Aus Wasserstraße in die ganze Welt: Dieser Architekt baut exklusive Reitanlagen in Moskau, Dubai und New York Claudia Hyna Petershagen-Wasserstraße. Aus Wasserstraße in die ganze Welt: Vom nordöstlichsten Zipfel NRWs realisiert Reinhard Langfeld mit seinem Team von MultiProjekt exklusive Reitanlagen in Moskau, Dubai, New York sowie in ganz Europa – und in Petershagen-Ilvese. Sein schönstes Projekt? „Immer das neueste“, sagt er. Aktuell baut der Architekt eine dreigeschossige private Reitanlage für einen Bänker in Moskau. Für die Summe von 28 Millionen Euro erhält dieser ein stattliches Wohnhaus mit ebensolchem Gästehaus, dazu kommen Kino, Fitnessraum, Kasino, Schwimmbad, Park, Hubschrauberlandeplatz und als i-Tüpfelchen eine 30 mal 70 Meter große Reitfläche samt Halle. Das Ganze wird mit einer sechs Meter hohen Mauer umzäunt.Manchmal sind der Fantasie eben keine Grenzen gesetzt. Warum kleckern, wenn man auch klotzen kann? Für viele Kunden von Reinhard Langfeld spielt Geld keine Rolle. Dieser zum Beispiel habe ihm gesagt: Bauen Sie einfach die schönste Reitanlage der Welt – der Traum eines jeden Planers. Das war vor vier Jahren, seitdem entwarf Langfeld zehn verschiedene Fassaden in unterschiedlichsten Stilen. Seit eineinhalb Jahren wird nun gebaut, Mitte nächsten Jahres soll das Projekt abgeschlossen sein.Ein Rekonvaleszenz-Zentrum ist Langfelds HerzensprojektRund 150 Anlagen hat der energiegeladene Architekt in seinen Berufsjahren realisiert. Als der gebürtige Mindener vor 35 Jahren ein Loft oder eine Industriehalle für seine Firma suchte, stieß er auf die frei stehende ehemalige Schule in Wasserstraße und erkannte ihr Potenzial. Das Internet könnte besser sein, gibt er zu. Aber ansonsten sei der Standort mit seinen Räumlichkeiten einfach ideal. Als Springreiter (Goldenes Reitabzeichen) und Architekt weiß er, wie Reitanlagen praxisbezogen und darüber hinaus komfortabel für Pferd und Reiter geplant werden können. Diese Kombination habe zu seiner erfolgreichen Spezialisierung geführt. Er orientiere sich dabei an den Kriterien Licht, Luft, Kommunikation und Innovation. „Mensch und Tier müssen sich in unseren Anlagen wohlfühlen“, darauf legt er großen Wert. Zentral seien für ihn auch die Aspekte Sicherheit und Sichtbarkeit.Mit deutlich weniger Aufwand als in Moskau habe er ganz in der Nähe in Ilvese eine interessante Reitanlage mit Wohlfühlterrasse und Exklusivboxen konstruiert. „Die ist immer ausgebucht“, weiß er. Auch eine Salzgrotte für Pferde hat er errichtet. Teilweise arbeite er auch an der Entwicklung von Werkstoffen mit, etwa ein Kunststoffboden anstelle eines Holzbodens, der anfällig für Verrottung ist. Ein echtes Herzensprojekt ist eine integrative Reitanlage, die momentan im ungarischen Budapest entsteht. In diesem Rekonvaleszenzzentrum für Mensch und Tier sollen später 28 rumänische Straßenkinder mit Behinderungen therapiert werden.Verzicht auf Gehalt bei Zehn-Millionen-ProjektVor zehn Jahren hatte Langfeld die Pläne für das Zehn-Millionen-Projekt gezeichnet. Zuvor war er vor Ort gewesen und das Leid der Kinder hatte ihn erschüttert. Spontan sagte er zu, auf sein Gehalt zu verzichten. In diesen Tagen gab es endlich grünes Licht für das Vorhaben, freut er sich. 2023 soll es an den Start gehen. Das Tolle sei, wie hier Ärzte mit den Kindern und Pferden zusammenarbeiteten. Geeignet sei das Gelände auch für Kongresse und Turniere.Der Firmenchef ist in einem Alter, in dem andere längst in Rente sind. Daran denkt er noch nicht. Einen Luxus gönnt er sich aber: „Ich nehme nicht jeden Auftrag an.“ Die Chemie müsse stimmen, schließlich arbeite man häufig über einen sehr langen Zeitraum zusammen. Im Fall des Moskauer Moguls war er mittlerweile etwa 40 mal vor Ort. „Da entstehen auch Freundschaften“, sagt der 69-Jährige. Im übrigen wüssten seine Kunden, dass sie ihn jederzeit anrufen könnten. „Und wenn ich das sage, meine ich das auch so.“Mit offenen Augen durch die Welt Weil coronabedingt sämtliche Messen ausfielen, fuhr Reinhard Langfeld in letzter Zeit verstärkt persönlich zu den Kunden. Etwa dreimal in der Woche ist er unterwegs, häufig in Norddeutschland. Am Sonntag flog er für einige Tage nach Bukarest. Mittlerweile zeichnet er weniger Entwürfe, sondern kümmert sich vorwiegend um die Abwicklung der Aufträge. Die nächste Generation ist mit seinem Sohn Julius, ebenfalls Architekt, im vergangenen Jahr ins Geschäft eingestiegen. Der 26-Jährige kümmert sich in erster Linie um den Bau von Hallen, in denen Fahrzeuge und mehr untergestellt werden können. Dieser Zweig sei groß im Kommen, denn immer mehr Menschen hätten sich in der Pandemie Pferde, Boote oder auch Oldtimer und Wohnmobile angeschafft.Solange seine Arbeit ihm solche Freude macht, möchte Reinhard Langfeld beruflich aktiv sein. Vermutlich wird es eines Tages so ähnlich sein wie beim Ende seiner Reitkarriere vor 15 Jahren. „Ich bin vom Pferd gestiegen und habe gesagt, das war das letzte Mal“, schildert er den Moment. Er sollte Wort halten. Doch noch gehen ihm die Ideen nicht aus. „Die finde ich überall“, sagt er. Man müsse nur mit offenen Augen durch die Welt gehen. Auch in Petershagen sei es schön. „Die meisten sehen es nur nicht.“

Aus Wasserstraße in die ganze Welt: Dieser Architekt baut exklusive Reitanlagen in Moskau, Dubai und New York

Julius Langfeld (links) ist vor einem Jahr in die Firma seines Vater Reinhard in Wasserstraße eingetreten. Jeder hat sein Spezialgebiet. MT-Foto: Alex Lehn © lehn

Petershagen-Wasserstraße. Aus Wasserstraße in die ganze Welt: Vom nordöstlichsten Zipfel NRWs realisiert Reinhard Langfeld mit seinem Team von MultiProjekt exklusive Reitanlagen in Moskau, Dubai, New York sowie in ganz Europa – und in Petershagen-Ilvese. Sein schönstes Projekt? „Immer das neueste“, sagt er.

Aktuell baut der Architekt eine dreigeschossige private Reitanlage für einen Bänker in Moskau. Für die Summe von 28 Millionen Euro erhält dieser ein stattliches Wohnhaus mit ebensolchem Gästehaus, dazu kommen Kino, Fitnessraum, Kasino, Schwimmbad, Park, Hubschrauberlandeplatz und als i-Tüpfelchen eine 30 mal 70 Meter große Reitfläche samt Halle. Das Ganze wird mit einer sechs Meter hohen Mauer umzäunt.

Manchmal sind der Fantasie eben keine Grenzen gesetzt. Warum kleckern, wenn man auch klotzen kann? Für viele Kunden von Reinhard Langfeld spielt Geld keine Rolle. Dieser zum Beispiel habe ihm gesagt: Bauen Sie einfach die schönste Reitanlage der Welt – der Traum eines jeden Planers. Das war vor vier Jahren, seitdem entwarf Langfeld zehn verschiedene Fassaden in unterschiedlichsten Stilen. Seit eineinhalb Jahren wird nun gebaut, Mitte nächsten Jahres soll das Projekt abgeschlossen sein.

Ein Rekonvaleszenz-Zentrum ist Langfelds Herzensprojekt

Rund 150 Anlagen hat der energiegeladene Architekt in seinen Berufsjahren realisiert. Als der gebürtige Mindener vor 35 Jahren ein Loft oder eine Industriehalle für seine Firma suchte, stieß er auf die frei stehende ehemalige Schule in Wasserstraße und erkannte ihr Potenzial. Das Internet könnte besser sein, gibt er zu. Aber ansonsten sei der Standort mit seinen Räumlichkeiten einfach ideal. Als Springreiter (Goldenes Reitabzeichen) und Architekt weiß er, wie Reitanlagen praxisbezogen und darüber hinaus komfortabel für Pferd und Reiter geplant werden können. Diese Kombination habe zu seiner erfolgreichen Spezialisierung geführt. Er orientiere sich dabei an den Kriterien Licht, Luft, Kommunikation und Innovation. „Mensch und Tier müssen sich in unseren Anlagen wohlfühlen“, darauf legt er großen Wert. Zentral seien für ihn auch die Aspekte Sicherheit und Sichtbarkeit.

Mit deutlich weniger Aufwand als in Moskau habe er ganz in der Nähe in Ilvese eine interessante Reitanlage mit Wohlfühlterrasse und Exklusivboxen konstruiert. „Die ist immer ausgebucht“, weiß er. Auch eine Salzgrotte für Pferde hat er errichtet. Teilweise arbeite er auch an der Entwicklung von Werkstoffen mit, etwa ein Kunststoffboden anstelle eines Holzbodens, der anfällig für Verrottung ist. Ein echtes Herzensprojekt ist eine integrative Reitanlage, die momentan im ungarischen Budapest entsteht. In diesem Rekonvaleszenzzentrum für Mensch und Tier sollen später 28 rumänische Straßenkinder mit Behinderungen therapiert werden.

Verzicht auf Gehalt bei Zehn-Millionen-Projekt

Vor zehn Jahren hatte Langfeld die Pläne für das Zehn-Millionen-Projekt gezeichnet. Zuvor war er vor Ort gewesen und das Leid der Kinder hatte ihn erschüttert. Spontan sagte er zu, auf sein Gehalt zu verzichten. In diesen Tagen gab es endlich grünes Licht für das Vorhaben, freut er sich. 2023 soll es an den Start gehen. Das Tolle sei, wie hier Ärzte mit den Kindern und Pferden zusammenarbeiteten. Geeignet sei das Gelände auch für Kongresse und Turniere.

Der Firmenchef ist in einem Alter, in dem andere längst in Rente sind. Daran denkt er noch nicht. Einen Luxus gönnt er sich aber: „Ich nehme nicht jeden Auftrag an.“ Die Chemie müsse stimmen, schließlich arbeite man häufig über einen sehr langen Zeitraum zusammen. Im Fall des Moskauer Moguls war er mittlerweile etwa 40 mal vor Ort. „Da entstehen auch Freundschaften“, sagt der 69-Jährige. Im übrigen wüssten seine Kunden, dass sie ihn jederzeit anrufen könnten. „Und wenn ich das sage, meine ich das auch so.“

Mit offenen Augen durch die Welt

In Ungarn entsteht dieses Rekonvaleszenzzentrum mit Gegenstromanlage. - © Foto: privat
In Ungarn entsteht dieses Rekonvaleszenzzentrum mit Gegenstromanlage. - © Foto: privat

Weil coronabedingt sämtliche Messen ausfielen, fuhr Reinhard Langfeld in letzter Zeit verstärkt persönlich zu den Kunden. Etwa dreimal in der Woche ist er unterwegs, häufig in Norddeutschland. Am Sonntag flog er für einige Tage nach Bukarest. Mittlerweile zeichnet er weniger Entwürfe, sondern kümmert sich vorwiegend um die Abwicklung der Aufträge. Die nächste Generation ist mit seinem Sohn Julius, ebenfalls Architekt, im vergangenen Jahr ins Geschäft eingestiegen. Der 26-Jährige kümmert sich in erster Linie um den Bau von Hallen, in denen Fahrzeuge und mehr untergestellt werden können. Dieser Zweig sei groß im Kommen, denn immer mehr Menschen hätten sich in der Pandemie Pferde, Boote oder auch Oldtimer und Wohnmobile angeschafft.

Solange seine Arbeit ihm solche Freude macht, möchte Reinhard Langfeld beruflich aktiv sein. Vermutlich wird es eines Tages so ähnlich sein wie beim Ende seiner Reitkarriere vor 15 Jahren. „Ich bin vom Pferd gestiegen und habe gesagt, das war das letzte Mal“, schildert er den Moment. Er sollte Wort halten. Doch noch gehen ihm die Ideen nicht aus. „Die finde ich überall“, sagt er. Man müsse nur mit offenen Augen durch die Welt gehen. Auch in Petershagen sei es schön. „Die meisten sehen es nur nicht.“

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