Aus dem Schattendasein: Glashütte zeigt Exponate aus dem eigenen Fundus Ursula Koch Petershagen-Ovenstädt. Glaskünstler aus Finnland oder Italien oder Sammlungen zu bestimmten Themengebieten gehören zu den Ausstellungen, die regelmäßig in der Glashütte Gernheim präsentiert werden. Die eigene Sammlung dagegen führt überwiegend ein Dasein im Verborgenen. Ab Sonntag, 17. Oktober, präsentiert das Haus eine Auswahl der eigenen Schätze im Obergeschoss des Herrenhauses. Mit 56 Exponaten ist die Ausstellung recht umfangreich und stellt trotzdem nur eine Auswahl aus den seit der Eröffnung 1998 gewachsenen Beständen des LWL-Industriemuseums dar. Für die Besucher bietet sie in vielen Fällen ein Wiedersehen, in einigen Fällen aber auch Neuentdeckungen. Der Rundgang ist nicht nach Künstlern sortiert, sondern Museumsleiterin Dr. Katrin Holthaus widmet jeden Raum einer Technik. Um leicht geöffnete Oberflächen geht es in dem ersten kleinen Raum, in dem Objekte von Künstlern versammelt sind, die zur Glasturm GbR gehörten oder gehören, die die Schauproduktion in Gernheim betreibt. Hier ist Veronika Beckh mit einer schwarzen Schale mit nach innen gewölbtem Deckel vertreten. Deren Oberfläche ist mit feinen Schleifspuren aufgeraut. Thorsten Rötzschs Objekt „Abyss“ erinnert in seiner Form, einem Oval mit einer abgeflachten Seite, an einen stark stilisierten Kopf. Die stark polierte Fläche steht im Kontrast zu der mit Sandstrahl aufgerauten Oberfläche. Beckh und Rötzsch sind ehemalige Mitarbeiter der Glasturm GbR, während Korbinian Stöckle bis heute in Gernheim tätig ist. Er ist für die Schale „Spur“ radikaler vorgegangen, hat Löcher in den schwarz-transparent gestalteten Glaskörper gerissen, die er anschließend mit blauem Glas gefüllt hat. Eine blaue Vase von Philipp Baldwin und Monica Guggisberg ist in einem unregelmäßigem Gittermuster graviert. Dieses Objekt ist über die Schenkung eines Glassammlers nach Gernheim gekommen. Im Nebenraum zeigen drei Objekte des Finnen Jonas Laasko die „Incalmo-Technik“, die mit Glasringen in verschiedenen Farben arbeitet. Auf dem Gang ist „Design in der Sammlung“ versammelt. Katrin Holthaus möchte mit ihrer nicht-repräsentativen Auswahl das zeitgenössische Design stärker würdigen. Dort ist eine Arbeit von Mariken Dumont, die in Gernheim eine Serie architektonischer Objekte realisiert hat, zu sehen. Auch die schwarz-weiße Karaffe von Jaako Liikanen ist in Gernheim entstanden, berichtet Holthaus, während die Karaffe mit Bechergläsern von Markku Salo im Shop des Museums verkauft wird. In einem Kooperationsprojekt mit der Kunsthochschule Kassel hatte Lisa Wübbeler ihre Bechergläser in zarten Farben als „Edition Gernheim“ entworfen. Zur Abteilung Design zählt auch das gläserne „Corona“-Virus, das Rajit Rejwan und Korbinian Stöckle im vergangenen Jahr entworfen hatten und damit die Ausstellung „Contra Corona“ initiiert hatten. Zur Gral-Technik ist eine Vase von Heikko Schulze Höing, ebenfalls Mitarbeiter der Glasturm GbR vertreten. In das aus zwei farbigen und einer klaren Schicht Glas bestehende Objekt hat er eine Landschaft graviert. Dafür war er mit dem Immenhäuser Glaspreis ausgezeichnet worden. In der Abteilung „Inspiration Venedig“ sind zwei Schenkungen aus einer Sammlung der französischen Verrerie Schneider aus der Zeit des Art déco zu sehen. Zur Murinen-Technik stellt Holthaus historische und aktuelle Umsetzungen einander gegenüber. Murinen sind aus verschiedenen Farben zusammengesetzte Stäbe, die in Scheiben geschnitten werden. Aus den miteinander verschmolzenen Plättchen entstehen dann die Formen. Liikanen variiert die Technik mit rechteckigen, einfarbigen Plättchen, Beckh verwendet Röhrchen. Was aus Glasfäden entstehen kann, zeigen exemplarisch die beiden Sammlungs-Neuzugänge der amerikanischen Glaskünstlerin Toots Zynsky und des deutschstämmigen Australiers Klaus Moje. Traditionelle asiatische Formen und moderne Gestaltungen verschmelzen in den Objekten von Yoshi Takahashi und Kyohei Fujita. Derzeit kann am Ofen in der Glashütte Gernheim, der saniert wird, noch nicht wieder gearbeitet werden. Museumsleiterin Katrin Holthaus hofft, dass die Schauproduktion Anfang nächsten Jahres aufgenommen werden kann. Im kommenden Jahr will der Landschaftsverband Westfalen-Lippe auch das neue Eingangsgebäude mit Café in Angriff nehmen, berichtet Holthaus und hofft, dass das Museumsgelände damit für das Publikum wieder attraktiver wird. Ausgelöst durch den Lockdown seien die Besucherzahlen deutlich zurückgegangen. Die Ausstellung „Glas und Kunst“ ist bis zum 13. Februar, dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Für den Besuch gilt die 3G-Regelung.

Aus dem Schattendasein: Glashütte zeigt Exponate aus dem eigenen Fundus

Dieses Glasobjekt der amerikanischen Künstlerin Toots Zynsky gehört zu den Neuzugängen der Sammlung der Glashütte Gernheim. Foto: LWL/Peter Hübbe

Petershagen-Ovenstädt. Glaskünstler aus Finnland oder Italien oder Sammlungen zu bestimmten Themengebieten gehören zu den Ausstellungen, die regelmäßig in der Glashütte Gernheim präsentiert werden. Die eigene Sammlung dagegen führt überwiegend ein Dasein im Verborgenen. Ab Sonntag, 17. Oktober, präsentiert das Haus eine Auswahl der eigenen Schätze im Obergeschoss des Herrenhauses.

Mit 56 Exponaten ist die Ausstellung recht umfangreich und stellt trotzdem nur eine Auswahl aus den seit der Eröffnung 1998 gewachsenen Beständen des LWL-Industriemuseums dar. Für die Besucher bietet sie in vielen Fällen ein Wiedersehen, in einigen Fällen aber auch Neuentdeckungen.

Der Rundgang ist nicht nach Künstlern sortiert, sondern Museumsleiterin Dr. Katrin Holthaus widmet jeden Raum einer Technik. Um leicht geöffnete Oberflächen geht es in dem ersten kleinen Raum, in dem Objekte von Künstlern versammelt sind, die zur Glasturm GbR gehörten oder gehören, die die Schauproduktion in Gernheim betreibt. Hier ist Veronika Beckh mit einer schwarzen Schale mit nach innen gewölbtem Deckel vertreten. Deren Oberfläche ist mit feinen Schleifspuren aufgeraut. Thorsten Rötzschs Objekt „Abyss“ erinnert in seiner Form, einem Oval mit einer abgeflachten Seite, an einen stark stilisierten Kopf. Die stark polierte Fläche steht im Kontrast zu der mit Sandstrahl aufgerauten Oberfläche.

Beckh und Rötzsch sind ehemalige Mitarbeiter der Glasturm GbR, während Korbinian Stöckle bis heute in Gernheim tätig ist. Er ist für die Schale „Spur“ radikaler vorgegangen, hat Löcher in den schwarz-transparent gestalteten Glaskörper gerissen, die er anschließend mit blauem Glas gefüllt hat.

Eine blaue Vase von Philipp Baldwin und Monica Guggisberg ist in einem unregelmäßigem Gittermuster graviert. Dieses Objekt ist über die Schenkung eines Glassammlers nach Gernheim gekommen. Im Nebenraum zeigen drei Objekte des Finnen Jonas Laasko die „Incalmo-Technik“, die mit Glasringen in verschiedenen Farben arbeitet. Auf dem Gang ist „Design in der Sammlung“ versammelt.

Katrin Holthaus möchte mit ihrer nicht-repräsentativen Auswahl das zeitgenössische Design stärker würdigen. Dort ist eine Arbeit von Mariken Dumont, die in Gernheim eine Serie architektonischer Objekte realisiert hat, zu sehen. Auch die schwarz-weiße Karaffe von Jaako Liikanen ist in Gernheim entstanden, berichtet Holthaus, während die Karaffe mit Bechergläsern von Markku Salo im Shop des Museums verkauft wird. In einem Kooperationsprojekt mit der Kunsthochschule Kassel hatte Lisa Wübbeler ihre Bechergläser in zarten Farben als „Edition Gernheim“ entworfen.

Zur Abteilung Design zählt auch das gläserne „Corona“-Virus, das Rajit Rejwan und Korbinian Stöckle im vergangenen Jahr entworfen hatten und damit die Ausstellung „Contra Corona“ initiiert hatten. Zur Gral-Technik ist eine Vase von Heikko Schulze Höing, ebenfalls Mitarbeiter der Glasturm GbR vertreten. In das aus zwei farbigen und einer klaren Schicht Glas bestehende Objekt hat er eine Landschaft graviert. Dafür war er mit dem Immenhäuser Glaspreis ausgezeichnet worden. In der Abteilung „Inspiration Venedig“ sind zwei Schenkungen aus einer Sammlung der französischen Verrerie Schneider aus der Zeit des Art déco zu sehen.

Zur Murinen-Technik stellt Holthaus historische und aktuelle Umsetzungen einander gegenüber. Murinen sind aus verschiedenen Farben zusammengesetzte Stäbe, die in Scheiben geschnitten werden. Aus den miteinander verschmolzenen Plättchen entstehen dann die Formen. Liikanen variiert die Technik mit rechteckigen, einfarbigen Plättchen, Beckh verwendet Röhrchen.

Was aus Glasfäden entstehen kann, zeigen exemplarisch die beiden Sammlungs-Neuzugänge der amerikanischen Glaskünstlerin Toots Zynsky und des deutschstämmigen Australiers Klaus Moje. Traditionelle asiatische Formen und moderne Gestaltungen verschmelzen in den Objekten von Yoshi Takahashi und Kyohei Fujita.

Derzeit kann am Ofen in der Glashütte Gernheim, der saniert wird, noch nicht wieder gearbeitet werden. Museumsleiterin Katrin Holthaus hofft, dass die Schauproduktion Anfang nächsten Jahres aufgenommen werden kann. Im kommenden Jahr will der Landschaftsverband Westfalen-Lippe auch das neue Eingangsgebäude mit Café in Angriff nehmen, berichtet Holthaus und hofft, dass das Museumsgelände damit für das Publikum wieder attraktiver wird. Ausgelöst durch den Lockdown seien die Besucherzahlen deutlich zurückgegangen. Die Ausstellung „Glas und Kunst“ ist bis zum 13. Februar, dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Für den Besuch gilt die 3G-Regelung.

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