Barbara Salesch bei Landart: Ab ins brummende Beet Oliver Plöger Petershagen-Neuenknick. Wer die Künstlerin Barbara Salesch an diesem Wochenende in Neuenknick besucht, bekommt – was Kunst betrifft – reichlich Input. „Bei mir treffen die Besucher auf fünf Stationen, was ja schon einmal eine ganze Menge ist. Dann können sich alle in den Garten setzen, bis runter zum Teich stehen Sitzbänke.“ Damit macht Barbara Salesch zugleich deutlich, dass es ihr bei der Teilnahme am Landart-Festival Samstag und Sonntag nicht nur um die farbliche Gestaltung von Leinwänden, um Zeichnungen und Holzschnitte geht, es geht auch um alles, was rund um das ehemalige Bauernhaus an der Ecke 7 wächst, kreucht und fleucht. „Mit dem Garten ist es wie mit meiner Kunst“, sagt Salesch: „Ich bin nicht festgefahren.“ Hier Beete und Buchsbaum, dort Brunnen, eine Wildblumenwiese und ein verwunschen wirkender Teich. Für die ehemalige TV-Richterin steht es fest: „Viele haben ihren glattrasierten Rasen und wollen möglichst wenig Arbeit haben.“ Auch eine ökologische Anlage mache nicht übermäßig viel Arbeit, brauche aber eine ordnende Hand. „Sonst ist das in fünf Jahren Tundra.“ Sie lege Wert auf ein abwechslungsreiches Blütenangebot. „Ich pflanze Pfefferminz und Oregano, es blüht, summt und brummt.“ Die Ignoranz, was Tiere und Lebensräume betrifft, sei gemeingefährlich. „Der Insekten- und Vogelschwund vor unserer Haustür ist ausschließlich selbst gemacht.“ Barbara Salesch hält den „stummen Frühling“ nicht für eine Floskel. „Ich brauche eigentlich kein Fliegengitter mehr.“ Und sie fragt: „Wovon sollen die Vögel ihre Brut füttern?“ Dabei gebe es hier auf dem Land viele Gärten, in denen man „in Nullkommanichts“ etwas machen kann. Immer wieder höre man Schuldzuweisungen, die allerdings, so Salesch, bringen gar nichts. „Jeder Einzelne ist verantwortlich.“ Wer dann aber „einen Quadratmeter Blühfläche für die armen Bienchen streut, sorgt bei mir für einen Lachanfall“, wie Barbara Salesch sagt: „Das kann man dann auch noch weglassen.“ Oder die gesäten Randstreifen an den Straßen: „Das ist die größte Insektenfalle aller Zeiten.“ Dass hier Pessimismus durchscheint, räumt Salesch ein, betont aber auch: „Ich sitze nicht da und sage: Die Welt geht unter. Ich würde mir aber sehr wünschen, dass mehr Leute ihre Eigenverantwortlichkeit gegenüber der Umwelt wahrnehmen und nicht etwa erzählen, dass wir eine Spatzenplage haben. Eine Plage, weil sie ein bisschen Kot wegmachen müssen.“ Was den Garten betrifft, will Barbara Salesch – wenn sie denn Zeit hat – gerne mit ihren Gästen ins Gespräch kommen. Dass es dabei aber wohl immer auch um Kunst geht, liegt auf der Hand. Künstlerisch sei sie auch in ihren Berufsjahren als Juristin und während ihrer TV-Karriere von 1999 bis 2012 tätig gewesen. „Das war nie etwas, was ich nur im Rentenalter machen wollte.“ Davon leben konnte sie allerdings nicht. „Das schaffen vielleicht fünf Prozent der Künstler, zu denen gehöre ich nicht.“ Durch ihren Beruf habe sie aber immer die Möglichkeit gehabt, sich Ateliers leisten zu können und gute Farben. Dass die wichtig sind, wird bei den Exponaten, die auch an diesem Wochenende ausgestellt sind, auf den ersten Blick deutlich, gerne rot. Salesch malt ohne Drehplan, fängt an und lässt sich treiben. Sie liebt Ölfarben, weil sie Perspektive haben, aber auch feine Zeichnungen, will zwischendurch mal „weg von den Monsterarbeiten“, wie sie sagt. Was die eigene Entwicklung betrifft, spricht Salesch von einem Jahresrhythmus. „Es gibt immer eine Methode, die ich variiere, arbeite mit einer bestimmten Farbengruppe oder auf Papier statt auf Leinwand, mache etwas reliefartiges, arbeite mit Holzschnitt. Dann nach einem Jahr mache ich etwas neues. Ich bin kein großer Wiederholer.“ Offener Garten und Atelier sind am heutigen Samstag 28. August, und am Sonntag, 29. August, jeweils von 12 bis 17 Uhr zu sehen. Wenn Salesch von „fünf Stationen“ spricht, meint sie ihre eigenen Arbeiten, aber auch die Keramiken von Luiza Bierbrauer-Duarte, Vineta Koch mit Lichtobjekten und Vilja Gieler mit Steinarbeiten. Am Herzen liegen ihr auch die Arbeiten der „Kunstkids aus der Ecke 7“, die sie selbst unterrichtet. Am Samstag gibt es Getränke, am Sonntag ab 14 Uhr zusätzlich Kaffeeklatsch mit Kuchen aus Neuenknick.

Barbara Salesch bei Landart: Ab ins brummende Beet

Auf Vielfalt setzt Barbara Salesch nicht nur in ihrer Kunst, sondern auch, wenn es um den Garten geht. Den will sie beim Landart-Festival an diesem Wochenende präsentieren. MT-Foto: Oliver Plöger

Petershagen-Neuenknick. Wer die Künstlerin Barbara Salesch an diesem Wochenende in Neuenknick besucht, bekommt – was Kunst betrifft – reichlich Input. „Bei mir treffen die Besucher auf fünf Stationen, was ja schon einmal eine ganze Menge ist. Dann können sich alle in den Garten setzen, bis runter zum Teich stehen Sitzbänke.“ Damit macht Barbara Salesch zugleich deutlich, dass es ihr bei der Teilnahme am Landart-Festival Samstag und Sonntag nicht nur um die farbliche Gestaltung von Leinwänden, um Zeichnungen und Holzschnitte geht, es geht auch um alles, was rund um das ehemalige Bauernhaus an der Ecke 7 wächst, kreucht und fleucht.

„Mit dem Garten ist es wie mit meiner Kunst“, sagt Salesch: „Ich bin nicht festgefahren.“ Hier Beete und Buchsbaum, dort Brunnen, eine Wildblumenwiese und ein verwunschen wirkender Teich. Für die ehemalige TV-Richterin steht es fest: „Viele haben ihren glattrasierten Rasen und wollen möglichst wenig Arbeit haben.“ Auch eine ökologische Anlage mache nicht übermäßig viel Arbeit, brauche aber eine ordnende Hand. „Sonst ist das in fünf Jahren Tundra.“ Sie lege Wert auf ein abwechslungsreiches Blütenangebot. „Ich pflanze Pfefferminz und Oregano, es blüht, summt und brummt.“ Die Ignoranz, was Tiere und Lebensräume betrifft, sei gemeingefährlich. „Der Insekten- und Vogelschwund vor unserer Haustür ist ausschließlich selbst gemacht.“ Barbara Salesch hält den „stummen Frühling“ nicht für eine Floskel. „Ich brauche eigentlich kein Fliegengitter mehr.“ Und sie fragt: „Wovon sollen die Vögel ihre Brut füttern?“

Dabei gebe es hier auf dem Land viele Gärten, in denen man „in Nullkommanichts“ etwas machen kann. Immer wieder höre man Schuldzuweisungen, die allerdings, so Salesch, bringen gar nichts. „Jeder Einzelne ist verantwortlich.“ Wer dann aber „einen Quadratmeter Blühfläche für die armen Bienchen streut, sorgt bei mir für einen Lachanfall“, wie Barbara Salesch sagt: „Das kann man dann auch noch weglassen.“ Oder die gesäten Randstreifen an den Straßen: „Das ist die größte Insektenfalle aller Zeiten.“

Dass hier Pessimismus durchscheint, räumt Salesch ein, betont aber auch: „Ich sitze nicht da und sage: Die Welt geht unter. Ich würde mir aber sehr wünschen, dass mehr Leute ihre Eigenverantwortlichkeit gegenüber der Umwelt wahrnehmen und nicht etwa erzählen, dass wir eine Spatzenplage haben. Eine Plage, weil sie ein bisschen Kot wegmachen müssen.“

Was den Garten betrifft, will Barbara Salesch – wenn sie denn Zeit hat – gerne mit ihren Gästen ins Gespräch kommen. Dass es dabei aber wohl immer auch um Kunst geht, liegt auf der Hand. Künstlerisch sei sie auch in ihren Berufsjahren als Juristin und während ihrer TV-Karriere von 1999 bis 2012 tätig gewesen. „Das war nie etwas, was ich nur im Rentenalter machen wollte.“ Davon leben konnte sie allerdings nicht. „Das schaffen vielleicht fünf Prozent der Künstler, zu denen gehöre ich nicht.“ Durch ihren Beruf habe sie aber immer die Möglichkeit gehabt, sich Ateliers leisten zu können und gute Farben.

Dass die wichtig sind, wird bei den Exponaten, die auch an diesem Wochenende ausgestellt sind, auf den ersten Blick deutlich, gerne rot. Salesch malt ohne Drehplan, fängt an und lässt sich treiben. Sie liebt Ölfarben, weil sie Perspektive haben, aber auch feine Zeichnungen, will zwischendurch mal „weg von den Monsterarbeiten“, wie sie sagt. Was die eigene Entwicklung betrifft, spricht Salesch von einem Jahresrhythmus. „Es gibt immer eine Methode, die ich variiere, arbeite mit einer bestimmten Farbengruppe oder auf Papier statt auf Leinwand, mache etwas reliefartiges, arbeite mit Holzschnitt. Dann nach einem Jahr mache ich etwas neues. Ich bin kein großer Wiederholer.“

Offener Garten und Atelier sind am heutigen Samstag 28. August, und am Sonntag, 29. August, jeweils von 12 bis 17 Uhr zu sehen. Wenn Salesch von „fünf Stationen“ spricht, meint sie ihre eigenen Arbeiten, aber auch die Keramiken von Luiza Bierbrauer-Duarte, Vineta Koch mit Lichtobjekten und Vilja Gieler mit Steinarbeiten. Am Herzen liegen ihr auch die Arbeiten der „Kunstkids aus der Ecke 7“, die sie selbst unterrichtet. Am Samstag gibt es Getränke, am Sonntag ab 14 Uhr zusätzlich Kaffeeklatsch mit Kuchen aus Neuenknick.

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