Der verlorene Schatz: Ehering nach 60 Jahren bei Ausgrabungen gefunden Patrick Schwemling Petershagen-Frille. „Ich kann das nicht glauben. Das gibt es doch gar nicht", sagt Liesel Brinkmann am Mittwochvormittag immer wieder. Die 87-jährige Frau aus Frille strahlt unentwegt, während sie einen Ring in ihrer Hand hält. Nicht irgendeinen Ring, sondern ein Erinnerungsstück an ihren 1990 verstorbenen Ehemann Heinrich. Wenige Minuten zuvor hat Liesel Brinkmann den Ehering ihrer Hochzeit aus dem Sommer 1956 zurückbekommen – mehr als 60 Jahre, nachdem sie ihn zuletzt am Finger ihres Mannes gesehen hat. Eine Geschichte voller Zufälle, ganz viel Glück und eine vom MT initiierte Suche sorgten für das märchenhafte Ende einer Entdeckung des ehrenamtlichen Archäologen Jonas Rosenfeldt auf einem Acker in der Nähe der Lahder Marsch. Doch der Reihe nach: Liesel Brinkmann erinnert sich noch gut an die Zeit rund um die Hochzeit. Nach der Verlobung im März 1956 folgte keine vier Monate später am 6. Juli 1956 die Hochzeit in der Friller Kirche. Ein Datum, das sich für die Rückkehr des Rings als ganz wichtig erweisen wird. Die gebürtige Lahderin, die den Mädchennamen Huxoll trägt, weiß noch viele Details. „Wir haben bei Schlechtes ordentlich gefeiert", erzählt sie von der Hochzeitsfeier im „Lahder Krug". Sie war damals 23 Jahre alt, ihr Mann 29. Ein Landwirt, zu dem sie aus Lahde nach Frille auf den Hof zieht und eine Familie gründet, aus der Tochter Sonja hervorgeht. Noch heute lebt sie zusammen mit ihr und ihrem Schwiegersohn Ulrich im Bodendorferweg. Nicht mehr auf dem großen Hof nebenan, sondern in einer Wohnung im Haus ihrer Tochter. Da ihr Mann Heinrich als Landwirt arbeitete, war ihm der Ehering oft eine Last, erinnert sich die Seniorin. Getragen hat er ihn dennoch. „Doch gar nicht so lange nach der Hochzeit, vielleicht nach zwei, drei Jahren, war er plötzlich weg", erklärt Liesel Brinkmann. Sie macht sich seinerzeit auf die Suche, stellt den Hof auf den Kopf, schaut immer wieder nach dem wertvollen Goldring: „Aber er war nicht aufzufinden." Deswegen kauft sie ihrem Mann einen neuen. „Ein Duplikat, das nicht so teuer war", sagt sie. Dieser ging nie verloren, auch weil ihr Mann ihn seltener trug: „Ich habe ihm gesagt, dass er im Urlaub am Finger stecken muss. Man sollte ja sehen, dass wir verheiratet sind und zusammengehören." „Solche Geschichten kennt man ja nur aus dem Fernsehen" Liesel Brinkmann über den Fund des Eherings ihres verstorbenen Mannes In den vergangenen 60 Jahren drehten sich ihre Gedanken – auch wegen des neuen Rings – kaum noch um den Verlust des eigentlichen Eherings. Dass er eines Tages wieder auftauchen würde, war unvorstellbar – und ist es selbst in dem Moment, in dem sie ihn in ihren Händen hält, noch immer. „Solche Geschichten kennt man ja nur aus dem Fernsehen", sagt die Frillerin, die den Ring ihrer Tochter Sonja vererben will. Bis dahin bekommt er einen Ehrenplatz in ihrem Schlafzimmer. Der Ring ihres Mannes soll stets an ihrer Seite bleiben. Dass es soweit gekommen ist, ist vor allem der Verdienst von Jonas Rosenfeldt und dem gemeinnützigen Verein der Gesellschaft zur Förderung der Bodendenkmalpflege im Kreis Minden-Lübbecke (GeFBdML). Rosenfeldt ist Mitglied in dem Verein und sucht für diesen als ehrenamtlicher Archäologe potenzielle Fundstellen ab. So auch am 11. April 2020, als er auf einem Acker nicht unweit der Seen in der Lahder Marsch unterwegs war. „Ich bin dort häufiger, weil es da vor etwa 2.000 Jahren eine Siedlung aus der römischen Kaiserzeit gegeben hat", erklärt der 40-Jährige aus Espelkamp. So fanden sich dort unter anderem Fibeln, Münzen und letztlich auch der Ring von Heinrich Brinkmann. Der Fund ist jedoch als ein wahrer Glücksgriff zu bezeichnen, da sowohl Rosenfeldt als auch weitere ehrenamtliche Archäologen schon mehrfach genau diese Stelle abgegangen sind. „Bestimmt 15 bis 20-mal", wie Daniel Bake, GeFBdML-Geschäftsführer mitteilt. „Ich war mit dem Metalldetektor unterwegs, als plötzlich das Signal ausschlug", erinnert sich Rosenfeldt noch ganz genau an den Fund. Er musste nicht lange graben, ehe er den 585er Goldring in seinen Händen hielt. Auffällig war dabei die Inschrift: „11.3.56 L.H. 6.7.56". Für Rosenfeldt und den Verein ein klares Indiz für ein Datum, wahrscheinlich das einer Verlobung und der nachfolgenden Hochzeit. „Aufgrund der Größe war auch klar, dass es sich um einen Männerring handeln muss", erklärt Daniel Bake. Aufgrund der Corona-Situation verzögerte sich die Suche nach dem Besitzer jedoch – bis zum vergangenen Wochenende. „Dort hatten wir eine Mitgliedersitzung und uns sofort Gedanken gemacht, was wir tun können", schildert Bake das weitere Vorgehen. Am Montagvormittag kontaktierte der 33-Jährige schließlich die MT-Redaktion, informierte sie über den Fund und gab Details zur Inschrift sowie den Fundort bekannt. Über persönliche Beziehungen in den Sportverein SV Frille/Wietersheim startete dann schnell die Suche nach dem Besitzer des Ringes. Die erste Nachricht mit allen notwendigen Informationen wurde in einer Whatsapp-Gruppe am Montag, 20. Juli, um 11.35 verfasst. Die Spannung stieg – wird jemand weiterhelfen können? Die vornehmlich jungen Menschen in dieser Gruppe waren fasziniert, sie wollten helfen. Schnell wurde die Nachricht an Eltern, Großeltern und weitere Whatsapp-Gruppen mit Bezug zu Frille, Wietersheim und auch Lahde weitergeleitet. Keine zwei Stunden später gibt es bereits die erste Rückmeldung, die aufhorchen lässt: „Ich habe in den Kirchenbüchern nachgesehen und einen Eintrag gefunden, der zutreffen könnte. Am 6.7.1956 haben Heinrich Brinkmann und Liesel (L) Huxoll (H) geheiratet." Diese Nachricht stammt von Heiner Fehring, dem ehemaligen Ortsbürgermeister von Frille.  Zu gleicher Zeit erreicht auch Sonja Gahlbeck, die Tochter von Liesel Brinkmann, die Nachricht. „Ich habe mit dem ersten Datum nicht viel anfangen können. Aber ich wusste, dass meine Eltern am 6. Juli geheiratet haben", erklärt sie am Mittwoch. Auch sie hat den Verdacht: dieser Ring muss meinem Vater gehört haben. Noch am gleichen Nachmittag macht sich Heiner Fehring mit dem Fahrrad auf den Weg zu Liesel Brinkmann. Der 70-Jährige kennt in Frille fast jeden – und jeder kennt ihn. Durch seine Mitarbeit im Seniorenclub der Kirchengemeinde pflegt er ein freundschaftliches Verhältnis zu der 87-Jährigen, die ihm völlig ungläubig bestätigt: „Das ist der Ehering von Heinrich." Sie selbst kann es zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht glauben. „Damit habe ich nicht gerechnet. Ich habe es am Dienstag bei der Tagespflege in Lahde erzählt und alle waren völlig baff." Am Dienstag geht dann alles ganz schnell. Das MT wendet sich an Heiner Fehring und spricht mit ihm, Daniel Bake sowie Karin Höhle von der GeFBdML einen Termin für Mittwoch ab. Um 10 Uhr soll der Ring in Frille überreicht werden. In der Zwischenzeit werden Bake und Höhle bei Goldschmiedemeister Karl-Heinz Schweitzer in Porta Westfalica vorstellig. „Wir haben ihm von dem Fund und der Geschichte dahinter erzählt", sagt Bake. Denn durch den Pflug ist der Ring an einer Stelle gebrochen. Sie wollen ihn Liesel Brinkmann jedoch unbedingt heil übergeben. Beeindruckt von der außergewöhnlichen Geschichte nimmt sich der Goldschmied des Rings an, schiebt die Reparatur in seinen engen Zeitplan, so dass der Ring am Abend wieder vollständig ist. „Weil er die Aktion so toll fand, hat er uns dafür nicht einmal etwas berechnet." Am Mittwochmorgen ist es dann endlich soweit – nach mehr als 60 Jahren hält Liesel Brinkmann den Ring ihres verstorbenen Mannes wieder in den Händen. „Ich war heute Nacht ganz schön aufgeregt", sagt sie, während sie sich von Karin Höhle und Daniel Bake genau erklären lässt, wie und wo der Ring gefunden wurde. Jonas Rosenfeldt hat an diesem Morgen leider keine Zeit, freut sich jedoch aus der Ferne über den Ausgang dieser ganz und gar außergewöhnlichen Geschichte. „Ich hatte natürlich die Hoffnung, dass so etwas geschieht. Allerdings war wegen des Datums auch klar, dass die Chance nicht riesengroß sein würde. Dass Frau Brinkmann den Ring zurückbekommen hat, freut mich ungemein. Es ist auch für mich ein schöner Moment." Liesel Brinkmann schaut sich den Ring am Mittwoch immer wieder an, irgendwann trägt sie ihn sogar an ihrem Finger. „Sieht aus wie neu", freut sie sich und schüttelt immer wieder verwundert den Kopf. Dass ausgerechnet ihr so etwas passiert, ausgerechnet in Frille. Für sie und auch die vielen weiteren Beteiligten bleibt das unglaublich – und eine Geschichte, die nicht nur in ihrer Familie noch lange Zeit erzählt werden wird. Haben Sie auch einen Ring oder wertvollen Gegenstand verloren? Dann können Sie mit der Gesellschaft zur Förderung der Bodendenkmalpflege im Kreis Minden-Lübbecke per E-Mail Kontakt aufnehmen unter info@gefbdml.de

Der verlorene Schatz: Ehering nach 60 Jahren bei Ausgrabungen gefunden

Liesel Brinkmann aus Frille kann es kaum glauben: Mehr als 60 Jahre, nachdem ihr Mann Heinrich den Ehering bei der Arbeit als Landwirt verloren hat, hält sie den Ring wieder in ihren Händen. MT-Foto (4): Alex Lehn

Petershagen-Frille. „Ich kann das nicht glauben. Das gibt es doch gar nicht", sagt Liesel Brinkmann am Mittwochvormittag immer wieder. Die 87-jährige Frau aus Frille strahlt unentwegt, während sie einen Ring in ihrer Hand hält. Nicht irgendeinen Ring, sondern ein Erinnerungsstück an ihren 1990 verstorbenen Ehemann Heinrich. Wenige Minuten zuvor hat Liesel Brinkmann den Ehering ihrer Hochzeit aus dem Sommer 1956 zurückbekommen – mehr als 60 Jahre, nachdem sie ihn zuletzt am Finger ihres Mannes gesehen hat. Eine Geschichte voller Zufälle, ganz viel Glück und eine vom MT initiierte Suche sorgten für das märchenhafte Ende einer Entdeckung des ehrenamtlichen Archäologen Jonas Rosenfeldt auf einem Acker in der Nähe der Lahder Marsch.

Doch der Reihe nach: Liesel Brinkmann erinnert sich noch gut an die Zeit rund um die Hochzeit. Nach der Verlobung im März 1956 folgte keine vier Monate später am 6. Juli 1956 die Hochzeit in der Friller Kirche. Ein Datum, das sich für die Rückkehr des Rings als ganz wichtig erweisen wird. Die gebürtige Lahderin, die den Mädchennamen Huxoll trägt, weiß noch viele Details. „Wir haben bei Schlechtes ordentlich gefeiert", erzählt sie von der Hochzeitsfeier im „Lahder Krug". Sie war damals 23 Jahre alt, ihr Mann 29. Ein Landwirt, zu dem sie aus Lahde nach Frille auf den Hof zieht und eine Familie gründet, aus der Tochter Sonja hervorgeht. Noch heute lebt sie zusammen mit ihr und ihrem Schwiegersohn Ulrich im Bodendorferweg. Nicht mehr auf dem großen Hof nebenan, sondern in einer Wohnung im Haus ihrer Tochter.

Liesel Brinkmann und ihr 1990 verstorbener Mann Heinrich bei einer Familienfeier. MT- - © Foto: Schwemling
Liesel Brinkmann und ihr 1990 verstorbener Mann Heinrich bei einer Familienfeier. MT- - © Foto: Schwemling

Da ihr Mann Heinrich als Landwirt arbeitete, war ihm der Ehering oft eine Last, erinnert sich die Seniorin. Getragen hat er ihn dennoch. „Doch gar nicht so lange nach der Hochzeit, vielleicht nach zwei, drei Jahren, war er plötzlich weg", erklärt Liesel Brinkmann. Sie macht sich seinerzeit auf die Suche, stellt den Hof auf den Kopf, schaut immer wieder nach dem wertvollen Goldring: „Aber er war nicht aufzufinden." Deswegen kauft sie ihrem Mann einen neuen. „Ein Duplikat, das nicht so teuer war", sagt sie. Dieser ging nie verloren, auch weil ihr Mann ihn seltener trug: „Ich habe ihm gesagt, dass er im Urlaub am Finger stecken muss. Man sollte ja sehen, dass wir verheiratet sind und zusammengehören."

„Solche Geschichten kennt man ja nur aus dem Fernsehen"

Liesel Brinkmann über den Fund des Eherings ihres verstorbenen Mannes

In den vergangenen 60 Jahren drehten sich ihre Gedanken – auch wegen des neuen Rings – kaum noch um den Verlust des eigentlichen Eherings. Dass er eines Tages wieder auftauchen würde, war unvorstellbar – und ist es selbst in dem Moment, in dem sie ihn in ihren Händen hält, noch immer. „Solche Geschichten kennt man ja nur aus dem Fernsehen", sagt die Frillerin, die den Ring ihrer Tochter Sonja vererben will. Bis dahin bekommt er einen Ehrenplatz in ihrem Schlafzimmer. Der Ring ihres Mannes soll stets an ihrer Seite bleiben.

Am 11. April hat der ehrenamtliche Archäologe Jonas Rosenfeldt den Ehering gefunden. - © Foto: privat
Am 11. April hat der ehrenamtliche Archäologe Jonas Rosenfeldt den Ehering gefunden. - © Foto: privat

Dass es soweit gekommen ist, ist vor allem der Verdienst von Jonas Rosenfeldt und dem gemeinnützigen Verein der Gesellschaft zur Förderung der Bodendenkmalpflege im Kreis Minden-Lübbecke (GeFBdML). Rosenfeldt ist Mitglied in dem Verein und sucht für diesen als ehrenamtlicher Archäologe potenzielle Fundstellen ab. So auch am 11. April 2020, als er auf einem Acker nicht unweit der Seen in der Lahder Marsch unterwegs war. „Ich bin dort häufiger, weil es da vor etwa 2.000 Jahren eine Siedlung aus der römischen Kaiserzeit gegeben hat", erklärt der 40-Jährige aus Espelkamp. So fanden sich dort unter anderem Fibeln, Münzen und letztlich auch der Ring von Heinrich Brinkmann. Der Fund ist jedoch als ein wahrer Glücksgriff zu bezeichnen, da sowohl Rosenfeldt als auch weitere ehrenamtliche Archäologen schon mehrfach genau diese Stelle abgegangen sind. „Bestimmt 15 bis 20-mal", wie Daniel Bake, GeFBdML-Geschäftsführer mitteilt.

„Ich war mit dem Metalldetektor unterwegs, als plötzlich das Signal ausschlug", erinnert sich Rosenfeldt noch ganz genau an den Fund. Er musste nicht lange graben, ehe er den 585er Goldring in seinen Händen hielt. Auffällig war dabei die Inschrift: „11.3.56 L.H. 6.7.56". Für Rosenfeldt und den Verein ein klares Indiz für ein Datum, wahrscheinlich das einer Verlobung und der nachfolgenden Hochzeit. „Aufgrund der Größe war auch klar, dass es sich um einen Männerring handeln muss", erklärt Daniel Bake. Aufgrund der Corona-Situation verzögerte sich die Suche nach dem Besitzer jedoch – bis zum vergangenen Wochenende.

"11.3.56 L.H. 6.7.56" ist in den Ring graviert und war der entscheidende Hinweis bei der Suche nach dem Besitzer.
"11.3.56 L.H. 6.7.56" ist in den Ring graviert und war der entscheidende Hinweis bei der Suche nach dem Besitzer.

„Dort hatten wir eine Mitgliedersitzung und uns sofort Gedanken gemacht, was wir tun können", schildert Bake das weitere Vorgehen. Am Montagvormittag kontaktierte der 33-Jährige schließlich die MT-Redaktion, informierte sie über den Fund und gab Details zur Inschrift sowie den Fundort bekannt.

Über persönliche Beziehungen in den Sportverein SV Frille/Wietersheim startete dann schnell die Suche nach dem Besitzer des Ringes. Die erste Nachricht mit allen notwendigen Informationen wurde in einer Whatsapp-Gruppe am Montag, 20. Juli, um 11.35 verfasst. Die Spannung stieg – wird jemand weiterhelfen können?

Die vornehmlich jungen Menschen in dieser Gruppe waren fasziniert, sie wollten helfen. Schnell wurde die Nachricht an Eltern, Großeltern und weitere Whatsapp-Gruppen mit Bezug zu Frille, Wietersheim und auch Lahde weitergeleitet. Keine zwei Stunden später gibt es bereits die erste Rückmeldung, die aufhorchen lässt: „Ich habe in den Kirchenbüchern nachgesehen und einen Eintrag gefunden, der zutreffen könnte. Am 6.7.1956 haben Heinrich Brinkmann und Liesel (L) Huxoll (H) geheiratet." Diese Nachricht stammt von Heiner Fehring, dem ehemaligen Ortsbürgermeister von Frille. 

Zu gleicher Zeit erreicht auch Sonja Gahlbeck, die Tochter von Liesel Brinkmann, die Nachricht. „Ich habe mit dem ersten Datum nicht viel anfangen können. Aber ich wusste, dass meine Eltern am 6. Juli geheiratet haben", erklärt sie am Mittwoch. Auch sie hat den Verdacht: dieser Ring muss meinem Vater gehört haben.

Karin Höhle, Pressesprecherin der Gesellschaft zur Förderung der Bodendenkmalpflege im Kreis Minden-Lübbecke, übergab Liesel Brinkmann den verloren geglaubten Ring. Der ehemalige Friller Ortsbürgermeister Heiner Fehring mit Hilfe von Einträgen in Kirchenbüchern den entscheidenden Tipp gegeben.
Karin Höhle, Pressesprecherin der Gesellschaft zur Förderung der Bodendenkmalpflege im Kreis Minden-Lübbecke, übergab Liesel Brinkmann den verloren geglaubten Ring. Der ehemalige Friller Ortsbürgermeister Heiner Fehring mit Hilfe von Einträgen in Kirchenbüchern den entscheidenden Tipp gegeben.

Noch am gleichen Nachmittag macht sich Heiner Fehring mit dem Fahrrad auf den Weg zu Liesel Brinkmann. Der 70-Jährige kennt in Frille fast jeden – und jeder kennt ihn. Durch seine Mitarbeit im Seniorenclub der Kirchengemeinde pflegt er ein freundschaftliches Verhältnis zu der 87-Jährigen, die ihm völlig ungläubig bestätigt: „Das ist der Ehering von Heinrich." Sie selbst kann es zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht glauben. „Damit habe ich nicht gerechnet. Ich habe es am Dienstag bei der Tagespflege in Lahde erzählt und alle waren völlig baff."

Am Dienstag geht dann alles ganz schnell. Das MT wendet sich an Heiner Fehring und spricht mit ihm, Daniel Bake sowie Karin Höhle von der GeFBdML einen Termin für Mittwoch ab. Um 10 Uhr soll der Ring in Frille überreicht werden. In der Zwischenzeit werden Bake und Höhle bei Goldschmiedemeister Karl-Heinz Schweitzer in Porta Westfalica vorstellig. „Wir haben ihm von dem Fund und der Geschichte dahinter erzählt", sagt Bake. Denn durch den Pflug ist der Ring an einer Stelle gebrochen. Sie wollen ihn Liesel Brinkmann jedoch unbedingt heil übergeben. Beeindruckt von der außergewöhnlichen Geschichte nimmt sich der Goldschmied des Rings an, schiebt die Reparatur in seinen engen Zeitplan, so dass der Ring am Abend wieder vollständig ist. „Weil er die Aktion so toll fand, hat er uns dafür nicht einmal etwas berechnet."

Karin Höhle (links) zeigt Liesel Brinkmann den Ring ihres Ehemannes Heinrich und übergibt ihn ihr am Mittwochvormittag.
Karin Höhle (links) zeigt Liesel Brinkmann den Ring ihres Ehemannes Heinrich und übergibt ihn ihr am Mittwochvormittag.

Am Mittwochmorgen ist es dann endlich soweit – nach mehr als 60 Jahren hält Liesel Brinkmann den Ring ihres verstorbenen Mannes wieder in den Händen. „Ich war heute Nacht ganz schön aufgeregt", sagt sie, während sie sich von Karin Höhle und Daniel Bake genau erklären lässt, wie und wo der Ring gefunden wurde. Jonas Rosenfeldt hat an diesem Morgen leider keine Zeit, freut sich jedoch aus der Ferne über den Ausgang dieser ganz und gar außergewöhnlichen Geschichte. „Ich hatte natürlich die Hoffnung, dass so etwas geschieht. Allerdings war wegen des Datums auch klar, dass die Chance nicht riesengroß sein würde. Dass Frau Brinkmann den Ring zurückbekommen hat, freut mich ungemein. Es ist auch für mich ein schöner Moment."

Liesel Brinkmann schaut sich den Ring am Mittwoch immer wieder an, irgendwann trägt sie ihn sogar an ihrem Finger. „Sieht aus wie neu", freut sie sich und schüttelt immer wieder verwundert den Kopf. Dass ausgerechnet ihr so etwas passiert, ausgerechnet in Frille. Für sie und auch die vielen weiteren Beteiligten bleibt das unglaublich – und eine Geschichte, die nicht nur in ihrer Familie noch lange Zeit erzählt werden wird.

Haben Sie auch einen Ring oder wertvollen Gegenstand verloren? Dann können Sie mit der Gesellschaft zur Förderung der Bodendenkmalpflege im Kreis Minden-Lübbecke per E-Mail Kontakt aufnehmen unter info@gefbdml.de

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