Abgehoben: Schwimmender Kran lässt hundert Tonnen schweren Stauverschluss schweben Oliver Plöger Petershagen. Die Anspannung ist spürbar. Dass es klappen muss, steht Johann Hagedorn von der Firma Nyblad ins Gesicht geschrieben. Ein paar Nächte habe er tatsächlich nicht geschlafen, sagt er. Und jede Stunde koste Geld. Erst die Verzögerungen um eine ganze Woche durch das Sturmtief Eugen, dann das Wochenende, an dem die holländische Besatzung des Kranschiffs nicht arbeiten durfte, jetzt die endlos wirkenden Minuten, bis es losgehen kann. Da freut man sich, wenn der entscheidende Elektriker für die letzten Schaltungen das Wehr betritt. Wenig später werden die Kommandos lauter, die Seile spannen sich an, geben schonmal Druck auf die Haken, an denen nach der Nachtschicht nun der Verschlusskörper hängt. Nachdem die letzte Arbeitsbühne entfernt ist, geht es im Zeitlupentempo nach oben. Diplom-Ingenieur Hagedorn ist zufrieden – und kann damit rechnen, das seine Firma und speziell dieses Team noch häufiger an und auf der Weser zu tun hat. Den Vorgeschmack hatte es tags zuvor gegeben: Die 16 Tonnen schwere Fischbauchklappe musste aus dem Stauwehr gezogen werden. Sie reguliert den Wasserstand innerhalb der Anlage, wie Pressesprecher Jens Köhne vom Wasser- und Schifffahrtsamt Weser (WSA) weiß. Der eigentliche Verschlusskörper – ungefähr hundert Tonnen schwer und 30 Meter lang – war dann die Mammutaufgabe für Mittwoch. Und auch die ist in Gemeinschaftsarbeit von WSA, Nyblad aus Papenburg und dem holländischen Kranschiffs samt Besatzung gelöst worden. Das Schiff selbst sieht auf den ersten Blick wie eine tiefergelegte Ölplattform aus, ist selbstfahrend, mit abnehmbaren Pontons ausgestattet und hat noch zwei Schlepper zur Unterstützung dabei. „Man muss sich das mal bildlich vorstellen: Hundert Kleinwagen hängen da dran“, sagt Köhne, als der Verschlusskörper über die Weser schwebt. Und eigentlich könnte das Schiff sogar noch schwerere Lasten tragen, bis zu 300 Tonnen. „Ja“, sagt Jens Köhne, „ich glaube, das können in dieser Form nur die Holländer.“ Bewährt hatte sich das Team zuvor bereits an der Staustufe in Drakenburg, an der ebenfalls der Verschlusskörper ausgebaut werden musste. Doch wie geht es jetzt hier in Petershagen weiter? Das bereitstehende Frachtschiff bringt die Stahlkonstruktion nach Papenburg, bei Nyblad werden 650 Nietverbindungen erneuert, es gibt eine dreilagigen Korrosionsschutz, alle Lager, alle Dichtungen werden ausgetauscht. Im Oktober will die Mannschaft dann wieder vor Ort sein und das „Schätzchen“ einbauen – rechtzeitig zur Hochwassersaison. Gestaut wird die Weser derweil durch einen Revisionsverschluss, der bei regelmäßigen Wartungsarbeiten und Bauwerkkontrollen immer zum Einsatz kommt. „Das ist unser gängiges System“, sagt Uwe Rohde, Außenbezirksleiter beim WSA in Windheim. Auch er verfolgt die Arbeiten gebannt – das in die Jahre gekommene Bauwerk gehört zu seinem direkten Arbeitsbereich. Eine Sanierung wie in dieser Form hat auch er an dieser Stauwehranlage noch nicht erlebt. Fachbereichsleiter Thomas Lippel, ebenfalls WSA, macht es deutlich: „Die Wehranlage Petershagen ist seit der Inbetriebnahme in den 50er-Jahren ohne Unterbrechung im Einsatz. Es ist an der Zeit, den Stahlbau zu sanieren.“ Was aktuell am Stauwehr passiert, ist aber lediglich der Anfang: Für 2022 ist die Instandsetzung des linken Verschlusskörpers geplant. Das Prozedere also wiederholt sich. Danach sollten die Verschlusskörper wieder normal im Einsatz sein. Mindestens 30 Jahre, wie es vom WSA heißt.

Abgehoben: Schwimmender Kran lässt hundert Tonnen schweren Stauverschluss schweben

Der Verschlusskörper wird im Zeitlupentempo aus dem Wehr gehoben und dann komplett nach Papenburg verschifft. MT-Fotos: Oliver Plöger © Plöger

Petershagen. Die Anspannung ist spürbar. Dass es klappen muss, steht Johann Hagedorn von der Firma Nyblad ins Gesicht geschrieben. Ein paar Nächte habe er tatsächlich nicht geschlafen, sagt er. Und jede Stunde koste Geld. Erst die Verzögerungen um eine ganze Woche durch das Sturmtief Eugen, dann das Wochenende, an dem die holländische Besatzung des Kranschiffs nicht arbeiten durfte, jetzt die endlos wirkenden Minuten, bis es losgehen kann. Da freut man sich, wenn der entscheidende Elektriker für die letzten Schaltungen das Wehr betritt. Wenig später werden die Kommandos lauter, die Seile spannen sich an, geben schonmal Druck auf die Haken, an denen nach der Nachtschicht nun der Verschlusskörper hängt. Nachdem die letzte Arbeitsbühne entfernt ist, geht es im Zeitlupentempo nach oben. Diplom-Ingenieur Hagedorn ist zufrieden – und kann damit rechnen, das seine Firma und speziell dieses Team noch häufiger an und auf der Weser zu tun hat.

Den Vorgeschmack hatte es tags zuvor gegeben: Die 16 Tonnen schwere Fischbauchklappe musste aus dem Stauwehr gezogen werden. Sie reguliert den Wasserstand innerhalb der Anlage, wie Pressesprecher Jens Köhne vom Wasser- und Schifffahrtsamt Weser (WSA) weiß. Der eigentliche Verschlusskörper – ungefähr hundert Tonnen schwer und 30 Meter lang – war dann die Mammutaufgabe für Mittwoch. Und auch die ist in Gemeinschaftsarbeit von WSA, Nyblad aus Papenburg und dem holländischen Kranschiffs samt Besatzung gelöst worden.

Das Schiff selbst sieht auf den ersten Blick wie eine tiefergelegte Ölplattform aus, ist selbstfahrend, mit abnehmbaren Pontons ausgestattet und hat noch zwei Schlepper zur Unterstützung dabei. „Man muss sich das mal bildlich vorstellen: Hundert Kleinwagen hängen da dran“, sagt Köhne, als der Verschlusskörper über die Weser schwebt. Und eigentlich könnte das Schiff sogar noch schwerere Lasten tragen, bis zu 300 Tonnen. „Ja“, sagt Jens Köhne, „ich glaube, das können in dieser Form nur die Holländer.“ Bewährt hatte sich das Team zuvor bereits an der Staustufe in Drakenburg, an der ebenfalls der Verschlusskörper ausgebaut werden musste.

Doch wie geht es jetzt hier in Petershagen weiter? Das bereitstehende Frachtschiff bringt die Stahlkonstruktion nach Papenburg, bei Nyblad werden 650 Nietverbindungen erneuert, es gibt eine dreilagigen Korrosionsschutz, alle Lager, alle Dichtungen werden ausgetauscht. Im Oktober will die Mannschaft dann wieder vor Ort sein und das „Schätzchen“ einbauen – rechtzeitig zur Hochwassersaison.

Gestaut wird die Weser derweil durch einen Revisionsverschluss, der bei regelmäßigen Wartungsarbeiten und Bauwerkkontrollen immer zum Einsatz kommt. „Das ist unser gängiges System“, sagt Uwe Rohde, Außenbezirksleiter beim WSA in Windheim. Auch er verfolgt die Arbeiten gebannt – das in die Jahre gekommene Bauwerk gehört zu seinem direkten Arbeitsbereich. Eine Sanierung wie in dieser Form hat auch er an dieser Stauwehranlage noch nicht erlebt. Fachbereichsleiter Thomas Lippel, ebenfalls WSA, macht es deutlich: „Die Wehranlage Petershagen ist seit der Inbetriebnahme in den 50er-Jahren ohne Unterbrechung im Einsatz. Es ist an der Zeit, den Stahlbau zu sanieren.“ Was aktuell am Stauwehr passiert, ist aber lediglich der Anfang: Für 2022 ist die Instandsetzung des linken Verschlusskörpers geplant. Das Prozedere also wiederholt sich. Danach sollten die Verschlusskörper wieder normal im Einsatz sein. Mindestens 30 Jahre, wie es vom WSA heißt.

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