Camper und Pedaltreter: Beim Tourismus hofft Petershagen auf den Herbst Oliver Plöger Petershagen. Vom Rekordjahr 2019 ist der Tourismus in Petershagen weit entfernt. Damals gab es 117.827 Übernachtungsgäste. „Das waren so viele wie noch nie“, machte Martin Fahrland, Geschäftsführer der Mittelweser-Touristik, im Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Tourismus deutlich. „Dann kam Corona und 2020 der Absturz auf 87.000 Übernachtungen.“ Problematisch sei auch das laufende Jahr. Bis Mai durften nur Geschäftsreisende übernachten, auch deren Zahl sei nicht sonderlich groß gewesen, da viele Veranstaltungen ausfallen mussten. „Wir hoffen natürlich, dass wir jetzt noch einiges aufholen können. Voraussichtlich wird es ja keinen Lockdown mehr geben“, sagte Fahrland. Im Oktober rechne die Mittelweser-Touristik, die eigentlich nur aus niedersächsischen Anrainerkommunen besteht, die Stadt Petershagen aber aufgrund der regionalen Lage als Gesellschafterin mitführt, wieder mit zahlreichen Radtouristen. Die, so habe es Jörg Borcherding (CDU) beobachtet, kämen jetzt schon in Scharen. „In der letzten Zeit kann man sagen: Auf dem Highway ist die Hölle los. Die Zahlen haben sich auch optisch gesteigert.“ Doch nicht nur die Radler dürften wieder nach Petershagen kommen. „Wir sind auch im Zuge von Corona eine Wohnmobilregion geworden“, meinte Fahrland, was Evelyn Hotze, Leiterin der Stabsstelle für Wirtschaftsförderung und Tourismus, ausdrücklich bestätigte. Der Wohnmobilstellplatz an der Hohoffstraße in Petershagen werde extrem gut genutzt. „Seit Mai ist der Platz wieder geöffnet, die zehn Plätze sind seitdem dauerhaft belegt.“ Die Stadt habe eine gute Übersicht über die Platznutzung, da sich die Gäste anmelden müssen. Das Einzugsgebiet sei beeindruckend: Belgien, Niederlande, Schweiz. Zahlreiche Wohnmobilisten kämen von der Küste hierher. Die durchschnittliche Verweildauer in Petershagen liege bei drei Tagen – Zeit, um auf den heimischen Radwegen unterwegs zu sein oder Geld hierzulassen. Zum Beispiel beim Bäcker, wie Hotze meinte. Genauere Zahlen über Wohnmobil-Touristen könnte es bald durch den weiteren Stellplatz geben, den der Förderverein Naherholungsgebiet Schiffsanleger Petershagen anbietet. „Wir hatten im vorigen Jahr 450 Wohnmobile hier“, so Ulrich Lange (FDP) als Vorsitzender des Fördervereins und sachkundiger Bürger im Ausschuss. Seine Zuversicht nimmt Tourismus-Experte Martin Fahrland aus den Daten, die im Portal Trust You ermittelt wurden. Die Plattform erfasst alle Gästebewertungen und Fragebögen und bündelt die Meinungen unter anderem zu Sauberkeit der Unterkünfte, Freundlichkeit und gastronomischem Angebot. Bewertet wurden im vergangenen Jahr allerdings nur sechs der über 60 Beherbergungsbetriebe inklusive Campingplätze aus Petershagen. Die Storchenhauptstadt liege dabei bei 82 Prozent Zufriedenheit, so Martin Fahrland. Das sei nur wenig unter dem niedersächsischen Landesdurchschnitt von 85 Prozent oder dem deutschlandweiten Mittel von 85,8 Prozent. Mit Blick auf die Vorjahre sei die Qualität der Betriebe auch in Petershagen deutlich besser geworden, resümierte Martin Fahrland. Das Interesse an Petershagen zeige sich auch an den Anfragen, die bei der Mittelweser-Touristik auflaufen. Insgesamt seien es in diesem Jahr über 4.000 gewesen, speziell für Petershagen um die 30. „Der Gast fragt aber gerne nach Regionen, Petershagen ist dann immer dabei.“ Und es gebe gute Argumente: „Petershagen hat von allem etwas, außer Nienburger Spargel“, meinte Fahrland, der mit seinem Team in Nienburg sitzt, beim Marketing eng mit der Tourismusförderung in Petershagen zusammenarbeitet und etwa bei Radfahr- und Wanderkarten oder Broschüren zu den Ortsrundgängen hilft. Dass die Gastronomie während Corona arg gelitten hatte, sei auch bei der Weserbergland-Touristik-Thema gewesen, die mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) zusammenarbeitet. Aktionen wie „Flagge zeigen“, bei denen auf Bestell- und Lieferservices hingewiesen wurde, würden auch Petershagen helfen. Laut Fahrland hätten es die Betriebe direkt nach dem Lockdown schwer gehabt „Donnerstags erfuhr man aus der Presse, dass montags die Gastronomie wieder aufmachen darf. Die Betriebe haben ohnehin Probleme, was Arbeitskräfte betrifft. Da ist es dann schwierig, den Laden so kurzfristig hochzufahren.“ Dass Tourismus immer mehr zum Wirtschaftsfaktor geworden ist, habe man erst in den vergangenen Jahren erkannt, machte Fahrland deutlich. „Vor 20 Jahren hat man noch vom Fremdenverkehr gesprochen, das war also etwas Fremdes. Heute legt jeder Politiker im Wahlkampf Wert auf das Thema Tourismus.“ In den vergangenen Jahren sei eine Menge angeschoben worden. Dabei ist weniger durchaus mehr: „Wir brauchen nicht 27 Radrouten, wir brauchen vielleicht drei oder vier. Die müssen dann aber top sein.“

Camper und Pedaltreter: Beim Tourismus hofft Petershagen auf den Herbst

Radler willkommen: Die „Natour“-Route durch Petershagen ist beliebt. Ob sie die Übernachtungszahlen 2021 noch steigern kann, könnte der Oktober zeigen. MT-Foto: Oliver Plöger © Oliver Plöger

Petershagen. Vom Rekordjahr 2019 ist der Tourismus in Petershagen weit entfernt. Damals gab es 117.827 Übernachtungsgäste. „Das waren so viele wie noch nie“, machte Martin Fahrland, Geschäftsführer der Mittelweser-Touristik, im Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Tourismus deutlich. „Dann kam Corona und 2020 der Absturz auf 87.000 Übernachtungen.“

Problematisch sei auch das laufende Jahr. Bis Mai durften nur Geschäftsreisende übernachten, auch deren Zahl sei nicht sonderlich groß gewesen, da viele Veranstaltungen ausfallen mussten. „Wir hoffen natürlich, dass wir jetzt noch einiges aufholen können. Voraussichtlich wird es ja keinen Lockdown mehr geben“, sagte Fahrland. Im Oktober rechne die Mittelweser-Touristik, die eigentlich nur aus niedersächsischen Anrainerkommunen besteht, die Stadt Petershagen aber aufgrund der regionalen Lage als Gesellschafterin mitführt, wieder mit zahlreichen Radtouristen. Die, so habe es Jörg Borcherding (CDU) beobachtet, kämen jetzt schon in Scharen. „In der letzten Zeit kann man sagen: Auf dem Highway ist die Hölle los. Die Zahlen haben sich auch optisch gesteigert.“

Doch nicht nur die Radler dürften wieder nach Petershagen kommen. „Wir sind auch im Zuge von Corona eine Wohnmobilregion geworden“, meinte Fahrland, was Evelyn Hotze, Leiterin der Stabsstelle für Wirtschaftsförderung und Tourismus, ausdrücklich bestätigte. Der Wohnmobilstellplatz an der Hohoffstraße in Petershagen werde extrem gut genutzt. „Seit Mai ist der Platz wieder geöffnet, die zehn Plätze sind seitdem dauerhaft belegt.“ Die Stadt habe eine gute Übersicht über die Platznutzung, da sich die Gäste anmelden müssen. Das Einzugsgebiet sei beeindruckend: Belgien, Niederlande, Schweiz. Zahlreiche Wohnmobilisten kämen von der Küste hierher. Die durchschnittliche Verweildauer in Petershagen liege bei drei Tagen – Zeit, um auf den heimischen Radwegen unterwegs zu sein oder Geld hierzulassen. Zum Beispiel beim Bäcker, wie Hotze meinte.

Genauere Zahlen über Wohnmobil-Touristen könnte es bald durch den weiteren Stellplatz geben, den der Förderverein Naherholungsgebiet Schiffsanleger Petershagen anbietet. „Wir hatten im vorigen Jahr 450 Wohnmobile hier“, so Ulrich Lange (FDP) als Vorsitzender des Fördervereins und sachkundiger Bürger im Ausschuss.

Seine Zuversicht nimmt Tourismus-Experte Martin Fahrland aus den Daten, die im Portal Trust You ermittelt wurden. Die Plattform erfasst alle Gästebewertungen und Fragebögen und bündelt die Meinungen unter anderem zu Sauberkeit der Unterkünfte, Freundlichkeit und gastronomischem Angebot. Bewertet wurden im vergangenen Jahr allerdings nur sechs der über 60 Beherbergungsbetriebe inklusive Campingplätze aus Petershagen. Die Storchenhauptstadt liege dabei bei 82 Prozent Zufriedenheit, so Martin Fahrland. Das sei nur wenig unter dem niedersächsischen Landesdurchschnitt von 85 Prozent oder dem deutschlandweiten Mittel von 85,8 Prozent. Mit Blick auf die Vorjahre sei die Qualität der Betriebe auch in Petershagen deutlich besser geworden, resümierte Martin Fahrland.

Das Interesse an Petershagen zeige sich auch an den Anfragen, die bei der Mittelweser-Touristik auflaufen. Insgesamt seien es in diesem Jahr über 4.000 gewesen, speziell für Petershagen um die 30. „Der Gast fragt aber gerne nach Regionen, Petershagen ist dann immer dabei.“ Und es gebe gute Argumente: „Petershagen hat von allem etwas, außer Nienburger Spargel“, meinte Fahrland, der mit seinem Team in Nienburg sitzt, beim Marketing eng mit der Tourismusförderung in Petershagen zusammenarbeitet und etwa bei Radfahr- und Wanderkarten oder Broschüren zu den Ortsrundgängen hilft.

Dass die Gastronomie während Corona arg gelitten hatte, sei auch bei der Weserbergland-Touristik-Thema gewesen, die mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) zusammenarbeitet. Aktionen wie „Flagge zeigen“, bei denen auf Bestell- und Lieferservices hingewiesen wurde, würden auch Petershagen helfen. Laut Fahrland hätten es die Betriebe direkt nach dem Lockdown schwer gehabt „Donnerstags erfuhr man aus der Presse, dass montags die Gastronomie wieder aufmachen darf. Die Betriebe haben ohnehin Probleme, was Arbeitskräfte betrifft. Da ist es dann schwierig, den Laden so kurzfristig hochzufahren.“

Dass Tourismus immer mehr zum Wirtschaftsfaktor geworden ist, habe man erst in den vergangenen Jahren erkannt, machte Fahrland deutlich. „Vor 20 Jahren hat man noch vom Fremdenverkehr gesprochen, das war also etwas Fremdes. Heute legt jeder Politiker im Wahlkampf Wert auf das Thema Tourismus.“ In den vergangenen Jahren sei eine Menge angeschoben worden. Dabei ist weniger durchaus mehr: „Wir brauchen nicht 27 Radrouten, wir brauchen vielleicht drei oder vier. Die müssen dann aber top sein.“

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