Der große Knall: So verlief die Sprengung der Granate in Windheim Claudia Hyna Petershagen-Windheim. Frank Pollheide hätte an diesem Montagmorgen eigentlich Schlaglöcher ausbessern sollen. Nun steht der städtische Mitarbeiter an einer Straßensperre am Logeweg in Windheim und darf keine Unbefugten durchlassen. Am Sonntagnachmittag war auf einem nahen Acker eine Granate gefunden worden, die nun gesprengt werden soll. Zunächst war die Stadt davon ausgegangen, dass Anwohner des Logewegs und der Straße Harrelhöfe evakuiert werden müssen – denn ein 200-Meter-Radius um den Fundort muss frei bleiben –, erklärt Verwaltungsangestellter Markus Rubin. Der nächste Hof von Wilhelm David liegt jedoch rund 250 Meter entfernt, sodass sich dieser das Geschehen vom Gartenzaun anschauen kann. Der 87-Jährige bleibt gelassen. „Die Granate liegt ja schon 77 Jahre im Boden. In der Zeit sind schon oft Trecker drübergefahren, der Boden ist schon zigmal umgepflügt worden", meint er. Er erinnert sich an die Angriffe der Briten, bei denen 1945 auch sein Elternhaus samt Scheune getroffen worden war. Währenddessen finden sich immer mehr Kräfte rund um den Fundort ein. Löschgruppenführer Olaf Döhring ist um 10.20 Uhr alarmiert worden. Nun sind die Löschgruppen Windheim und Jössen mit drei Fahrzeugen vor Ort, sicherheitshalber, wie er sagt. Die Polizei sperrt das Areal nahe der Windheimer Marsch weitläufig ab. Ein Beamter überprüft, ob sich in der benachbarten Schrebergartensiedlung noch Menschen befinden. Die Kühe auf der Weide sind ebenfalls vorsorglich in Sicherheit gebracht worden. Dass in Windheim etwas vor sich geht, hat sich schnell herumgesprochen. Direkt aus der Onlinesitzung des interfraktionellen Kreises kommt Ortsbürgermeister Hermann Humcke (CDU) angeradelt. Auch Sebastian Römbke als Pächter des betroffenen Ackers guckt sich die Aktion an. Seitdem die Granate am Sonntag gegen 17.45 Uhr von einem Mitglied der Gesellschaft zur Förderung der Bodendenkmalpflege im Kreis Minden-Lübbecke gefunden wurde, habe sein Handy nicht mehr stillgestanden, berichtet er. Die Vereinsmitglieder hatten zunächst die Polizei in Kenntnis gesetzt, die wiederum das Ordnungsamt informierte. Das städtische Ordnungsamt schickte ein Foto der Granate zum Kampfmittelbeseitigungsdienst Westfalen. Am Sonntag wäre es dunkel gewesen, bis sie am Fundort gewesen wären, sagt dessen Mitarbeiter Andreas Brümmer. Daher reiste er mit seinem Kollegen Holger Raue-Bach am frühen Montagmorgen aus Hagen an. Die Stadt hatte unterdessen die Fundstelle mit einem Gitter und Flatterband abgesichert. Die Fachleute von der Bezirksregierung Arnsberg schauten sich das Objekt zunächst genau an und legten es dann weiter frei. Es handele sich um einen sogenannten 25-Pounder mit 89 Millimeter Durchmesser und etwa 40 Zentimeter Länge, der aus einer Kanone abgefeuert wurde. Teile der Sicherungskappe hätten noch im Geschoss gesteckt. Im Laufe der langen Liegezeit bilde die Granate mit dem Sprengstoff Stoffunverträglichkeiten und werde schlag- und reibempfindlich. „Deshalb transportieren wir sie nicht", sagt Andreas Brümmer. Dann geht alles schneller als gedacht. War zunächst von 12 Uhr die Rede, so sind die Männer in blauer Montur schon um 11 Uhr mit ihren Vorbereitungen fertig. Johanna Beitans, seit 2019 als duale Studentin im Ordnungsamt tätig, durfte den Einsatz begleiten. „So was habe ich nicht alle Tage", sagt sie. Und dann erhält sie eine wichtige Funktion: Die junge Frau darf den Sprengknopf drücken. Zuerst erklingt ein langer Hupton. Das heißt: „Wir bereiten vor", hatte Brümmer erklärt. Dann zwei kurze Töne. Um 11.04 Uhr ertönt der Knall und eine große Staubwolke wirbelt auf. „Hätten wir nicht die zwei Kubikmeter Sand darauf gepackt, wären die Splitter 150 bis 200 Meter weit geflogen", so der Experte. Die drei größten Granatsplitter sammelt er nach einer Kontrolle auf und nimmt sie mit. Später kommen sie in einen Zerlegebetrieb. Brümmer bezeichnet den Einsatz in Windheim als eine „runde Sache". Alles habe gut geklappt und eine Evakuierung sei nicht nötig gewesen. Nun geht es für die beiden Männer weiter nach Gelsenkirchen. Kurz vor der Sprengung war eine neue Nachricht bei ihnen eingegangen und sie müssen zu einem ähnlichen Fall ins Ruhrgebiet. Es ist nicht die erste Granate, die in Windheim gefunden wurde, weiß Sebastian Römbke. Sein Vater habe erzählt, dass es hier einen weiteren Fund gab. Drei Granaten seien zudem wenige Hundert Meter weiter oberirdisch entdeckt worden. Und genau aus dem Grund gebe es nun Überlegungen, eine Sondierung in dem Gebiet vorzunehmen, teilt Verwaltungsmitarbeiter Markus Rubin mit. Dazu müsse die Fläche frei sein. Ein Wagen würde dazu das Feld mit einem Messgerät abfahren und metallische Funde in einer Karte darstellen. Sobald es Verdachtsmomente gebe, würde man schauen, ob es sich um Blindgänger handele. Danach könnten die Landwirte wieder ruhiger über die Äcker fahren. Und wenn Sondengänger danach noch auf unbekannte Objekte im Boden stoßen, sind es wahrscheinlich Gewandschließen. Die stammen aber nicht aus dem Krieg, sondern aus der ehemaligen mittelalterlichen Siedlung, die die Hobbyarchäologen hierher lockt.

Der große Knall: So verlief die Sprengung der Granate in Windheim

© D. Bake/GeFBdML e.V.

Petershagen-Windheim. Frank Pollheide hätte an diesem Montagmorgen eigentlich Schlaglöcher ausbessern sollen. Nun steht der städtische Mitarbeiter an einer Straßensperre am Logeweg in Windheim und darf keine Unbefugten durchlassen. Am Sonntagnachmittag war auf einem nahen Acker eine Granate gefunden worden, die nun gesprengt werden soll.

Zunächst war die Stadt davon ausgegangen, dass Anwohner des Logewegs und der Straße Harrelhöfe evakuiert werden müssen – denn ein 200-Meter-Radius um den Fundort muss frei bleiben –, erklärt Verwaltungsangestellter Markus Rubin. Der nächste Hof von Wilhelm David liegt jedoch rund 250 Meter entfernt, sodass sich dieser das Geschehen vom Gartenzaun anschauen kann.

Der Fundort ist abgesperrt worden. - © MT-Foto: Claudia Hyna
Der Fundort ist abgesperrt worden. - © MT-Foto: Claudia Hyna

Der 87-Jährige bleibt gelassen. „Die Granate liegt ja schon 77 Jahre im Boden. In der Zeit sind schon oft Trecker drübergefahren, der Boden ist schon zigmal umgepflügt worden", meint er. Er erinnert sich an die Angriffe der Briten, bei denen 1945 auch sein Elternhaus samt Scheune getroffen worden war.

Die 90 Millimeter-Granate wurde in Petershagen-Windheim gefunden. - © Daniel Bake
Die 90 Millimeter-Granate wurde in Petershagen-Windheim gefunden. - © Daniel Bake

Währenddessen finden sich immer mehr Kräfte rund um den Fundort ein. Löschgruppenführer Olaf Döhring ist um 10.20 Uhr alarmiert worden. Nun sind die Löschgruppen Windheim und Jössen mit drei Fahrzeugen vor Ort, sicherheitshalber, wie er sagt. Die Polizei sperrt das Areal nahe der Windheimer Marsch weitläufig ab. Ein Beamter überprüft, ob sich in der benachbarten Schrebergartensiedlung noch Menschen befinden. Die Kühe auf der Weide sind ebenfalls vorsorglich in Sicherheit gebracht worden.

Dass in Windheim etwas vor sich geht, hat sich schnell herumgesprochen. Direkt aus der Onlinesitzung des interfraktionellen Kreises kommt Ortsbürgermeister Hermann Humcke (CDU) angeradelt. Auch Sebastian Römbke als Pächter des betroffenen Ackers guckt sich die Aktion an. Seitdem die Granate am Sonntag gegen 17.45 Uhr von einem Mitglied der Gesellschaft zur Förderung der Bodendenkmalpflege im Kreis Minden-Lübbecke gefunden wurde, habe sein Handy nicht mehr stillgestanden, berichtet er. Die Vereinsmitglieder hatten zunächst die Polizei in Kenntnis gesetzt, die wiederum das Ordnungsamt informierte. Das städtische Ordnungsamt schickte ein Foto der Granate zum Kampfmittelbeseitigungsdienst Westfalen.

Am Sonntag wäre es dunkel gewesen, bis sie am Fundort gewesen wären, sagt dessen Mitarbeiter Andreas Brümmer. Daher reiste er mit seinem Kollegen Holger Raue-Bach am frühen Montagmorgen aus Hagen an. Die Stadt hatte unterdessen die Fundstelle mit einem Gitter und Flatterband abgesichert. Die Fachleute von der Bezirksregierung Arnsberg schauten sich das Objekt zunächst genau an und legten es dann weiter frei.

Es handele sich um einen sogenannten 25-Pounder mit 89 Millimeter Durchmesser und etwa 40 Zentimeter Länge, der aus einer Kanone abgefeuert wurde. Teile der Sicherungskappe hätten noch im Geschoss gesteckt. Im Laufe der langen Liegezeit bilde die Granate mit dem Sprengstoff Stoffunverträglichkeiten und werde schlag- und reibempfindlich. „Deshalb transportieren wir sie nicht", sagt Andreas Brümmer.

Dann geht alles schneller als gedacht. War zunächst von 12 Uhr die Rede, so sind die Männer in blauer Montur schon um 11 Uhr mit ihren Vorbereitungen fertig. Johanna Beitans, seit 2019 als duale Studentin im Ordnungsamt tätig, durfte den Einsatz begleiten. „So was habe ich nicht alle Tage", sagt sie. Und dann erhält sie eine wichtige Funktion: Die junge Frau darf den Sprengknopf drücken. Zuerst erklingt ein langer Hupton. Das heißt: „Wir bereiten vor", hatte Brümmer erklärt. Dann zwei kurze Töne. Um 11.04 Uhr ertönt der Knall und eine große Staubwolke wirbelt auf.

„Hätten wir nicht die zwei Kubikmeter Sand darauf gepackt, wären die Splitter 150 bis 200 Meter weit geflogen", so der Experte. Die drei größten Granatsplitter sammelt er nach einer Kontrolle auf und nimmt sie mit. Später kommen sie in einen Zerlegebetrieb. Brümmer bezeichnet den Einsatz in Windheim als eine „runde Sache". Alles habe gut geklappt und eine Evakuierung sei nicht nötig gewesen. Nun geht es für die beiden Männer weiter nach Gelsenkirchen. Kurz vor der Sprengung war eine neue Nachricht bei ihnen eingegangen und sie müssen zu einem ähnlichen Fall ins Ruhrgebiet.

Es ist nicht die erste Granate, die in Windheim gefunden wurde, weiß Sebastian Römbke. Sein Vater habe erzählt, dass es hier einen weiteren Fund gab. Drei Granaten seien zudem wenige Hundert Meter weiter oberirdisch entdeckt worden.

Und genau aus dem Grund gebe es nun Überlegungen, eine Sondierung in dem Gebiet vorzunehmen, teilt Verwaltungsmitarbeiter Markus Rubin mit. Dazu müsse die Fläche frei sein. Ein Wagen würde dazu das Feld mit einem Messgerät abfahren und metallische Funde in einer Karte darstellen. Sobald es Verdachtsmomente gebe, würde man schauen, ob es sich um Blindgänger handele. Danach könnten die Landwirte wieder ruhiger über die Äcker fahren. Und wenn Sondengänger danach noch auf unbekannte Objekte im Boden stoßen, sind es wahrscheinlich Gewandschließen. Die stammen aber nicht aus dem Krieg, sondern aus der ehemaligen mittelalterlichen Siedlung, die die Hobbyarchäologen hierher lockt.

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