AfD-Bürgermeisterkandidat: Alle Details zur Untreue-Verurteilung von Jürgen Sprick Patrick Schwemling,Hartmut Nolte Petershagen/Espelkamp. Der aus Petershagen stammende AfD-Bürgermeisterkandidat Jürgen Sprick ist im Mai wegen Untreue in 35 Fällen verurteilt worden. Mit einer zweijährigen Haftstrafe – ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung – hat das Schöffengericht Minden die eigenwillig-kreative Buchführung des AfD-Politikers als Hausverwalter bewertet. Sprick hat als Konsequenz daraus sein Amt als Kreisschatzmeister der Partei am Mittwoch zur Verfügung gestellt. Unklar blieb zunächst, ob Sprick, der auch in Petershagen für den Stadtrat kandidiert, gleichzeitig von sich aus von seiner Kandidatur für das Bürgermeisteramt in Espelkamp zurücktritt. „Als kommissarische Kreisschatzmeisterin wurde Frau Sylke Rolfsmeyer gewählt", erklärte der AfD-Kreisvorsitzende Sebastian Landwehr am Mittwochabend. Landwehr schrieb dazu in seiner Pressemitteilung: „Die Vertrauensleute für die Bürgermeisteraufstellung in Espelkamp erklärten, dass sie Einspruch gegen den Wahlvorschlag Jürgen Sprick einreichen werden. Die Entscheidung darüber liegt beim Kreiswahlleiter." Zurück zum Fall: Dem 61-Jährigen Versicherungsfachmann hatte eine Erbengemeinschaft 2012 die Verwaltung ihres Mehrfamilienhauses übertragen, quasi komplett mit einer Generalvollmacht auch über das Hauskonto. Die Gutgläubigkeit der Eigentümer erleichterte ihm seine virtuelle Buchführung über Jahre hinweg. Denn sein eigenes Einkommen hatte sich durch einen nicht ganz unfreiwilligen Verlust des Jobs fast auf Null reduziert. Statt 3.000 Euro monatlich hatte Sprick seit 2016 nur noch die Verwaltervergütung von etwas mehr als 100 Euro. Aber da waren ja noch die Mieteinnahmen auf dem Hauskonto. In der Verhandlung kam heraus, dass der AfD-Politiker davon nicht dauerhaft etwas abzwacken wollte. Der Familienhaushalt wurde hauptsächlich vom Einkommen seiner Frau bestritten. Vielmehr versuchte Sprick, so ergab es die Verhandlung, kurzfristige Engpässe zu überbrücken. Er hob vom Hauskonto Beträge zwischen 100 und 4.000 Euro entweder in bar oder durch Überweisung auf sein Privatkonto bei der gleichen Bank ab. 35 Mal habe er diese rechtlich als Untreue gewerteten Transaktionen in der Zeit von 2014 bis April 2019 vorgenommen. Die entnommenen Beträge wurden mit zeitlicher Verzögerung von meist einem Monat wieder eingezahlt. Oft wurde eine Rückzahlung mit der nächsten Auszahlung finanziert. Das bezeichnetete der Staatsanwalt seinerzeit als „eine Art Schneeballsystem”. Allerdings ein System mit Risiko: Was passiert, wenn mal die Rückzahlung ausbleiben muss? Wenn es tatsächlich nur zur kurzfristigen Überbrückung sein sollte, musste es im Hintergrund eine Sicherheit geben, mit der ein eventuell wachsender Fehlbetrag auszugleichen wäre? Da kam die virtuelle Buchführung von AfD-Politiker Sprick ins Spiel. Seinem Bruder hatte er seinerzeit eine Lebensversicherung verkauft, auf der 28.000 Euro angesammelt worden waren. Die rechnete er den Abbuchungen vom Hausverwaltungskonto gegen. Die Erbengemeinschaft habe davon nichts gewusst, sagte Sprick in der Verhandlung im Mai. Eingezahlt auf das Lebensversicherungskonto hatte er aber keinen Cent. Die Doppelbuchungen gab es nur in seinem Kopf, räumte er vor Gericht ein. Richtig verwerflich schien Jürgen Sprick dieses System nicht zu finden. Das Gericht aber schon. Er habe keine Erlaubnis der Hauseigentümer für Abhebungen für persönliche Zwecke gehabt und die verbotene Einnahmequelle gewerbsmäßig auf Dauer angelegt. Zwar seien die Taten durch Leichtgläubigkeit der Hauseigentümer erleichtert und der materielle Schaden im Wesentlichen ausgeglichen worden. Aber Sprick habe das Unrecht seines Handelns nicht eingesehen. Daher müsste er eigentlich zwei Jahre ins Gefängnis, aber weil er bis auf einen Vorfall aus 2018 vorstrafenfrei ist, wurde das zur Bewährung auf drei Jahre ausgesetzt. Spürbar werden ließ ihn das Gericht die verhängte Strafe durch die Auflage von 150 Arbeitsstunden innerhalb von neun Monaten für einen gemeinnützigen Zweck.

AfD-Bürgermeisterkandidat: Alle Details zur Untreue-Verurteilung von Jürgen Sprick

Petershagen/Espelkamp. Der aus Petershagen stammende AfD-Bürgermeisterkandidat Jürgen Sprick ist im Mai wegen Untreue in 35 Fällen verurteilt worden. Mit einer zweijährigen Haftstrafe – ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung – hat das Schöffengericht Minden die eigenwillig-kreative Buchführung des AfD-Politikers als Hausverwalter bewertet. Sprick hat als Konsequenz daraus sein Amt als Kreisschatzmeister der Partei am Mittwoch zur Verfügung gestellt. Unklar blieb zunächst, ob Sprick, der auch in Petershagen für den Stadtrat kandidiert, gleichzeitig von sich aus von seiner Kandidatur für das Bürgermeisteramt in Espelkamp zurücktritt.

Der aus Petershagen stammende AfD-Bürgermeisterkandidat Jürgen Sprick ist im Mai 2020 wegen Untreue verurteilt worden. - © Foto: MT-Archiv
Der aus Petershagen stammende AfD-Bürgermeisterkandidat Jürgen Sprick ist im Mai 2020 wegen Untreue verurteilt worden. - © Foto: MT-Archiv

„Als kommissarische Kreisschatzmeisterin wurde Frau Sylke Rolfsmeyer gewählt", erklärte der AfD-Kreisvorsitzende Sebastian Landwehr am Mittwochabend. Landwehr schrieb dazu in seiner Pressemitteilung: „Die Vertrauensleute für die Bürgermeisteraufstellung in Espelkamp erklärten, dass sie Einspruch gegen den Wahlvorschlag Jürgen Sprick einreichen werden. Die Entscheidung darüber liegt beim Kreiswahlleiter."

Zurück zum Fall: Dem 61-Jährigen Versicherungsfachmann hatte eine Erbengemeinschaft 2012 die Verwaltung ihres Mehrfamilienhauses übertragen, quasi komplett mit einer Generalvollmacht auch über das Hauskonto. Die Gutgläubigkeit der Eigentümer erleichterte ihm seine virtuelle Buchführung über Jahre hinweg. Denn sein eigenes Einkommen hatte sich durch einen nicht ganz unfreiwilligen Verlust des Jobs fast auf Null reduziert.

Statt 3.000 Euro monatlich hatte Sprick seit 2016 nur noch die Verwaltervergütung von etwas mehr als 100 Euro. Aber da waren ja noch die Mieteinnahmen auf dem Hauskonto. In der Verhandlung kam heraus, dass der AfD-Politiker davon nicht dauerhaft etwas abzwacken wollte. Der Familienhaushalt wurde hauptsächlich vom Einkommen seiner Frau bestritten. Vielmehr versuchte Sprick, so ergab es die Verhandlung, kurzfristige Engpässe zu überbrücken.

Er hob vom Hauskonto Beträge zwischen 100 und 4.000 Euro entweder in bar oder durch Überweisung auf sein Privatkonto bei der gleichen Bank ab. 35 Mal habe er diese rechtlich als Untreue gewerteten Transaktionen in der Zeit von 2014 bis April 2019 vorgenommen. Die entnommenen Beträge wurden mit zeitlicher Verzögerung von meist einem Monat wieder eingezahlt. Oft wurde eine Rückzahlung mit der nächsten Auszahlung finanziert.

Das bezeichnetete der Staatsanwalt seinerzeit als „eine Art Schneeballsystem”. Allerdings ein System mit Risiko: Was passiert, wenn mal die Rückzahlung ausbleiben muss? Wenn es tatsächlich nur zur kurzfristigen Überbrückung sein sollte, musste es im Hintergrund eine Sicherheit geben, mit der ein eventuell wachsender Fehlbetrag auszugleichen wäre?

Da kam die virtuelle Buchführung von AfD-Politiker Sprick ins Spiel. Seinem Bruder hatte er seinerzeit eine Lebensversicherung verkauft, auf der 28.000 Euro angesammelt worden waren. Die rechnete er den Abbuchungen vom Hausverwaltungskonto gegen. Die Erbengemeinschaft habe davon nichts gewusst, sagte Sprick in der Verhandlung im Mai. Eingezahlt auf das Lebensversicherungskonto hatte er aber keinen Cent. Die Doppelbuchungen gab es nur in seinem Kopf, räumte er vor Gericht ein.

Richtig verwerflich schien Jürgen Sprick dieses System nicht zu finden. Das Gericht aber schon. Er habe keine Erlaubnis der Hauseigentümer für Abhebungen für persönliche Zwecke gehabt und die verbotene Einnahmequelle gewerbsmäßig auf Dauer angelegt.

Zwar seien die Taten durch Leichtgläubigkeit der Hauseigentümer erleichtert und der materielle Schaden im Wesentlichen ausgeglichen worden. Aber Sprick habe das Unrecht seines Handelns nicht eingesehen. Daher müsste er eigentlich zwei Jahre ins Gefängnis, aber weil er bis auf einen Vorfall aus 2018 vorstrafenfrei ist, wurde das zur Bewährung auf drei Jahre ausgesetzt.

Spürbar werden ließ ihn das Gericht die verhängte Strafe durch die Auflage von 150 Arbeitsstunden innerhalb von neun Monaten für einen gemeinnützigen Zweck.

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