Als der Käfer Luxus war: Hermann Riechmann musste bei seiner Prüfung zum Kfz-Meister das Werkzeug noch selbst herstellen Christian Weber Petershagen. Als Hermann Riechmann seine berufliche Laufbahn begann, waren VW Käfer, Lloyd und Borgward noch als Neuwagen zu erwerben – jetzt hat der Kraftfahrzeugmechanikermeister seinen Eisernen Meisterbrief entgegen genommen. Überreicht wurde die sehr seltene Ehrung von Karl-Friedrich Plönges, Obermeister der Innung des Kraftfahrzeug- und Mechanikergewerbes Minden-Lübbecke. Als der inzwischen 88-Jährige im März 1956 in Bielefeld seine Meisterprüfung ablegte, mussten Meister des Kfz-Handwerks noch beweisen, dass sie in der Lage sind, Spezialwerkzeuge und Ersatzteile selbst herzustellen. Ein Meisterstück von Hermann Riechmann war denn auch ein Polrad-Abzieher für die Instandsetzung von Lichtmaschinen. Und da damals die Ersatzteilversorgung für Autos auch noch nicht auf dem heutigen hohen Niveau lag, hatte Riechmann zudem für einen Sechszylinger-Wanderermotor die Kurbelwelle neu zu lagern – wobei er die Lager selbst gießen und weiter bearbeiten musste. „Als unser Jubilar seine Meisterprüfung ablegte, war ich zwei Tage alt“, verriet Obermeister Plönges und verdeutlichte, wie sich die Zeiten inzwischen geändert haben: Die heutigen Kfz-Mechatroniker haben nur noch wenig mit Materialbearbeitung zu tun – dafür sind sie in der Diagnose per Computer stärker gefordert. Als Riechmann 1947 im Autohaus Möller in Minden in die Lehre kam und danach als Geselle bei DKW Kaspar tätig wurde, war an so viel Elektronik im Auto gar nicht zu denken. Ohnehin gab es den Beruf des Kfz-Mechanikers damals erst seit 13 Jahren als eigenständiges Handwerk. Die Anfänge des Kfz-Gewerbes sind laut Hermann Riechmann im Schmiedehandwerk entstanden, das die ersten Fahrwerke schuf. Dazu kamen die Arbeiten von Schlossern, Stellmachern, Polsterern, Elektrikern, Glasern und Lackierern. Als Kraftfahrzeugmeister wurde der heutige Jubilar in der Firma Rumpf in Minden tätig und kümmerte sich dabei um die Ausbildung der Lehrlinge. Als die Firma Rumpf aus Altersgründen 1967 geschlossen wurde, wechselte Riechmann in die Werkstatt des Bauhofes des Kreises Minden-Lübbecke und betreute den Fuhrpark. Im Juli 1995 wechselte der Jubilar schließlich in den Ruhestand und weiß noch viele Geschichten zu erzählen aus der Zeit, als ein Käfer noch Luxus war– sozusagen ein vollwertiges Auto im Vergleich zum Messerschmitt-Kabinenroller oder der BMW Isetta, die vielen Menschen zu jener Zeit einen relativ kostengünstigen Einstieg in die Automobilität ermöglichten.

Als der Käfer Luxus war: Hermann Riechmann musste bei seiner Prüfung zum Kfz-Meister das Werkzeug noch selbst herstellen

Schön anzusehen und mit Blümchen: Hier das Innere eines Käfers von Obermeister Karl-Friedrich Plönges, selbst Sammler betagter Autos. Das Fahrzeug mit 25 PS wurde am 1. Juli 1953 erstmals zugelassen. Hermann Riechmann war damals bereits sechs Jahre im Beruf. MT-Foto: Oliver Plöger © Plöger

Petershagen. Als Hermann Riechmann seine berufliche Laufbahn begann, waren VW Käfer, Lloyd und Borgward noch als Neuwagen zu erwerben – jetzt hat der Kraftfahrzeugmechanikermeister seinen Eisernen Meisterbrief entgegen genommen. Überreicht wurde die sehr seltene Ehrung von Karl-Friedrich Plönges, Obermeister der Innung des Kraftfahrzeug- und Mechanikergewerbes Minden-Lübbecke.

Als der inzwischen 88-Jährige im März 1956 in Bielefeld seine Meisterprüfung ablegte, mussten Meister des Kfz-Handwerks noch beweisen, dass sie in der Lage sind, Spezialwerkzeuge und Ersatzteile selbst herzustellen. Ein Meisterstück von Hermann Riechmann war denn auch ein Polrad-Abzieher für die Instandsetzung von Lichtmaschinen.

Über den Eisernen Meisterbrief freut sich Kraftfahrzeugmechanikermeister Hermann Riechmann. Überreicht wurde die Urkunde von Obermeister Karl-Friedrich Plönges (rechts) und Manuel Dierks (links), Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Wittekindsland. Foto: Christian Weber - © Christian WeberPressebuero C. Weber0571-9739111
Über den Eisernen Meisterbrief freut sich Kraftfahrzeugmechanikermeister Hermann Riechmann. Überreicht wurde die Urkunde von Obermeister Karl-Friedrich Plönges (rechts) und Manuel Dierks (links), Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Wittekindsland. Foto: Christian Weber - © Christian WeberPressebuero C. Weber0571-9739111

Und da damals die Ersatzteilversorgung für Autos auch noch nicht auf dem heutigen hohen Niveau lag, hatte Riechmann zudem für einen Sechszylinger-Wanderermotor die Kurbelwelle neu zu lagern – wobei er die Lager selbst gießen und weiter bearbeiten musste.

„Als unser Jubilar seine Meisterprüfung ablegte, war ich zwei Tage alt“, verriet Obermeister Plönges und verdeutlichte, wie sich die Zeiten inzwischen geändert haben: Die heutigen Kfz-Mechatroniker haben nur noch wenig mit Materialbearbeitung zu tun – dafür sind sie in der Diagnose per Computer stärker gefordert.

Als Riechmann 1947 im Autohaus Möller in Minden in die Lehre kam und danach als Geselle bei DKW Kaspar tätig wurde, war an so viel Elektronik im Auto gar nicht zu denken. Ohnehin gab es den Beruf des Kfz-Mechanikers damals erst seit 13 Jahren als eigenständiges Handwerk.

Die Anfänge des Kfz-Gewerbes sind laut Hermann Riechmann im Schmiedehandwerk entstanden, das die ersten Fahrwerke schuf.

Dazu kamen die Arbeiten von Schlossern, Stellmachern, Polsterern, Elektrikern, Glasern und Lackierern.

Als Kraftfahrzeugmeister wurde der heutige Jubilar in der Firma Rumpf in Minden tätig und kümmerte sich dabei um die Ausbildung der Lehrlinge. Als die Firma Rumpf aus Altersgründen 1967 geschlossen wurde, wechselte Riechmann in die Werkstatt des Bauhofes des Kreises Minden-Lübbecke und betreute den Fuhrpark.

Im Juli 1995 wechselte der Jubilar schließlich in den Ruhestand und weiß noch viele Geschichten zu erzählen aus der Zeit, als ein Käfer noch Luxus war– sozusagen ein vollwertiges Auto im Vergleich zum Messerschmitt-Kabinenroller oder der BMW Isetta, die vielen Menschen zu jener Zeit einen relativ kostengünstigen Einstieg in die Automobilität ermöglichten.

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