Archäologen sichten Grabung aus Lahde Petershagen-Lahde/Bielefeld. Was 2005 als kleine Ausgrabung in Lahde begann, hat sich zu einer der größten mittelalterlichen Siedlungsgrabungen in Ostwestfalen entwickelt. Aktuell sichtendie Archäologen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe in Bielefeld die Funde von damals. Vor der Erschließung des Baugebiets Auf dem Ufer am Südrand von Lahde haben Wissenschaftler des LWL das 12.000 Quadratmeter große Gelände unter die Lupe genommen.Von 2005 bis 2007 waren die Experten an der Bahnhofstraße/Unterm Berge aktiv. Dabei haben sie 2005 das zum damaligen Zeitpunkt größte mittelalterliche Haus in Ostwestfalen entdeckt. Vom 8. bis zum 13. Jahrhundert haben hier Menschen gelebt und gearbeitet, heißt es vom Landschaftsverband. Rund 22 Meter lang und neun Meter breit war das rund 800 Jahre alte Haupthaus des mittelalterlichen Gehöftes Lahde – das zur damaligen Zeit größte in Ostwestfalen. Heute sieht das anders aus.Zu dem Hallenhaus – es hatte keine Innengliederung – gesellen sich rund 20 Gruben, vier Grubenhäuser und ein Brunnen. Der Brunnen hat nach heutigem Stand nur eine Baugrube, teilt Archäologe Dr. Sven Spiong mit – und wurde nicht wie ursprünglich angenommen in ein Grubenhaus eingetieft. Wie ein riesiges Puzzle liegen die Einzelteile verstreut in der Außenstelle der LWL-Archäologie in Bielefeld. Spiong als Leiter der Außenstelle ist in die Auswertung involviert. Er erhofft sich neue Impulse für das Geschichtsbild, sagt er. Hätten sie vor dieser Entdeckung die Wurzeln der Besiedlung in der Vor-Karolingerzeit vermutet, so deutet nun alles auf frühes Mittelalter hin. Ein Jahr nach der Entdeckung des mittelalterlichen Hauses fanden die Techniker ein Feld mit 23 Gräbern. Die fehlenden Grabbeigaben sind ein Hinweis auf die Datierung. In den Grubenhäusern haben die Archäologen neben üblichen Funden – wie Kochgeschirr – Werkzeuge für die Lederverarbeitung und Tuchherstellung geborgen, etwa Webgewichte und Messer. Immer wieder stoßen Sondengänger auf den Äckern rund um Petershagen auf Spuren vergangener Zeiten. Darunter sind Funde besonderer wissenschaftlicher Bedeutung. Für Sven Spiong liegt das auf der Hand. Die Kulturlandschaft entlang der Weser sei voll mit Gräberfeldern und Siedlungen, sagt er. Der Fluss und die damit verbundenen fruchtbaren Böden führten dazu, dass die Nordränder des Wiehen- und Wesergebirges durchgängig besiedelt wurden. Auch in Petershagen tauchen immer wieder Gräberfelder aus der Bronze- und Eisenzeit auf. Einzelne Hofstellen wurden ebenfalls gefunden, was fehle, seien ganze Siedlungen aus der Bronzezeit. Einige Menschen dieses Zeitalters waren wohl auch als Nomaden unterwegs. Was mit den Funden der Sondengänger passiert, ist genau geregelt. Sie gehören zur Hälfte den Findern, zur anderen Hälfte den Grundstückseigentümern. Bei Funden von besonderer wissenschaftlicher Bedeutung greift in NRW seit 2013 das sogenannte Schatzregal. Herrenlose Funde gehen damit automatisch in Landeseigentum über. Das Interesse an der Suche nach archäologischen Funden habe im Laufe der letzten Jahre zugenommen, so Spiong. Das sei nicht nur im Kreis Minden-Lübbecke so, sondern ein allgemein zu beobachtendes Phänomen. Wer die Äcker seiner Region absucht, benötigt eine Lizenz. Ein Problem, das Corona mit sich bringt, sei, dass derzeit keine Einführungsgespräche stattfänden. Er hoffe, dass das ab April möglich sei. Wann es in Lahde weiter geht, ist unklar. Dort graben die Fachleute weiter, wenn das aktuelle Wohngebiet auf der Fläche der Siedlung erweitert werde, sagt Spiong. Die Auswertung werde er vornehmen. „Wir kennen die Gesamtausdehnung der mittelalterlichen Siedlung nicht. Auch die Größe des Friedhofes ist unbekannt“, sagt er. Die Siedlung reiche ins achte Jahrhundert, also in die vorkarolingische Zeit zurück. Eine Kontinuität zu den Urnen aus dem sechsten Jahrhundert, wie zunächst angenommen, lasse sich nicht beweisen. „Für die hochmittelalterliche Friedhofsphase im 9./10. Jahrhundert sollte wahrscheinlich eine Kirche vorhanden sein.“ Alte Besiedlung Die erste Erwähnung von Lahde stammt von 1168: Damals schenkte Heinrich der Löwe die Gemarkung „Curia Lothe“ an das Bistum Minden. Die Stelle wurde den archäologischen Ergebnissen zufolge vom 8. bis ins 13. Jahrhundert besiedelt. Und lässt damit auf einen älteren Ursprung von Lahde schließen, als man anhand schriftlicher Überlieferung meinen könnte. Archäologe Dr. Werner Best erklärte bei der Ausgrabung: „Die zukünftigen Bewohner siedeln sich damit nachgewiesenermaßen am Ursprung von Lahde an“.

Archäologen sichten Grabung aus Lahde

Grabungstechniker Andreas Madzialla klebt viele tausend Scherben zusammen. Sie stammen aus einem Grubenhaus, das im 9. Jahrhundert aufgegeben wurde. Foto: privat

Petershagen-Lahde/Bielefeld. Was 2005 als kleine Ausgrabung in Lahde begann, hat sich zu einer der größten mittelalterlichen Siedlungsgrabungen in Ostwestfalen entwickelt. Aktuell sichtendie Archäologen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe in Bielefeld die Funde von damals.

Vor der Erschließung des Baugebiets Auf dem Ufer am Südrand von Lahde haben Wissenschaftler des LWL das 12.000 Quadratmeter große Gelände unter die Lupe genommen.Von 2005 bis 2007 waren die Experten an der Bahnhofstraße/Unterm Berge aktiv. Dabei haben sie 2005 das zum damaligen Zeitpunkt größte mittelalterliche Haus in Ostwestfalen entdeckt. Vom 8. bis zum 13. Jahrhundert haben hier Menschen gelebt und gearbeitet, heißt es vom Landschaftsverband.

Rund 22 Meter lang und neun Meter breit war das rund 800 Jahre alte Haupthaus des mittelalterlichen Gehöftes Lahde – das zur damaligen Zeit größte in Ostwestfalen. Heute sieht das anders aus.Zu dem Hallenhaus – es hatte keine Innengliederung – gesellen sich rund 20 Gruben, vier Grubenhäuser und ein Brunnen. Der Brunnen hat nach heutigem Stand nur eine Baugrube, teilt Archäologe Dr. Sven Spiong mit – und wurde nicht wie ursprünglich angenommen in ein Grubenhaus eingetieft.

Wie ein riesiges Puzzle liegen die Einzelteile verstreut in der Außenstelle der LWL-Archäologie in Bielefeld. Spiong als Leiter der Außenstelle ist in die Auswertung involviert. Er erhofft sich neue Impulse für das Geschichtsbild, sagt er. Hätten sie vor dieser Entdeckung die Wurzeln der Besiedlung in der Vor-Karolingerzeit vermutet, so deutet nun alles auf frühes Mittelalter hin.

Ein Jahr nach der Entdeckung des mittelalterlichen Hauses fanden die Techniker ein Feld mit 23 Gräbern. Die fehlenden Grabbeigaben sind ein Hinweis auf die Datierung. In den Grubenhäusern haben die Archäologen neben üblichen Funden – wie Kochgeschirr – Werkzeuge für die Lederverarbeitung und Tuchherstellung geborgen, etwa Webgewichte und Messer.

Immer wieder stoßen Sondengänger auf den Äckern rund um Petershagen auf Spuren vergangener Zeiten. Darunter sind Funde besonderer wissenschaftlicher Bedeutung. Für Sven Spiong liegt das auf der Hand. Die Kulturlandschaft entlang der Weser sei voll mit Gräberfeldern und Siedlungen, sagt er. Der Fluss und die damit verbundenen fruchtbaren Böden führten dazu, dass die Nordränder des Wiehen- und Wesergebirges durchgängig besiedelt wurden.

Auch in Petershagen tauchen immer wieder Gräberfelder aus der Bronze- und Eisenzeit auf. Einzelne Hofstellen wurden ebenfalls gefunden, was fehle, seien ganze Siedlungen aus der Bronzezeit. Einige Menschen dieses Zeitalters waren wohl auch als Nomaden unterwegs.

Was mit den Funden der Sondengänger passiert, ist genau geregelt. Sie gehören zur Hälfte den Findern, zur anderen Hälfte den Grundstückseigentümern. Bei Funden von besonderer wissenschaftlicher Bedeutung greift in NRW seit 2013 das sogenannte Schatzregal. Herrenlose Funde gehen damit automatisch in Landeseigentum über.

Das Interesse an der Suche nach archäologischen Funden habe im Laufe der letzten Jahre zugenommen, so Spiong. Das sei nicht nur im Kreis Minden-Lübbecke so, sondern ein allgemein zu beobachtendes Phänomen. Wer die Äcker seiner Region absucht, benötigt eine Lizenz. Ein Problem, das Corona mit sich bringt, sei, dass derzeit keine Einführungsgespräche stattfänden. Er hoffe, dass das ab April möglich sei.

Wann es in Lahde weiter geht, ist unklar. Dort graben die Fachleute weiter, wenn das aktuelle Wohngebiet auf der Fläche der Siedlung erweitert werde, sagt Spiong. Die Auswertung werde er vornehmen. „Wir kennen die Gesamtausdehnung der mittelalterlichen Siedlung nicht. Auch die Größe des Friedhofes ist unbekannt“, sagt er. Die Siedlung reiche ins achte Jahrhundert, also in die vorkarolingische Zeit zurück. Eine Kontinuität zu den Urnen aus dem sechsten Jahrhundert, wie zunächst angenommen, lasse sich nicht beweisen. „Für die hochmittelalterliche Friedhofsphase im 9./10. Jahrhundert sollte wahrscheinlich eine Kirche vorhanden sein.“

Alte Besiedlung

Die erste Erwähnung von Lahde stammt von 1168: Damals schenkte Heinrich der Löwe die Gemarkung „Curia Lothe“ an das Bistum Minden. Die Stelle wurde den archäologischen Ergebnissen zufolge vom 8. bis ins 13. Jahrhundert besiedelt. Und lässt damit auf einen älteren Ursprung von Lahde schließen, als man anhand schriftlicher Überlieferung meinen könnte. Archäologe Dr. Werner Best erklärte bei der Ausgrabung: „Die zukünftigen Bewohner siedeln sich damit nachgewiesenermaßen am Ursprung von Lahde an“.

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