Das Ende des Wackelpuddings: Schlüsselburger Deich wird ab 2025 saniert Oliver Plöger Petershagen-Schlüsselburg. Das nächste Hochwasser kommt bestimmt. Und Frage wird dann wieder sein: Hält der Deich? In Schlüsselburg ist das gar nicht so sicher. Der „Marmorkuchen“, wie das Bauwerk hier wegen seiner Kombination aus Sand und Erde gerne genannt wird, könnte bei entsprechenden Wassermengen zum Wackelpudding mutieren. Rund 500 Menschen wären dann direkt von den Wassermassen betroffen. Ein Evakuierungsplan, wie er im September 2019 bereits mit den Einwohnern geprobt wurde, würde greifen. Viel besser aber wäre ein sanierter Deich, wie auch die Stadt Petershagen betont, die 2019 die Trägerschaft für die Baumaßnahme übernommen hatte. Nach der dann eingeleiteten europaweiten Ausschreibung für das Projekt sind die Arbeiten jetzt vergeben worden. Den Zuschlag bekam das Ingenieurbüro Hausdorff Roos Projekt- und Ingenieurconsult (HRPI) GmbH aus Weimar. Bei der Ausschreibung war es um die etwa sechs Kilometer lange Deichtrasse und die Anlagen zur Deichzufahrt und die Überfahrt gegangen. Das Unternehmen hatte sich für den Schlüsselburger Auftrag gegen zwei weitere Anbieter durchgesetzt. HRPI verfügt über Deicherfahrungen unter anderem beim Küstenschutz auf der Nordseeinsel Wangerooge. Auf der eigenen Homepage wird mit der schnellen Umsetzung von Projekten geworben. Allerdings heißt das für Schlüsselburg nicht, dass kommende Woche die Baufahrzeuge anrollen. Mit dem Beginn rechne die Stadt nicht vor der zweiten Jahreshälfte 2025. Die Arbeiten selbst dürften dann rund zwei Jahre dauern. Bei der Stadt ist zunächst von einem „sehr umfangreichen Genehmigungsprozess in Form eines länderübergreifenden Planfeststellungsverfahrens“ die Rede. Dazu Tatjana Brast aus der Pressestelle: „Dadurch sollen die öffentlich-rechtlichen Beziehungen zwischen der Stadt Petershagen als Träger der Maßnahme und allen durch die Planung betroffenen Behörden, Stellen und Menschen geregelt werden.“ Ziel sei es, alle notwendigen Genehmigungen durch einen einzigen Planfeststellungsbescheid der Bezirksregierung Detmold zu bekommen. Klingt kompliziert und ist es auch: Allein die betroffene Fläche auf NRW-Gebiet sei Bestandteil teils hochwertiger Schutzgebiete, darunter das Vogelschutzgebiet Weseraue, das Naturschutzgebiet Staustufe Schlüsselburg und das Landschaftsschutzgebiet Altkreis Minden. Hinzu kämen weitere geschützte Biotope. Kurzum: Eine „schlichte“ Baugenehmigung, wie zum Beispiel beim Hausbau, könne nicht erteilt werden, so Tatjana Brast. Der zu sanierende Deich befinde sich zudem nicht komplett in öffentlicher Hand, so dass auch hier eine „Flurbereinigung“ erforderlich ist, um an die benötigten Privatflächen zu kommen. „Schon jetzt bittet die Stadt Petershagen Eigentümer von Grundstücken in und um Schlüsselburg um Kontaktaufnahme, sofern sie demnächst ihr Grundstück verkaufen möchten. Auch ein Grundstück, das nicht direkt mit der Deichsanierung in Verbindung steht, könnte der Stadt Petershagen unter Umständen als mögliche Tauschfläche im Flurbereinigungsverfahren dienen.“ Rund 140 Eigentümer sind nach Informationen aus dem Wasserverband Weserniederung betroffen. Die Arbeiten, wenn sie denn 2025 starten, unterliegen selbst besonderen Auflagen, wie der für den Hochwasserschutz zuständige Markus Rubin aus der Stadtverwaltung deutlich macht: So müsse mit Rücksicht auf die Brutzeiten darauf geachtet werden, wann überhaupt an der Sanierung gearbeitet werden kann. Sensibles Thema sei auch die Lindenallee. Bei früheren Plänen, die Bäume auf dem Deich zu fällen, war es immer wieder zu Protesten aus der Bevölkerung gekommen. Heute gebe es laut Markus Rubin die Vorstellung, die Linden selbst noch durch einen vorgebauten Deich zu schützen. Bereits seit 2017 ist bekannt, dass die Anlagen saniert werden müssen. Damals hatte die Bezirksregierung mit einem neuen Gutachten überrascht, nachdem eine Untersuchung 2000 ergeben hatte, dass alles in Ordnung ist. Mittlerweile aber hätten die Hochwasserszenarien der vergangenen Jahre zu „verfeinerten Kriterien für die Sicherheit von Deichen und zu strengeren Vorschriften geführt“, wie es gegenüber dem MT aus Detmold hieß. Die Fachleute könnten die Deiche heute deutlich besser beurteilen und zuverlässiger einschätzen. Die Deichanlagen unterliegen der Aufsicht der Bezirksregierung Detmold, Petershagen hatte die Trägerschaft übernommen. Die „Übernahme der Pflicht zur Sanierung und Unterhaltung der Deiche nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik“, so hieß es im Dringlichkeitsbeschluss 2019, sei zwischen Stadt und Wasserverband Weserniederung zu regeln. Ein solches Projekt, so Markus Rubin, könne der Wasserverband Weserniederung nicht allein stemmen. Gleichwohl sei der Verband weiter maßgeblich an den Arbeiten beteiligt. Bis der Deich saniert ist, wird es also noch dauern. Umso wichtiger für die Stadt, dass ehrenamtliche Deichläufer die Anlage im extremen Hochwasserfall überwachen. Wer sich für dieses Amt interessiert, möge sich wie diejenigen, die ihre Grundstücke verkaufen möchten, mit Markus Rubin in Verbindung setzen: Telefon (05702) 822 238 oder m.rubin@petershagen.de. Ansonsten hat die Stadt den Pegel in Porta Westfalica im Blick: Wenn der nämlich über 6,42 Metern liegt, sollten die Schlüsselburger ihre Koffer packen.

Das Ende des Wackelpuddings: Schlüsselburger Deich wird ab 2025 saniert

Im Falle des Falles ist auf die Deichanlage in Schlüsselburg kein Verlass mehr. Bereits seit 2017 steht fest, dass der Hochwasserschutz neu gesichert werden muss. MT-Foto: Oliver Plöger © Oliver Plöger

Petershagen-Schlüsselburg. Das nächste Hochwasser kommt bestimmt. Und Frage wird dann wieder sein: Hält der Deich? In Schlüsselburg ist das gar nicht so sicher. Der „Marmorkuchen“, wie das Bauwerk hier wegen seiner Kombination aus Sand und Erde gerne genannt wird, könnte bei entsprechenden Wassermengen zum Wackelpudding mutieren. Rund 500 Menschen wären dann direkt von den Wassermassen betroffen. Ein Evakuierungsplan, wie er im September 2019 bereits mit den Einwohnern geprobt wurde, würde greifen. Viel besser aber wäre ein sanierter Deich, wie auch die Stadt Petershagen betont, die 2019 die Trägerschaft für die Baumaßnahme übernommen hatte. Nach der dann eingeleiteten europaweiten Ausschreibung für das Projekt sind die Arbeiten jetzt vergeben worden. Den Zuschlag bekam das Ingenieurbüro Hausdorff Roos Projekt- und Ingenieurconsult (HRPI) GmbH aus Weimar. Bei der Ausschreibung war es um die etwa sechs Kilometer lange Deichtrasse und die Anlagen zur Deichzufahrt und die Überfahrt gegangen.

Das Unternehmen hatte sich für den Schlüsselburger Auftrag gegen zwei weitere Anbieter durchgesetzt. HRPI verfügt über Deicherfahrungen unter anderem beim Küstenschutz auf der Nordseeinsel Wangerooge. Auf der eigenen Homepage wird mit der schnellen Umsetzung von Projekten geworben. Allerdings heißt das für Schlüsselburg nicht, dass kommende Woche die Baufahrzeuge anrollen.

Mit dem Beginn rechne die Stadt nicht vor der zweiten Jahreshälfte 2025. Die Arbeiten selbst dürften dann rund zwei Jahre dauern. Bei der Stadt ist zunächst von einem „sehr umfangreichen Genehmigungsprozess in Form eines länderübergreifenden Planfeststellungsverfahrens“ die Rede. Dazu Tatjana Brast aus der Pressestelle: „Dadurch sollen die öffentlich-rechtlichen Beziehungen zwischen der Stadt Petershagen als Träger der Maßnahme und allen durch die Planung betroffenen Behörden, Stellen und Menschen geregelt werden.“ Ziel sei es, alle notwendigen Genehmigungen durch einen einzigen Planfeststellungsbescheid der Bezirksregierung Detmold zu bekommen. Klingt kompliziert und ist es auch: Allein die betroffene Fläche auf NRW-Gebiet sei Bestandteil teils hochwertiger Schutzgebiete, darunter das Vogelschutzgebiet Weseraue, das Naturschutzgebiet Staustufe Schlüsselburg und das Landschaftsschutzgebiet Altkreis Minden. Hinzu kämen weitere geschützte Biotope. Kurzum: Eine „schlichte“ Baugenehmigung, wie zum Beispiel beim Hausbau, könne nicht erteilt werden, so Tatjana Brast. Der zu sanierende Deich befinde sich zudem nicht komplett in öffentlicher Hand, so dass auch hier eine „Flurbereinigung“ erforderlich ist, um an die benötigten Privatflächen zu kommen. „Schon jetzt bittet die Stadt Petershagen Eigentümer von Grundstücken in und um Schlüsselburg um Kontaktaufnahme, sofern sie demnächst ihr Grundstück verkaufen möchten. Auch ein Grundstück, das nicht direkt mit der Deichsanierung in Verbindung steht, könnte der Stadt Petershagen unter Umständen als mögliche Tauschfläche im Flurbereinigungsverfahren dienen.“ Rund 140 Eigentümer sind nach Informationen aus dem Wasserverband Weserniederung betroffen.

Die Arbeiten, wenn sie denn 2025 starten, unterliegen selbst besonderen Auflagen, wie der für den Hochwasserschutz zuständige Markus Rubin aus der Stadtverwaltung deutlich macht: So müsse mit Rücksicht auf die Brutzeiten darauf geachtet werden, wann überhaupt an der Sanierung gearbeitet werden kann. Sensibles Thema sei auch die Lindenallee. Bei früheren Plänen, die Bäume auf dem Deich zu fällen, war es immer wieder zu Protesten aus der Bevölkerung gekommen. Heute gebe es laut Markus Rubin die Vorstellung, die Linden selbst noch durch einen vorgebauten Deich zu schützen.

Bereits seit 2017 ist bekannt, dass die Anlagen saniert werden müssen. Damals hatte die Bezirksregierung mit einem neuen Gutachten überrascht, nachdem eine Untersuchung 2000 ergeben hatte, dass alles in Ordnung ist. Mittlerweile aber hätten die Hochwasserszenarien der vergangenen Jahre zu „verfeinerten Kriterien für die Sicherheit von Deichen und zu strengeren Vorschriften geführt“, wie es gegenüber dem MT aus Detmold hieß. Die Fachleute könnten die Deiche heute deutlich besser beurteilen und zuverlässiger einschätzen.

Die Deichanlagen unterliegen der Aufsicht der Bezirksregierung Detmold, Petershagen hatte die Trägerschaft übernommen. Die „Übernahme der Pflicht zur Sanierung und Unterhaltung der Deiche nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik“, so hieß es im Dringlichkeitsbeschluss 2019, sei zwischen Stadt und Wasserverband Weserniederung zu regeln. Ein solches Projekt, so Markus Rubin, könne der Wasserverband Weserniederung nicht allein stemmen. Gleichwohl sei der Verband weiter maßgeblich an den Arbeiten beteiligt.

Bis der Deich saniert ist, wird es also noch dauern. Umso wichtiger für die Stadt, dass ehrenamtliche Deichläufer die Anlage im extremen Hochwasserfall überwachen. Wer sich für dieses Amt interessiert, möge sich wie diejenigen, die ihre Grundstücke verkaufen möchten, mit Markus Rubin in Verbindung setzen: Telefon (05702) 822 238 oder m.rubin@petershagen.de. Ansonsten hat die Stadt den Pegel in Porta Westfalica im Blick: Wenn der nämlich über 6,42 Metern liegt, sollten die Schlüsselburger ihre Koffer packen.

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