Bock auf die Bundesliga: Köln-Maskottchen Hennes IX. kommt aus Petershagen Sebastian Radermacher Köln/Petershagen (mt). Für Friedrich Dörmann kam die Nachricht vollkommend überraschend. „Am Donnerstagabend stand ein Bekannter auf dem Hof und gratulierte mir plötzlich – ich wusste gar nicht, worum es ging", erzählt der Biolandwirt aus Petershagen-Ilse. Dann sah er die kurz zuvor im Internet veröffentlichte Mitteilung des 1. FC Köln: Ziegenbock Johannes, am 24. Februar 2018 auf Dörmanns Hof geboren und im vergangenen Sommer in den Kölner Zoo umgezogen, wird das neue Maskottchen des traditionsreichen Fußballvereins. „Es ist toll, dass unser Bock Hennes IX. wird. Das freut uns sehr", sagt Dörmann im MT-Gespräch. Am Sonntag wird sich Hennes VIII. vor Zehntausenden FC-Fans bei der offiziellen Saisoneröffnung verabschieden, gleichzeitig stellt sich sein Nachfolger aus Petershagen der Öffentlichkeit vor. Und das will Friedrich Dörmann auf keinen Fall verpassen. „Wir werden einen Familienausflug nach Köln machen. Bei dieser einmaligen Sache müssen wir einfach live dabei sein." Und Dörmann muss zugeben, dass sein Herz ab sofort auch mehr für den 1. FC Köln als für Werder Bremen schlagen wird. „Ab jetzt bin ich Köln-Fan. Die Familie geht vor – und der Bock gehört für mich zur Familie", sagt der Biolandwirt. Der Abstecher in die Domstadt soll keine einmalige Sache bleiben. Dörmann hat sich fest vorgenommen, in dieser Saison mindestens ein Bundesligaspiel live im Stadion zu verfolgen. Er will miterleben, wie „sein" Hennes vor dem Anpfiff in die Arena einläuft und ihm fast 50.000 Fans zujubeln. Wann dies der Fall sein wird, ist aber noch unklar. „Das muss sich bei Hennes jetzt alles erst einmal einspielen." Von Aalen bis Arsenal, Bundesliga, 2. Liga, Pokal und Europapokal – seit August 2008 hat Hennes VIII. als Vereinstier des 1. FC Köln viel erlebt. Doch seit dem Sommer ist für die Verantwortlichen des Zoos und Vereins klar: Der zwölfjährige Hennes wird aus gesundheitlichen Gründen in den verdienten Ruhestand gehen, teilt der Fußball-Bundesligist mit. „Er leidet unter altersbedingter Arthrose. Wie beim Menschen kann dies je nach Wetterlage mal mehr, mal weniger schmerzhaft sein. Aber es schränkt ihn auf jeden Fall ein", sagt Zoodirektor Theo Pagel. Und FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle betont: „Wir möchten nicht, dass unser Vereinstier irgendwann einmal mit Schmerzen im Stadion stehen muss. Nach dem Aufstieg und zum Saisonwechsel ist es nun der perfekte Abschluss und der Zeitpunkt für Hennes VIII., seinen Lebensabend zu genießen." Durch seinen Umzug in den Kölner Zoo im August 2014 lebe Hennes VIII. nicht nur artgerecht, sondern er habe eine Popularität erreicht wie wohl kein anderer Geißbock in der FC-Geschichte. Er werde als „Maskottchen a. D." weiterhin im Kölner Zoo leben. Vereinfacht wurde die Entscheidung für den Wechsel durch die Tatsache, dass ein geeigneter Nachfolger bereitsteht, erklärt der Verein. Hennes IX. verfüge über alle nötigen Impfungen und tiermedizinischen Voraussetzungen, die ihm ermöglichen, den Zoo für seine Auftritte zu verlassen und ohne Quarantäne-Maßnahmen auch wieder dorthin zurückkehren zu können. Hennes IX. ist ein Bock der Rasse „Bunte Deutsche Edelziege", einer traditionsreichen, aber inzwischen bedrohten Haustierrasse. Er werde insgesamt erkennbar größer werden als sein Vorgänger. „Da er sich quasi im Teenager-Alter befindet, wird er noch wachsen und kräftiger werden", sagt Zoo-Chef Pagel. Die Zoo-Verantwortlichen haben vor knapp einem Monat Kontakt zum 1. FC Köln aufgenommen, um über die Hennes-Personalie zu sprechen, berichtet Kurator Bernd Marcordes im MT-Gespräch. „Es war letztlich klar, dass es besser für Hennes VIII. ist, wenn er sich jetzt zur Ruhe setzen kann." In den vergangenen Wochen hätten sie dann das Training im Zoo mit dem Nachfolge-Bock intensiviert. Denn er muss auf seine Einsätze im Bundesligastadion vorbereitet werden. Die Pfleger unternahmen viele Spaziergänge an der Leine durch den Zoo. „Dieses Training musste aber geheim bleiben, wir mussten ständig aufpassen", erzählt Marcordes, dem der Bock aus Petershagen im vergangenen Jahr aufgefallen war, als er im Internet eigentlich nach Zwergziegen Ausschau gehalten hatte. Damals war ihm sofort klar: Dieser Bock passt perfekt in den Kölner Zoo. Und er ist ein ebenso perfekter Hennes-Nachfolger. „Er ist kräftig, dominant und sieht einfach top aus", schwärmt der Kurator. Nach der Präsentation vor den FC-Fans am Sonntag wird der „Transfer" auch im Zoo vollzogen: Der alte und neue Hennes werden dann ihre Gehege tauschen, kündigt Marcordes an. Hennes – mehr als ein normales Maskottchen Geißbock Hennes, das wohl bekannteste Fußball-Vereinstier der Welt, begleitet den 1. FC Köln seit 1950. Die Geschichte hat ihren Anfang kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs. In Neustadt an der Orla in Thüringen greifen Mitarbeiter des aus Köln stammenden Zirkus Williams auf der Flucht in den letzten Tagen des Krieges eine verängstigte Ziege am Wegesrand auf. 1949 gebärt diese Ziege einen Bock – am 13. Februar 1950 schenkt der Zirkus dem 1. FC Köln auf dessen Karnevalssitzung das Tier als Maskottchen. Noch am selben Abend wird es in Anlehnung an den damaligen Spielertrainer Hennes Weisweiler auf den Namen Hennes getauft. Die Legende, der verängstigte Bock habe Weisweiler auf der Bühne angepinkelt, entspricht nach Auskunft aller Zeitzeugen nicht der Wahrheit. Bis Anfang der 1960er Jahre begleitet Hennes die Mannschaft nicht nur zu allen Heim-, sondern auch zu fast allen Auswärtsspielen. Transportiert wird er zunächst im Mannschaftsbus, später im eigens angefertigten Wagen, der an den Bus gehängt wird. Tierschutzaspekte, logistische Gründe und DFB-Regularien sorgen dafür, dass Hennes später nur noch bei Heimspielen eingesetzt wird. Hennes VIII. wurde 2007 in Bergisch Gladbach geboren. Nach dem Tod von Hennes VII. wählen ihn mehr als 70 Prozent der FC-Mitglieder zu dessen Nachfolger. Als „Bock ohne Namen" setzt er sich gegen die Konkurrenten „Jimmy", „Elvis" und „Rocky" durch. Seitdem hat er viele Höhen und Tiefen des Vereins miterlebt. Am Sonntag geht er in den wohlverdienten Ruhestand. (rad/Quelle: 1. FC Köln)

Bock auf die Bundesliga: Köln-Maskottchen Hennes IX. kommt aus Petershagen

Hennes VIII. (links) und sein Nachfolger aus Petershagen leben beide im Kölner Zoo. Foto: 1. FC Köln © Thomas Faehnrich

Köln/Petershagen (mt). Für Friedrich Dörmann kam die Nachricht vollkommend überraschend. „Am Donnerstagabend stand ein Bekannter auf dem Hof und gratulierte mir plötzlich – ich wusste gar nicht, worum es ging", erzählt der Biolandwirt aus Petershagen-Ilse. Dann sah er die kurz zuvor im Internet veröffentlichte Mitteilung des 1. FC Köln: Ziegenbock Johannes, am 24. Februar 2018 auf Dörmanns Hof geboren und im vergangenen Sommer in den Kölner Zoo umgezogen, wird das neue Maskottchen des traditionsreichen Fußballvereins. „Es ist toll, dass unser Bock Hennes IX. wird. Das freut uns sehr", sagt Dörmann im MT-Gespräch.

Am Sonntag wird sich Hennes VIII. vor Zehntausenden FC-Fans bei der offiziellen Saisoneröffnung verabschieden, gleichzeitig stellt sich sein Nachfolger aus Petershagen der Öffentlichkeit vor. Und das will Friedrich Dörmann auf keinen Fall verpassen. „Wir werden einen Familienausflug nach Köln machen. Bei dieser einmaligen Sache müssen wir einfach live dabei sein."

Trainingseinheit: Bock Johannes machte zuletzt viele Spaziergänge an der Leine. - © Foto: Kölner Zoo
Trainingseinheit: Bock Johannes machte zuletzt viele Spaziergänge an der Leine. - © Foto: Kölner Zoo

Und Dörmann muss zugeben, dass sein Herz ab sofort auch mehr für den 1. FC Köln als für Werder Bremen schlagen wird. „Ab jetzt bin ich Köln-Fan. Die Familie geht vor – und der Bock gehört für mich zur Familie", sagt der Biolandwirt. Der Abstecher in die Domstadt soll keine einmalige Sache bleiben. Dörmann hat sich fest vorgenommen, in dieser Saison mindestens ein Bundesligaspiel live im Stadion zu verfolgen. Er will miterleben, wie „sein" Hennes vor dem Anpfiff in die Arena einläuft und ihm fast 50.000 Fans zujubeln. Wann dies der Fall sein wird, ist aber noch unklar. „Das muss sich bei Hennes jetzt alles erst einmal einspielen."

Friedrich Dörmann verkaufte den Bock im vergangenen Jahr an den Zoo. MT-Archivfoto: Lehn
Friedrich Dörmann verkaufte den Bock im vergangenen Jahr an den Zoo. MT-Archivfoto: Lehn

Von Aalen bis Arsenal, Bundesliga, 2. Liga, Pokal und Europapokal – seit August 2008 hat Hennes VIII. als Vereinstier des 1. FC Köln viel erlebt. Doch seit dem Sommer ist für die Verantwortlichen des Zoos und Vereins klar: Der zwölfjährige Hennes wird aus gesundheitlichen Gründen in den verdienten Ruhestand gehen, teilt der Fußball-Bundesligist mit. „Er leidet unter altersbedingter Arthrose. Wie beim Menschen kann dies je nach Wetterlage mal mehr, mal weniger schmerzhaft sein. Aber es schränkt ihn auf jeden Fall ein", sagt Zoodirektor Theo Pagel. Und FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle betont: „Wir möchten nicht, dass unser Vereinstier irgendwann einmal mit Schmerzen im Stadion stehen muss. Nach dem Aufstieg und zum Saisonwechsel ist es nun der perfekte Abschluss und der Zeitpunkt für Hennes VIII., seinen Lebensabend zu genießen." Durch seinen Umzug in den Kölner Zoo im August 2014 lebe Hennes VIII. nicht nur artgerecht, sondern er habe eine Popularität erreicht wie wohl kein anderer Geißbock in der FC-Geschichte. Er werde als „Maskottchen a. D." weiterhin im Kölner Zoo leben.

Vereinfacht wurde die Entscheidung für den Wechsel durch die Tatsache, dass ein geeigneter Nachfolger bereitsteht, erklärt der Verein. Hennes IX. verfüge über alle nötigen Impfungen und tiermedizinischen Voraussetzungen, die ihm ermöglichen, den Zoo für seine Auftritte zu verlassen und ohne Quarantäne-Maßnahmen auch wieder dorthin zurückkehren zu können. Hennes IX. ist ein Bock der Rasse „Bunte Deutsche Edelziege", einer traditionsreichen, aber inzwischen bedrohten Haustierrasse. Er werde insgesamt erkennbar größer werden als sein Vorgänger. „Da er sich quasi im Teenager-Alter befindet, wird er noch wachsen und kräftiger werden", sagt Zoo-Chef Pagel.

Die Zoo-Verantwortlichen haben vor knapp einem Monat Kontakt zum 1. FC Köln aufgenommen, um über die Hennes-Personalie zu sprechen, berichtet Kurator Bernd Marcordes im MT-Gespräch. „Es war letztlich klar, dass es besser für Hennes VIII. ist, wenn er sich jetzt zur Ruhe setzen kann." In den vergangenen Wochen hätten sie dann das Training im Zoo mit dem Nachfolge-Bock intensiviert. Denn er muss auf seine Einsätze im Bundesligastadion vorbereitet werden. Die Pfleger unternahmen viele Spaziergänge an der Leine durch den Zoo. „Dieses Training musste aber geheim bleiben, wir mussten ständig aufpassen", erzählt Marcordes, dem der Bock aus Petershagen im vergangenen Jahr aufgefallen war, als er im Internet eigentlich nach Zwergziegen Ausschau gehalten hatte. Damals war ihm sofort klar: Dieser Bock passt perfekt in den Kölner Zoo. Und er ist ein ebenso perfekter Hennes-Nachfolger. „Er ist kräftig, dominant und sieht einfach top aus", schwärmt der Kurator.

Nach der Präsentation vor den FC-Fans am Sonntag wird der „Transfer" auch im Zoo vollzogen: Der alte und neue Hennes werden dann ihre Gehege tauschen, kündigt Marcordes an.

Hennes – mehr als ein normales Maskottchen

Geißbock Hennes, das wohl bekannteste Fußball-Vereinstier der Welt, begleitet den 1. FC Köln seit 1950. Die Geschichte hat ihren Anfang kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs. In Neustadt an der Orla in Thüringen greifen Mitarbeiter des aus Köln stammenden Zirkus Williams auf der Flucht in den letzten Tagen des Krieges eine verängstigte Ziege am Wegesrand auf.

1949 gebärt diese Ziege einen Bock – am 13. Februar 1950 schenkt der Zirkus dem 1. FC Köln auf dessen Karnevalssitzung das Tier als Maskottchen. Noch am selben Abend wird es in Anlehnung an den damaligen Spielertrainer Hennes Weisweiler auf den Namen Hennes getauft. Die Legende, der verängstigte Bock habe Weisweiler auf der Bühne angepinkelt, entspricht nach Auskunft aller Zeitzeugen nicht der Wahrheit.

Hennes schaut sich jedes Kölner Heimspiel live vom Spielfeldrand aus an. Foto: dpa - © Federico Gambarini
Hennes schaut sich jedes Kölner Heimspiel live vom Spielfeldrand aus an. Foto: dpa - © Federico Gambarini

Bis Anfang der 1960er Jahre begleitet Hennes die Mannschaft nicht nur zu allen Heim-, sondern auch zu fast allen Auswärtsspielen. Transportiert wird er zunächst im Mannschaftsbus, später im eigens angefertigten Wagen, der an den Bus gehängt wird. Tierschutzaspekte, logistische Gründe und DFB-Regularien sorgen dafür, dass Hennes später nur noch bei Heimspielen eingesetzt wird.

Hennes VIII. wurde 2007 in Bergisch Gladbach geboren. Nach dem Tod von Hennes VII. wählen ihn mehr als 70 Prozent der FC-Mitglieder zu dessen Nachfolger. Als „Bock ohne Namen" setzt er sich gegen die Konkurrenten „Jimmy", „Elvis" und „Rocky" durch. Seitdem hat er viele Höhen und Tiefen des Vereins miterlebt. Am Sonntag geht er in den wohlverdienten Ruhestand. (rad/Quelle: 1. FC Köln)

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