„Das wird so nicht mehr vorkommen“ - Dezernent entschuldigt sich für Abholzaktion in Südfelde Sebastian Radermacher Petershagen-Südfelde. Lutz Freiberg wollte am Ende gar nicht um den heißen Brei herumreden. „Wir müssen besser werden“, sagte der Dezernent des Kreises Minden-Lübbecke in der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses. Und er versicherte: „Das wird so nicht wieder vorkommen.“ Freiberg meinte damit die Gehölzpflege in Südfelde, wo auf einer großen Fläche am ehemaligen Bahnhof viele Bäume und das gesamte Unterholz abgesägt, abgefräst und beseitigt worden waren. Alfred Dotschkal hatte sich im April über diesen „Kahlschlag“ beschwert und den Kreis scharf kritisiert. Die Kreistagsfraktion der Grünen formulierte für den Fachausschuss einen Fragenkatalog an die Verwaltung zur Klärung des Sachverhaltes. Dezernent Freiberg teilte dem Gremium mit, dass verwaltungsintern die Aktion aufgearbeitet wurde – und er gelobte Besserung: „Wir wollen nicht in zwei Jahren wieder wegen dieses Themas hier sitzen.“ Er sagte den Politikern zu, die Mitarbeiter künftig besser zu schulen und sich um zusätzliches Personal zu bemühen. Denn Fakt sei: „Die Kolonnen stehen unter erheblichem Druck, wir brauchen zusätzliche Leute.“ Was Alfred Dotschkal an der Baumfällaktion in Südfelde besonders aufgeregt hat: Sie sei an einem Ort erfolgt, der Radwanderer, Gäste und Familien zu Pausen einladen sollte und eigentlich eine Werbung für den Kreis sein könnte. „Man wird hier vor vollendete Tatsachen gestellt“, hatte er beim Ortstermin im April moniert. Bereits zwei Jahre zuvor hatte er scharfe Kritik an einer Baumfällaktion des Kreises am Kreisradweg zwischen Friedewalde und Stemmer geäußert. Damals habe der Kreis gegenüber der Politik versichert, dass es künftig vor vergleichbaren Maßnahmen Gespräche geben werde – was in Südfelde allerdings nicht der Fall gewesen sei. Beatrix Aden, Leiterin des Bau- und Planungsamtes, bestätigte das im Fachausschuss. Eigentlich hätte die Politik im Vorfeld informiert werden sollen, im besagten Fall sei dies wegen der Kommunalwahl im September 2020 und den im Anschluss noch zu bildenden Ausschüssen nicht möglich gewesen. Die Pflegemaßnahmen hätten im Januar begonnen, sie seien alle in der Presse angekündigt worden. In Zukunft soll die Politik – wie besprochen – informiert werden, betonte Aden. Südfelde sei im Übrigen das einzige größere Projekt in diesem Jahr gewesen. Ausschussvorsitzende Cornelia Schmelzer (Grüne) wollte die fehlende Information so nicht stehen lassen: „Es wäre genug Zeit gewesen, den Ausschuss darüber in Kenntnis zu setzen.“ Die Grünen wollten von der Verwaltung zudem wissen, ob vor der Pflegemaßnahme in Südfelde von einem Baumsachverständigen ein Gutachten erstellt worden sei. Beatrix Aden verneinte. Gutachten würden im Regelfall nicht erstellt, das Fachpersonal des Kreises kontrolliere, prüfe und lege fest, welche Maßnahmen erforderlich seien. Wie viele Bäume konkret in Südfelde entfernt wurden, konnte die Amtsleiterin nicht sagen. Sie erneuerte noch einmal die bereits im April veröffentlichte Stellungnahme des Kreises, dass es sich um eine Pflegemaßnahme gehandelt habe, die zur Entwicklung der Fläche diene. Man halte sich an Gesetze, es gebe keine generellen Kahlschläge. „Wenn man sich solche Flächen nach ein, zwei Jahren ansieht, sind die positive Entwicklung deutlich zu erkennen.“ Das sei auch in Südfelde der Fall – Aden zeigte den Politikern aktuelle Fotos und verwies auf Holunder, Weiden, Sträucher und die Krautschicht, „die sich gut entwickeln“. Thomas Dippert (Grüne) kritisierte, dass ein Kahlschlag eine „ökologische Wüste hinterlässt, die sich erst regenerieren muss“. Er forderte eine kontinuierliche Pflege, anstatt alles auf einmal abzuholzen, weil Bäume und Sträucher über mehrere Jahre wild gewachsen seien. Dippert regte an, das Pflegekonzept entsprechend zu ändern. Im östlichen Kreisgebiet gebe es einen Pflegerückstand, weshalb größere Maßnahmen zur Verkehrssicherungspflicht und aus ökologischen Aspekten erforderlich seien, sagte Aden. Damit sei man aber bald durch, so dass dann nur noch geringfügige Pflegemaßnahmen notwendig seien, um die Bereiche in Ordnung zu halten – im Westkreis sei dies bereits der Fall. Im vergangenen Jahr hat der Kreis laut Aussage der Amtsleiterin 220 Bäume – Eichen, Linden, Eschen und Ahörner – an verschiedenen Flächen nachgepflanzt, zum Beispiel am Radweg in Dehme. Im Herbst dieses Jahres sollen weitere 200 neue Bäume folgen – dies sei aber oft nicht dort möglich, wo sie gefällt worden seien. Ob solche Fälle wie in Südfelde in Zukunft tatsächlich nicht mehr auftreten werden? Die Kreispolitik ist skeptisch. Wie Dotschkal verwies auch Alfred Borgmann (CDU) auf den Vorfall aus dem Jahr 2019 – „und jetzt gab es schon wieder ,Tabula rasa’. Ich verstehe nicht, wieso man eine solche Fläche komplett runter nimmt“, sagte Borgmann und erntete dafür Zustimmung von Alfred Dotschkal, der die Sitzung des Ausschusses als Zuschauer verfolgte. Der CDU-Politiker appellierte noch einmal eindringlich an die Verwaltung, die Gehölzpflege sensibel anzugehen und die Politik entsprechend zu informieren und mitzunehmen. „Wir werden weiterhin kritisch hingucken“, ergänzte Cornelia Schmelzer abschließend. Das wird auch Alfred Dotschkal machen, der für die jüngste Baumfällaktion des Kreises („Rodungswillkür“) auch nach der Aussprache im Ausschuss kein Verständnis aufbringen kann.

„Das wird so nicht mehr vorkommen“ - Dezernent entschuldigt sich für Abholzaktion in Südfelde

So sieht es derzeit am Radweg in Südfelde aus. Ende März hatte es hier eine „Pflegemaßnahme“ gegeben. Künftig sollen die eingesetzten Kolonnen besser geschult werden. MT-Foto: Oliver Plöger © Oliver Plöger

Petershagen-Südfelde. Lutz Freiberg wollte am Ende gar nicht um den heißen Brei herumreden. „Wir müssen besser werden“, sagte der Dezernent des Kreises Minden-Lübbecke in der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses. Und er versicherte: „Das wird so nicht wieder vorkommen.“ Freiberg meinte damit die Gehölzpflege in Südfelde, wo auf einer großen Fläche am ehemaligen Bahnhof viele Bäume und das gesamte Unterholz abgesägt, abgefräst und beseitigt worden waren. Alfred Dotschkal hatte sich im April über diesen „Kahlschlag“ beschwert und den Kreis scharf kritisiert.

Die Kreistagsfraktion der Grünen formulierte für den Fachausschuss einen Fragenkatalog an die Verwaltung zur Klärung des Sachverhaltes. Dezernent Freiberg teilte dem Gremium mit, dass verwaltungsintern die Aktion aufgearbeitet wurde – und er gelobte Besserung: „Wir wollen nicht in zwei Jahren wieder wegen dieses Themas hier sitzen.“ Er sagte den Politikern zu, die Mitarbeiter künftig besser zu schulen und sich um zusätzliches Personal zu bemühen. Denn Fakt sei: „Die Kolonnen stehen unter erheblichem Druck, wir brauchen zusätzliche Leute.“

Unmittelbar nach dem Einsatz des Kreises hatte Alfred Dotschkal zum Pressetermin eingeladen. MT-Archivfoto: Oliver Plöger - © Oliver Plöger
Unmittelbar nach dem Einsatz des Kreises hatte Alfred Dotschkal zum Pressetermin eingeladen. MT-Archivfoto: Oliver Plöger - © Oliver Plöger

Was Alfred Dotschkal an der Baumfällaktion in Südfelde besonders aufgeregt hat: Sie sei an einem Ort erfolgt, der Radwanderer, Gäste und Familien zu Pausen einladen sollte und eigentlich eine Werbung für den Kreis sein könnte. „Man wird hier vor vollendete Tatsachen gestellt“, hatte er beim Ortstermin im April moniert. Bereits zwei Jahre zuvor hatte er scharfe Kritik an einer Baumfällaktion des Kreises am Kreisradweg zwischen Friedewalde und Stemmer geäußert. Damals habe der Kreis gegenüber der Politik versichert, dass es künftig vor vergleichbaren Maßnahmen Gespräche geben werde – was in Südfelde allerdings nicht der Fall gewesen sei.

Beatrix Aden, Leiterin des Bau- und Planungsamtes, bestätigte das im Fachausschuss. Eigentlich hätte die Politik im Vorfeld informiert werden sollen, im besagten Fall sei dies wegen der Kommunalwahl im September 2020 und den im Anschluss noch zu bildenden Ausschüssen nicht möglich gewesen. Die Pflegemaßnahmen hätten im Januar begonnen, sie seien alle in der Presse angekündigt worden. In Zukunft soll die Politik – wie besprochen – informiert werden, betonte Aden. Südfelde sei im Übrigen das einzige größere Projekt in diesem Jahr gewesen. Ausschussvorsitzende Cornelia Schmelzer (Grüne) wollte die fehlende Information so nicht stehen lassen: „Es wäre genug Zeit gewesen, den Ausschuss darüber in Kenntnis zu setzen.“

Die Grünen wollten von der Verwaltung zudem wissen, ob vor der Pflegemaßnahme in Südfelde von einem Baumsachverständigen ein Gutachten erstellt worden sei. Beatrix Aden verneinte. Gutachten würden im Regelfall nicht erstellt, das Fachpersonal des Kreises kontrolliere, prüfe und lege fest, welche Maßnahmen erforderlich seien.

Wie viele Bäume konkret in Südfelde entfernt wurden, konnte die Amtsleiterin nicht sagen. Sie erneuerte noch einmal die bereits im April veröffentlichte Stellungnahme des Kreises, dass es sich um eine Pflegemaßnahme gehandelt habe, die zur Entwicklung der Fläche diene. Man halte sich an Gesetze, es gebe keine generellen Kahlschläge. „Wenn man sich solche Flächen nach ein, zwei Jahren ansieht, sind die positive Entwicklung deutlich zu erkennen.“ Das sei auch in Südfelde der Fall – Aden zeigte den Politikern aktuelle Fotos und verwies auf Holunder, Weiden, Sträucher und die Krautschicht, „die sich gut entwickeln“.

Thomas Dippert (Grüne) kritisierte, dass ein Kahlschlag eine „ökologische Wüste hinterlässt, die sich erst regenerieren muss“. Er forderte eine kontinuierliche Pflege, anstatt alles auf einmal abzuholzen, weil Bäume und Sträucher über mehrere Jahre wild gewachsen seien. Dippert regte an, das Pflegekonzept entsprechend zu ändern. Im östlichen Kreisgebiet gebe es einen Pflegerückstand, weshalb größere Maßnahmen zur Verkehrssicherungspflicht und aus ökologischen Aspekten erforderlich seien, sagte Aden. Damit sei man aber bald durch, so dass dann nur noch geringfügige Pflegemaßnahmen notwendig seien, um die Bereiche in Ordnung zu halten – im Westkreis sei dies bereits der Fall.

Im vergangenen Jahr hat der Kreis laut Aussage der Amtsleiterin 220 Bäume – Eichen, Linden, Eschen und Ahörner – an verschiedenen Flächen nachgepflanzt, zum Beispiel am Radweg in Dehme. Im Herbst dieses Jahres sollen weitere 200 neue Bäume folgen – dies sei aber oft nicht dort möglich, wo sie gefällt worden seien.

Ob solche Fälle wie in Südfelde in Zukunft tatsächlich nicht mehr auftreten werden? Die Kreispolitik ist skeptisch. Wie Dotschkal verwies auch Alfred Borgmann (CDU) auf den Vorfall aus dem Jahr 2019 – „und jetzt gab es schon wieder ,Tabula rasa’. Ich verstehe nicht, wieso man eine solche Fläche komplett runter nimmt“, sagte Borgmann und erntete dafür Zustimmung von Alfred Dotschkal, der die Sitzung des Ausschusses als Zuschauer verfolgte.

Der CDU-Politiker appellierte noch einmal eindringlich an die Verwaltung, die Gehölzpflege sensibel anzugehen und die Politik entsprechend zu informieren und mitzunehmen. „Wir werden weiterhin kritisch hingucken“, ergänzte Cornelia Schmelzer abschließend. Das wird auch Alfred Dotschkal machen, der für die jüngste Baumfällaktion des Kreises („Rodungswillkür“) auch nach der Aussprache im Ausschuss kein Verständnis aufbringen kann.

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