Der Hofladen brummt: Mehr Zeit für regionale Produkte Oliver Plöger Petershagen. Der Trend sei nicht ganz neu, habe sich aber im ersten Corona-Jahr deutlich verstärkt: „Die Leute gucken nach rechts und nach links, was sie vor der Haustür haben“, sagt Anne Korte vom Hof Korte in Jössen, konkret: Das Bewusstsein für Regionalität sei gewachsen. Geschäftlich sei das vergangene Jahr deswegen gut gelaufen. Natürlich stehe die Pandemie über allem: Doch Anne Korte kann – wie ihre Familie, mit der sie den Hof betreibt – auf coronakonforme Kontakte zu den Kunden nicht verzichten: in Heddas Bauernladen und auf den fast 20 Wochenmärkten, die regional beschickt werden. Über Zuspruch kann sich Anne Korte nicht beklagen, wie sie sagt. Wenn es um Rückblick und Ausblick geht, dann spiele Corona immer eine Rolle, weiß Anne Korte. Vergessen werde dabei aber gerne ein zweites Damoklesschwert, das auch die Direktvermarkter betrifft: die Vogelgrippe. Das Risiko steigt bekanntlich im Herbst, da die Krankheit durch Zugvögel eingeschleppt wird. Im Norden mussten bereits tausende Nutztiere getötet werden, wie die Behörden mitteilen. Also: Wer in Petershagen Geflügel hält, ist gerade besonders aufmerksam. Aktuell gibt es – gar nicht weit weg – auch aus Niedersachsen Meldungen, dass die Krankheit auf Nutztiere übergesprungen ist. Laut Verbraucherzentrale NRW handelt es sich bei der Vogelgrippe um eine hochansteckende Viruserkrankung, die vor allem Hühner, Puten und Enten befällt. Eine Ansteckung von Menschen sei bislang nicht bekannt. Für Betriebe gilt die Prämisse, die eigenen Tiere von Wildvögeln fernzuhalten. Das Problem haben Milchviehbetriebe nicht. Auf dem Hof Teikemeier in Heisterholz gibt es eine Verkaufshütte, in der Kunden als Selbstbediener vor allem regionale Produkte finden. Auch Birte Teikemeier bestätigt, dass das Interesse an diesen Waren größer geworden sei. Es könne sein, dass die Pandemie dazu beigetragen hat. „Es ist traurig, dass viele Gastronomen Einbußen hatten und dass es die existenziellen Ängste gibt. Wahrscheinlich haben sich die Kunden dann aber gedacht: Wir haben Zeit und wollen jetzt etwas wirklich Gutes essen. Dann haben sie verstärkt zu regionalen Produkten gegriffen.“ Birte Teikemeier hat in der Verkaufshütte außerdem beobachtet, dass gerade im Sommer der Eis-Absatz gestiegen ist. Und das seien wohl nicht nur die Temperaturen gewesen. „Die Leute hatten dann auch die Muße, zu uns auf den Hof zu kommen. Viele wollten sich anschauen, wie wir hier arbeiten.“ Das sei ein positiver Effekt gewesen, der dann ebenfalls dazu beitrage, die Sicht auf die örtliche Tierhaltung zu verändern. Gut ist zum Jahreswechsel auch die Stimmung bei Madline und Stefan Ernsting aus Ilse, die zur Landwirtschaft einen mobilen Hühnerstall betreiben und regionale Produkte verkaufen. Madline Ernsting: „Wir können definitiv bestätigen, dass die Wertschätzung dieser Produkte gestiegen ist. Häufig bekommen wir darüber eine Rückmeldung von unseren Kunden.“ Ob das allerdings an der Coronasituation liegt, glauben die Ernstings nicht. „Wir denken vielmehr, dass ein Umdenken der Leute stattgefunden hat in Bezug auf gesunde Ernährung und bewussteres Einkaufen von tierischen Produkten. Die Tiere im Stall zu beobachten, gibt ein gutes Gefühl. Und man ist gerne bereit, mehr Geld dafür auszugeben.“ Coronabedingt hätten die Leute sicherlich mehr Zeit, sich mit solchen Themen auseinanderzusetzen und zum Beispiel den Mobilstall zu besuchen. „Jedoch wurden auch vor Corona die Selbstbedienungsautomaten mit regionalen Produkten in unserer Umgebung sehr gut angenommen“, weiß Madline Ernsting. Verkaufshütten zur Selbstbedienung in Maaslingen und Stemmer betreiben auch die Brüder Jannik und Finn Hormann, dazu noch einen Verkaufsautomaten in Frille, der sogar ausgebaut werden soll. Hühner und Schweine werden auf dem eigenen Hof artgerecht gehalten. Froh sind beide, dass die Vogelgrippe hier noch nicht grassiert, aktuell werden verschärfte Hygienestandards eingehalten. Und nein, Corona habe nicht geschadet, sagt auch Finn Hormann, eher im Gegenteil: der Absatz sei gestiegen. Hormann spricht ebenfalls vom sich wandelnden Bewusstsein und darüber, dass die Leute mehr Zeit hatten, sich auf regionale Produkte zu besinnen. Aktuell denke man auf dem Hof Hormann in Maaslingen sogar darüber nach, künftig einen richtigen Hofladen zu betreiben. Den gibt es bei Anne Korte bekanntlich seit Jahrzehnten. Die Betriebsleiterin freut sich auf die Zukunft und vor allem auf eine Zeit, in der sie den Kunden nicht mehr mit Maske begegnen muss. „Berufliche Treffen, die nicht unbedingt sein müssen, vermeide ich“, sagt sie. In ihrem Studium hatte sich Anne Korte übrigens mit dem Thema Bierbrauen beschäftigt, was einige Jahre dann auch als Plan für den Korte-Hof existierte. Diese Planung, so Anne Korte, sei erst einmal beiseite geschoben. Nicht wegen Corona, aber wegen der ausgesprochen erfolgreichen Entwicklung der bestehenden Geschäftszweige. Irgendwann, sagt Anne Korte, müsse man sich entscheiden. Aktuell gehe es um die Veränderungen im Online-Handel, der für die Direktvermarkter durchaus ein Thema sein könnte, wie Anne Korte betont. Lieferdienste, bei denen sich die Betriebe vernetzen, seien eine gute Perspektive, zumal sich ein Verschicken über normale Versandwege beim Frischfleisch als schwierig erweist. Box, Kühlakkus, Expressdienst – all das würde die Kosten der Ware übersteigen, wirtschaftlich wäre ein solches Modell kaum tragbar. „Wir müssen die Kühlkette einhalten“, nennt Geflügelhalterin Anne Korte die wohl größte Herausforderung. Modelle wie die im Münsterland praktizierte Bauernbox-Genossenschaft, die digitale Absatzwege nutzt, hält sie deshalb für zukunftsweisend. Ziel dort sei die Stärkung der Vermarktung regional erzeugter Lebensmittel und die Förderung regionaler Vielfalt. Genau das also, was die Kunden verstärkt fordern. Im Münsterland gibt es neben den durch die Genossenschaft organisierten Auslieferungen auch spezielle „Boxenstopps“, zu denen sich die Verbraucher ihre Ware liefern lassen können. „Auf jeden Fall ist das Konzept eine Überlegung wert“, sagt Anne Korte.

Der Hofladen brummt: Mehr Zeit für regionale Produkte

„Die Leute kaufen bewusster ein“, sagt Madline Ernsting, die einen mobilen Hühnerstall betreibt. MT-Foto: Oliver Plöger © Oliver Plöger

Petershagen. Der Trend sei nicht ganz neu, habe sich aber im ersten Corona-Jahr deutlich verstärkt: „Die Leute gucken nach rechts und nach links, was sie vor der Haustür haben“, sagt Anne Korte vom Hof Korte in Jössen, konkret: Das Bewusstsein für Regionalität sei gewachsen. Geschäftlich sei das vergangene Jahr deswegen gut gelaufen. Natürlich stehe die Pandemie über allem: Doch Anne Korte kann – wie ihre Familie, mit der sie den Hof betreibt – auf coronakonforme Kontakte zu den Kunden nicht verzichten: in Heddas Bauernladen und auf den fast 20 Wochenmärkten, die regional beschickt werden. Über Zuspruch kann sich Anne Korte nicht beklagen, wie sie sagt.

Wenn es um Rückblick und Ausblick geht, dann spiele Corona immer eine Rolle, weiß Anne Korte. Vergessen werde dabei aber gerne ein zweites Damoklesschwert, das auch die Direktvermarkter betrifft: die Vogelgrippe. Das Risiko steigt bekanntlich im Herbst, da die Krankheit durch Zugvögel eingeschleppt wird. Im Norden mussten bereits tausende Nutztiere getötet werden, wie die Behörden mitteilen. Also: Wer in Petershagen Geflügel hält, ist gerade besonders aufmerksam.

Es läuft gut: Für Anne Korte war das Corona-Jahr geschäftlich keine Katastrophe. Sie findet, dass die Kunden noch größeren Wert auf die regionalen Produkte legen. MT-Foto: Alex Lehn - © Alex Lehn
Es läuft gut: Für Anne Korte war das Corona-Jahr geschäftlich keine Katastrophe. Sie findet, dass die Kunden noch größeren Wert auf die regionalen Produkte legen. MT-Foto: Alex Lehn - © Alex Lehn

Aktuell gibt es – gar nicht weit weg – auch aus Niedersachsen Meldungen, dass die Krankheit auf Nutztiere übergesprungen ist. Laut Verbraucherzentrale NRW handelt es sich bei der Vogelgrippe um eine hochansteckende Viruserkrankung, die vor allem Hühner, Puten und Enten befällt. Eine Ansteckung von Menschen sei bislang nicht bekannt. Für Betriebe gilt die Prämisse, die eigenen Tiere von Wildvögeln fernzuhalten.

Das Problem haben Milchviehbetriebe nicht. Auf dem Hof Teikemeier in Heisterholz gibt es eine Verkaufshütte, in der Kunden als Selbstbediener vor allem regionale Produkte finden. Auch Birte Teikemeier bestätigt, dass das Interesse an diesen Waren größer geworden sei. Es könne sein, dass die Pandemie dazu beigetragen hat. „Es ist traurig, dass viele Gastronomen Einbußen hatten und dass es die existenziellen Ängste gibt. Wahrscheinlich haben sich die Kunden dann aber gedacht: Wir haben Zeit und wollen jetzt etwas wirklich Gutes essen. Dann haben sie verstärkt zu regionalen Produkten gegriffen.“ Birte Teikemeier hat in der Verkaufshütte außerdem beobachtet, dass gerade im Sommer der Eis-Absatz gestiegen ist. Und das seien wohl nicht nur die Temperaturen gewesen. „Die Leute hatten dann auch die Muße, zu uns auf den Hof zu kommen. Viele wollten sich anschauen, wie wir hier arbeiten.“ Das sei ein positiver Effekt gewesen, der dann ebenfalls dazu beitrage, die Sicht auf die örtliche Tierhaltung zu verändern.

Gut ist zum Jahreswechsel auch die Stimmung bei Madline und Stefan Ernsting aus Ilse, die zur Landwirtschaft einen mobilen Hühnerstall betreiben und regionale Produkte verkaufen. Madline Ernsting: „Wir können definitiv bestätigen, dass die Wertschätzung dieser Produkte gestiegen ist. Häufig bekommen wir darüber eine Rückmeldung von unseren Kunden.“ Ob das allerdings an der Coronasituation liegt, glauben die Ernstings nicht. „Wir denken vielmehr, dass ein Umdenken der Leute stattgefunden hat in Bezug auf gesunde Ernährung und bewussteres Einkaufen von tierischen Produkten. Die Tiere im Stall zu beobachten, gibt ein gutes Gefühl. Und man ist gerne bereit, mehr Geld dafür auszugeben.“ Coronabedingt hätten die Leute sicherlich mehr Zeit, sich mit solchen Themen auseinanderzusetzen und zum Beispiel den Mobilstall zu besuchen. „Jedoch wurden auch vor Corona die Selbstbedienungsautomaten mit regionalen Produkten in unserer Umgebung sehr gut angenommen“, weiß Madline Ernsting.

Verkaufshütten zur Selbstbedienung in Maaslingen und Stemmer betreiben auch die Brüder Jannik und Finn Hormann, dazu noch einen Verkaufsautomaten in Frille, der sogar ausgebaut werden soll. Hühner und Schweine werden auf dem eigenen Hof artgerecht gehalten. Froh sind beide, dass die Vogelgrippe hier noch nicht grassiert, aktuell werden verschärfte Hygienestandards eingehalten. Und nein, Corona habe nicht geschadet, sagt auch Finn Hormann, eher im Gegenteil: der Absatz sei gestiegen. Hormann spricht ebenfalls vom sich wandelnden Bewusstsein und darüber, dass die Leute mehr Zeit hatten, sich auf regionale Produkte zu besinnen. Aktuell denke man auf dem Hof Hormann in Maaslingen sogar darüber nach, künftig einen richtigen Hofladen zu betreiben.

Den gibt es bei Anne Korte bekanntlich seit Jahrzehnten. Die Betriebsleiterin freut sich auf die Zukunft und vor allem auf eine Zeit, in der sie den Kunden nicht mehr mit Maske begegnen muss. „Berufliche Treffen, die nicht unbedingt sein müssen, vermeide ich“, sagt sie.

In ihrem Studium hatte sich Anne Korte übrigens mit dem Thema Bierbrauen beschäftigt, was einige Jahre dann auch als Plan für den Korte-Hof existierte. Diese Planung, so Anne Korte, sei erst einmal beiseite geschoben. Nicht wegen Corona, aber wegen der ausgesprochen erfolgreichen Entwicklung der bestehenden Geschäftszweige. Irgendwann, sagt Anne Korte, müsse man sich entscheiden. Aktuell gehe es um die Veränderungen im Online-Handel, der für die Direktvermarkter durchaus ein Thema sein könnte, wie Anne Korte betont. Lieferdienste, bei denen sich die Betriebe vernetzen, seien eine gute Perspektive, zumal sich ein Verschicken über normale Versandwege beim Frischfleisch als schwierig erweist. Box, Kühlakkus, Expressdienst – all das würde die Kosten der Ware übersteigen, wirtschaftlich wäre ein solches Modell kaum tragbar. „Wir müssen die Kühlkette einhalten“, nennt Geflügelhalterin Anne Korte die wohl größte Herausforderung.

Modelle wie die im Münsterland praktizierte Bauernbox-Genossenschaft, die digitale Absatzwege nutzt, hält sie deshalb für zukunftsweisend. Ziel dort sei die Stärkung der Vermarktung regional erzeugter Lebensmittel und die Förderung regionaler Vielfalt. Genau das also, was die Kunden verstärkt fordern. Im Münsterland gibt es neben den durch die Genossenschaft organisierten Auslieferungen auch spezielle „Boxenstopps“, zu denen sich die Verbraucher ihre Ware liefern lassen können. „Auf jeden Fall ist das Konzept eine Überlegung wert“, sagt Anne Korte.

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