Angekommen, aufgenommen: Rojka Issa aus Syrien hat Freunde im Sport gefunden Oliver Plöger Petershagen. Vor drei Jahren kam sie mit ihrer Familie aus Syrien nach Petershagen. Rojka Issa sprach kein Wort Deutsch. Das hat sich geändert – Deutsch spricht die 21-Jährige heute sehr gut, ist glücklich, dass sie die Sprachkurse absolvieren konnte, aber auch, dass sie Freunde gefunden hat. Sie fühle sich angekommen und aufgenommen. Dass dazu der Tischtennisverein Petershagen/Friedewalde beigetragen hat, erfüllt ganz besonders den Tischtennistrainer Manfred Wutsch mit Genugtuung. Ihm ist die gelebte Integration innerhalb des 160 Mitglieder starken Vereins ein großes Anliegen, wobei er sich auch durch die Geschichte von Rojka Issa bestätigt fühlt. „Angefangen hatte es mit Tagesfahrten, zu denen ausdrücklich die hier lebenden Flüchtlinge eingeladen waren“, sagt er. Das Angebot sei gut angenommen worden, zuletzt bei einer Fünf-Tagesfahrt in den Harz: 27 Teilnehmer gab es, 18 davon waren Flüchtlinge. Ohne Corona wären es – wie in den vergangenen Jahren – noch viel mehr gewesen, das Programm musste angepasst werden. Aber dennoch: „Das war so richtig Multikulti“, sagt Wutsch und zählt auf: Kurden seien dabei gewesen, Myanmaren, Syrer, Türken, Pakistani, natürlich auch die Deutschen. Was ein Teilnehmer sagte, habe ihn gerührt: „Ich wusste, dass die Geflüchteten nette Menschen sind, dass sie aber so nett sind, habe ich erst durch die lange gemeinsame Zeit erleben dürfen.“ „Wir haben uns alle super toll verstanden“, sagt Wutsch, und alle nicken: Luca Weber (21) und Jannik Mielke (21), die bei den Fahrten dabei waren, und Rojka Issa. Und die betont, dass es auch zwischen Jesiden und Muslimen keine Probleme gab. Religion oder Hautfarbe sei ohnehin kein Thema, wie Manfred Wutsch hervorhebt. Ohnehin lobt er den großen Zusammenhalt: „Früher war ich bei der Organisation der Reisen oft allein. Das ist jetzt völlig anders.“ Als hilfreich bewertet er auch die gute Zusammenarbeit mit dem Petershäger Verein „Flüchtlinge in Notlagen“, mit der evangelischen und der katholischen Kirche und mit der Stadtverwaltung Petershagen. „Von dort wird der Bulli für Fahrten zur Verfügung gestellt, außerdem gibt es finanzielle Unterstützung.“ Gelistet ist der Verein auch als Stützpunktverein im Programm „Integration durch Sport“ beim Deutschen Sportbund. Auch der Kreissportbund und das Jugendamt des Kreises fördern die Aktivitäten der Tischtennis-Cracks. Die integrativen Fahrten seien ein offenes Angebot, weitere Teilnehmer seien willkommen. „Wir bereiten deshalb auch einen Flyer vor, der auf unsere Aktivitäten hinweist.“ Dabei gehe es laut Wutsch nicht nur um die Fahrten, auch außerhalb seien Freundschaften entstanden. Jannik Mielke bestätigt das: „Wir treffen uns wöchentlich privat mit zehn Leuten in Lahde.“ Außerdem ist gerade eine Boule-Gruppe geplant, wie Manfred Wutsch berichtet. Längst sei ein inoffizielles Netzwerk geknüpft worden: Man helfe sich gegenseitig, bei Behördengängen etwa, oder wenn jemand eine Wohnung braucht. Durch den Tipp von Freunden sei Rojka Issa an die Aktivitäten im TTC geraten, erzählt sie. Die erste Fahrt habe Cuxhaven geführt, es habe ihr gefallen, dass „so viele Menschen aus unterschiedlichen Ländern dabei waren“. Und ja, sie habe sich dann auch für Tischtennis interessiert, darum gehe es ja irgendwie immer. Mittlerweile absolviert sie sogar einen Lehrgang, der mit einer C-Trainerlizenz endet. „Sehr anspruchsvoll“, sagt Jannik Mielke, der selbst gerade in einem entsprechenden Kursus steckt. Rojka Issa will derweil auch beruflich vorankommen. Nach den Sprachkursen, die sie mit hörbarem Erfolg absolviert hat, möchte sie Verwaltungsfachangestellte werden. Für einen Ausbildungsplatz beim Kreis Minden-Lübbecke hat sie sich bereits beworben. Und Manfred Wutsch? Der gelernte Mathematiker sieht in der Integrationsarbeit im wahrsten Sinne noch viel Arbeit. Gerne möchte er daran mitwirken. Dass alle bei den integrativen Angeboten mitmachen können, sei ein großes Plus im Tischtennis-Verein, wie der 65-Jährige lächelnd sagt: „Vom Baby bis zum Greis.“ Geplant ist bereits die TT-Freizeit in Lingen vom 11. bis 13. Oktober, dann im nächsten Jahr eine Integrationsfahrt an die Ostsee. Rojka und die anderen wollen auf jeden Fall dabei sein. Der Autor ist erreichbar unter Telefon (05 71) 882 264 oder Oliver.Ploeger@MT.de

Angekommen, aufgenommen: Rojka Issa aus Syrien hat Freunde im Sport gefunden

Trainer Manfred Wutsch organisiert die integrativen Freizeiten des Tischtennisvereins Petershagen/Friedewalde. Luca Weber, Jannik Mielke und Rojka Issa (von links) unterstützen ihn dabei. © MT-Foto: Oliver Plöger

Petershagen. Vor drei Jahren kam sie mit ihrer Familie aus Syrien nach Petershagen. Rojka Issa sprach kein Wort Deutsch. Das hat sich geändert – Deutsch spricht die 21-Jährige heute sehr gut, ist glücklich, dass sie die Sprachkurse absolvieren konnte, aber auch, dass sie Freunde gefunden hat. Sie fühle sich angekommen und aufgenommen. Dass dazu der Tischtennisverein Petershagen/Friedewalde beigetragen hat, erfüllt ganz besonders den Tischtennistrainer Manfred Wutsch mit Genugtuung. Ihm ist die gelebte Integration innerhalb des 160 Mitglieder starken Vereins ein großes Anliegen, wobei er sich auch durch die Geschichte von Rojka Issa bestätigt fühlt.

„Angefangen hatte es mit Tagesfahrten, zu denen ausdrücklich die hier lebenden Flüchtlinge eingeladen waren“, sagt er. Das Angebot sei gut angenommen worden, zuletzt bei einer Fünf-Tagesfahrt in den Harz: 27 Teilnehmer gab es, 18 davon waren Flüchtlinge. Ohne Corona wären es – wie in den vergangenen Jahren – noch viel mehr gewesen, das Programm musste angepasst werden. Aber dennoch: „Das war so richtig Multikulti“, sagt Wutsch und zählt auf: Kurden seien dabei gewesen, Myanmaren, Syrer, Türken, Pakistani, natürlich auch die Deutschen. Was ein Teilnehmer sagte, habe ihn gerührt: „Ich wusste, dass die Geflüchteten nette Menschen sind, dass sie aber so nett sind, habe ich erst durch die lange gemeinsame Zeit erleben dürfen.“

„Wir haben uns alle super toll verstanden“, sagt Wutsch, und alle nicken: Luca Weber (21) und Jannik Mielke (21), die bei den Fahrten dabei waren, und Rojka Issa. Und die betont, dass es auch zwischen Jesiden und Muslimen keine Probleme gab. Religion oder Hautfarbe sei ohnehin kein Thema, wie Manfred Wutsch hervorhebt.

Ohnehin lobt er den großen Zusammenhalt: „Früher war ich bei der Organisation der Reisen oft allein. Das ist jetzt völlig anders.“ Als hilfreich bewertet er auch die gute Zusammenarbeit mit dem Petershäger Verein „Flüchtlinge in Notlagen“, mit der evangelischen und der katholischen Kirche und mit der Stadtverwaltung Petershagen. „Von dort wird der Bulli für Fahrten zur Verfügung gestellt, außerdem gibt es finanzielle Unterstützung.“ Gelistet ist der Verein auch als Stützpunktverein im Programm „Integration durch Sport“ beim Deutschen Sportbund. Auch der Kreissportbund und das Jugendamt des Kreises fördern die Aktivitäten der Tischtennis-Cracks.

Die integrativen Fahrten seien ein offenes Angebot, weitere Teilnehmer seien willkommen. „Wir bereiten deshalb auch einen Flyer vor, der auf unsere Aktivitäten hinweist.“ Dabei gehe es laut Wutsch nicht nur um die Fahrten, auch außerhalb seien Freundschaften entstanden. Jannik Mielke bestätigt das: „Wir treffen uns wöchentlich privat mit zehn Leuten in Lahde.“ Außerdem ist gerade eine Boule-Gruppe geplant, wie Manfred Wutsch berichtet. Längst sei ein inoffizielles Netzwerk geknüpft worden: Man helfe sich gegenseitig, bei Behördengängen etwa, oder wenn jemand eine Wohnung braucht.

Durch den Tipp von Freunden sei Rojka Issa an die Aktivitäten im TTC geraten, erzählt sie. Die erste Fahrt habe Cuxhaven geführt, es habe ihr gefallen, dass „so viele Menschen aus unterschiedlichen Ländern dabei waren“. Und ja, sie habe sich dann auch für Tischtennis interessiert, darum gehe es ja irgendwie immer. Mittlerweile absolviert sie sogar einen Lehrgang, der mit einer C-Trainerlizenz endet. „Sehr anspruchsvoll“, sagt Jannik Mielke, der selbst gerade in einem entsprechenden Kursus steckt.

Rojka Issa will derweil auch beruflich vorankommen. Nach den Sprachkursen, die sie mit hörbarem Erfolg absolviert hat, möchte sie Verwaltungsfachangestellte werden. Für einen Ausbildungsplatz beim Kreis Minden-Lübbecke hat sie sich bereits beworben.

Und Manfred Wutsch? Der gelernte Mathematiker sieht in der Integrationsarbeit im wahrsten Sinne noch viel Arbeit. Gerne möchte er daran mitwirken. Dass alle bei den integrativen Angeboten mitmachen können, sei ein großes Plus im Tischtennis-Verein, wie der 65-Jährige lächelnd sagt: „Vom Baby bis zum Greis.“ Geplant ist bereits die TT-Freizeit in Lingen vom 11. bis 13. Oktober, dann im nächsten Jahr eine Integrationsfahrt an die Ostsee. Rojka und die anderen wollen auf jeden Fall dabei sein.

Der Autor ist erreichbar unter Telefon (05 71) 882 264 oder Oliver.Ploeger@MT.de

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