Archäologen finden Faustkeil von Neandertalern Petershagen (mt/vast). Eigentlich wollten sie der Herkunft einiger Urnengräber genauer auf den Grund gehen. Doch dabei fanden die ehrenamtlichen Archäologen der Gesellschaft zur Förderung der Bodendenkmalpflege im Kreis Minden-Lübbecke (GeFBdML) noch etwas ganz anderes. Während sie das das Gelände im November 2020 mit einer Metallsonde untersuchten, förderte der Döhrener Ortsheimatpfleger Bernd Wingender einen etwa faustgroßen, bearbeiteten Feuerstein zu Tage. Jetzt ist klar um was es sich dabei handelt: Der Stein diente wohl einem Neandertaler als Werkzeug und ist über 100.000 Jahre alt. Wingender ist selber Mitglied der GeFBdML und hatte vorab an einem Workshop zum Thema Feuersteinartefakte teilgenommen. Dass es sich bei seinem Fund um ein bearbeitetes Stück und nicht um einen gewöhnlichen Feuerstein handelt, erkannte er deshalb sofort. Doch was er da genau gefunden hatte, war ihm im ersten Moment nicht klar. Kein Wunder: „Dass der Fund menschlich bearbeitet ist und es sich nicht um ein verrolltes Gestein handelt, sieht auch der Laie“, schreibt die GeFBdML in einer Presseerklärung. Doch für eine Identifikation sei genaues Hinschauen erforderlich. Der Vergleich mit anderen Funden habe ergeben, dass das Stück mit großer Wahrscheinlichkeit ein kleiner Faustkeil aus der mittleren Altsteinzeit ist. Das bestätigt auch der Archäologe Thomas van Lohuizen, dem Fotografien des Fundes vorgelegt wurden: „Form, Format und Bearbeitungsspuren deuten auf eine mögliche Datierung in die mittlere Altsteinzeit. Dabei handelt es sich dem Eindruck via Fotografien nach um einen „kleinen Faustkeil.“ Funde dieser Art habe es in Westfalen häufiger gegeben, die Stücke seien aber meist großformatiger. Faustkeile waren aufgrund ihrer vielfältigen Einsatzmöglichkeiten ein beliebtes Werkzeug, so konnten sie zum schneiden, hacken, hämmern, schaben, kratzen und bohren benutzt werden. „Halt ein echtes Allzweckwerkzeug. Sozusagen das Schweizer Taschenmesser des Steinzeitalters. Dementsprechend wird der Verlust für unseren Neandertaler sehr ärgerlich gewesen sein“, heißt es weiter in der Pressemitteilung der GeFBdML. Für nähere Untersuchungen befindet sich der Fund aktuell in der Außenstelle Bielefeld der LWL-Archäologie für Westfalen. Eine Einschätzung der Sachbearbeiter dort steht noch aus. Dennoch deute alles auf eine Datierung in die mittlere Altsteinzeit hin, die fachsprachlich als Mittelpaläolithikum bezeichnet wird. Der Fund sei, betrachtet man die Region seines Fundorts auch geologisch, möglicherweise 127.000 mindestens aber 115.000 Jahre alt und lasse sich in die Reihe der ältesten menschlichen Funde im Landkreis einordnen. „Mit dem Begriff Mittelpaläolithikum assoziiert nicht nur der Laie am ehesten die Bezeichnung Neandertaler oder den Begriff Höhlenmensch“, heißt es in der Pressemitteilung. Die ältesten bisher bekannten Funde der sogenannten klassischen Neandertaler sind ungefähr 130.000 Jahre, der namensgebende Fund aus dem Neandertal sogar nur 42.000 Jahre, alt.

Archäologen finden Faustkeil von Neandertalern

Foto: ©T.Weise/GeFBdML e.V. Foto: ©T.Weise/GeFBdML e.V.

Petershagen (mt/vast). Eigentlich wollten sie der Herkunft einiger Urnengräber genauer auf den Grund gehen. Doch dabei fanden die ehrenamtlichen Archäologen der Gesellschaft zur Förderung der Bodendenkmalpflege im Kreis Minden-Lübbecke (GeFBdML) noch etwas ganz anderes. Während sie das das Gelände im November 2020 mit einer Metallsonde untersuchten, förderte der Döhrener Ortsheimatpfleger Bernd Wingender einen etwa faustgroßen, bearbeiteten Feuerstein zu Tage. Jetzt ist klar um was es sich dabei handelt: Der Stein diente wohl einem Neandertaler als Werkzeug und ist über 100.000 Jahre alt.

Wingender ist selber Mitglied der GeFBdML und hatte vorab an einem Workshop zum Thema Feuersteinartefakte teilgenommen. Dass es sich bei seinem Fund um ein bearbeitetes Stück und nicht um einen gewöhnlichen Feuerstein handelt, erkannte er deshalb sofort. Doch was er da genau gefunden hatte, war ihm im ersten Moment nicht klar.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA - Foto: ©T.Weise/GeFBdML e.V.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA - Foto: ©T.Weise/GeFBdML e.V.

Kein Wunder: „Dass der Fund menschlich bearbeitet ist und es sich nicht um ein verrolltes Gestein handelt, sieht auch der Laie“, schreibt die GeFBdML in einer Presseerklärung. Doch für eine Identifikation sei genaues Hinschauen erforderlich. Der Vergleich mit anderen Funden habe ergeben, dass das Stück mit großer Wahrscheinlichkeit ein kleiner Faustkeil aus der mittleren Altsteinzeit ist.

Das bestätigt auch der Archäologe Thomas van Lohuizen, dem Fotografien des Fundes vorgelegt wurden: „Form, Format und Bearbeitungsspuren deuten auf eine mögliche Datierung in die mittlere Altsteinzeit. Dabei handelt es sich dem Eindruck via Fotografien nach um einen „kleinen Faustkeil.“ Funde dieser Art habe es in Westfalen häufiger gegeben, die Stücke seien aber meist großformatiger. Faustkeile waren aufgrund ihrer vielfältigen Einsatzmöglichkeiten ein beliebtes Werkzeug, so konnten sie zum schneiden, hacken, hämmern, schaben, kratzen und bohren benutzt werden. „Halt ein echtes Allzweckwerkzeug. Sozusagen das Schweizer Taschenmesser des Steinzeitalters. Dementsprechend wird der Verlust für unseren Neandertaler sehr ärgerlich gewesen sein“, heißt es weiter in der Pressemitteilung der GeFBdML.

Für nähere Untersuchungen befindet sich der Fund aktuell in der Außenstelle Bielefeld der LWL-Archäologie für Westfalen. Eine Einschätzung der Sachbearbeiter dort steht noch aus. Dennoch deute alles auf eine Datierung in die mittlere Altsteinzeit hin, die fachsprachlich als Mittelpaläolithikum bezeichnet wird. Der Fund sei, betrachtet man die Region seines Fundorts auch geologisch, möglicherweise 127.000 mindestens aber 115.000 Jahre alt und lasse sich in die Reihe der ältesten menschlichen Funde im Landkreis einordnen.

„Mit dem Begriff Mittelpaläolithikum assoziiert nicht nur der Laie am ehesten die Bezeichnung Neandertaler oder den Begriff Höhlenmensch“, heißt es in der Pressemitteilung. Die ältesten bisher bekannten Funde der sogenannten klassischen Neandertaler sind ungefähr 130.000 Jahre, der namensgebende Fund aus dem Neandertal sogar nur 42.000 Jahre, alt.

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