An der alten Schule Raderhorst wird auch in Corona-Zeiten weiter gearbeitet Oliver Plöger Petershagen-Raderhorst. Aus der neuen Decke im Dorfgemeinschaftshaus Raderhorst ragt ein Haken. „Den brauchen wir, wenn wir hier irgendwann mal Erntefest feiern“, sagt Ortsbürgermeister Heiko Deterding (CDU). Am Haken soll dann die Erntekrone aufgehängt werden. Denn eines stehe fest: Wenn Corona erstmal vorbei oder weniger dramatisch ist, wird auch das Gemeinschaftshaus wieder gebraucht. Für Erntefeste, aber auch für alle anderen Ereignisse: Partys, Familienfeiern, auch mal Gottesdienste. Das Gebäude samt seiner noch jungen Außenanlage mit Spiel- und Bouleplatz soll zum Dorfzentrum werden. „Diesen Plan hat die Dorfgemeinschaft auch in der Corona-Phase keinesfalls aus den Augen verloren“, sagt Deterding. Ganz im Gegenteil: Unter den mittlerweile üblichen Hygienebedingungen – Maske, Abstand, weniger Leute gleichzeitig – ist gerade die Schallschutzdecke im ehemaligen Klassenzimmer eingezogen worden. Früher haben die Gäste, wenn die Gespräche erst mal im Gange waren, ihr eigenes Wort nicht mehr verstanden. Das sei nun besser. 14 Helfer aus der Dorfgemeinschaft haben in den vergangenen Wochen „den Rücken krumm gemacht“, immer nur zwei zeitgleich, dazu kamen zwei Personen der Fachfirma. Ganz klar – ohne Profis geht es nicht, aber auch nicht ohne Geld. „Für die Arbeiten der Firma und für das durch uns angeschaffte Material und Zubehör sowie Eigenleistung und Entsorgungskosten sind es knapp 11.500 Euro für die neue Decke im großen Raum.“ Dass die Dorfgemeinschaft von Fördergeldern des Landes wie den Heimat-Scheck, aber immer wieder auch durch die Kleine Dorferneuerung der Stadt Petershagen profitieren kann, habe das Langzeitprojekt Alte Schule überhaupt erst möglich gemacht. Eine CDU-Lastigkeit, wie sie jüngst bei einem durch das Land abgelehnten Projekt in Eldagsen konstatiert worden war (das MT berichtete), kann Deterding nicht nachvollziehen. Es gehe hier überhaupt nicht um Parteipolitik, auch in Raderhorst seien schon Anträge abgelehnt worden. Was man beantragt, müsse halt nur zu den Förderrichtlinien passen, beim Heimat-Scheck etwa der Heimatbezug. Bei der Alten Schule in Raderhorst sei das für ihn keine Frage, sagt Heiko Deterding. Dann zeigt er die neue Küche, die vergangenes Jahr „in Rekordzeit“ installiert wurde. Zuvor war der komplette Bereich entkernt, die Decke abgesenkt und isoliert worden. Hinzu kamen neue Wasser- und Stromleitungen, frische Fliesenspiegel und die LED-Beleuchtung. „Das alles binnen drei Wochen“, wie Deterding sagt, der sich als Vorsitzender auf „seine“ Kulturgemeinschaft verlassen kann. Bereits 2016 hatte die beim Einbau der gasbetrieben Heizungsanlage geholfen – und prompt gab es die Auszeichnung als „Leuchtturmprojekt“ des Energieversorgers Westfalen-Weser. Die Jury lobte die Arbeiten unter „Federführung der Bürgerschaft“ und sorgte für einen Förderbetrag von 4.800 Euro. Zum Gebäude an der Straße Zur Klanhorst 6 haben viele Raderhorster einen besonderen Bezug. Die Älteren sind hier selbst noch zur Schule gegangen, manche erinnern sich an 1969, als der Betrieb eingestellt wurde. Die Schule war 1901 errichtet worden, zunächst nur mit einem Klassenraum, 1910 kam ein zweiter dazu. Zwei Lehrer unterrichteten hier damals 140 Kinder, heute kaum mehr vorstellbar. Interessant: Vom „Zentrum“ war bereits in der Abschiedsrede 1969 von Gemeindevertreter Scheumann die Rede, wie ein Blick ins MT-Archiv zeigt: Wehmütig gestimmt hatte Scheumann „Abschied von der Stätte unserer Jugend“ genommen, „an der wir einen wesentlichen Teil unseres Lebens verbrachten und an der der Grundstein für unser künftiges Leben gelegt wurde.“ Und dann: Die Schule sei zum „Zentrum der Gemeinde“ geworden. Das bleibt auch 51 Jahre später der Plan – auch ohne Schule, wie Heiko Deterding sagt. Bereits seit 1986 wird ein Teil des Gebäudes als Dorfgemeinschaftshaus genutzt. Die frühere Lehrerwohnung war bis Ende 2011 vermietet und soll, so der Wunsch, auch für die allgemeine Nutzung zur Verfügung stehen. Hier gebe es noch viel Arbeit. Ganz aktuell ist bereits die Leinwand geliefert worden – Filme und Fotos können demnächst im großen Klassenzimmer genossen werden, die Anschlüsse sind bereit. „Jetzt brauchen wir Vermietungen“, hofft Deterding. Die Corona-Phase breche der Kulturgemeinschaft zwar nicht das Genick, sinnvoll wäre es aber dennoch, dass endlich wieder Geld fließt. Die Hinweistafeln, dass die Feiern nicht ausufern, sind schon wieder aufgehängt. Von Nachbarn hatte es Beschwerden wegen der Lautstärke gegeben. „Ich glaube, das bekommen wir in den Griff.“ Als positiv wertet es Deterding, dass sich das Gemeinschaftshaus bereits weit über Raderhorst hinaus als Location herumgesprochen hat. Er findet es auch schön, dass – in Ermangelung einer eigenen Kirche, die es in Raderhorst seines Wissens noch nie gegeben habe – hier auch wieder Gottesdienste stattfinden können. Das wäre dann eine Alternative zum Versammlungsraum, der jetzt gerade genutzt wird. Die nächsten Förderungen sind bereits anvisiert: eine Beschilderung etwa. Damit auch die Auswärtigen wissen, wo das Zentrum in Raderhorst liegt. Und so viel steht fest: Auch dabei packen wieder viele mit an.

An der alten Schule Raderhorst wird auch in Corona-Zeiten weiter gearbeitet

Öffnet nach Corona wieder gern die historische Tür des Dorfgemeinschaftshauses: Ortsbürgermeister Heiko Deterding, der sich über das Engagement der Kulturgemeinschaft freut. MT-Fotos: Oliver Plöger

Petershagen-Raderhorst. Aus der neuen Decke im Dorfgemeinschaftshaus Raderhorst ragt ein Haken. „Den brauchen wir, wenn wir hier irgendwann mal Erntefest feiern“, sagt Ortsbürgermeister Heiko Deterding (CDU). Am Haken soll dann die Erntekrone aufgehängt werden. Denn eines stehe fest: Wenn Corona erstmal vorbei oder weniger dramatisch ist, wird auch das Gemeinschaftshaus wieder gebraucht. Für Erntefeste, aber auch für alle anderen Ereignisse: Partys, Familienfeiern, auch mal Gottesdienste. Das Gebäude samt seiner noch jungen Außenanlage mit Spiel- und Bouleplatz soll zum Dorfzentrum werden.

„Diesen Plan hat die Dorfgemeinschaft auch in der Corona-Phase keinesfalls aus den Augen verloren“, sagt Deterding. Ganz im Gegenteil: Unter den mittlerweile üblichen Hygienebedingungen – Maske, Abstand, weniger Leute gleichzeitig – ist gerade die Schallschutzdecke im ehemaligen Klassenzimmer eingezogen worden. Früher haben die Gäste, wenn die Gespräche erst mal im Gange waren, ihr eigenes Wort nicht mehr verstanden. Das sei nun besser.

Kein Dornröschenschlaf: Auch in Corona-Zeiten sind die Raderhorster vorangekommen.
Kein Dornröschenschlaf: Auch in Corona-Zeiten sind die Raderhorster vorangekommen.

14 Helfer aus der Dorfgemeinschaft haben in den vergangenen Wochen „den Rücken krumm gemacht“, immer nur zwei zeitgleich, dazu kamen zwei Personen der Fachfirma. Ganz klar – ohne Profis geht es nicht, aber auch nicht ohne Geld. „Für die Arbeiten der Firma und für das durch uns angeschaffte Material und Zubehör sowie Eigenleistung und Entsorgungskosten sind es knapp 11.500 Euro für die neue Decke im großen Raum.“

Dass die Dorfgemeinschaft von Fördergeldern des Landes wie den Heimat-Scheck, aber immer wieder auch durch die Kleine Dorferneuerung der Stadt Petershagen profitieren kann, habe das Langzeitprojekt Alte Schule überhaupt erst möglich gemacht. Eine CDU-Lastigkeit, wie sie jüngst bei einem durch das Land abgelehnten Projekt in Eldagsen konstatiert worden war (das MT berichtete), kann Deterding nicht nachvollziehen. Es gehe hier überhaupt nicht um Parteipolitik, auch in Raderhorst seien schon Anträge abgelehnt worden. Was man beantragt, müsse halt nur zu den Förderrichtlinien passen, beim Heimat-Scheck etwa der Heimatbezug. Bei der Alten Schule in Raderhorst sei das für ihn keine Frage, sagt Heiko Deterding.

Dann zeigt er die neue Küche, die vergangenes Jahr „in Rekordzeit“ installiert wurde. Zuvor war der komplette Bereich entkernt, die Decke abgesenkt und isoliert worden. Hinzu kamen neue Wasser- und Stromleitungen, frische Fliesenspiegel und die LED-Beleuchtung. „Das alles binnen drei Wochen“, wie Deterding sagt, der sich als Vorsitzender auf „seine“ Kulturgemeinschaft verlassen kann. Bereits 2016 hatte die beim Einbau der gasbetrieben Heizungsanlage geholfen – und prompt gab es die Auszeichnung als „Leuchtturmprojekt“ des Energieversorgers Westfalen-Weser. Die Jury lobte die Arbeiten unter „Federführung der Bürgerschaft“ und sorgte für einen Förderbetrag von 4.800 Euro.

Zum Gebäude an der Straße Zur Klanhorst 6 haben viele Raderhorster einen besonderen Bezug. Die Älteren sind hier selbst noch zur Schule gegangen, manche erinnern sich an 1969, als der Betrieb eingestellt wurde. Die Schule war 1901 errichtet worden, zunächst nur mit einem Klassenraum, 1910 kam ein zweiter dazu. Zwei Lehrer unterrichteten hier damals 140 Kinder, heute kaum mehr vorstellbar.

Interessant: Vom „Zentrum“ war bereits in der Abschiedsrede 1969 von Gemeindevertreter Scheumann die Rede, wie ein Blick ins MT-Archiv zeigt: Wehmütig gestimmt hatte Scheumann „Abschied von der Stätte unserer Jugend“ genommen, „an der wir einen wesentlichen Teil unseres Lebens verbrachten und an der der Grundstein für unser künftiges Leben gelegt wurde.“ Und dann: Die Schule sei zum „Zentrum der Gemeinde“ geworden. Das bleibt auch 51 Jahre später der Plan – auch ohne Schule, wie Heiko Deterding sagt.

Bereits seit 1986 wird ein Teil des Gebäudes als Dorfgemeinschaftshaus genutzt. Die frühere Lehrerwohnung war bis Ende 2011 vermietet und soll, so der Wunsch, auch für die allgemeine Nutzung zur Verfügung stehen. Hier gebe es noch viel Arbeit.

Ganz aktuell ist bereits die Leinwand geliefert worden – Filme und Fotos können demnächst im großen Klassenzimmer genossen werden, die Anschlüsse sind bereit. „Jetzt brauchen wir Vermietungen“, hofft Deterding. Die Corona-Phase breche der Kulturgemeinschaft zwar nicht das Genick, sinnvoll wäre es aber dennoch, dass endlich wieder Geld fließt.

Die Hinweistafeln, dass die Feiern nicht ausufern, sind schon wieder aufgehängt. Von Nachbarn hatte es Beschwerden wegen der Lautstärke gegeben. „Ich glaube, das bekommen wir in den Griff.“ Als positiv wertet es Deterding, dass sich das Gemeinschaftshaus bereits weit über Raderhorst hinaus als Location herumgesprochen hat. Er findet es auch schön, dass – in Ermangelung einer eigenen Kirche, die es in Raderhorst seines Wissens noch nie gegeben habe – hier auch wieder Gottesdienste stattfinden können. Das wäre dann eine Alternative zum Versammlungsraum, der jetzt gerade genutzt wird.

Die nächsten Förderungen sind bereits anvisiert: eine Beschilderung etwa. Damit auch die Auswärtigen wissen, wo das Zentrum in Raderhorst liegt. Und so viel steht fest: Auch dabei packen wieder viele mit an.

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