Bürgermeister rät zum Glasfaseranschluss: „Ich mache keine Schleichwerbung“ Oliver Plöger Petershagen. Das Schreiben an zahlreiche Haushalte in Petershagen, in dem Bürgermeister Dirk Breves (CDU) auf das Frist-Ende beim Baukostenzuschuss für den Glasfaseranschluss hinweist, hat teilweise für Irritationen gesorgt. Aus Windheim berichtete der CDU-Fraktionsvorsitzende und dortige Ortsbürgermeister Hermann Humcke, dass Leute nun verwirrt seien, die bereits nach einer Informationsveranstaltung vor nunmehr anderthalb Jahren ihren Antrag gestellt hatten. Ihre Frage: „Muss ich jetzt noch einmal einen Antrag stellen?“ Diese Anträge, so bestätigte Breves in der Ratssitzung, hätten Bestand. Weiter betonte Breves nach dem Schreiben, das an die Haushalte gegangen ist, die im Ausbaugebiet auf der rechten Weserseite liegen (MT berichtete): „Ich will damit keine Schleichwerbung machen.“ Die Informationskarten des Unternehmens selbst seien jedoch pauschal in den jeweiligen Orten verschickt worden – ohne persönliche Ansprache. „Das ist eher schleppend gelaufen. Bei solchen Schreiben gucken die Bürgerinnen und Bürger meins Erachtens eher, wo der nächste Papierkorb ist.“ Ihm sei es angesichts der geringen Anschlussquoten um 40 bis 50 Prozent wichtig, dass die Informationen auch gelesen werden, so Breves weiter. Dass er für ein bestimmtes Unternehmen Werbung mache, sei in diesem Fall auch gar nicht möglich, es gehe hier nicht mehr um die Vergabe. „Die Vergabe zum Breitbandausbau im Bereich der weißen Flecken ist europaweit durch den Kreis Minden-Lübbecke erfolgt. An diesem Verfahren haben mehrere Anbieter teilgenommen, am Ende blieb Greenfiber.“ Jetzt gehe es um die Frage: Wollen oder sollen die Menschen in Petershagen davon profitieren? „Und wenn man mir diese Frage stellt, sage ich als Bürgermeister ganz klar: Ja, sie sollen unbedingt.“ Es gebe keinen anderen Anbieter, der in Petershagen Glasfaser legen könne. „Mit Blick auf die Eigentümerschaft ist der Anschuss eine echte Wertsteigerung der Immobilie.“ Dabei sei der 100-Euro-Baukostenzuschuss bis Ende dieses Monats ein wichtiger Anreiz, die Verpflichtung über 24 Monate je 40 Euro einzugehen. „Eine solche Chance, an Glasfaser zu kommen, wird man nie wieder haben“, zeigte sich Dirk Breves überzeugt. „Dabei bin ich nicht gezwungen, von einem anderen Anbieter wegzugehen, ich kann Greenfiber fristgerecht wieder kündigen.“ Man sei ebenfalls nicht gezwungen, das schnelle Internet zu nutzen, habe aber die Möglichkeit, sich für tausend Euro Glasfaser ins Haus zu holen. Deshalb, so Breves, sei ihm der Hinweis auf das Frist-Ende beim Baukostenzuschuss so wichtig. Interessenbekundungen von Hauseigentümern, die nicht im Ausbaugebiet leben, könnten weiter abgegeben werden, so Breves auf Nachfrage von Nina Hartmann (SPD), die befürchtete, dass dieser Aspekt im Sande verlaufen könne. Hier aber habe Greenfiber signalisiert, dass bei genügend Haushalten auch weitere Bereiche versorgt werden könnten. Dabei, so hieß es aus dem Unternehmen, gebe es allerdings keine Garantie. Der Grund: Einen solchen Ausbau müsste der Anbieter eigenwirtschaftlich anstrengen. Bei Versorgung der weißen Flecken (Gebiete mit weniger als 30 Mbit/s) ist die Firma vertraglich gebunden: 2023 muss der Ausbau abgeschlossen sein. Dass die Ausbaureihenfolge dabei im laufenden Prozess verändert worden war, habe ebenfalls für Verunsicherungen gesorgt, so Breves. Was das teilweise schlechte oder praktisch nicht vorhandene Internet in Bereichen von Petershagen außerhalb des jetzigen Ausbauplans betreffe, liege der Fehler in der Markterkundung 2016, meinte der Bürgermeister. Kommunikationsunternehmen hätten damals angekündigt, in den nächsten drei Jahren in bestimmten Ortschaften über 30 Mbit/s auszubauen. „Allein durch diese Erklärung waren das keine weißen Flecken mehr und können vom jetzigen Ausbau nicht profitieren. Das ist ein echtes Problem, seit 2016 ist da gar nichts passiert“, erklärte Dirk Breves. Genau darum sei es für die Stadt wichtig zu wissen, wie groß der Anschlussbedarf ist. Entsprechend stark könne Petershagen dann gegenüber dem Unternehmen auftreten. Noch einmal verwies der Bürgermeister auf die Bedeutung des schnellen Internets. „Ohne ist auf dem Land nichts zu machen. Wer Schüler ist oder im Homeoffice arbeitet, weiß das.“ Auch Firmen hatten immer wieder die fehlende Bandbreite kritisiert, zuletzt die international tätige Firma Jenz in Friedewalde: „Das geht eigentlich gar nicht“, so Hans Heinrich Hermeier aus der Geschäftsführung: „Wir wollen gerne langfristig hierbleiben, aber die Rahmenbedingungen müssen passen.“ Viele passen. Das schnelle Internet gehöre aber auch dazu.

Bürgermeister rät zum Glasfaseranschluss: „Ich mache keine Schleichwerbung“

Für Immobilien bedeute der Glasfaseranschluss eine Wertsteigerung, sagt Bürgermeister Breves, und: Den Anschluss sollten sich auch diejenigen Haushalte legen lassen, die das schnelle Netz gar nicht wollen. Symbolfoto: Imago © imago images/Rupert Oberhäuser

Petershagen. Das Schreiben an zahlreiche Haushalte in Petershagen, in dem Bürgermeister Dirk Breves (CDU) auf das Frist-Ende beim Baukostenzuschuss für den Glasfaseranschluss hinweist, hat teilweise für Irritationen gesorgt. Aus Windheim berichtete der CDU-Fraktionsvorsitzende und dortige Ortsbürgermeister Hermann Humcke, dass Leute nun verwirrt seien, die bereits nach einer Informationsveranstaltung vor nunmehr anderthalb Jahren ihren Antrag gestellt hatten. Ihre Frage: „Muss ich jetzt noch einmal einen Antrag stellen?“ Diese Anträge, so bestätigte Breves in der Ratssitzung, hätten Bestand.

Weiter betonte Breves nach dem Schreiben, das an die Haushalte gegangen ist, die im Ausbaugebiet auf der rechten Weserseite liegen (MT berichtete): „Ich will damit keine Schleichwerbung machen.“ Die Informationskarten des Unternehmens selbst seien jedoch pauschal in den jeweiligen Orten verschickt worden – ohne persönliche Ansprache. „Das ist eher schleppend gelaufen. Bei solchen Schreiben gucken die Bürgerinnen und Bürger meins Erachtens eher, wo der nächste Papierkorb ist.“ Ihm sei es angesichts der geringen Anschlussquoten um 40 bis 50 Prozent wichtig, dass die Informationen auch gelesen werden, so Breves weiter.

Dass er für ein bestimmtes Unternehmen Werbung mache, sei in diesem Fall auch gar nicht möglich, es gehe hier nicht mehr um die Vergabe. „Die Vergabe zum Breitbandausbau im Bereich der weißen Flecken ist europaweit durch den Kreis Minden-Lübbecke erfolgt. An diesem Verfahren haben mehrere Anbieter teilgenommen, am Ende blieb Greenfiber.“ Jetzt gehe es um die Frage: Wollen oder sollen die Menschen in Petershagen davon profitieren? „Und wenn man mir diese Frage stellt, sage ich als Bürgermeister ganz klar: Ja, sie sollen unbedingt.“ Es gebe keinen anderen Anbieter, der in Petershagen Glasfaser legen könne. „Mit Blick auf die Eigentümerschaft ist der Anschuss eine echte Wertsteigerung der Immobilie.“

Dabei sei der 100-Euro-Baukostenzuschuss bis Ende dieses Monats ein wichtiger Anreiz, die Verpflichtung über 24 Monate je 40 Euro einzugehen. „Eine solche Chance, an Glasfaser zu kommen, wird man nie wieder haben“, zeigte sich Dirk Breves überzeugt. „Dabei bin ich nicht gezwungen, von einem anderen Anbieter wegzugehen, ich kann Greenfiber fristgerecht wieder kündigen.“ Man sei ebenfalls nicht gezwungen, das schnelle Internet zu nutzen, habe aber die Möglichkeit, sich für tausend Euro Glasfaser ins Haus zu holen. Deshalb, so Breves, sei ihm der Hinweis auf das Frist-Ende beim Baukostenzuschuss so wichtig.

Interessenbekundungen von Hauseigentümern, die nicht im Ausbaugebiet leben, könnten weiter abgegeben werden, so Breves auf Nachfrage von Nina Hartmann (SPD), die befürchtete, dass dieser Aspekt im Sande verlaufen könne. Hier aber habe Greenfiber signalisiert, dass bei genügend Haushalten auch weitere Bereiche versorgt werden könnten. Dabei, so hieß es aus dem Unternehmen, gebe es allerdings keine Garantie. Der Grund: Einen solchen Ausbau müsste der Anbieter eigenwirtschaftlich anstrengen. Bei Versorgung der weißen Flecken (Gebiete mit weniger als 30 Mbit/s) ist die Firma vertraglich gebunden: 2023 muss der Ausbau abgeschlossen sein. Dass die Ausbaureihenfolge dabei im laufenden Prozess verändert worden war, habe ebenfalls für Verunsicherungen gesorgt, so Breves.

Was das teilweise schlechte oder praktisch nicht vorhandene Internet in Bereichen von Petershagen außerhalb des jetzigen Ausbauplans betreffe, liege der Fehler in der Markterkundung 2016, meinte der Bürgermeister. Kommunikationsunternehmen hätten damals angekündigt, in den nächsten drei Jahren in bestimmten Ortschaften über 30 Mbit/s auszubauen. „Allein durch diese Erklärung waren das keine weißen Flecken mehr und können vom jetzigen Ausbau nicht profitieren. Das ist ein echtes Problem, seit 2016 ist da gar nichts passiert“, erklärte Dirk Breves. Genau darum sei es für die Stadt wichtig zu wissen, wie groß der Anschlussbedarf ist. Entsprechend stark könne Petershagen dann gegenüber dem Unternehmen auftreten.

Noch einmal verwies der Bürgermeister auf die Bedeutung des schnellen Internets. „Ohne ist auf dem Land nichts zu machen. Wer Schüler ist oder im Homeoffice arbeitet, weiß das.“ Auch Firmen hatten immer wieder die fehlende Bandbreite kritisiert, zuletzt die international tätige Firma Jenz in Friedewalde: „Das geht eigentlich gar nicht“, so Hans Heinrich Hermeier aus der Geschäftsführung: „Wir wollen gerne langfristig hierbleiben, aber die Rahmenbedingungen müssen passen.“ Viele passen. Das schnelle Internet gehöre aber auch dazu.

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