Beratungsstelle "die fam" jetzt auch in Lahde vertreten Claudia Hyna Petershagen-Lahde. Das Baby ist da – und alles sollte rosarot sein. Was aber, wenn die Elternschaft nicht nur beglückend, sondern auch anstrengend ist? Und wenn dann zu allem Überfluss das Geld knapp wird? Für all diese Fragen rund um Schwangerschaft und Geburt gibt es ab sofort ein neues Angebot in Petershagen-Lahde. Die Beratungsstelle „die fam“ der Diakonie Stiftung Salem Minden richtet alle 14 Tage in ungeraden Wochen (8.30 bis 12 Uhr, Bahnhofstraße 35/37) eine Sprechstunde aus. Ansprechpartnerin vor Ort ist die Diplom-Sozialpädagogin Silke Borchert (59), die seit 19 Jahren für „die fam“ in Minden arbeitet. Sie wohnt im Gebiet der Stadt Petershagen und kennt das Problem der weiten Wege. Gerne möchte man Paaren die langen Anfahrten ersparen, sagt sie. Praktisch sei die Ortschaft Lahde, weil es hier eine Frauenarztpraxis gebe, außerdem sind Rathaus und Jobcenter vor Ort. Beide Stellen werden von werdenden Eltern in Anspruch genommen, wenn finanzielle Hilfen beantragt werden.Das Beratungsspektrum der „fam“ ist breit. Ein Bereich ist Familienplanung und Verhütung. Dabei weisen die Mitarbeiter unter anderem auf den Verhütungsmittelfonds des Kreises Minden-Lübbecke hin. Dieser kann von jedem in Anspruch genommen werden, der mindestens 22 Jahre alt ist und von geringem Einkommen lebt (Bafög, ALG I/II). Auch unerfüllter Kinderwunsch ist eine immer wieder auftauchende Problematik. Dass Silke Borchert eine Zusatzausbildung zur Soziotherapeutin hat, erleichtert ihr das Gespräch mit Frauen, die psychisch vorbelastet sind.Viele Fragen drehen sich rund ums Geld. Die Expertinnen der „fam“ wissen, wie Gelder aus der Bundesstiftung Mutter und Kind beantragt werden können und kennen sich mit dem Elterngeld aus. Dazu kommen Fragen nach Mutterschutz, Elternzeit, Kindergeld und Unterhaltsforderungen. Ein weiterer Bereich betrifft die Schwangerschaftskonfliktberatung. Hier sei Anonymität sehr wichtig. Natürlich sei es jeder Frau freigestellt, nach Minden zu fahren – oder umgekehrt von Minden nach Petershagen. Bei der Frage eines Abbruchs gehe es allerdings immer um den Faktor Zeit – und die Sprechstunde in Petershagen ist nur 14-tägig. Zwischen Beratung und Abbruch müssten mindestens drei Tage liegen, erklärt Silke Borchert. Das Angebot sei wertfrei und ergebnisoffen, das ist der Expertin wichtig. „Wir arbeiten mit der Frau und nicht gegen sie.“ Im Büro der Diakonie in Petershagen werden die gewünschten Bescheinigungen ausgestellt. Die Räumlichkeiten in der Bahnhofstraße werden ansonsten als Regionalbüro der Diakonie genutzt. Frauen, die in die Sprechstunde kommen möchten, müssen sich anmelden. Wenn die Nachfrage steige, werde überlegt, die Zeiten auszuweiten. Bisher hat die Beratungsstelle mit Flyern in gynäkologischen Praxen, im Jobcenter und in Kitas auf das neue Angebot aufmerksam gemacht. Die Beratung in Minden laufe seit Beginn der Pandemie vorwiegend telefonisch, sagt Silke Borchert. Anfangs hätten sie und ihre Kolleginnen sich gefragt, ob das funktionieren könne. Aber: „Es läuft besser als gedacht.“ Manchen falle die Kontaktaufnahme auf diese Weise sogar leichter, da sie anonymer sei. Nicht nur die Art der Kommunikation hat sich in der Coronakrise verändert, sondern auch die Problemlagen. „Die Belastung der Familien ist unglaublich hoch“, beschreibt Silke Borchert das Spannungsfeld von Homeschooling, Homeoffice, (drohender) Kurzarbeit, Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes und mehr.Was sich schon vorher verändert hatte: Paare mit Kinderwunsch planen die Zeit nach der Geburt sehr viel genauer als noch vor Jahren, sowohl in finanzieller Hinsicht (Elterngeld) als auch in der Aufteilung der Sorge (Elternzeit). Die partnerschaftliche Splittung der Betreuung nimmt seit einiger Zeit zu, auch wenn die meisten Väter lediglich zwei Monate zuhause beim Kind blieben.Eine zunehmende Unsicherheit in puncto Erziehung erlebt Silke Borchert ebenfalls seit geraumer Zeit. Der Bedarf an Beratung rund ums Kind steige. Nicht nur bei einer postnatalen Depression seien die Eltern teilweise überfordert mit der Situation. Da die Probleme häufig auch erst mit zunehmendem Alter des Kindes auftreten, berät „die fam“ von der Zeit nach der Geburt bis zum dritten Geburtstag. Die Eltern sollten erkennen, dass die Suche nach Hilfe keine Schwäche sei. „Das ist vielmehr ein Zeichen von Stärke.“ Der Wunsch, nach der Geburt schnell wieder arbeiten zu gehen, erzeuge häufig zusätzlichen Druck.Das Bemühen, alles richtig zu machen, könne zu Verkrampfung führen. Und in diesem Fall vergessen die Eltern schon mal ihre Intuition. Ständig wollten sie ihren Kindern etwas bieten. Sie sollten sich die Frage stellen, was ihr Kind überhaupt brauche. Und das sei meistens weniger, als man denke. Wichtig seien Eltern, die sich über ihr Kind freuen und es lieben, sagt Borchert. Kontakt

Beratungsstelle "die fam" jetzt auch in Lahde vertreten

Die Sozialpädagogin Silke Borchert ist jetzt auch in der Ortschaft Lahde Ansprechpartnerin bei allen Fragen rund um Schwangerschaft und Geburt. MT-Foto: Alex Lehn © lehn

Petershagen-Lahde. Das Baby ist da – und alles sollte rosarot sein. Was aber, wenn die Elternschaft nicht nur beglückend, sondern auch anstrengend ist? Und wenn dann zu allem Überfluss das Geld knapp wird? Für all diese Fragen rund um Schwangerschaft und Geburt gibt es ab sofort ein neues Angebot in Petershagen-Lahde.

Die Beratungsstelle „die fam“ der Diakonie Stiftung Salem Minden richtet alle 14 Tage in ungeraden Wochen (8.30 bis 12 Uhr, Bahnhofstraße 35/37) eine Sprechstunde aus. Ansprechpartnerin vor Ort ist die Diplom-Sozialpädagogin Silke Borchert (59), die seit 19 Jahren für „die fam“ in Minden arbeitet. Sie wohnt im Gebiet der Stadt Petershagen und kennt das Problem der weiten Wege. Gerne möchte man Paaren die langen Anfahrten ersparen, sagt sie. Praktisch sei die Ortschaft Lahde, weil es hier eine Frauenarztpraxis gebe, außerdem sind Rathaus und Jobcenter vor Ort. Beide Stellen werden von werdenden Eltern in Anspruch genommen, wenn finanzielle Hilfen beantragt werden.

Das Beratungsspektrum der „fam“ ist breit. Ein Bereich ist Familienplanung und Verhütung. Dabei weisen die Mitarbeiter unter anderem auf den Verhütungsmittelfonds des Kreises Minden-Lübbecke hin. Dieser kann von jedem in Anspruch genommen werden, der mindestens 22 Jahre alt ist und von geringem Einkommen lebt (Bafög, ALG I/II). Auch unerfüllter Kinderwunsch ist eine immer wieder auftauchende Problematik. Dass Silke Borchert eine Zusatzausbildung zur Soziotherapeutin hat, erleichtert ihr das Gespräch mit Frauen, die psychisch vorbelastet sind.

Viele Fragen drehen sich rund ums Geld. Die Expertinnen der „fam“ wissen, wie Gelder aus der Bundesstiftung Mutter und Kind beantragt werden können und kennen sich mit dem Elterngeld aus. Dazu kommen Fragen nach Mutterschutz, Elternzeit, Kindergeld und Unterhaltsforderungen.

Ein weiterer Bereich betrifft die Schwangerschaftskonfliktberatung. Hier sei Anonymität sehr wichtig. Natürlich sei es jeder Frau freigestellt, nach Minden zu fahren – oder umgekehrt von Minden nach Petershagen. Bei der Frage eines Abbruchs gehe es allerdings immer um den Faktor Zeit – und die Sprechstunde in Petershagen ist nur 14-tägig. Zwischen Beratung und Abbruch müssten mindestens drei Tage liegen, erklärt Silke Borchert. Das Angebot sei wertfrei und ergebnisoffen, das ist der Expertin wichtig. „Wir arbeiten mit der Frau und nicht gegen sie.“ Im Büro der Diakonie in Petershagen werden die gewünschten Bescheinigungen ausgestellt. Die Räumlichkeiten in der Bahnhofstraße werden ansonsten als Regionalbüro der Diakonie genutzt. Frauen, die in die Sprechstunde kommen möchten, müssen sich anmelden. Wenn die Nachfrage steige, werde überlegt, die Zeiten auszuweiten. Bisher hat die Beratungsstelle mit Flyern in gynäkologischen Praxen, im Jobcenter und in Kitas auf das neue Angebot aufmerksam gemacht.

Die Beratung in Minden laufe seit Beginn der Pandemie vorwiegend telefonisch, sagt Silke Borchert. Anfangs hätten sie und ihre Kolleginnen sich gefragt, ob das funktionieren könne. Aber: „Es läuft besser als gedacht.“ Manchen falle die Kontaktaufnahme auf diese Weise sogar leichter, da sie anonymer sei. Nicht nur die Art der Kommunikation hat sich in der Coronakrise verändert, sondern auch die Problemlagen. „Die Belastung der Familien ist unglaublich hoch“, beschreibt Silke Borchert das Spannungsfeld von Homeschooling, Homeoffice, (drohender) Kurzarbeit, Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes und mehr.

Was sich schon vorher verändert hatte: Paare mit Kinderwunsch planen die Zeit nach der Geburt sehr viel genauer als noch vor Jahren, sowohl in finanzieller Hinsicht (Elterngeld) als auch in der Aufteilung der Sorge (Elternzeit). Die partnerschaftliche Splittung der Betreuung nimmt seit einiger Zeit zu, auch wenn die meisten Väter lediglich zwei Monate zuhause beim Kind blieben.

Eine zunehmende Unsicherheit in puncto Erziehung erlebt Silke Borchert ebenfalls seit geraumer Zeit. Der Bedarf an Beratung rund ums Kind steige. Nicht nur bei einer postnatalen Depression seien die Eltern teilweise überfordert mit der Situation. Da die Probleme häufig auch erst mit zunehmendem Alter des Kindes auftreten, berät „die fam“ von der Zeit nach der Geburt bis zum dritten Geburtstag. Die Eltern sollten erkennen, dass die Suche nach Hilfe keine Schwäche sei. „Das ist vielmehr ein Zeichen von Stärke.“ Der Wunsch, nach der Geburt schnell wieder arbeiten zu gehen, erzeuge häufig zusätzlichen Druck.

Das Bemühen, alles richtig zu machen, könne zu Verkrampfung führen. Und in diesem Fall vergessen die Eltern schon mal ihre Intuition. Ständig wollten sie ihren Kindern etwas bieten. Sie sollten sich die Frage stellen, was ihr Kind überhaupt brauche. Und das sei meistens weniger, als man denke. Wichtig seien Eltern, die sich über ihr Kind freuen und es lieben, sagt Borchert.

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