Aus Liebe zur Seefahrt: Lahder baut Schiffsmodelle aus vergangenen Zeiten Claudia Hyna Petershagen-Lahde. Die BV 2 Vegesack ist einer der letzten verbliebenen Segellogger. Das Schiff steht für eine längst vergangene Zeit der Fischerei und Seefahrt und sticht bis heute in See. Auf der Werkbank von Fritz Gläser entsteht das Wasserfahrzeug aus dem Jahr 1895 im Kleinformat. „Basteln gegen Corona“ nennt der Lahder seine Beschäftigung. Vor 35 Jahren hat Gläser ein Seeschiff von 1,56 Metern Länge, die Santa Theresa, nachgebaut. Den Bauplan (1:100) hatte er für 48 DM erworben, das weiß der heute 86-Jährige noch genau. Fritz Gläser, der ursprünglich aus der Neumark stammt, war von 1950 bis 1963 selbst als Binnenschiffer unterwegs. Wegen seiner nachlassenden Sehkraft musste er die Schifffahrt aufgeben, später ließ er sich operieren. Von der Santa Theresa hatte er 1956 in Rotterdam Stückgut übernommen, berichtet er. Lange Zeit hat er nichts gebastelt, bis er im Sommer letzten Jahres sein Hobby wiederentdeckte und seine Werkbank hervorholte. Normalerweise hat der 86-Jährige, der seit zwei Jahren in Lahde wohnt, ein aktives Leben. Er singt im örtlichen Shantychor und besucht die Treffen des Seniorenclubs. Besonders fehlt ihm in dieser Zeit der Chor und die Aktivitäten, die die Gemeinschaft unternimmt. Er will auch gar nicht über Corona jammern, sagt er, denn das störe ihn schon seit einiger Zeit. Schließlich gehe es den meisten doch gut, sie hätten ein Dach über dem Kopf und genug zu essen. Er nutzt die Zeit, für die Bastelei, die ihm früher viel Spaß bereitet hat. Die Santa Theresa und die BV2 sind schwimmfähig, das heißt, sie werden mit Fernsteuerung und Antrieb ausgestattet. Ein Modell des Segelloggers hat er zum 60. geschenkt bekommen. Nun hat er den Plan von 1:100 auf 1:50 umgerechnet. Das Schiff wird 71 Zentimeter lang und ist federleicht, da es aus Balsaholz besteht. Die Segel dazu näht seine Tochter, die in Wasserstraße wohnt. Das Material wie Bullaugen und Beschläge hat er bestellt, denn zu seinem Bedauern gibt es heute kaum noch Bastelläden. Etwa drei bis vier Stunden am Tag verbringt er an der Werkbank und am Arbeitstisch. Entstanden sind auf diese Weise bereits ein Elbkahn, ein Hansamotorschiff, die MS Irmgard und der Schleppkahn Siegfried, auf dem er einst seine Ausbildung absolvierte. Zu dem Segellogger hat Fritz Gläser eine ganz besondere Beziehung. Seit 1991 war er damit bereits achtmal zu einem Törn unterwegs. Auch seinen 86. Geburtstag im vergangenen Jahr verbrachte er an Bord – allerdings verlief die Reise anders als geplant. „Eigentlich wollten wir von Brest nach Kiel segeln“, erzählt er. Doch da im Juli die Grenzen geschlossen waren, führte ihre Route von Bremerhaven, über Sylt, Amrum und Föhr, über den Nord-Ostsee-Kanal bis nach Rostock. „Und eigentlich nehmen die so Alte wie mich gar nicht mit“, scherzt Gläser. Aber für ihn macht die Crew eine Ausnahme. Der Lahder hilft, soweit er kann, und zwar beim Segel setzen und beim Steuern. Vor allem aber kann er genießen, was er nicht konnte, als er noch von Berufs wegen mit dem Schiff unterwegs war. Die Weite, die Seeluft und die Ruhe sind es, die Fritz Gläser an Bord immer wieder aufs Neue begeistern. Darüber tauscht er sich seit dem vergangenen Jahr gerne mit Robert Scheermann aus Leteln aus. Dieser hatte in einem Bericht im Mindener Tageblatt den Schiffsführer wiedererkannt, mit dem er 1959 von Duisburg nach Berlin gefahren war. Seitdem haben sich die beiden ein paar mal getroffen, erzählt Gläser. Zur Zeit telefonieren sie alle 14 Tage miteinander, um in aller Ruhe zu fachsimpeln. In diesem Jahr ist wegen der Pandemie noch keine Segeltour geplant. Und wenn, dann geht es in deutsche Gewässer, das ist schon klar. Bis dahin vertreibt sich Fritz Gläser die Zeit auch mit Lektüre: Aktuell liest er in seinem E-Book Kapitänsgeschichten.

Aus Liebe zur Seefahrt: Lahder baut Schiffsmodelle aus vergangenen Zeiten

Petershagen-Lahde. Die BV 2 Vegesack ist einer der letzten verbliebenen Segellogger. Das Schiff steht für eine längst vergangene Zeit der Fischerei und Seefahrt und sticht bis heute in See. Auf der Werkbank von Fritz Gläser entsteht das Wasserfahrzeug aus dem Jahr 1895 im Kleinformat. „Basteln gegen Corona“ nennt der Lahder seine Beschäftigung.

Fritz Gläser steht momentan täglich an seiner Werkbank. Derzeit entsteht hier das Modell eines Segelloggers, zu dem er eine ganz besondere Beziehung hat. MT-Foto: Claudia Hyna - © hy
Fritz Gläser steht momentan täglich an seiner Werkbank. Derzeit entsteht hier das Modell eines Segelloggers, zu dem er eine ganz besondere Beziehung hat. MT-Foto: Claudia Hyna - © hy

Vor 35 Jahren hat Gläser ein Seeschiff von 1,56 Metern Länge, die Santa Theresa, nachgebaut. Den Bauplan (1:100) hatte er für 48 DM erworben, das weiß der heute 86-Jährige noch genau. Fritz Gläser, der ursprünglich aus der Neumark stammt, war von 1950 bis 1963 selbst als Binnenschiffer unterwegs. Wegen seiner nachlassenden Sehkraft musste er die Schifffahrt aufgeben, später ließ er sich operieren. Von der Santa Theresa hatte er 1956 in Rotterdam Stückgut übernommen, berichtet er. Lange Zeit hat er nichts gebastelt, bis er im Sommer letzten Jahres sein Hobby wiederentdeckte und seine Werkbank hervorholte.

Die „Santa Theresa“ hat einen Platz bei Fritz Gläsers Sohn gefunden. Dieses gut 1,50 Meter lange Modell hat er vor 35 Jahren nachgebaut. Foto: privat - © privat
Die „Santa Theresa“ hat einen Platz bei Fritz Gläsers Sohn gefunden. Dieses gut 1,50 Meter lange Modell hat er vor 35 Jahren nachgebaut. Foto: privat - © privat

Normalerweise hat der 86-Jährige, der seit zwei Jahren in Lahde wohnt, ein aktives Leben. Er singt im örtlichen Shantychor und besucht die Treffen des Seniorenclubs. Besonders fehlt ihm in dieser Zeit der Chor und die Aktivitäten, die die Gemeinschaft unternimmt. Er will auch gar nicht über Corona jammern, sagt er, denn das störe ihn schon seit einiger Zeit. Schließlich gehe es den meisten doch gut, sie hätten ein Dach über dem Kopf und genug zu essen. Er nutzt die Zeit, für die Bastelei, die ihm früher viel Spaß bereitet hat. Die Santa Theresa und die BV2 sind schwimmfähig, das heißt, sie werden mit Fernsteuerung und Antrieb ausgestattet.

Ein Modell des Segelloggers hat er zum 60. geschenkt bekommen. Nun hat er den Plan von 1:100 auf 1:50 umgerechnet. Das Schiff wird 71 Zentimeter lang und ist federleicht, da es aus Balsaholz besteht. Die Segel dazu näht seine Tochter, die in Wasserstraße wohnt. Das Material wie Bullaugen und Beschläge hat er bestellt, denn zu seinem Bedauern gibt es heute kaum noch Bastelläden. Etwa drei bis vier Stunden am Tag verbringt er an der Werkbank und am Arbeitstisch. Entstanden sind auf diese Weise bereits ein Elbkahn, ein Hansamotorschiff, die MS Irmgard und der Schleppkahn Siegfried, auf dem er einst seine Ausbildung absolvierte.

Zu dem Segellogger hat Fritz Gläser eine ganz besondere Beziehung. Seit 1991 war er damit bereits achtmal zu einem Törn unterwegs. Auch seinen 86. Geburtstag im vergangenen Jahr verbrachte er an Bord – allerdings verlief die Reise anders als geplant. „Eigentlich wollten wir von Brest nach Kiel segeln“, erzählt er. Doch da im Juli die Grenzen geschlossen waren, führte ihre Route von Bremerhaven, über Sylt, Amrum und Föhr, über den Nord-Ostsee-Kanal bis nach Rostock. „Und eigentlich nehmen die so Alte wie mich gar nicht mit“, scherzt Gläser. Aber für ihn macht die Crew eine Ausnahme. Der Lahder hilft, soweit er kann, und zwar beim Segel setzen und beim Steuern. Vor allem aber kann er genießen, was er nicht konnte, als er noch von Berufs wegen mit dem Schiff unterwegs war. Die Weite, die Seeluft und die Ruhe sind es, die Fritz Gläser an Bord immer wieder aufs Neue begeistern.

Darüber tauscht er sich seit dem vergangenen Jahr gerne mit Robert Scheermann aus Leteln aus. Dieser hatte in einem Bericht im Mindener Tageblatt den Schiffsführer wiedererkannt, mit dem er 1959 von Duisburg nach Berlin gefahren war. Seitdem haben sich die beiden ein paar mal getroffen, erzählt Gläser. Zur Zeit telefonieren sie alle 14 Tage miteinander, um in aller Ruhe zu fachsimpeln. In diesem Jahr ist wegen der Pandemie noch keine Segeltour geplant. Und wenn, dann geht es in deutsche Gewässer, das ist schon klar. Bis dahin vertreibt sich Fritz Gläser die Zeit auch mit Lektüre: Aktuell liest er in seinem E-Book Kapitänsgeschichten.

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