Als Rasenmäher gefragt: Andreas Reckeweg züchtet Scottish Blackface Schafe Claudia Hyna Petershagen-Ovenstädt. Mit Kälte und Schnee wie in den vergangenen Tagen kommen seine Schafe bestens zurecht, sagt Halter Andreas Reckeweg. Und wenn es ihnen zu ungemütlich wird, kuscheln die tapsigen Lämmer unter dem Wollkleid ihrer Mutter. Temperaturen von mehr als 30 Grad machen den Tieren dagegen zu schaffen. „Dann würden sie wohl am liebsten in den Stall gehen.“ Dorthin geht es auch in wenigen Wochen, denn die jährliche Prozedur der Schur steht an. Dann macht sich die gesamte Familie Reckeweg auf den Weg, um die Herde aus Kleinenheerse rund drei Kilometer nach Ovenstädt zu treiben. Dafür muss die Straße gesperrt werden. Danach geht es wieder zurück auf die Weiden ins benachbarte Niedersachsen – immer dahin, wo das Gras gerade am grünsten ist. Seine Schafe seien als natürliche Rasenmäher sehr gefragt, berichtet Reckeweg. Ab April, Mai häufen sich die Angebote von Grünlandbesitzern. Da könnten seine Tiere am liebsten an zahlreichen Stellen gleichzeitig sein. Denn ein Einsatz von Maschinen führe zur Verdichtung des Bodens, Tiere üben da weniger Druck aus. So geht natürliche Landschaftspflege. Bei den Flächen, die seine Herde nutzt, handelt es häufig um Baulücken, bei denen die Eigentümer das Gras kurz halten möchten. Im nächsten Jahr sind diese oft wieder verschwunden, dann tun sich neue Flächen auf. Nach rund zwei Wochen ist eine Weide abgegrast, dann ziehen die Schafe weiter. Seinen Lebensunterhalt verdient Andreas Reckeweg als Verwaltungsmitarbeiter im Personalbereich. Doch schon als Kind hatte er mit Schafen zu tun und war häufig mit einem Schäfer unterwegs, erklärt der 53-Jährige sein tierisches Hobby. Auf einer 2.000 Quadratmeter großen Wiese an seinem Haus fühlen sich auch Enten und Hühner wohl. Aufs Schaf gekommen sind seine Familie und er vor gut 20 Jahren. Es begann mit zwei Tieren der aussterbenden Nutztierrasse weiße gehörnte Heidschnucken. In einem Irlandurlaub sei er dann inspiriert worden, erzählt er im MT-Gespräch. Dort habe er gesehen, dass viele Halter die Heidschnucken mit Scottish-Blackface-Schafen kreuzten. Kurzerhand besorgte er sich einen Bock und tat es ihnen nach. Am Ende gefielen ihm die „Blackys“ so gut, dass er damit begann, die Rasse in reiner Form zu züchten. „Mit ihren schwarzen und bunten Köpfen sind sie schön anzusehen.“ Dazu gesellten sich einige Kreuzungen. Momentan besteht die Herde aus 14 Mutterschafen, einem Bock und 18 Lämmern. Ungewöhnlich in diesem Jahr: Viele Schafe, die normalerweise nur ein Lamm zur Welt bringen, haben Zwillinge geboren. Aus der Moorschäferei kommt die Nachricht von auffallend vielen Drillingen. Und auch das ist Natur: In diesem Jahr waren zwei tote Lämmer dabei. Ein anderes wollte nicht so recht auf die Beine kommen. Mit einer Aufbauspritze vom Tierarzt konnte es gerettet werden und springt jetzt munter auf der Wiese umher. Er habe auch schon ein Lamm mit der Flasche aufgezogen, wenn die Mutter ihr Junges nicht annimmt. Ein bis zwei besonders schöne, geeignete Tiere greift Reckeweg zum Züchten heraus. Einen Anhaltspunkt liefert etwa der Hornansatz. An der Entwicklung insgesamt ließe sich eine gute Genetik erkennen, sagt der Ovenstädter. Die Rasse der Scottish Blackface sei allgemein „dicht an der Natur“. Die restlichen Lämmer bringt er im September zur Landschlachterei Fehling in Eldagsen, das Fleisch ist für den Eigenbedarf und für Bekannte. Zwar betreibt der Ovenstädter Haltung und Züchtung als Hobby – das heißt aber nicht, dass es nicht mit Arbeit verbunden ist. Eigentlich reiche es aus, alle zwei Tage nach den Tieren zu sehen, meint er. Meistens würde er jedoch vor und nach seiner Arbeit nach dem Rechten schauen. Während die Schafe normalerweise ruhig vor sich hin grasen, beginnen sie bei seinem Eintreffen sofort mit der Blökerei. Lämmer nehmen Anlauf und hüpfen übermütig über die Mutterschafe oder lassen sich auf deren Rücken tragen. Derweil ist der Bock die Ruhe selbst und macht ab und zu mit einem sehr tiefen und sehr heiseren Mäh auf sich aufmerksam. Häufig fährt der elf Monate alte Border Collie Sykes mit zur Schafweide. Derzeit bereitet Reckeweg ihn auf seinen Job als Hütehund vor, bald beginnt auch die Hundeschule. Immer wieder kämen Kinder vorbei und möchten die Schafe streicheln. Davon hält Reckeweg nichts. „Das sind doch keine Schoßtiere.“ Auch sollten die Schafe nicht gefüttert werden. Er habe des öfteren Probleme gehabt, dass die Schafe danach erkrankten, einige seien gestorben. Eine Vermenschlichung der Tiere sei nicht angebracht, sagt Reckeweg. „Dieses Wissen geht immer mehr verloren – weil immer weniger Menschen sich mit Tierhaltung befassen.“

Als Rasenmäher gefragt: Andreas Reckeweg züchtet Scottish Blackface Schafe

Andreas Reckeweg züchtet seit gut 20 Jahren hobbymäßig Schafe. Die jüngsten Tiere der Herde kamen vor gut zwei Wochen zur Welt, die ältesten sind neun Jahre alt. MT-Fotos: Alex Lehn © lehn

Petershagen-Ovenstädt. Mit Kälte und Schnee wie in den vergangenen Tagen kommen seine Schafe bestens zurecht, sagt Halter Andreas Reckeweg. Und wenn es ihnen zu ungemütlich wird, kuscheln die tapsigen Lämmer unter dem Wollkleid ihrer Mutter. Temperaturen von mehr als 30 Grad machen den Tieren dagegen zu schaffen. „Dann würden sie wohl am liebsten in den Stall gehen.“

Dorthin geht es auch in wenigen Wochen, denn die jährliche Prozedur der Schur steht an. Dann macht sich die gesamte Familie Reckeweg auf den Weg, um die Herde aus Kleinenheerse rund drei Kilometer nach Ovenstädt zu treiben. Dafür muss die Straße gesperrt werden. Danach geht es wieder zurück auf die Weiden ins benachbarte Niedersachsen – immer dahin, wo das Gras gerade am grünsten ist.

Bereits mit zwei Wochen beginnen die Lämmer, Gras zu fressen. Ansonsten verbringen sie die Zeit mit spielen und kuscheln. - © lehn
Bereits mit zwei Wochen beginnen die Lämmer, Gras zu fressen. Ansonsten verbringen sie die Zeit mit spielen und kuscheln. - © lehn

Seine Schafe seien als natürliche Rasenmäher sehr gefragt, berichtet Reckeweg. Ab April, Mai häufen sich die Angebote von Grünlandbesitzern. Da könnten seine Tiere am liebsten an zahlreichen Stellen gleichzeitig sein. Denn ein Einsatz von Maschinen führe zur Verdichtung des Bodens, Tiere üben da weniger Druck aus. So geht natürliche Landschaftspflege. Bei den Flächen, die seine Herde nutzt, handelt es häufig um Baulücken, bei denen die Eigentümer das Gras kurz halten möchten. Im nächsten Jahr sind diese oft wieder verschwunden, dann tun sich neue Flächen auf. Nach rund zwei Wochen ist eine Weide abgegrast, dann ziehen die Schafe weiter.

Seinen Lebensunterhalt verdient Andreas Reckeweg als Verwaltungsmitarbeiter im Personalbereich. Doch schon als Kind hatte er mit Schafen zu tun und war häufig mit einem Schäfer unterwegs, erklärt der 53-Jährige sein tierisches Hobby. Auf einer 2.000 Quadratmeter großen Wiese an seinem Haus fühlen sich auch Enten und Hühner wohl. Aufs Schaf gekommen sind seine Familie und er vor gut 20 Jahren. Es begann mit zwei Tieren der aussterbenden Nutztierrasse weiße gehörnte Heidschnucken. In einem Irlandurlaub sei er dann inspiriert worden, erzählt er im MT-Gespräch. Dort habe er gesehen, dass viele Halter die Heidschnucken mit Scottish-Blackface-Schafen kreuzten. Kurzerhand besorgte er sich einen Bock und tat es ihnen nach. Am Ende gefielen ihm die „Blackys“ so gut, dass er damit begann, die Rasse in reiner Form zu züchten. „Mit ihren schwarzen und bunten Köpfen sind sie schön anzusehen.“ Dazu gesellten sich einige Kreuzungen.

Momentan besteht die Herde aus 14 Mutterschafen, einem Bock und 18 Lämmern. Ungewöhnlich in diesem Jahr: Viele Schafe, die normalerweise nur ein Lamm zur Welt bringen, haben Zwillinge geboren. Aus der Moorschäferei kommt die Nachricht von auffallend vielen Drillingen. Und auch das ist Natur: In diesem Jahr waren zwei tote Lämmer dabei. Ein anderes wollte nicht so recht auf die Beine kommen. Mit einer Aufbauspritze vom Tierarzt konnte es gerettet werden und springt jetzt munter auf der Wiese umher. Er habe auch schon ein Lamm mit der Flasche aufgezogen, wenn die Mutter ihr Junges nicht annimmt.

Ein bis zwei besonders schöne, geeignete Tiere greift Reckeweg zum Züchten heraus. Einen Anhaltspunkt liefert etwa der Hornansatz. An der Entwicklung insgesamt ließe sich eine gute Genetik erkennen, sagt der Ovenstädter. Die Rasse der Scottish Blackface sei allgemein „dicht an der Natur“. Die restlichen Lämmer bringt er im September zur Landschlachterei Fehling in Eldagsen, das Fleisch ist für den Eigenbedarf und für Bekannte.

Zwar betreibt der Ovenstädter Haltung und Züchtung als Hobby – das heißt aber nicht, dass es nicht mit Arbeit verbunden ist. Eigentlich reiche es aus, alle zwei Tage nach den Tieren zu sehen, meint er. Meistens würde er jedoch vor und nach seiner Arbeit nach dem Rechten schauen. Während die Schafe normalerweise ruhig vor sich hin grasen, beginnen sie bei seinem Eintreffen sofort mit der Blökerei. Lämmer nehmen Anlauf und hüpfen übermütig über die Mutterschafe oder lassen sich auf deren Rücken tragen. Derweil ist der Bock die Ruhe selbst und macht ab und zu mit einem sehr tiefen und sehr heiseren Mäh auf sich aufmerksam. Häufig fährt der elf Monate alte Border Collie Sykes mit zur Schafweide. Derzeit bereitet Reckeweg ihn auf seinen Job als Hütehund vor, bald beginnt auch die Hundeschule.

Immer wieder kämen Kinder vorbei und möchten die Schafe streicheln. Davon hält Reckeweg nichts. „Das sind doch keine Schoßtiere.“ Auch sollten die Schafe nicht gefüttert werden. Er habe des öfteren Probleme gehabt, dass die Schafe danach erkrankten, einige seien gestorben. Eine Vermenschlichung der Tiere sei nicht angebracht, sagt Reckeweg. „Dieses Wissen geht immer mehr verloren – weil immer weniger Menschen sich mit Tierhaltung befassen.“

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