Bergeweise Schotter: Anwohner in Windheim wundern sich über den Erdaushub Oliver Plöger Petershagen-Windheim. Petershagen könnte wieder ein Gleisschotter-Problem haben. Das befürchtet zumindest Gerhard Senger aus Windheim. Als Anwohner der Bahnlinie hat er beobachtet, dass tonnenweise Schotter auf dem Gelände am alten Bahnhof abgelagert worden ist. Abgesehen von der für ihn ungewöhnlichen Menge hat Senger die Befürchtung, dass das Material – wie bei Jahrzehnte benutztem Gleisschotter üblich – belastet sein könnte. Bei den Aufschüttungen längs des Bahnweges, so meint er, könne das ein Problem sein, das sich bei entsprechender Wind- und Wetterlage auch auf die Gesundheit der Anwohner auswirkt. Seine Frage: „Wann wird das Material hier abgefahren?“ Ursprünglich wollte die Bahn am kommenden Montag mit den Gleisarbeiten fertig sein – das jedenfalls ist der Tag, an dem die Vollsperrung des Bahnübergangs Ilser Straße (und drei weiterer Übergänge in Petershagen) wieder aufgehoben sein sollte. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser Termin eingehalten wird“, vermutet Gerhard Senger. Der Schotter dürfte dann noch nicht wieder verschwunden sein. Diese Befürchtung hat auch Ex-Ratsherr Bernd Schumacher (SPD), der sich die Situation vor Ort gestern mit Gerhard Senger angeschaut hat. Über die Ausmaße der Sanierung habe er vorab keine Kenntnis gehabt – und so wie es aussieht, auch die Stadt Petershagen nicht. Bauamtsleiter und Allgemeiner Vertreter Kay Busche hat noch einmal nachgeschaut: Am 16. Oktober sei die verkehrsrechtliche Anordnung zur Sperrung von insgesamt vier Bahnübergängen bei der Stadt Petershagen eingegangen. Betroffen waren und sind die Übergänge Ilser Straße, An der Schleuse/Wulfhagen, Gehlhäuser/Auf dem Brame und Bickbeeren in Döhren. Als Zeitraum hatte die Bahn den 6. bis 23. November angegeben. Laut Antrag sollten die Übergänge in dieser Zeit saniert werden. Diese gleichzeitige Sanierung aber, so Kay Busche gegenüber dem MT, schien aus Sicht des Straßenbaulastträgers, also der Stadt Petershagen, nicht sinnvoll. Busche: „Auf Nachfrage bei der Deutschen Bahn wurde mitgeteilt, dass nicht nur die Bahnübergänge saniert werden, sondern die gesamte Gleisanlage auf dem Streckenabschnitt zwischen Döhren und Windheim. Erst zu diesem Zeitpunkt war der Umfang der Maßnahme bei der Stadt Petershagen bekannt. Die verkehrsrechtliche Genehmigung wurde dann Anfang November erteilt.“ Die Streckenkontrolle der Stadt Petershagen habe – passend zum angekündigten Termin – Straßenschäden im Bereich der Zuwegungen eines Lagerplatzes festgestellt. Die erneute Nachfrage bei der Bahn habe ergeben, dass im Stadtgebiet drei Lagerplätze für Gleisschotter eingerichtet worden seien. Das hier gelagerte Material sei beprobt und werde fachgerecht gelagert. Nach Auskunft der Bahn sei diese Lagerung genehmigungsfrei, da – so wörtlich – die „Behandlung am Gelände der Entstehung“ geschehe, wobei hier auch auf das Bundesimmissionsschutzgesetz verwiesen worden war. Ein Bauantrag für die Lagerung lag der Stadt laut Kay Busche nicht vor, musste er laut Bahn aber auch nicht. Ein Bahnsprecher äußert Verständnis für die Befürchtungen der Anwohner. Ja, das sehe gewaltig aus, aber: „Hier darf man sorgenfrei sein.“ Der Schotter sei zwar leicht belastet, es handele sich aber nicht um Asbest oder anderes hochgiftiges Material, eher um Öle und Betriebsstoffe. Vor der Ablagerung des Aushubs sei das Erdreich zudem mit Schutzfolien gesichert worden. „Da sind Profis am Werk“, versichert der Pressesprecher. Die Menge des Aushubs wirke ungewöhnlich, hier handele es sich aber um eine sehr alte Strecke, da komme einiges zusammen. Für die entstandenen Unannehmlichkeiten bittet die Bahn um Entschuldigung. In der Tat könne der Termin am kommenden Montag nicht gehalten werden. Dafür sollen die Arbeiten nach jetzigem Stand aber am 26. November beendet sein. Dann sollen auch die Aushub-Berge wieder verschwinden, das Material werde gewaschen. „Der Spuk ist also bald vorbei“, sagt der Pressesprecher. Für Bernd Schumacher ist die Aufregung um den Schotter kein Wunder. „Wir haben in Lahde die Geschichte mit der geplanten Gleisschotteranlage erlebt.“ Da seien die Menschen sensibilisiert. Die Bahn hätte vorab besser informieren sollen, meint er. Auch über die Nachtarbeit übrigens, wie Gerhard Senger sagt. Immerhin hatte er im Briefkasten einen Flyer der Bahn gefunden, der auf die Baustelle hinweist: Beeinträchtigungen durch Staub, Lärm und Geruch könnten nicht ausgeschlossen werden. Abgedruckt ist auch die Telefonnummer der Bauleitung. Falls es Fragen gibt. Gerhard Senger hatte Fragen und rief an. Die freundliche Stimme am anderen Ende aber meinte: „Mit dieser Baustelle habe ich nichts zu tun.“

Bergeweise Schotter: Anwohner in Windheim wundern sich über den Erdaushub

Länger gesperrt: Gerhard Senger (links) und Bernd Schumacher am Bahnübergang Ilser Straße. Hier kommen auch keine Fußgänger durch. © Oliver Plöger

Petershagen-Windheim. Petershagen könnte wieder ein Gleisschotter-Problem haben. Das befürchtet zumindest Gerhard Senger aus Windheim. Als Anwohner der Bahnlinie hat er beobachtet, dass tonnenweise Schotter auf dem Gelände am alten Bahnhof abgelagert worden ist. Abgesehen von der für ihn ungewöhnlichen Menge hat Senger die Befürchtung, dass das Material – wie bei Jahrzehnte benutztem Gleisschotter üblich – belastet sein könnte. Bei den Aufschüttungen längs des Bahnweges, so meint er, könne das ein Problem sein, das sich bei entsprechender Wind- und Wetterlage auch auf die Gesundheit der Anwohner auswirkt. Seine Frage: „Wann wird das Material hier abgefahren?“

Ursprünglich wollte die Bahn am kommenden Montag mit den Gleisarbeiten fertig sein – das jedenfalls ist der Tag, an dem die Vollsperrung des Bahnübergangs Ilser Straße (und drei weiterer Übergänge in Petershagen) wieder aufgehoben sein sollte. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser Termin eingehalten wird“, vermutet Gerhard Senger. Der Schotter dürfte dann noch nicht wieder verschwunden sein. Diese Befürchtung hat auch Ex-Ratsherr Bernd Schumacher (SPD), der sich die Situation vor Ort gestern mit Gerhard Senger angeschaut hat. Über die Ausmaße der Sanierung habe er vorab keine Kenntnis gehabt – und so wie es aussieht, auch die Stadt Petershagen nicht.

Die Schotterberge von Windheim: Das Material, darunter auch Schwellen, ist auf dem Gelände der Bahn zwischengelagert, soll aber in der nächsten Woche wieder abgefahren werden. MT-Fotos: Oliver Plöger - © Oliver Plöger
Die Schotterberge von Windheim: Das Material, darunter auch Schwellen, ist auf dem Gelände der Bahn zwischengelagert, soll aber in der nächsten Woche wieder abgefahren werden. MT-Fotos: Oliver Plöger - © Oliver Plöger

Bauamtsleiter und Allgemeiner Vertreter Kay Busche hat noch einmal nachgeschaut: Am 16. Oktober sei die verkehrsrechtliche Anordnung zur Sperrung von insgesamt vier Bahnübergängen bei der Stadt Petershagen eingegangen. Betroffen waren und sind die Übergänge Ilser Straße, An der Schleuse/Wulfhagen, Gehlhäuser/Auf dem Brame und Bickbeeren in Döhren. Als Zeitraum hatte die Bahn den 6. bis 23. November angegeben. Laut Antrag sollten die Übergänge in dieser Zeit saniert werden. Diese gleichzeitige Sanierung aber, so Kay Busche gegenüber dem MT, schien aus Sicht des Straßenbaulastträgers, also der Stadt Petershagen, nicht sinnvoll. Busche: „Auf Nachfrage bei der Deutschen Bahn wurde mitgeteilt, dass nicht nur die Bahnübergänge saniert werden, sondern die gesamte Gleisanlage auf dem Streckenabschnitt zwischen Döhren und Windheim. Erst zu diesem Zeitpunkt war der Umfang der Maßnahme bei der Stadt Petershagen bekannt. Die verkehrsrechtliche Genehmigung wurde dann Anfang November erteilt.“

Die Streckenkontrolle der Stadt Petershagen habe – passend zum angekündigten Termin – Straßenschäden im Bereich der Zuwegungen eines Lagerplatzes festgestellt. Die erneute Nachfrage bei der Bahn habe ergeben, dass im Stadtgebiet drei Lagerplätze für Gleisschotter eingerichtet worden seien. Das hier gelagerte Material sei beprobt und werde fachgerecht gelagert. Nach Auskunft der Bahn sei diese Lagerung genehmigungsfrei, da – so wörtlich – die „Behandlung am Gelände der Entstehung“ geschehe, wobei hier auch auf das Bundesimmissionsschutzgesetz verwiesen worden war. Ein Bauantrag für die Lagerung lag der Stadt laut Kay Busche nicht vor, musste er laut Bahn aber auch nicht.

Ein Bahnsprecher äußert Verständnis für die Befürchtungen der Anwohner. Ja, das sehe gewaltig aus, aber: „Hier darf man sorgenfrei sein.“ Der Schotter sei zwar leicht belastet, es handele sich aber nicht um Asbest oder anderes hochgiftiges Material, eher um Öle und Betriebsstoffe. Vor der Ablagerung des Aushubs sei das Erdreich zudem mit Schutzfolien gesichert worden. „Da sind Profis am Werk“, versichert der Pressesprecher. Die Menge des Aushubs wirke ungewöhnlich, hier handele es sich aber um eine sehr alte Strecke, da komme einiges zusammen.

Für die entstandenen Unannehmlichkeiten bittet die Bahn um Entschuldigung. In der Tat könne der Termin am kommenden Montag nicht gehalten werden. Dafür sollen die Arbeiten nach jetzigem Stand aber am 26. November beendet sein. Dann sollen auch die Aushub-Berge wieder verschwinden, das Material werde gewaschen. „Der Spuk ist also bald vorbei“, sagt der Pressesprecher.

Für Bernd Schumacher ist die Aufregung um den Schotter kein Wunder. „Wir haben in Lahde die Geschichte mit der geplanten Gleisschotteranlage erlebt.“ Da seien die Menschen sensibilisiert. Die Bahn hätte vorab besser informieren sollen, meint er.

Auch über die Nachtarbeit übrigens, wie Gerhard Senger sagt. Immerhin hatte er im Briefkasten einen Flyer der Bahn gefunden, der auf die Baustelle hinweist: Beeinträchtigungen durch Staub, Lärm und Geruch könnten nicht ausgeschlossen werden. Abgedruckt ist auch die Telefonnummer der Bauleitung. Falls es Fragen gibt. Gerhard Senger hatte Fragen und rief an. Die freundliche Stimme am anderen Ende aber meinte: „Mit dieser Baustelle habe ich nichts zu tun.“

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