nachdem Dralle im Erdgeschoss der Mühle einige lockere Steine entfernt hatte, kam in zwei Vertiefungen des Mauerwerkes verkohltes Eichenholz ans Tageslicht. Diese Relikte der Vergangenheit dürften auf ein Feuer zurückgehen, das im Jahr 1861 von einem Blitzeinschlag ausgelöst wurde. Der Brand sorgte für große Zerstörungen. Die Folge war, dass Mahlwerk und Getriebe der Mühle komplett erneuert werden mussten. Im Jahr 1863 konnte der Betrieb dann wieder aufgenommen werden. Beim Seelenfelder Wahrzeichen handelt es sich um die älteste Windmühle der Stadt Petershagen. Das markante Gebäude befindet sich bereits in der sechsten Generation im Besitz der Familie Dralle.

Überlieferungen zufolge wurde das Baumaterial der Königsmühle im Jahr 1731 an seinen Bestimmungsort gebracht. Initiator dieser „Nacht- und Nebelaktion“ war der Schlüsselburger Amtmann. Er ordnete an, die Ruine des alten Kapellengebäudes auf dem Klusberg (heute Wasserstraße) als Steinbruch zu nutzen. Im Jahr 1823 machte sich der junge Müllermeister Johann Friedrich Christian Dralle von Wiedensahl nach Seelenfeld auf den Weg, um die Mühle zu erwerben. Zur Umgebung dieses Bauwerkes im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts gehörte das Wohnhaus mit Garten und Saatland. Nachdem das Mahlen des Getreides mit Windantrieb eingestellt worden war, erfolgte bis 1957 noch der Antrieb mit einem Elektromotor. Bereits kurze Zeit nach der Stilllegung ist das Bau- und Kulturdenkmal als eine der ersten Mühlen der Region unter Denkmalschutz gestellt worden.

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