Blaualgen im Badesee Lahde: Hechte sollen helfen Oliver Plöger Petershagen. Um das Blaualgen-Problem im Badesee Lahde in den Griff zu bekommen, muss die fischereiliche Bewirtschaftung nachhaltig verbessert werden. Das sagte der Diplom-Biologe Heinrich Linnert gestern bei der jüngsten Probe-Entnahme, die – am Ufer auf den ersten Blick sichtbar – offenbar wieder auf eine starke Verunreinigung hinweist. Linnert, der im Auftrag des Instituts Habicon in Bielefeld tätig ist, kündigte den Prüfbericht auch für die Stadtverwaltung Petershagen an. Er ging aber schon bei der Proben-Entnahme davon aus, dass der See erneut durch das Gesundheitsamt für den Badebetrieb gesperrt wird. „Das ist so massiv, da würde ich selbst ungern reingehen, da hat kein Kind mehr etwas zu suchen. Und kein Hund.“ Das Badeverbot könnte am kühleren Ende der Saison verkraftbar sein – das Problem selbst aber werde weiter bestehen, wenn nichts unternommen wird. Dabei machte Linnert deutlich: „Die Annahme, dass wir hier ein Näherstoffproblem haben, glaube ich nicht. Die Werte zeigen das nicht. Sondern man muss gucken, dass man das biologische Gleichgewicht wieder herstellt oder verbessert.“ Und das, so Linnert weiter, würde funktionieren, in dem man die Plankton fressenden Fische reduziert und indem man das Anfüttern der Fische zwanghaft unterlässt.“ Damit spricht Linnert das gepresste und proteinhaltige Futter an, die so genannten Boilies. „Ein Boilie-Angler schmeißt zehn bis 15 Kilo Boilies am Tag in den See. Das ist zu viel. Und wenn er dann den Fisch rausfängt und ihn wieder reinsetzt, was leider getan wird, ist das gegen das Tierschutzgesetz“, spricht Linnert von Tierquälerei, und: „Es versorgt den See immer weiter mit Nährstoffen.“ Sein Appell: „Ein Angler hat die Fische zu nutzen, indem er sie rausholt und isst. Das darf ein Angler.“ Was Angler hier wann treiben, konnte gestern auch Jens Müller, seit 27 Jahren Vorsitzender des Fischeiervereins Lahde und aktiv im Ausschuss für Umwelt und Planung, nicht sagen. Auch er sprach sich allerdings für eine Veränderung des Fischbesatzes in Zusammenarbeit mit den Anglern aus. Angesichts der Größe des Gewässers, so Heinrich Linnert, fielen einige Methoden, die die Blaualgenkonzentration verringern würden, schlicht weg. „Selbst mit riesigen Pumpen bekommt man die notwendigen 900.000 Kubik nicht raus, weil aus dem Grundwasser und von den Seiten das Wasser nachsickert.“ Der Aufwand, die Wassermenge zu verringern, wäre wahrscheinlich zu groß, aber eine theoretische Lösung. „Man könnte dann den Fischbesatz so verringern.“ Auch eine bei der Fischereibehörde zu beantragende Elektrobefischung als Alternative mache nicht viel Sinn, da nur die Ufer und weniger die tiefen Bereiche getroffen würden, eher schon eine Netzbefischung. „Die wäre effektiver, weil ich mehr Fische finde“, so Linnert. Für eine Netzbefischung gebe es regional mehrere Anbieter. Ein weiteres Verfahren sei die Echolot-Suche, bei der Fischschwärme ausgemacht werden. Von heute auf morgen könne man das Problem auf keinen Fall nicht lösen, das Gewässer brauche Zeit, vielleicht sogar bis zu fünf Jahren. Eine im Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Tourismus vorgeschlagene Umwälzung würde das Problem nach Auffassung von Heinrich Linnert nicht lösen. Bereits 2019 hatte Linnert, der die Proben hier seit drei Jahren regelmäßig durchführt, in seinem Prüfbericht darauf verwiesen, dass es für die kurzfristige Verringerung der Blaualgen zu einer Phosphatfällung kommen müsse. Dies stelle durch die Verwendung von Chemikalien allerdings einen deutlichen Eingriff in das Gewässer dar und müsse mit den Behörden des Kreises abgestimmt werden. Langfristig, so hieß es von Linnert vor zwei Jahren, sollte der Bestand der „planktivoren Fische“ reduziert werden: weniger Rotauge und Barsch etwa. Geschehen könne das durch den Besatz mit Raubfischen wie Hecht und Zander. Linnert: „Das würde zur Stützung des Zooplanktons führen, was dann wiederum das Phytoplankton reduzieren könnte.“ Letzteres besteht eben auch aus Cyanobakterien, die unter dem Namen Blaualgen bekannt sind und die bekannte toxische Wirkung haben. Ob eine sogenannte limnologische Untersuchung notwendig ist, wollte Linnert gestern nicht beurteilen, betonte aber, dass die Fakten auf dem Tisch liegen und auch die Lösungsmöglichkeiten bekannt seien. Die Stadt hatte dennoch vom Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Tourismus den Auftrag bekommen, ein solches Gutachten anzustrengen. Die Kosten würden sich auf 10.000 bis 20.000 Euro belaufen, hieß es. Dass – wie im Ausschuss erwähnt – möglicherweise auch die Landwirtschaft zu den Verursachen des Blaualgen-Problems gehört, ärgerte Landwirt Heiner Müller, der sich die Lage vor Ort gestern ebenfalls angeschaut hatte. Auch die Badegäste, die möglicherweise in den See urinieren, seien nicht das Problem, so Müller: die Menge würde nicht ausreichen.

Blaualgen im Badesee Lahde: Hechte sollen helfen

Diesmal ist die Blaualgenkonzentration besonders hoch, stellte Heinrich Linnert gestern fest. © MT-Foto: Oliver Plöger

Petershagen. Um das Blaualgen-Problem im Badesee Lahde in den Griff zu bekommen, muss die fischereiliche Bewirtschaftung nachhaltig verbessert werden. Das sagte der Diplom-Biologe Heinrich Linnert gestern bei der jüngsten Probe-Entnahme, die – am Ufer auf den ersten Blick sichtbar – offenbar wieder auf eine starke Verunreinigung hinweist. Linnert, der im Auftrag des Instituts Habicon in Bielefeld tätig ist, kündigte den Prüfbericht auch für die Stadtverwaltung Petershagen an. Er ging aber schon bei der Proben-Entnahme davon aus, dass der See erneut durch das Gesundheitsamt für den Badebetrieb gesperrt wird. „Das ist so massiv, da würde ich selbst ungern reingehen, da hat kein Kind mehr etwas zu suchen. Und kein Hund.“ Das Badeverbot könnte am kühleren Ende der Saison verkraftbar sein – das Problem selbst aber werde weiter bestehen, wenn nichts unternommen wird.

Dabei machte Linnert deutlich: „Die Annahme, dass wir hier ein Näherstoffproblem haben, glaube ich nicht. Die Werte zeigen das nicht. Sondern man muss gucken, dass man das biologische Gleichgewicht wieder herstellt oder verbessert.“ Und das, so Linnert weiter, würde funktionieren, in dem man die Plankton fressenden Fische reduziert und indem man das Anfüttern der Fische zwanghaft unterlässt.“ Damit spricht Linnert das gepresste und proteinhaltige Futter an, die so genannten Boilies. „Ein Boilie-Angler schmeißt zehn bis 15 Kilo Boilies am Tag in den See. Das ist zu viel. Und wenn er dann den Fisch rausfängt und ihn wieder reinsetzt, was leider getan wird, ist das gegen das Tierschutzgesetz“, spricht Linnert von Tierquälerei, und: „Es versorgt den See immer weiter mit Nährstoffen.“ Sein Appell: „Ein Angler hat die Fische zu nutzen, indem er sie rausholt und isst. Das darf ein Angler.“

Was Angler hier wann treiben, konnte gestern auch Jens Müller, seit 27 Jahren Vorsitzender des Fischeiervereins Lahde und aktiv im Ausschuss für Umwelt und Planung, nicht sagen. Auch er sprach sich allerdings für eine Veränderung des Fischbesatzes in Zusammenarbeit mit den Anglern aus.

Angesichts der Größe des Gewässers, so Heinrich Linnert, fielen einige Methoden, die die Blaualgenkonzentration verringern würden, schlicht weg. „Selbst mit riesigen Pumpen bekommt man die notwendigen 900.000 Kubik nicht raus, weil aus dem Grundwasser und von den Seiten das Wasser nachsickert.“ Der Aufwand, die Wassermenge zu verringern, wäre wahrscheinlich zu groß, aber eine theoretische Lösung. „Man könnte dann den Fischbesatz so verringern.“

Auch eine bei der Fischereibehörde zu beantragende Elektrobefischung als Alternative mache nicht viel Sinn, da nur die Ufer und weniger die tiefen Bereiche getroffen würden, eher schon eine Netzbefischung. „Die wäre effektiver, weil ich mehr Fische finde“, so Linnert. Für eine Netzbefischung gebe es regional mehrere Anbieter. Ein weiteres Verfahren sei die Echolot-Suche, bei der Fischschwärme ausgemacht werden. Von heute auf morgen könne man das Problem auf keinen Fall nicht lösen, das Gewässer brauche Zeit, vielleicht sogar bis zu fünf Jahren. Eine im Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Tourismus vorgeschlagene Umwälzung würde das Problem nach Auffassung von Heinrich Linnert nicht lösen.

Bereits 2019 hatte Linnert, der die Proben hier seit drei Jahren regelmäßig durchführt, in seinem Prüfbericht darauf verwiesen, dass es für die kurzfristige Verringerung der Blaualgen zu einer Phosphatfällung kommen müsse. Dies stelle durch die Verwendung von Chemikalien allerdings einen deutlichen Eingriff in das Gewässer dar und müsse mit den Behörden des Kreises abgestimmt werden. Langfristig, so hieß es von Linnert vor zwei Jahren, sollte der Bestand der „planktivoren Fische“ reduziert werden: weniger Rotauge und Barsch etwa. Geschehen könne das durch den Besatz mit Raubfischen wie Hecht und Zander. Linnert: „Das würde zur Stützung des Zooplanktons führen, was dann wiederum das Phytoplankton reduzieren könnte.“ Letzteres besteht eben auch aus Cyanobakterien, die unter dem Namen Blaualgen bekannt sind und die bekannte toxische Wirkung haben.

Ob eine sogenannte limnologische Untersuchung notwendig ist, wollte Linnert gestern nicht beurteilen, betonte aber, dass die Fakten auf dem Tisch liegen und auch die Lösungsmöglichkeiten bekannt seien. Die Stadt hatte dennoch vom Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Tourismus den Auftrag bekommen, ein solches Gutachten anzustrengen. Die Kosten würden sich auf 10.000 bis 20.000 Euro belaufen, hieß es. Dass – wie im Ausschuss erwähnt – möglicherweise auch die Landwirtschaft zu den Verursachen des Blaualgen-Problems gehört, ärgerte Landwirt Heiner Müller, der sich die Lage vor Ort gestern ebenfalls angeschaut hatte. Auch die Badegäste, die möglicherweise in den See urinieren, seien nicht das Problem, so Müller: die Menge würde nicht ausreichen.

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